{"id":408,"date":"2009-02-15T19:44:27","date_gmt":"2009-02-15T18:44:27","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=408"},"modified":"2017-10-22T13:10:02","modified_gmt":"2017-10-22T11:10:02","slug":"antiquitaten-in-luxemburg-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=408","title":{"rendered":"Antiquit\u00e4ten in Luxemburg, 2009"},"content":{"rendered":"<p>Ich muss \u00fcber die Messen eigentlich nicht immer schreiben, denn prinzipiell l\u00e4uft da ja immer das gleiche, und von der Messe selbst bekomme ich ja nichts zu sehen, au\u00dfer im schnellen Vorbeigehen.<\/p>\n<p>Irgendwo muss bei den Vor- und Nachbereitungen dieses Jahr allerdings der Wurm drin gewesen sein, und ich kann nicht einmal sagen, wo. Die Vorbereitungen, also das Aussuchen geeigneter Ware, deren Erfassung und Verladung, dauerte ebenso lang wie sonst auch, allerdings war unschwer festzustellen, dass wir nur halb so viele Teppiche mitnahmen, als sonst \u00fcblich, und auch die gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftigen Buddhastatuen, die wir auf Kommission im Laden haben, blieben genau dort. Die einzige Verzierung, die mitgenommen wurde, war eine Schnitzerei aus Teak.<\/p>\n<p>Ah ja, da war doch was! Nat\u00fcrlich&#8230; die Holzleisten, an denen die Teppiche aufgeh\u00e4ngt werden, sollten neu gestrichen werden, und das zog sich ein bisschen l\u00e4nger, als ich erhofft hatte. In Abwesenheit von technischen Hilfsmitteln, abgesehen von zwei Brettern als Unterlage und einem Pinsel, und handwerklicher Eignung fiel mir keine bessere L\u00f6sung ein, als die Bretter halb-und-halb zu streichen, das hei\u00dft, zuerst eine breite und eine schmale Seite, trocknen lassen, dann die andere breite und die andere schmale Seite, zuz\u00fcglich der Au\u00dfenkanten, wieder trocknen lassen. Der wasserl\u00f6sliche Lack versprach, innerhalb von etwa einer Stunde trocken zu sein, aber damit war&#8217;s ja wohl nichts. Um 1715, also eine dreiviertel Stunde vor Feierabend, war sonnenklar, dass der Lack keineswegs so zeitig trocken werden w\u00fcrde, dass ich alle Bretter am selben Tag behandeln konnte.<\/p>\n<p>Stattdessen trat die \u00e4ltere Tochter des Hauses mit der Bitte an mich heran, ihre Hausarbeit zum Thema B\u00fcchner auf Fehler durchzusehen. Das dauerte dann bis sieben Uhr und ich glaube, dass die Arbeit zu dem Zeitpunkt weitgehend rot war. Nicht, dass ich von B\u00fcchner \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel verstehen w\u00fcrde, aber wenn es um Ausdrucksweise, Wortwahl, Wiederholungen, und Verst\u00e4ndlichkeit geht, kann ich sehr wohl einen Kommentar dazu abgeben. Ich habe allerdings davon abgesehen, diese T\u00e4tigkeit als Arbeitszeit zu berechnen. Man ist in dem Laden immer fair zu mir gewesen, also will ich es auch sein.<\/p>\n<p>Die Bretter brauchten dann also einen Tag l\u00e4nger, und wof\u00fcr mir keine L\u00f6sung eingefallen ist, war das Problem, wie ich die letzte schmale Kante ohne Lackschaden hinbekommen w\u00fcrde. In den Brettern befinden sich n\u00e4mlich Schraubhaken, oder wie auch immer das Zeug hei\u00dft &#8211; man schraubt sie ins Holz und befestigt das Brett damit an einer Auf\u00e4ngung an der Wand. Diese Haken mit Gewinde sind leider l\u00e4nger als die beiden Unterlagen dick sind,\u00a0 mit denen ich die neu lackierten Fl\u00e4chen vom Arbeitstisch trennte. Mit einer trockenen, <strong>breiten<\/strong> Seite konnte ich die Bretter jedenfalls nicht auflegen, weil dann der Platz auf dem Tisch nicht gereicht h\u00e4tte, also musste ich die frisch gestrichene Kante auf die Unterlage aufsetzen, und das absehbare Ergebnis war, dass der Lack verklebte und zum Teil noch offene Fl\u00e4chen existieren. Sie sind allerdings nicht gro\u00df und zu meinem Gl\u00fcck verschwinden die Bretter eh hinter den Teppichen, die verpfuschte Arbeit w\u00fcrde also niemand sehen.<\/p>\n<p>Die Messe dauerte dann von Freitag bis in den Montag hinein, dann wurde abgebaut. Ein kurzer Spaziergang zwischen den Ausstellungsfl\u00e4chen zeigte allerlei Antikes, oder auch nicht antikes. Da war ein Stand, der goldene und schwarze M\u00f6pse (Hunde), und daneben noch einmal ebensolche Pinguine ausstellte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Dinger ebenso alt wie h\u00e4sslich sind. Silber, hochpoliert bis zur Erblindung hier, dort reichlich gewachste M\u00f6bel, von deren Wachsgeruch einem schlecht werden k\u00f6nnte, dazwischen zwei Aussteller mit Ikonen, also Darstellungen von Heiligen, auf Bretter aufgemalt, aus Russland. Einen konkurrierenden Teppichstand gibt es ebenfalls seit Jahren, allerdings hat sich das Ehepaar auf afghanische Yomout spezialisiert, w\u00e4hrend der Gro\u00dfteil unserer alten Ware aus dem Kaukasus stammt.<\/p>\n<p>Als auf der Fahrt nach Luxemburg ein paar Schneeflocken durch die Luft tanzten, dachte ich mir noch nicht viel dabei, aber als der Aufbau dann begann, hatten wir schlagartig <strong><a title=\"Schneegest\u00f6ber\" href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=304\" target=\"_blank\">Saarbr\u00fccker Verh\u00e4ltnisse<\/a><\/strong>, um es mal so zu nennen.\u00a0 Die Teppiche mussten abgedeckt werden, was bis zum Anh\u00e4nger auch gut ging, aber dort mussten wir die Plane anheben, und der ebenfalls vorhandene, b\u00f6ige Wind tat sein bestes, die Abdeckplane wegzupusten. Und bei jedem Gang nach drau\u00dfen sammelte sich auf dieser Plane gen\u00fcgend Schnee, um mindestens drei Schneeb\u00e4lle zu formen.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des Abends lie\u00df der Schneefall allerdings mit dem Wind nach und es begann zu nieseln, was auch nicht so dolle war. Immerhin waren die Zufahrten des Messegel\u00e4ndes und auch die Autobahnen hervorragend gestreut. Zum Gl\u00fcck war ich wegen der Arbeit der vergangenen Tage nicht dazu gekommen, den Transporter zu waschen&#8230; das h\u00e4tte ich nach dem Wetter n\u00e4mlich gleich noch einmal machen k\u00f6nnen, um das Salz von den Oberfl\u00e4chen zu sp\u00fclen. Der Wetterbericht hatte vor Schnee gewarnt, allerdings war es das erste Mal, dass es zur Luxemburger Messe geschneit hatte. Zur Herbstmesse dann also Sturm und Hochwasser?<\/p>\n<p>Die R\u00fcckfahrt nach Trier ging also z\u00fcgiger von sich, als das im November aus Richtung Saarbr\u00fccken der Fall gewesen war. Die Chefin zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Messe, ich interpretiere also, dass zwei oder drei Exemplare verkauft worden sind &#8211; was bei der Art der Ware einige Monatsmieten bedeutet &#8211; und wohl auch einige andere Auftr\u00e4ge zur Beschaffung oder Reparatur ausgehandelt werden konnten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in Trier das \u00fcbliche Ausladen. M\u00f6glichst schnell und halbwegs ordentlich, damit in den kommenden Tagen die Liste abgehakt werden konnte, um die Teppiche dann wieder in ihre Stapel einzur\u00e4umen.<br \/>\nTheoretisch sollte das bei der relativ geringen Warenmenge nur einen Tag dauern, allerdings ergab es sich, dass man uns am Tag darauf gewisserma\u00dfen die Bude einrannte, weshalb das alles nicht so fertig wurde, wie es sollte, aber immerhin war das Ergebnis, dass ein paar weitere Tausend Euro als Umsatz erwirtschaftet werden konnten. Ein Ehepaar zum Beispiel suchte ein gro\u00dfes St\u00fcck f\u00fcr ein gro\u00dfes Wohnzimmer und hatte im Vorbeigehen am Laden zuf\u00e4llig das Exemplar entdeckt, f\u00fcr dessen Ausstellung sich Halina entschieden hatte, obwohl die Chefin eigentlich der Meinung war, dass er viel zu gro\u00df sei (3,50 x 2,50), um ernsthafte Chancen zu haben, verkauft zu werden. Aber da ging er hin und kam nicht wieder.<\/p>\n<p>In dieser Reihe von Ereignissen beeindruckend auch der gesch\u00e4ftliche Besuch bei einem pensionierten Trierer Zahnarzt mit einer wirklich imposanten Aussicht auf die Altstadt und einem ganzen Stall voll Enkelkinder. Der hatte vor 30 Jahren einen Gro\u00dfeinkauf get\u00e4tigt und wollte nun Reparaturen und W\u00e4sche vornehmen lassen. Der Adlerkazak alleine, der da so unschuldig an der Wand h\u00e4ngt, hatte anno dazumal 100.000 Deutsche Mark gekostet, und auch die \u00fcbrigen St\u00fccke waren von bester Qualit\u00e4t. Wer hat hierzulande auch schon einmal von einem armen Zahnarzt geh\u00f6rt?<br \/>\nSein Wohnzimmerafghane von \u00fcber vier mal drei Metern zeigte Anzeichen von Mottenfra\u00df (Motten lieben Afghanen, verschm\u00e4hen aber andere Teppiche weitgehend), und zu allem Ungl\u00fcck stellte er ebenda auch fest, dass der Teppich morsch ist &#8211; vermutlich das Ergebnis eines undichten Weihnachtsbaumtrogs. Also, alles einpacken, im Hof ausbreiten, desinfizieren, wieder einpacken, und zur W\u00e4scherei damit.<\/p>\n<p>Jetzt sollte der Alltagsbetrieb wieder einsetzen. Allerding ist f\u00fcr April mal wieder ein Vortrag in der Teppichgalerie geplant, und wenn ich mich nicht irre, dann kam das so:<br \/>\nVor langer Zeit hielt sich ein Student der FH, Abteilung Kunst, bei uns auf und hatte Erlaubnis, ein paar Teppiche zu fotografieren. Er wollte die Muster irgendwie verwerten. Binnen Jahresfrist folgten diesem Besuch zwei Vortr\u00e4ge der Chefin in der FH, in denen sie auf die Symbolik der alten Teppichmuster einging. Diese Vortr\u00e4ge inspirierten die FH-K\u00fcnstler scheinbar sehr und es folgte eine ganze Reihe von Projekten. Ich glaube, diese Projekte sollen dann im April vorgef\u00fchrt werden. Das erh\u00e4ltliche Vorabmaterial sieht auch nicht uninteressant aus, also bin ich sehr gespannt, was ich zu gegebenener Zeit dar\u00fcber berichten kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich muss \u00fcber die Messen eigentlich nicht immer schreiben, denn prinzipiell l\u00e4uft da ja immer das gleiche, und von der Messe selbst bekomme ich ja nichts zu sehen, au\u00dfer im schnellen Vorbeigehen. Irgendwo muss bei den Vor- und Nachbereitungen dieses Jahr allerdings der Wurm drin gewesen sein, und ich kann nicht einmal sagen, wo. 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