{"id":4070,"date":"2024-07-28T07:00:00","date_gmt":"2024-07-28T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4070"},"modified":"2024-07-24T16:09:40","modified_gmt":"2024-07-24T14:09:40","slug":"mittwoch-28-07-2004-der-zweite-laengste-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4070","title":{"rendered":"Mittwoch, 28.07.2004 \u2013 Der (zweite) l\u00e4ngste Tag!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute sind also gleich drei Klausuren f\u00e4llig&#8230; zwei f\u00fcr Japanisch und eine bei Dr. Hugosson. Es sind auch die einzigen, die ich \u00fcberhaupt schreiben muss, von daher sollte ich mich nicht zu laut beschweren. Kond\u00f4-sensei hat ja nur regelm\u00e4\u00dfige Anwesenheit und ein Referat erwartet, und das gleiche gilt f\u00fcr Kuramata-sensei, der eben einen reisrelevanten Vortrag haben wollte und das Thesenpapier dazu. Yamazaki-sensei gab sich in seinem Essay-Kurs mit der Masse an Hausaufgaben als Leistungskontrolle zufrieden, die wir im Laufe des Semesters verfassen mussten. Ich will wahrscheinlich gar nicht wissen, was bei diesen Japanischklausuren herausgekommen ist&#8230; die eine H\u00e4lfte der Aufgaben ist schrecklich leicht, die andere H\u00e4lfte sagt mir \u00fcberhaupt nichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kond\u00f4-sensei tut daraufhin in seiner Unterrichtszeit was sehr entspannendes und l\u00e4dt uns alle ins Schorum ein, wo es ja <em>\u201eAll you can drink\u201c<\/em> f\u00fcr 200 Yen gibt. Also Saft, Tee und Kaffee, so viel man trinken kann oder will, und das mit Klimaanlage. Wir haben sogar Gl\u00fcck und bekommen einen Tisch, an den auch sechs Leute passen, was zur Mittagszeit keineswegs \u00fcblich ist. Ich sehe Yuan an einem der anderen Tische sitzen und schlie\u00dfe aus ihrer Gesellschaft (drei Leute im Studentenalter und ein \u00e4lterer Herr), dass wohl auch andere Lehrkr\u00e4fte die gleiche Idee hatten.<br>Wir selbst machen nichts weiter kompliziertes, als uns gegenseitig Abschnitte aus einem Buch vorzulesen, das sich zweisprachig mit internen Ph\u00e4nomenen japanischer Betriebe auseinandersetzt, also mit Themen wie <em>\u201eMobbing\u201c<\/em> und <em>\u201eSexuelle Bel\u00e4stigung\u201c<\/em>, aber auch positive Dinge, wie <em>\u201eHochzeiten am Arbeitsplatz\u201c<\/em>. Uninteressant ist das nicht, aber ich finde nicht viel, was sehr Japan-spezifisch w\u00e4re. <br>Ein Punkt ist es bestimmt: Das Beispiel schildert den Fall eines mittleren Angestellten, der in eine Filiale am anderen Ende Japans versetzt wird. Das vorgestellte Problem dabei ist das aktuelle Schulsystem. Wenn dieser Angestellte ein Kind hat, das eine Oberschule besucht, wird er wahrscheinlich getrennt von seiner Familie leben m\u00fcssen, weil Oberschulen nicht in die Pflichtschulzeit fallen und die Schulen mitten im Schuljahr, anders als die Pflichtschulen, keine neuen Sch\u00fcler akzeptieren. Auch der Wechsel zwischen zwei Schuljahren gestaltet sich als ein b\u00fcrokratischer Gewaltakt.<br>Sehr interessant fand ich das Kapitel <em>\u201eUnterhaltung potentieller Kunden und Gesch\u00e4ftspartner\u201c<\/em>. Das hei\u00dft, man l\u00e4dt Leute, mit denen man Gesch\u00e4fte machen m\u00f6chte, in ein edles Restaurant, einen Host-Club oder zum Golf ein. Kond\u00f4-sensei erz\u00e4hlt, dass auch er in seiner Funktion als Generalverwalter der Mitsubishi Bank zu einem \u201ezwanglosen Essen\u201c eingeladen worden sei, um \u201eeventuelle Investitionen\u201c der Bank zu besprechen. Und am Ende \u00fcberreichte ihm der Gastgeber ein kleines Paket und sagte: <em>\u201eBitte nehmen sie diese Biskuits f\u00fcr ihre Frau Gemahlin an.\u201c<\/em> (Ich versuche, auf diese Art und Weise h\u00f6fliches Japanisch zu \u00fcbersetzen.) Dass sich unter den Keksen ein Umschlag mit 50.000 Yen befand, merkte er dann erst zuhause.<br><em>\u201eWarum so wenig?\u201c<\/em> will ich wissen. Man kann doch einen Mann in einer derart hohen Position nicht mit solchen \u201ePeanuts\u201c locken, oder? Kond\u00f4 erkl\u00e4rt, dass eine zu hohe Summe den Empf\u00e4nger abschrecken k\u00f6nnte, von daher gebe man ihm hin und wieder kleine Summen (ohne das genauer zu definieren), die aber f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht so klein seien, um v\u00f6llig uninteressant zu sein. Nat\u00fcrlich habe er das Geld zur\u00fcckgegeben, sagt er.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann gehen wir zu Hugosson r\u00fcber und schreiben eine so genannte Klausur. Und die ist deshalb nur \u201eso genannt\u201c, weil wir erstens unsere Unterlagen verwenden d\u00fcrfen, die jedoch v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig sind, weil wir zweitens als Beantwortung der drei Aufgaben lediglich unsere Meinung zu den drei behandelten Gro\u00dfthemen abgeben sollen. Wenn man regelm\u00e4\u00dfig im Unterricht war, ist das kein Problem, weil man dann die Begriffe kennt, die man f\u00fcr einen halbwegs kompetent klingenden Kommentar braucht. Das einzige Problem ist, dass die R\u00e4nder der Seiten st\u00e4ndig durchweichen, weil sich auf dem Tisch wieder einmal Schwei\u00dfpf\u00fctzen bilden.<br>W\u00e4hrend wir schreiben, korrigiert er Hausarbeiten aus seinem Englischkurs. Und nachdem ich fertig bin, zeigt er mir welche davon. Auff\u00e4llig ist gleich das unerwartet gute Englisch, und er zeigt mir auch den Grund daf\u00fcr: Die betreffende Hausarbeit wurde 1:1 von einer Seite im Internet kopiert. Da die Quellenangabe fehlt, ist das eine glatte Null wegen Plagiarismus. Mein Gott, der Autor h\u00e4tte die S\u00e4tze wenigstens umformulieren k\u00f6nnen. Ich bin ja selbst nicht gefeit gegen die Versuchungen des Abschreibens, aber f\u00fcr gew\u00f6hnlich nehme ich daf\u00fcr Texte aus einer Sprache, die ich f\u00fcr meine zu schreibende Klausur erst einmal \u00fcbersetze. Das verhindert zumindest, dass man den Satz nur in eine Suchmaschine eingeben muss, um mich zu \u00fcberf\u00fchren. Aber mittlerweile ist mir auch klar, dass gegen das Abschreiben wenig spricht, solange man eine Quellenangabe anh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber dann ist der Mist heute endg\u00fcltig gelaufen. Ich verziehe mich ins Center, wo ich gegen Sieben als letzter hinauskomplimentiert werde. Ich verlege in die Bibliothek. Ich habe meine Post heute noch nicht angesehen und im Forum will ich nat\u00fcrlich auch noch kurz vorbeischauen. Es wird etwa 22:00, bis ich nach Hause komme. Ich bin gerade noch zur \u00d6ffnungszeit (bis 21:45) in den Beny Mart gekommen und stelle fest, dass Aquarius derzeit nur 150 Yen die Flasche kostet \u2013 ich kaufe also auf Vorrat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute sind also gleich drei Klausuren f\u00e4llig&#8230; zwei f\u00fcr Japanisch und eine bei Dr. Hugosson. Es sind auch die einzigen, die ich \u00fcberhaupt schreiben muss, von daher sollte ich mich nicht zu laut beschweren. 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