{"id":4062,"date":"2024-07-25T07:00:00","date_gmt":"2024-07-25T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4062"},"modified":"2024-07-24T15:31:27","modified_gmt":"2024-07-24T13:31:27","slug":"sonntag-25-07-2004-subtropischer-glutofen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4062","title":{"rendered":"Sonntag, 25.07.2004 \u2013 Subtropischer Glutofen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was war das f\u00fcr eine Nacht! Die Hitze war so dr\u00fcckend, dass man kaum schlafen konnte. Dem entsprechend \u00fcberm\u00fcdet stehen wir dann am Morgen auf, und Melanie fasst endg\u00fcltig den Plan, einen Ventilator zu kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da wir um 11:30 mit Familie Jin verabredet sind, gehe ich vorher nicht noch eine Stunde in die Bibliothek, und auch Melanie verzichtet, nicht zuletzt wegen der br\u00fctenden Hitze, auf den geplanten Abstecher ins Ito Y\u00f4kad\u00f4. Wir werden auch ohne Extratouren v\u00f6llig verschwitzt ankommen. Aber wir sind p\u00fcnktlich. <br>Entgegen meiner etwas beschr\u00e4nkten Vorstellung fahren wir nicht zum Sushi Sh\u00f4gun, sondern in einen anderen Kaiten-Sushi Laden, der <em>\u201eSeijir\u00f4\u201c<\/em> hei\u00dft. (\u201eKaiten-Sushi\u201c bedeutet, dass die Sushiteller auf einem Laufband vorbeirollen und man sich nimmt, was man m\u00f6chte.) Wir m\u00fcssen gerade mal eine Minute warten, bis eine Sitzgelegenheit f\u00fcr acht Personen frei wird \u2013 das sind die drei Generationen der Jin-Familie und Melanie und ich.<br>In diesem Laden sind die Teller (das hei\u00dft die Preise dessen, was auf dem Teller liegt) nach Farben geordnet. Im Sushi Sh\u00f4gun kostet jeder Teller nur 105 Yen (100 Yen plus Konsumsteuer), aber im Seijir\u00f4 sind die Portionen wesentlich gr\u00f6\u00dfer, und auch die Auswahl erscheint mir umfangreicher. Die Preise fangen bei 105 Yen an und klettern hoch bis 525 Yen. Auf dem teuersten Teller liegen dann vier Reisb\u00e4llchen, die mit Muschelfleisch verschiedener Art belegt sind. Ich habe es mir \u2013 mit Erlaubnis des Spenders, Dr. Jin \u2013 nicht nehmen lassen, diese Spezialit\u00e4t zu probieren, allerdings komme ich zu dem Schluss, dass das Geschmackserlebnis dem Preis nicht gerecht wird. Ich bleibe lieber beim Sushi Sh\u00f4gun.<br>Und dann werden Geschenke ausgeteilt. Warum dieses? Die Mutter ist mit den Kindern offenbar ein paar Tage in Okinawa gewesen und hat uns je ein T-Shirt mitgebracht. Das f\u00fcr Melanie hat Gr\u00f6\u00dfe \u201eL\u201c&#8230; und das ist ihr zu eng. Ich bekomme eine Geburtstagskarte, auf der schon draufsteht <em>\u201eNicht \u00f6ffnen\u201c<\/em>. Ich tue es trotzdem, urpl\u00f6tzlich springt mir ein Federmechanismus entgegen und die Aufschrift sagt <em>\u201eWir haben Sie gewarnt\u201c<\/em>. Auch der Gro\u00dfvater bekommt Geschenke, er hat heute Geburtstag und wird 75 Jahre alt.<br>Nach etwa einer Stunde verlassen wir das Lokal wieder ich will gar nicht wissen, wie viele Tausend Yen ich aus dem Geldbeutel von Dr. Jin gefressen habe, also belasse ich es dabei, mich angemessen zu bedanken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir \u00fcberqueren aber erst einmal nur die Stra\u00dfe. Nicht nur, weil dort die Autos stehen, sondern weil der Parkplatz zum <em>\u201eYamada Denki\u201c<\/em> Elektrokaufhaus geh\u00f6rt. Melanie m\u00f6chte ja einen Ventilator kaufen. Wir finden auch bald einen ziemlich gro\u00dfen, f\u00fcr einen \u00fcberraschend g\u00fcnstigen Preis von nur 2000 Yen. Ich h\u00e4tte nicht mit einem derartigen Tiefpreis gerechnet, eher mit dem Doppelten. Und es liegt nicht daran, dass wir das Ausstellungsst\u00fcck bekommen, weil nichts anderes mehr da ist. Das Modell kostet tats\u00e4chlich nur so viel. W\u00e4hrend wir unseren Ventilator aussuchen, f\u00fchrt Y\u00fbmiko ihren wie \u00fcblich \u00fcbergro\u00dfen Energiehaushalt vor, indem sie herumspringt und anderen (harmlosen) Unsinn macht. Der Laden ist klimatisiert, aber ich w\u00fcrde bei dem Wetter nicht auf die Idee kommen, mich mehr als notwendig zu bewegen. Ich sp\u00fcre, dass ich sie um diese Lebendigkeit beneide. Ich glaube, ich werde alt. <br>Nachdem wir den Ventilator dann im Kofferraum verstaut haben, wechseln wir das Gesch\u00e4ft und gehen in den <em>\u201eUniverse\u201c<\/em> Supermarkt gleich links nebenan. Eigentlich brauchen wir nichts Dringendes, aber dennoch werden wir von Frau Jin mit einer T\u00fcte voll Zeug und einer riesigen Melone beschenkt. Ich gebe zu bedenken, dass unser K\u00fchlschrank viel zu klein sei, um diesen essbaren Fu\u00dfball unterzubringen, und dass sie bestimmt nicht lange haltbar sei, wenn wir sie au\u00dferhalb des K\u00fchlschranks lagern. Aber das l\u00e4sst sie nicht gelten. Stattdessen schaut sie mich streng wie ein alter Mathelehrer an und sagt: <em>\u201eDann m\u00fcsst Ihr sie eben schnell essen!\u201c<\/em><br>Was soll ich da noch sagen?<br>Wir haben jetzt also eine Melone f\u00fcr 1400 Yen in der K\u00fcche stehen, den Rest kann ich geschickt irgendwie im K\u00fchlschrank unterbringen, und das war eine Meisterleistung. Nachdem wir n\u00e4mlich auch noch den Garten der Familie \u201ebesichtigen\u201c durften, haben wir mehrere Tomaten und Salatgurken und einen riesigen Daikon (eine Art Riesen-Rettichwurzel von 2 kg), dazu einen Strau\u00df Bananen, einen Salatkopf und eine Art Kuchen. Der K\u00fchlschrank ist jetzt brechend voll. Und ich sage es gleich im Voraus: Der Salatkopf und der Daikon sind letztendlich vertrocknet im M\u00fcll gelandet, weil keiner wusste, was wir damit anfangen sollten. Aber sonst ist alles, sogar die Melone, nach mehrt\u00e4giger Lagerung gegessen worden, ohne schlecht geworden zu sein.<br>Mutter Eiko f\u00e4hrt diese Nahrungsmittellieferung mit dem Wagen nach Nakano, wir folgen mit dem Fahrrad. Die Hitze ist wirklich zum Umfallen. Ich kann nicht h\u00f6her als im 17. Gang fahren (der dritte von sieben nach meiner Rechnung, weil ich nur das gr\u00f6\u00dfte Zahnrad vorne verwende), ohne zu sp\u00fcren, dass es zu anstrengend wird. Den Getr\u00e4nkeeinkauf verschiebe ich also auf einen Zeitpunkt nach Sonnenuntergang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ventilator leistet jetzt unsch\u00e4tzbare Dienste \u2013 das Raumklima ist gleich viel angenehmer, wenn die Luft bewegt wird. Trotzdem f\u00fchle ich mich gerade ziemlich erschlagen und lege mich eine Stunde lang hin, w\u00e4hrend Melanie tats\u00e4chlich trotz der sengenden Hitze ins Ito Y\u00f4kad\u00f4 f\u00e4hrt \u2013 allerdings mit dem Bus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was war das f\u00fcr eine Nacht! Die Hitze war so dr\u00fcckend, dass man kaum schlafen konnte. Dem entsprechend \u00fcberm\u00fcdet stehen wir dann am Morgen auf, und Melanie fasst endg\u00fcltig den Plan, einen Ventilator zu kaufen. 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