{"id":4053,"date":"2024-07-22T12:20:50","date_gmt":"2024-07-22T10:20:50","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4053"},"modified":"2024-07-22T12:20:50","modified_gmt":"2024-07-22T10:20:50","slug":"donnerstag-22-07-2004-tanzende-maedchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4053","title":{"rendered":"Donnerstag, 22.07.2004 \u2013 Tanzende M\u00e4dchen!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Unterricht gehe ich gleich ins Center und kurz darauf erscheint Kazu. Sie sagt, die Veranstaltung ihrer Oberschule beginne um 10:40. Ich sehe auf die Uhr: \u201e10:30\u201c sagt die. Ich beende also, was ich gerade schreibe und besteige mein Fahrrad, um zur B\u00fcrgerhalle am Rand des Stadtparks zu fahren.<br>Auf dem Weg verabschiedet sich das rechte Pedal meines Fahrrades. Es ist der Druckkraft meines K\u00f6rpergewichtes bei der Beschleunigung aus dem Stand nicht gewachsen. Nun ja, ein Rad, das umsonst war, muss wohl auch Nachteile haben. Es scheint, dass der Hauptteil des Pedals, auf dem der Fu\u00df ruht, ein aufsteckbares Plastikteil ist, dessen Halterung offenbar schon ziemlich ausgeleiert ist. Was \u00fcbrig bleibt, ist ein etwa f\u00fcnf Zentimeter langer Stumpf. Damit f\u00e4hrt es sich zwar nicht ganz so bequem, aber es ist machbar. Wer hat sich dieses Patent blo\u00df ausgedacht? Wozu soll das gut sein, dass man das Pedal teilweise entfernen kann? Warum nicht einfach ein Metallpedal mit Kugellager, fest installiert und aus einem St\u00fcck?<br>Als n\u00e4chstes muss ich am Eingang des Parks einem Mittelsch\u00fcler ausweichen, der es offenbar jenseits jeder R\u00fccksichtnahme eilig hat. Ich kann gerade so vermeiden, in der Hecke zu landen, fange mir aber einen 20 cm langen Kratzer am linken Arm ein, der angesichts der Hitze und des Schwei\u00dfes leicht zu brennen beginnt. Aber das kann ich in ein K\u00e4mmerchen in meinem Hinterkopf sperren. Die gro\u00dfe Hitze und die pralle Sonne sind schon schwerer zu ignorieren, von daher bin ich ganz froh, als ich dann endlich in das klimatisierte Geb\u00e4ude komme. Ich suche mir einen Platz m\u00f6glichst weit vorne, der es mir erlaubt, die ganze Breite der B\u00fchne auf einem Foto erfassen zu k\u00f6nnen. Von weiter hinten h\u00e4tte ich nur eine helle Fl\u00e4che in der Mitte einer schwarzen Fl\u00e4che statt einer beleuchteten B\u00fchne in diesem dunklen Raum. Kazu sitzt mit angestrengten Augen da, weil sie ihre Brille vergessen hat. Ich mache einen Scherz und sage, dass es ja auch eigentlich mehr ums h\u00f6ren als ums sehen ginge.<br>Es handelt sich wohl jeweils um die M\u00e4dchen einer ganzen Klasse, weil nie weniger als ein Dutzend davon auf der B\u00fchne stehen. Die Nummern sind modern, die Musik amerikanisch. Es wundert mich direkt, dass nicht die grausigen japanischen Kopien der nicht minder grausigen amerikanischen Originale laufen, also Britney Spears, Jennifer Lopez , Christina Aguilera und Konsorten versus Hamasaki Ayumi, Misia, Utada Hikaru und was wei\u00df ich, wie die alle hei\u00dfen. Die H\u00e4lfte von dem, was ich mitbekomme, gef\u00e4llt mir zwar auch nicht, aber immerhin ist es besser, die Originale zu spielen, als die noch blasseren japanischen Popkopien. Es l\u00e4uft aber nicht nur aktuelle Chart-Musik. Auch <em>\u201eLarger than Life\u201c<\/em> (ich glaube, das ist von den <em>Backstreet Boys<\/em>, und es gibt ein tolles <em>Cowboy Bebop<\/em> Fanvideo dazu) l\u00e4uft hier zum Beispiel.<br>Das Publikum ist eigentlich auff\u00e4lliger als die Darbietungen selbst. Da sitzen ganze Fanclubs (vornehmlich weiblich) in den Reihen, die ihre jeweilige Favoritin anfeuern und es auch w\u00e4hrend der Auftritte nicht an lautstarken Zurufen mangeln lassen. Direkt vor der B\u00fchne sitzt eine Reihe von Jungs, die an sich das gleiche machen, nur weniger schrill, und sie bringen am Ende jeweils einen Strau\u00df Blumen \u201ean die Frau\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den Tanznummern, die weitgehend irgendwie alle gleich waren, was Choreografie und Musikstil betrifft, f\u00e4llt der Vorhang und hinter diesem bereitet sich das Orchester der Schule auf seinen Auftritt vor. Nach knapp zehn Minuten ist der Umbau beendet und es folgt ein Konzert von 40 Minuten. Der Dirigent muss ein beliebter Lehrer sein, weil auch er zu Beginn positive Zurufe aus dem Publikum erh\u00e4lt, als er gerade mit dem Taktstock ausholt. Er lacht und h\u00e4lt den Zeigefinger an die Lippen. In Deutschland w\u00fcrde ich nie erwarten, dass jemand seinen eigenen Lehrer anfeuert. Bei uns scheint man ja eher froh, wenn man \u201edas Pack\u201c endlich los ist. Ich bin eigentlich kein gro\u00dfer Fan von Blasorchestern (zum Leidwesen meines Gro\u00dfvaters), aber die Jungs und M\u00e4dchen da unten sind zumindest nicht schlecht, soweit ich das beurteilen kann. Zumindest sind sie besser als die MusikerInnen der Oberschule in unserer Nachbarschaft in Nakano, deren Bem\u00fchungen wir seit Ende der Winterpause wieder jedes Wochenende bewundern d\u00fcrfen.<br>Kazu erz\u00e4hlt, dass morgen ein regionaler Wettbewerb solcher Schulorchester stattfinde und bedauert, dass die hier anwesenden Musiker wegen des heutigen Festes keine Zeit zum \u00dcben h\u00e4tten. Allerdings muss ich mich dann auch fragen, ob das Konzert hier denn keine \u00dcbung ist?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Konzert ist die Sache auch schon gelaufen, aber wir bleiben noch eine halbe Stunde sitzen, weil es hier so sch\u00f6n k\u00fchl ist. Dann gehen wir zum Ausgang. Offenbar war das Timing gut, weil Kazu pl\u00f6tzlich von einer Gruppe Sch\u00fclerinnen lautstark begr\u00fc\u00dft wird. Im ersten Moment habe ich damit gerechnet, einen Geh\u00f6rsturz zu erleiden. Dasselbe wiederholt sich, wenn auch in geringerem Ma\u00dfe und nicht mehr ganz so laut, noch mehrere Male. Ich sagte ja bereits, dass sie offenbar niemand Unbekanntes ist. Der letzten Gruppe werde ich auch vorgestellt und aufgefordert, meine Meinung \u00fcber die Show zu sagen. Ich m\u00f6chte beinahe vermuten, dass Kazu mich hier auf die Probe stellen will, da ich w\u00e4hrend unserer \u201eRuhezeit\u201c nach dem Ende der Veranstaltung zwar die gr\u00fcndliche Vorbereitung gelobt, aber die roboterhafte Ausf\u00fchrung bem\u00e4ngelt hatte. Ich wiederhole, was ich \u00fcber die Vorbereitung bereits gesagt habe und halte mich mit dem Rest bedeckt. Ich kann ihnen ja schlecht ins Gesicht sagen, dass sie mit der Ausdruckskraft eines C3PO tanzen, als ob sie an F\u00e4den h\u00e4ngen w\u00fcrden. Also lobe ich die bewundernswerten Bem\u00fchungen, die man ja wirklich sehen konnte. Und dennoch, meine G\u00fcte, machen die f\u00fcnf M\u00e4dchen Gesichter, als ob sie gleich weglaufen und sich im n\u00e4chsten Mauseloch verstecken wollten! He \u2013 ich habe gesagt: <em>\u201eIhr habt Euch sehr gut vorbereitet und ich finde das toll\u201c<\/em>, und nicht <em>\u201eIch schlepp Euch zu mir nach Hause und esse Euch zum Nachtisch!\u201c<\/em> Sehe ich so besorgniserregend aus?<br>Kazu sucht noch einen der Lehrer, weil sie ein paar Worte mit ihm reden m\u00f6chte. Allerdings scheint er vom Erdboden verschluckt und keiner kann ihr sagen, wo er hingegangen sein k\u00f6nnte. Wir kehren also zur Universit\u00e4t zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Center \u00fcbertrage ich gleich meine (wenigen) neuen Bilder auf den Computer, und danach besteht der Tag eigentlich nur noch aus Pause. Es ist mir kaum m\u00f6glich, konzentriert an etwas zu arbeiten. Erstens ist es viel zu hei\u00df und zweitens ist irgendeinem verantwortlichen Trottel eingefallen, den Haupteingang unseres Geb\u00e4udes ausgerechnet ab Beginn der Klausurenphase restaurieren zu lassen. In den vergangenen Tagen ist da ein schweres Arbeitskommando anger\u00fcckt, das mit kleinen Baggern, Schleifmaschinen, Metallfr\u00e4sen und Presslufth\u00e4mmern zu Gange ist. Der entsprechende Abschnitt wird offenbar komplett entkernt und neu gemacht! Sind die nicht ganz bei Trost? Warum machen die das jetzt und nicht erst nach dem 30. Juli, wenn alle Klausuren geschrieben sind und man keinen mehr st\u00f6ren kann? Die Fensterwand des Ry\u00fbgakusei Centers liegt genau im Schallbereich der Baustelle. Das finde ich ganz toll&#8230; Die Bibliothek d\u00fcrfte ja wegen der anstehenden Hausarbeiten voll sein, also brauche ich da auch nicht hinzugehen. Au\u00dferdem liegt auch die Bibliothek im Einwirkungsbereich der Baustelle, nur eben <strong>vor<\/strong> dem Eingang, anstatt dahinter. Und zus\u00e4tzlich hat man in der B\u00fccherei die Wahl, entweder wegen des L\u00e4rms die Fenster zu schlie\u00dfen und vor Hitze und Menschengeruch zu vergehen, oder aber die Fenster zu \u00f6ffnen, sich den Schmalz aus den Ohren h\u00e4mmern zu lassen, daf\u00fcr aber frische Luft zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Unterricht gehe ich gleich ins Center und kurz darauf erscheint Kazu. Sie sagt, die Veranstaltung ihrer Oberschule beginne um 10:40. Ich sehe auf die Uhr: \u201e10:30\u201c sagt die. 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