{"id":4044,"date":"2024-07-21T07:00:00","date_gmt":"2024-07-21T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4044"},"modified":"2024-07-18T12:56:10","modified_gmt":"2024-07-18T10:56:10","slug":"mittwoch-21-07-2004-einfuehrung-in-neputa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4044","title":{"rendered":"Mittwoch, 21.07.2004 \u2013 Einf\u00fchrung in \u201eNeputa\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich halte bei Kond\u00f4-sensei heute ein weiteres Referat, diesmal \u00fcber die Zinspolitik der US Reservebank und deren Folgen f\u00fcr die wegen der anhaltend niedrigen Zinsen v\u00f6llig \u00fcberschuldeten Amerikaner. Simultan gibt es dazu einen Artikel aus der New York Times \u00fcber Insiderverk\u00e4ufe von Aktien. <em>\u201eWo glauben sie liegt der Zusammenhang zwischen den beiden Texten?\u201c<\/em> fragt Kond\u00f4. Ich habe keine Ahnung. Der Zusammenhang bestehe&nbsp; darin, erkl\u00e4rt er, dass man als Gro\u00dfanleger Aktien verkaufe, wenn die Zinsen steigen und in andere Dinge investiere, weil sich der Gewinn dann nicht mehr maximieren lasse. Wie dem auch sei, mein Bezug zum Thema h\u00e4lt sich etwa am Nullpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hugossons Unterricht im Anschluss&#8230; findet nicht statt. Ich setze mich stattdessen ins Center, schreibe Post und helfe KiJong ein bisschen beim Schreiben ihres eigenen Berichtes f\u00fcr ein Thema von Hugosson. Der l\u00e4sst sich aber noch selbst sehen und mahnt mich zur Abgabe meiner beiden f\u00e4lligen Berichte, \u00fcber die Umwelt-NPO an der Uni und \u00fcber den Besuch bei Harappa. Mein Tagebuch erf\u00fcllt hier den praktischen Zweck einer Ged\u00e4chtnisst\u00fctze, da ich nach so langer Zeit \u00fcberhaupt nicht mehr recht wei\u00df, was da im Einzelnen gelaufen ist. Schlecht ist, dass es den Eintr\u00e4gen der vergangenen Wochen etwas an Detailqualit\u00e4t mangelt, weil ich mit dem Schreiben st\u00e4ndig hinterherh\u00e4nge. Es ist so warm, dass ich eigentlich nur in der Gegend herumliegen m\u00f6chte, ohne mich bewegen zu m\u00fcssen. Das Center verf\u00fcgt immerhin \u00fcber eine effektive Klimaanlage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischendurch fahre ich in die Stadt zu dem gefundenen Spieleladen und hole <em>\u201eCommand &amp; Conquer\u201c<\/em> ab.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Center zur\u00fcck erinnert mich J\u00fb daran, dass wir heute eine Verabredung mit Kazu haben. Offenbar hat sie f\u00fcr das Neputa ihrer Oberschule kr\u00e4ftig die Werbetrommel ger\u00fchrt.<br>Um exakt 19:00 stehe ich dann also vor dem Kaufhaus Nakasan und warte&#8230; ich bin der einzige, der am Treffpunkt steht. Aber irgendwann kommt Baqr an und meldet, dass Kazu sich versp\u00e4ten werde. Um 19:25 sind dann wohl alle da, die kommen sollten oder wollten. Baqr, Kazu (mit einer Freundin), J\u00fb, Irena, Val\u00e9rie, Chris (und ein Freund aus Chile, der zu Besuch hier ist), Melanie und ich. Bis zum Nachmittag dachte ich noch, dass es sich um eine Art Schulfest mit Neputa-Thematik handele, aber es handelt sich in der Tat um einen ganzen Umzug \u2013 wenn auch im kleinen Ma\u00dfstab, weil ja nur eine Schule beteiligt ist. Jede Gruppe schiebt und zieht einen Wagen, auf dem wilde Krieger, D\u00e4monen und geheimnisvolle Damen abgebildet sind. Zum Teil handelt es bei den Lampenschirmen (also um Metallgeflechte, die mit Wachspapier bespannt sind) um dreidimensionale Figuren, zum Teil sind es einfachere Konstruktionen in grober Halbkreisform, auf denen recht blutr\u00fcnstige Szenen aus der japanischen und buddhistischen Sagenwelt in zweidimensionaler Form dargestellt sind. Die Wagen werden von innen beleuchtet und auch hin und wieder gedreht. Auf diesem Umzug hier werden die \u00fcbergro\u00dfen Lampen mit Hilfe von eingebauten Motoren gedreht.<br>Es handelt sich nach meiner Z\u00e4hlung um 25 Wagen und ich bekomme gerade so das \u201eBest Of\u201c auf meinen Kameraspeicher. Nat\u00fcrlich werden nicht alle Bilder was, weil Menschen und Wagen in Bewegung sind. Wenn ich die Geschwindigkeit der Objekte nicht im richtigen Winkel zur rechten Zeit mitmache, sorgt die unn\u00f6tig lange Belichtungszeit meiner Kamera daf\u00fcr, dass ich nur eine undeutliche Masse auf dem Bild habe. Aufnahmen im Dunkeln sind eh nicht so das Ding dieses Yakumo-Produkts&#8230; die Bilder werden grobk\u00f6rnig, und wenn ich eine wei\u00dfe Lichtquelle im Bild habe, schaltet sich die automatische Helligkeitsreduktion ein und die dunkleren Fl\u00e4chen werden ann\u00e4hernd schwarz. Oder die dunklen Fl\u00e4chen bleiben so, wie sie eben sind, und daf\u00fcr verwandeln sich die hellen Fl\u00e4chen in eine undeutlich schimmernde Masse ohne Strukturen und Farbstufen. Aber es macht gro\u00dfen Spa\u00df, den wild trommelnden, gr\u00f6lenden und pfeifenden Obersch\u00fclern zuzusehen. Man kann deutlich das Leben in dieser Darbietung sp\u00fcren. Wenn Japaner doch immer so lebendig bei ihren Auftritten w\u00e4ren! Das hier wurde wohl nicht im Detail ge\u00fcbt, also dringt eine Spontaneit\u00e4t durch, die nicht durch st\u00e4ndiges \u00dcben und Wiederholen abgew\u00fcrgt wurde. Was will man auch gro\u00df \u00fcben? Die Wagen werden \u00fcber die Hauptstra\u00dfe gezogen, hin und wieder gedreht und die Jungs und M\u00e4dels rufen <em>\u201eYaa Yad\u00f4!\u201c<\/em>. Dazu braucht man keine \u00dcbung, sondern ein lautes Organ. Wer so was nicht hat, spielt halt Fl\u00f6te oder bedient die Trommel. Das Fl\u00f6tespielen sollte man \u00fcben, ja. Wenn man etwas Taktgef\u00fchl hat, hat man die Trommeln nach zwei Minuten im Griff.<br>Kazu scheint auch niemand Unbekanntes zu sein. Einige der Sch\u00fclerInnen und LehrerInnen erkennen sie wieder, andere werden von ihr angesprochen und so weiter, obwohl sie bereits eine Weile weg von der Schule ist. Aber das sei nicht ungew\u00f6hnlich, sagt sie. Erstens halte sie oder man einen gewissen Kontakt mit seiner alten Schule (ich bin jetzt nicht sicher, ob sie von sich oder von der Allgemeinheit spricht) und zweitens wolle sie Lehrerin an dieser Schule werden, da sei es nicht schlecht, F\u00fchlung mit dem potentiellen Arbeitgeber zu halten. Ich erinnere mich, dass ich im Fr\u00fchjahr 1999 meine Schule besucht und auch meinen Englischlehrer Spang getroffen habe, der mir da schelmisch erkl\u00e4rte, dass er sich nach seinem Abitur dort erst mal 20 Jahre nicht habe sehen lassen.<br>Der Umzug dauert etwa eine halbe Stunde, dann \u00fcberlegen wir uns, was wir weiter mit dem jungen Abend anfangen k\u00f6nnen. Irgendwoher kommt der Vorschlag, zu den Gasteltern von Chris zu gehen, die wegen des kommenden Neputa Festes heute wohl irgendeine offene Party am Start hat. Wir bewegen uns dann langsam in die entsprechende Richtung und es sickert ebenso langsam durch, dass vermutlich gar nicht genug Platz f\u00fcr uns alle sein wird \u2013 was aber nicht etwa den einen oder anderen zum Aufgeben bewegt, sondern gleich die ganze Gruppe als solche \u201evernichtet\u201c. Die meisten gehen nach Hause, Chris geht zusammen mit seinem Besucher zur genannten Party, und Melanie und ich \u00fcberlegen gemeinsam mit Kazu, wo wir was zu essen herbekommen k\u00f6nnten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da wir gerade in der N\u00e4he sind, schlage ich vor, zum <em>\u201eCurry Maharadja\u201c<\/em> zu gehen, aber es stellt sich heraus, dass der heute geschlossen hat. Kazu kennt auch kaum Restaurants in der Gegend, schl\u00e4gt aber eines vor, dass sie von Erz\u00e4hlungen ihrer Mutter kennt. Es handelt sich, einfach ausgedr\u00fcckt, um einen Yakiniku-Laden, aber das Innere verspricht gehobene Atmosph\u00e4re, ebenso wie uns die Speisekarte der \u00fcberdurchschnittlichen (wenn auch noch nicht japanisch-teuren) Preise versichert.<br>Zun\u00e4chst einmal befindet sich am Eingang ein gro\u00dfer Schuhschrank mit abschlie\u00dfbaren F\u00e4chern. Ich verzichte auf Latschen, weil sie eh zu klein sind. Das Innere des Restaurants ist gediegen und sauber, dunkel lackiertes Holz. Der Service ist erstklassig, das muss ich sagen, sogar f\u00fcr japanische Verh\u00e4ltnisse. Die Bedienung ist sehr freundlich, und ich ziehe das dem Pr\u00e4dikat \u201eh\u00f6flich\u201c grunds\u00e4tzlich vor. Unterw\u00fcrfigkeitsgesten von Seiten des Personals sind mir immer wieder unangenehm. Aber die hier machen ihre Sache gut, scheinen sehr sympathisch und reden vor allem ein verst\u00e4ndliches Japanisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir essen gemeinsam, und Melanie geht schlie\u00dflich zum Bus (ihr Fahrrad ist ja immer noch platt). Ich bleibe mit Kazu noch eine Weile. Sie erz\u00e4hlt, dass ihre Oberschule (also die, deren Umzug wir gerade gesehen haben) morgen eine Art Schulfest in der B\u00fcrgerhalle habe, inklusive einer Reihe von B\u00fchnenshows. Tanzende M\u00e4dchen? Ha, das kann ich mir doch nicht entgehen lassen. Die Veranstaltung beginne irgendwann um die Mittagszeit und sie werde mir noch eine Nachricht schreiben, sobald sie die genaue Zeit wisse. Ich m\u00fcsse nur morgen fr\u00fchzeitig meine Post abrufen. Wir trennen uns an der ENEOS Tankstelle und fahren nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Treppenwitz f\u00fcr die Nachwelt: Nachdem ich eine Menge Geld daf\u00fcr ausgab, spielte ich das Spiel nach meiner Heimkehr nur ein einziges Mal f\u00fcr ein paar Stunden. Seitdem liegt es in der Kiste mit Playstationzeug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich halte bei Kond\u00f4-sensei heute ein weiteres Referat, diesmal \u00fcber die Zinspolitik der US Reservebank und deren Folgen f\u00fcr die wegen der anhaltend niedrigen Zinsen v\u00f6llig \u00fcberschuldeten Amerikaner. 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