{"id":4041,"date":"2024-07-20T07:00:00","date_gmt":"2024-07-20T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4041"},"modified":"2024-07-18T12:19:23","modified_gmt":"2024-07-18T10:19:23","slug":"dienstag-20-07-2004-in-eile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4041","title":{"rendered":"Dienstag, 20.07.2004 \u2013 In Eile"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt hat Melanie heute also Geburtstag und ich habe ihr Geschenk noch nicht gekauft. Gl\u00fccklicherweise hat sie an einem Dienstag Geburtstag, was mir wegen ihrer Unterrichtskonstellation am Morgen eine ganze Menge Zeit verschafft. Ich schwinge mich also auf mein Fahrrad und d\u00fcse zum Sakurano. Und meine G\u00fcte, ist das vielleicht hei\u00df heute! Ich muss peinlichst darauf achten, dass mein Fahrrad im Schatten steht, sonst kann ich auf dem Sattel nachher Spiegeleier braten und eigentlich m\u00f6chte ich keine. Man muss wirklich keine Alternativen haben, um sich freiwillig in diesen Freiluft-Backofen zu begeben. Ich habe keine. Heute ist <strong>der<\/strong> Tag.<br>Ich fahre in das entsprechende Stockwerk hoch, gehe in die Abteilung f\u00fcr Studio-Ghibli-Merchandising und kaufe nach einem dreimin\u00fctigen Auswahlprozess und einer f\u00fcnfmin\u00fctigen Suche nach einer ge\u00f6ffneten und zust\u00e4ndigen Kasse ein <em>\u201eTotoro\u201c<\/em> Stofftier und lasse es als Geschenk einpacken. Mir pers\u00f6nlich gefallen die schwarzen Katzen aus dem \u201eKiki\u201c Sortiment viel besser, aber Melanie wollte ein \u201eTotoro\u201c Produkt. So sei es also. Ich bringe das Paket gleich nach Hause, schreibe eine Widmung auf die Au\u00dfenseite und lasse es auf dem Schreibtisch liegen, bevor ich zur Uni fahre. Sie wird es also in einem geeigneten Moment finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kond\u00f4-sensei bringt uns heute in einen Sch\u00f6nheitssalon, der extra f\u00fcr uns seinen freien Tag f\u00fcr zwei Stunden unterbricht. Au\u00dferdem bekommen wir so die erste (und einzige) Frau aus unserem Referentenkreis zu sehen. Sie ist bereits seit 20 Jahren in diesem Gesch\u00e4ft t\u00e4tig und erl\u00e4utert uns kurz, was hier so l\u00e4uft und wie es um die finanziellen Anreize bestellt ist. Die Leute lassen eine Menge Geld in diesen L\u00e4den, auch wenn sie aus verschiedenen Gr\u00fcnden kommen. Der Fu\u00df z.B. repr\u00e4sentiere den gesamten K\u00f6rper, hei\u00dft es. F\u00fcr jede K\u00f6rperregion gebe es eine Stelle am Fu\u00df, und wenn man irgendwo Beschwerden habe, m\u00fcsse man nur den entsprechenden Neuralgischen Punkt massieren. Den deutlichsten Unterschied macht die Unterteilung M\u00e4nner und Frauen. Ja, wer h\u00e4tte das gedacht? Einige M\u00e4nner frequentieren den Laden, und sie tun das, weil sie gut aussehen wollen. Die Damen dagegen kommen her, um sich zu entspannen und den Stress mal drau\u00dfen zu lassen.<br><em>\u201eM\u00e4nner gehen zusammen in die Kneipe und trinken sich einen an. Das ist deren Form von Stressabbau\u201c<\/em>, erl\u00e4utert die Chefin. <em>\u201eFrauen machen das aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht. Sie gehen lieber in einen solchen Salon und lassen sich eine Stunde lang massieren.\u201c<\/em> <br>Sie erz\u00e4hlt weiter, dass das Personal (sie hat eine Angestellte Mitte Zwanzig) auch geschult werde, kleine Problemberatungen zu machen, da die Kundinnen auch \u00fcber solche reden. Das Alter der Kundinnen reiche von 20 bis 83, aber der Durchschnitt liegt bei Mitte Vierzig.<br>Dann werden die R\u00e4umlichkeiten gezeigt und vorgef\u00fchrt, wie hier Geld verdient wird. Wir werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Der Laden besteht aus einem Empfangs- und Wartezimmer, das vom \u201eArbeitsbereich\u201c durch eine Glaswand abgetrennt ist. Dort hinten gibt es drei kleine Kabinen. In zweien stehen Liegetische f\u00fcr Massagen, in der mittleren befindet sich ein Stuhl, der aussieht wie aus einem Science-Fiction Film, aber er wird nicht erl\u00e4utert. Nun, Irena und Melanie erhalten eine Massage der F\u00fc\u00dfe im Schnellverfahren (also knapp 10 Minuten), die M\u00e4nner lehnen das Angebot durch die Bank dankend ab. Nun \u00fcbernimmt jeweils das zweite Bein von Irena und Melanie, als w\u00e4re das die normalste Sache der Welt. Sie hat diesen Job ebenfalls gelernt, professionell, aber einen solchen freiwilligen Einsatz h\u00e4tte ich nicht erwartet.<br>Nachdem ich dann also eine halbe Stunde Massagearbeit beobachtet habe, frage ich die Mitarbeiterin, ob sie Kartoffeln zerquetschen k\u00f6nne, weil man bestimmt eine Menge Kraft f\u00fcr diese Arbeit braucht, und sie ja t\u00e4glich Finger und Unterarme trainiere. Aber sie lacht dar\u00fcber und sagt, dass wesentlich mehr mit K\u00f6rpergewicht gedr\u00fcckt werde, als tats\u00e4chlich mit Muskeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir verabschieden uns schlie\u00dflich und jeder geht seiner Wege. Melanie biegt ab nach Shita-Dotemachi und ich gehe in Richtung Universit\u00e4t, mit einem Abstecher in den Supermarkt, um eine Flasche Yoghurt-Kalpis zu besorgen. Da ich dieser Tage wegen der Menschenf\u00fclle nur ungern in die Bibliothek gehe, muss ich mit dem Center vorliebnehmen. Melanie ist sogar vor mir angekommen. Sie sagt, die <em>\u201eCard Captor Sakura\u201c<\/em> Metallic-Karten, die sie habe kaufen wollen, gebe es nicht mehr. Au\u00dferdem teilt sie mir mit, dass ich eine Verabredung mit Yui am Morgen vergessen habe. Oh, \u00fcbel. Immerhin habe ich eine gute Ausrede.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wegen der M\u00e4ngel meines derzeitigen fahrbaren Untersatzes (das vordere Bremskabel ist gerissen), muss ich mir ein neues Fahrrad aneignen. Ich beobachte also seit einigen Tagen ein brauchbar aussehendes Modell und habe festgestellt, dass es seit zwei Wochen nicht von der Stelle bewegt worden ist. Also erlaube ich mir, es zu benutzen. 21 G\u00e4nge, Federung an beiden Achsen und funktionierende Bremsen. Eine Lampe hat es auch nicht, aber immerhin vorne und hinten Reflektoren. Ich werde wohl die restlichen Wochen damit klarkommen, so lange es mir nicht unter dem Hintern zusammenbricht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt hat Melanie heute also Geburtstag und ich habe ihr Geschenk noch nicht gekauft. Gl\u00fccklicherweise hat sie an einem Dienstag Geburtstag, was mir wegen ihrer Unterrichtskonstellation am Morgen eine ganze Menge Zeit verschafft. Ich schwinge mich also auf mein Fahrrad und d\u00fcse zum Sakurano. Und meine G\u00fcte, ist das vielleicht hei\u00df heute! 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