{"id":4024,"date":"2024-07-14T07:00:00","date_gmt":"2024-07-14T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4024"},"modified":"2024-07-07T18:34:16","modified_gmt":"2024-07-07T16:34:16","slug":"mittwoch-14-07-2004-denn-die-macht-wandert-schnell-in-der-bruderschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4024","title":{"rendered":"Mittwoch, 14.07.2004 \u2013 &#8230; denn die Macht wandert schnell in der Bruderschaft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich muss nat\u00fcrlich gerade an einem Mittwoch Geburtstag haben, am l\u00e4ngsten Tag der Woche! SangSu l\u00e4sst es sich nicht nehmen, auch \u00fcberall herumzuerz\u00e4hlen, dass ich Geburtstag habe, also l\u00e4sst Kond\u00f4-sensei wieder eine Runde Getr\u00e4nke springen. Besten Dank daf\u00fcr.<br>SangSu redet dann weiter \u00fcber den Vergleich zwischen der untergegangenen Fuji Bank (die \u00fcbrigens im <em>\u201eShadowrun\u201c<\/em> Spieluniversum weiter zu existieren scheint) und der amerikanischen Citi Corporation. Ich verstehe nicht ganz, was wir heute anderes besprechen, als beim letzten Mal. Wieder wird die These dargelegt, dass die Fuji Bank, w\u00fcrde sie noch existieren, ihren Gesch\u00e4ftsumfang einschr\u00e4nken und auff\u00e4chern m\u00fcsste, um profitabler zu sein. Und ich sage deshalb \u201eThese\u201c und nicht \u201eTatsache\u201c, weil ich immer noch nicht zu 100 % verstanden habe, welche Ma\u00dfnahmen warum f\u00fcr eine bessere Bilanz sorgen k\u00f6nnten \u2013 das ist definitiv nicht mein Fachgebiet. Das, was ich verstanden habe, habe ich ja bereits dargelegt. Immerhin ist mir jetzt klar, dass ein Unternehmer eine \u201egesunde Mischung\u201c aus Eigenkapital und Krediten braucht, um effektiv arbeiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sollte ich mir merken f\u00fcr den Fall, dass ich je wieder dazu komme, eine Partie <em>\u201eOil Imperium\u201c<\/em> zu spielen, wo ich immer nach zwei Spieljahren pleite gegangen bin, weil ich allergisch gegen Kredite bin und es daher mangels ausreichendem Eigenkapital vers\u00e4umt habe, \u00d6lquellen in anderen Teilen der Welt zu erschlie\u00dfen, wo der Preis pro Barrel noch nicht unter die Rentabilit\u00e4tsgrenze gerutscht war.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich frage Kond\u00f4, ob es ein ideales Verh\u00e4ltnis von Eigenkapital und Krediten gebe. Das gebe es bestimmt, sagt er und grinst, aber wer den Idealstatus finde, habe sich einen Nobelpreis f\u00fcr Wirtschaft verdient (falls es einen solchen geben sollte). Ich interpretiere, dass es eine Frage der Situation ist. Es h\u00e4ngt wohl vom jeweiligen Betrieb ab, wie viel Investitionskapital geliehen werden muss und wie viele R\u00fccklagen ben\u00f6tigt werden. Wegen meiner Frage \u00fcberziehen wir die Stunde um ein paar Minuten und ich komme etwas sp\u00e4t zu dem Treffen mit Hugosson, der mit uns heute eine NPO besuchen will. Wir fahren mit dem Fahrrad, weil es nicht so weit ist, dass wir daf\u00fcr den Fahrdienst der Universit\u00e4t in Anspruch nehmen m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Organisation hei\u00dft <em>\u201eHarappa\u201c<\/em> und unterst\u00fctzt K\u00fcnstler, die abseits vom Mainstream t\u00e4tig sind, in erster Linie Maler und Skulpturisten. Den Anfang nahm das Unternehmen mit einem K\u00fcnstler namens \u201eHara\u201c, der sich wohl in den USA bereits einen Namen gemacht hatte und eine Ausstellung in seiner Heimatstadt Hirosaki veranstalten wollte, unter dem Titel <em>\u201eI don\u2019t mind if you forget me\u201c<\/em>. Allerdings sah sich die Stadtverwaltung offenbar organisatorisch nicht in der Lage, f\u00fcr die ben\u00f6tigten Dinge zu sorgen, allem voran fehlte es an einem Ausstellungsraum. Es bildete sich also eine Gruppe von Freiwilligen, darunter eine \u00e4ltere Dame aus der Stadt, offenbar mit Geld gesegnet, die ein altes Warenhaus zur Verf\u00fcgung stellte. Es handelt sich um ein rotes Backsteingeb\u00e4ude und es sieht meiner Meinung nach aus, als sei es eigens f\u00fcr den Zweck von Kunstausstellungen geschaffen worden. Offenbar ist die Kunstszene nicht selten in solchen Bauten aus dem Industriezeitalter zu finden. Das ist ja auch in Deutschland nicht anders.<br>Diese lockere Organisation von Freiwilligen wagte es, mit ein paar Tausend Besuchern zu rechnen, doch letztendlich waren es 60.000 Leute innerhalb weniger Wochen, die einen Gewinn von drei Millionen Yen in die Kassen von <em>Harappa<\/em> sp\u00fclten. Das war der Startpunkt, die Organisation offiziell zu gr\u00fcnden und sich weiteren Ausstellungen zu verschreiben. Der derzeitige Chef ist ein Anwalt um die 50, also kein Armer, der in seiner Freizeit den Laden schmei\u00dft. Allein die Sekret\u00e4rin ist fest angestellt, alle anderen sind unbezahlte Freiwillige.<br>Das Regal an der Wand steht voll mit Designerst\u00fccken, die zum Teil zu kaufen sind. Das einzige St\u00fcck, das mich interessiert, ist allerdings unverk\u00e4uflich. Schon mal einen psychopathisch aussehenden Pl\u00fcschhund gesehen? Es gab leider nur harmlos aussehende \u201eBr\u00fcder\u201c von ihm zu kaufen, die sind aber aus Plastik, f\u00fcr 9000 Yen das St\u00fcck. Ich bin doch nicht bekloppt. Interessant ist sonst noch die (ebenfalls unverk\u00e4ufliche) Uhr. Es handelt sich dabei weder um eine Digitaluhr, noch um eine Zeigeruhr. Die Zahlen werden auf einzelnen Plastikpl\u00e4ttchen angezeigt, von denen nach jeder Minute ein neues ins Sichtfeld des Beobachters geschoben wird. Neben den Zahlen von 00 bis 59 (bzw. 1 bis 12) befinden sich darauf kleine Bilder, die zum Teil r\u00e4tselhaft, zum Teil irgendwie lustig (weil unkonventionell) sind. Frech ist allenfalls das Feld f\u00fcr die volle Stunde \u2013 da zeigt das Zifferblatt das b\u00f6se Wort <em>\u201eFuck\u201c<\/em> an.<br>Nat\u00fcrlich sollen wir auch hier\u00fcber einen Bericht schreiben. Hugosson informiert uns au\u00dferdem, dass wir f\u00fcr die Klausur unsere Unterlagen verwenden d\u00fcrften. Im Normalfall hei\u00dft das entweder, dass die Klausur Fragen enth\u00e4lt, die nicht sehr tiefgehend sind, oder aber solche, die direkt unser Verst\u00e4ndnis der Materie \u00fcberpr\u00fcfen sollen. Ich werde bis dahin das Wichtigste wohl noch einmal lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach fahren wir getrennt unserer Wege. Die einen nach Hause, andere sonst wohin, und ich will in die Bibliothek. Mein Postfach ist, dem Datum entsprechend, ziemlich voll. Was meinen Blick auch auf die Menge an SPAM lenkt, die ich jeden Tag bekomme. Es sind mittlerweile etwa 20 solche Mails, die meisten davon Werbung, aber auch einige, die keinen sinnvollen Text enthalten. Manche schaffen es trotz Spamfilter in mein Postfach und ich bin bereits am \u00fcberlegen, ob ich meine Adresse nicht mal wieder \u00e4ndern sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich fahre ins Ito Y\u00f4kad\u00f4 und hole meine Bestellung ab, den <em>\u201eStreetfighter II Animated Movie\u201c<\/em>. Einen Geburtstagsrabatt will man mir leider nicht gew\u00e4hren. Dann gehe ich in die Konsolenabteilung und frage dort nach einer japanischen Version von <em>\u201eCommand &amp; Conquer\u201c<\/em>. Die US (NTSC) Version \u201ebr\u00fcstet\u201c sich mit der Option, dass man als Passwort den Begriff \u201eGodzilla\u201c eingeben kann, worauf die Sprache der Truppen auf Japanisch umschaltet. Das funktioniert in der Euroversion (PAL) leider nicht, also lege ich mir doch gleich die japanische Ausgabe zu. Allerdings ist das Spiel nicht auf Lager, was mich bei dem Alter des Spiels auch wenig wundert. Mir erscheint allerdings die Verk\u00e4uferin aber ein wenig alt f\u00fcr eine solche Abteilung. Ich muss ihr zuerst erkl\u00e4ren, dass es einen Unterschied zwischen <em>\u201ePlaystation\u201c<\/em> und <em>\u201ePlaystation 2\u201c<\/em> gibt und dass es sich bei dem gesuchten Spiel um Software auf zwei CDs handelt, und nicht um eine Datenkassette, wie man sie f\u00fcr Nintendo Konsolen verwendet. Die Frau macht ja einen wirklich netten Eindruck, wie so ziemlich alle Kaufhausangestellten in Japan, aber ich kann aus ihrem Gesicht zum Beispiel auch nicht herauslesen, ob sie verstanden hat, was ich gerade gesagt habe, und sie redet in dem Kaufhaus mit all seinen Ger\u00e4uschen mit einer relativ leisen Stimme. Sie wolle bis morgen herausfinden, ob man das Spiel noch bekommen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen Augenblick sp\u00e4ter erblicke ich in der N\u00e4he der Kasse, an der ich mich gerade befinde, den japanischen John Belushi. Man stelle sich also einen gut ern\u00e4hrten Japaner in einem Anzug vor, wie ihn die <em>Blues Brothers<\/em> tragen, mit Hut und Sonnenbrille, auch die Frisur mit den Koteletten stimmt \u2013 aber mit Strohsandalen an den F\u00fc\u00dfen. Das sieht so absurd aus, dass es lustig wirkt. Und er wird seinem \u00c4u\u00dferen auch in seinem Verhalten gerecht. Der Mann (um die Mitte 20) scheint mir stark von <em>\u201eDance Dance Revolution\u201c<\/em> gesch\u00e4digt, da er, w\u00e4hrend sein Kamerad (in normaler Kleidung) gerade etwas bezahlt, zu tanzen beginnt. Und ich rede jetzt nicht von Walzer oder Tango. Sch\u00f6n koordinierte Beinarbeit, aber ich pers\u00f6nlich h\u00e4tte das vielleicht nicht gerade an der Kasse im Kaufhaus gemacht. Ich h\u00e4tte ihn nach einem Foto fragen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ich keine Motivation versp\u00fcre, bis morgen zu warten, um zu erfahren, ob ich das gew\u00fcnschte Spiel eventuell bekommen k\u00f6nnte, fahre ich in einen der Spielel\u00e4den und frage dort nach. Ja, hei\u00dft es da, man k\u00f6nne das Spiel als Neuversion bestellen, also tue ich das. F\u00fcr den unversch\u00e4mten Preis von 4200 Yen. Das ist wirklich kein schlechter Preis f\u00fcr ein Spiel, dessen europ\u00e4ische Version man wahrscheinlich bereits in Spielsammlungen zusammen mit drei anderen Spielen f\u00fcr 5 E kaufen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Schluss gehe ich mit Melanie zu Daij\u00f4-san essen. Das Ebi-Donburi ist ganz hervorragend, darf ich feststellen. Die CD der Yoshida Br\u00fcder schaue ich immer gezielter an, aber es widerstrebt mir auch weiterhin, mir eine CD zu kaufen, ohne vorher mal reingeh\u00f6rt zu haben. Ich werde auf der Homepage des Vertriebs mal nach Sampletracks sehen, oder den CD Verleih bem\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp; In diesem Spiel gibt es keinen globalen Handel. Nach etwa zwei Jahren sinken in einer Region die \u00d6lpreise, dann muss man die vorhandenen Quellen stilllegen und mit Hilfe des bereits gewonnenen Kapitals eine Bohrgenehmigung und das notwendige Material woanders kaufen, wo der Preis noch hoch ist. Wenn im zweiten Bohrgebiet der Preis dann verf\u00e4llt, hat er sich im ersten wieder erholt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich muss nat\u00fcrlich gerade an einem Mittwoch Geburtstag haben, am l\u00e4ngsten Tag der Woche! 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