{"id":3967,"date":"2024-06-23T07:00:00","date_gmt":"2024-06-23T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3967"},"modified":"2024-06-19T09:29:46","modified_gmt":"2024-06-19T07:29:46","slug":"mittwoch-23-06-2004-besser-unter-der-matratze-sparen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3967","title":{"rendered":"Mittwoch, 23.06.2004 \u2013 Besser unter der Matratze sparen!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ogasawara-sensei l\u00e4sst uns heute, wie bef\u00fcrchtet, <em>\u201eShima Uta\u201c<\/em> singen, aber es wird nicht ganz so grausig wie die letzte Vorstellung. Sie hat sich w\u00e4hrend einer Reise nach Tokyo am vergangenen Wochenende die <em>\u201cSingle Collection +\u201c<\/em> von <em>\u201eThe Boom\u201c<\/em> gekauft, weil sie die Zeit nicht aufwenden wollte, die <em>\u201eShima Uta\u201c<\/em> Maxi CD zu bestellen. Dr. \u201eDragon\u201c Chen m\u00f6chte sich die Doppel-CD auch gleich ausleihen und ich werde wohl das gleiche tun, sobald er sie wieder zur\u00fcckgibt. Vielleicht kann man ja auch mit anderen Liedern der Gruppe was anfangen, obwohl ich es eigentlich bezweifle. <em>\u201eShima Uta\u201c<\/em> ist ja nur von <em>\u201eThe Boom\u201c<\/em> gecovert, und m\u00e4nnliche japanische S\u00e4nger haben bei mir eine weitaus niedrigere Erfolgsquote als ihre weiblichen Kolleginnen.<br>Mir f\u00e4llt immer wieder auf, wie mies J-Pop, japanische Popmusik, eigentlich ist. Nat\u00fcrlich gibt es Lieder, viele sogar, die gut sind, bzw. die mir gefallen, aber das sind prozentual nicht viele. Ich kann auch nicht begr\u00fcnden, warum mir Soundtracks von Anime im Schnitt weit besser gefallen, als das, was in den lokalen Hitparaden so l\u00e4uft. Bei <em>\u201eMusic Station\u201c<\/em> (in gewissem Sinne das japanische Gegenst\u00fcck zu den deutschen Sendungen <em>\u201eFormel Eins\u201c<\/em> oder <em>\u201eHitparade\u201c<\/em>) rollen sich mir regelm\u00e4\u00dfig die Zehenn\u00e4gel hoch, also sehe ich mir das lieber nicht mehr an. Was lief da doch letztlich? Ein weibliches Rap-Duo gab da eine Art Mix aus Rap und HipHop zum Besten: <em>\u201eI know, you know, I\u2019m going to za Machi\u201c<\/em> (= <em>\u201e&#8230; the city\u201c<\/em>). Das ist mindestens genau so schlimm wie die \u201edeutsche\u201c Liedzeile <em>\u201eDu bist so sweet wie Candy\u201c<\/em>, die stammt aus den 60ern, soweit ich wei\u00df.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SangSu referiert in Kond\u00f4s Unterricht heute \u00fcber das japanische Bankensystem, muss aber eingestehen, dass er die Erl\u00e4uterungen des Autors nicht ganz verstanden hat. Dabei ist das Prinzip nicht schwer zu verstehen. M\u00f6glicherweise ist er an Vokabeln gescheitert. Also schwimmt Kond\u00f4-sensei ganz in seinem Element und f\u00fcllt die L\u00fccken meines koreanischen Nachbarn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Prinzip gibt es in Japan Versicherungen und private Banken, die ihr Geld damit verdienen, dass sie f\u00fcr Zinsen Geld an Unternehmen verleihen oder aber f\u00fcr Gewinnbeteiligungen Geld in Unternehmen investieren \u2013 mit Ausnahme von kleinen Unternehmen, da man diese in der Regel nicht als kreditw\u00fcrdig betrachtet. Wegen der im Vergleich zu amerikanischen Banken geringeren Kapitalr\u00fccklagen der japanischen Institute ist das Risiko, das Geld nicht wieder zu sehen, f\u00fcr die hiesigen Kreditanstalten zu gro\u00df. Wie die kleinen Unternehmen an ben\u00f6tigte Kredite kommen, werde ich sp\u00e4ter ausf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben den privaten Kreditinstituten gibt es noch die staatliche Post, die nicht nur Brief- und Paketdienste anbietet, sondern auch Versicherungen und Bankgesch\u00e4fte. Allerdings fehlen der Postbank die personellen Kapazit\u00e4ten, um effektiv mit privaten Unternehmen Gesch\u00e4fte zu machen, und diese Mittlerrolle \u00fcbernimmt der japanische Staat. Zum Leidwesen der meist ebenso ahnungslosen wie naiven japanischen Sparer verwendet die Regierung die Sparguthaben als \u201eErsatzhaushalt\u201c, als zweiten und inoffiziellen Staatshaushalt, was nat\u00fcrlich nicht legal ist, aber in Japan ist grunds\u00e4tzlich alles erlaubt, wobei man sich nicht erwischen l\u00e4sst. Die Regierung investiert das Geld der Sparer in (meist vom Staat selbst initiierte) Bauprojekte, wie zum Beispiel den nie endenden Bau auch unn\u00f6tiger Autobahnstrecken, um die politisch einflussreichen Bauunternehmen zu befriedigen.<br>Die \u00dcbersicht \u00fcber die Investitionen (und deren Rentabilit\u00e4t) der vergangenen zehn Jahre zeigt deutlich, dass das Geld zum gr\u00f6\u00dften Teil in den Sand gesetzt worden ist und dass die Regierung wiederholt auf den <strong>offiziellen<\/strong> Staatshaushalt zur\u00fcckgreifen musste, um das Geld der Sparer ersetzen zu k\u00f6nnen. Die F\u00e4higkeit der Postbank, Zinsen an die Kunden auszahlen zu k\u00f6nnen, ist einer immer weiter wachsenden Gefahr ausgesetzt, w\u00e4hrend man der \u00d6ffentlichkeit auch weiterhin erkl\u00e4rt, dass Postbankguthaben absolut sicher seien, weil der Staat (angeblich) nicht Bankrott machen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Thema der Kredite f\u00fcr kleine Unternehmen und Privatleute erz\u00e4hlt Kond\u00f4 weiter, dass diese h\u00e4ufig auf so genannte \u201eSchwarze Kredite\u201c angewiesen seien, was keineswegs bedeutet, dass es sich dabei um illegale Finanzgesch\u00e4fte, vielleicht mit der Yakuza, handelt (oder handeln muss). Er nennt als popul\u00e4re Beispiele <em>\u201eAcomu\u201c<\/em> und <em>\u201ePromise\u201c<\/em>. Jedes Kind in Japan kennt diese Firmen aus der eing\u00e4ngigen TV-Werbung und Kond\u00f4-sensei wiederholt zu unserem Vergn\u00fcgen die Melodien, <em>\u201eHa-ji-mete no A-co-mu\u201c<\/em> und <em>\u201ePu-ro-mi-su\u201c<\/em>, um unserem Ged\u00e4chtnis auf die Spr\u00fcnge zu helfen, obwohl es eigentlich nicht notwendig ist, weil niemand, der einmal eine Werbung f\u00fcr <em>\u201eAcomu\u201c<\/em> und <em>\u201ePromise\u201c<\/em> gesehen hat, sie jemals wieder vergessen k\u00f6nnte, was a) an den Ohrwurm-Jingles der Firmen und b) an den Models liegt, die in der Werbung auftreten. Dann rechnet er an einem Beispiel vor, wie sich ein solcher Kredit entwickelt, und eigentlich reicht es v\u00f6llig aus, zu sagen, dass die Zinsraten sich auf einem Level kurz vor 30 % halten. Sein Fazit: <em>\u201eSollten Sie je einen Kredit brauchen, gehen Sie niemals zu Promise oder Acomu!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hugosson stellt uns heute ein Konzept vor, dass man wohl mit \u201eGesellschaftsverantwortungsbericht\u201c \u00fcbersetzen k\u00f6nnte. Es handelt sich jeweils um Schriftst\u00fccke von gro\u00dfen Privatunternehmen, die darin hervorheben, welche ihre guten Taten des vergangenen Jahres waren, also welche allgemeinn\u00fctzigen Projekte oder Fonds oder Stiftungen finanziert wurden und derlei Dinge. Wir sollen f\u00fcr die Stunde \u00fcbern\u00e4chste Woche einen solchen Bericht auftreiben und zusammenfassen. Ich bezweifle, dass die Waffen- und R\u00fcstungsindustrie solche Berichte anfertigt, aber ich kann ja mal nachsehen. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp; Die beiden Japanerinnen waren die Band HARUCARI, deren Lieder ich eigentlich sch\u00e4tze \u2013 allerdings hatten die beiden kurz zuvor ihren Schulabschluss gemacht, waren also nicht mehr an Kleider- und Frisurvorschriften ihrer Schule gebunden, und ich habe sie deshalb schlicht nicht erkannt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ogasawara-sensei l\u00e4sst uns heute, wie bef\u00fcrchtet, \u201eShima Uta\u201c singen, aber es wird nicht ganz so grausig wie die letzte Vorstellung. 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