{"id":3953,"date":"2024-06-18T07:00:00","date_gmt":"2024-06-18T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3953"},"modified":"2024-06-10T22:24:46","modified_gmt":"2024-06-10T20:24:46","slug":"freitag-18-06-2004-reis-reis-reis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3953","title":{"rendered":"Freitag, 18.06.2004 \u2013 Reis, Reis, Reis"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe fr\u00fch ins Center, um mit meiner Daten\u00fcbertragung fertig zu werden, damit ich mit Misi die Memorysticks wieder tauschen kann. Ich lerne nebenher meine Vokabeln und lese ein paar <em>\u201eKevin &amp; Kell\u201c<\/em> Comicstrips. Ich erfahre dabei, dass man auch B\u00fccher davon kaufen kann, man kann sie im Internet bestellen. Aber eine Ausgabe kostet umgerechnet 10 E, und zwar ohne Angabe, wie viele Seiten oder Strips ich daf\u00fcr bekomme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil Eve gerade da ist, kl\u00e4re ich mit ihr ein paar Einzelheiten meines Kampfberichtes. Sie hat sich dazu bereit erkl\u00e4rt, ihn nach Fehlern zu durchsuchen, obwohl ihr das Thema nichts bis wenig sagen d\u00fcrfte, aber ich habe sie eingehend vorgewarnt, um was es dabei geht und sie hat trotzdem zugestimmt. Leider ist sie die einzige Muttersprachlerin vor Ort; w\u00e4ren Dave oder David noch da, h\u00e4tte ich die fragen k\u00f6nnen. Ich glaube, dass m\u00e4nnliche Leser eher einen Bezug zu dieser Materie haben k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kuramata-sensei hat einen Professor zu Gast, der eine \u201eechte\u201c Vorlesung \u00fcber die wirtschaftliche und \u00f6kologische Bedeutung des Reisanbaus f\u00fcr Japan h\u00e4lt \u2013 das hei\u00dft, er hat eine Powerpoint-Pr\u00e4sentation vorbereitet und liest den Text exakt so ab, wie er auf der Leinwand erscheint. Aber gut, Stil beiseite. Ich habe mich schon woanders mehr gelangweilt. In seinem Text hei\u00dft es, dass Reisfelder das Land vor Taifunen sch\u00fctzen. Dieser Punkt ist mir nicht klar und ich frage nach. Die Reisfelder fungieren als ein gigantisches Netz vieler kleiner Staud\u00e4mme und nehmen das Regenwasser auf, weswegen \u00dcberflutungen in Japan eine eher seltene Erscheinung seien. Ja, wenn <strong>ich<\/strong> \u201eTaifun\u201c h\u00f6re, muss ich in erster Linie an einen heftigen Sturm denken, und erst lange danach kommt mir der Gedanke an Regen. Offenbar ist die Trennung von \u201eSturm\u201c und \u201esintflutartiger Regen\u201c in japanischen K\u00f6pfen nicht so strikt wie in europ\u00e4ischen.<br>Dann erscheint unter \u201ewirtschaftlichem Nutzen\u201c die Aussage <em>\u201eReisfelder schm\u00fccken die Landschaft und ziehen Touristen aus den Gro\u00dfst\u00e4dten an\u201c<\/em>. Nun ja, \u00fcber die \u00c4sthetik von Reisfeldern kann man sich streiten, aber man kann wohl sagen, dass es sch\u00f6n aussehen kann, wenn der Reis in Bl\u00fcte steht. <em>\u201eWie ein goldener Teppich auf dem Land\u201c<\/em> sagen manche Beobachter.<br>Interessant fand ich auch das Argument <em>\u201eReisfelder nehmen Giftstoffe (engl.: contaminants) auf und reinigen die Luft\u201c<\/em>. Ja, wenn sich das Gift im Reisfeld sammelt, landet es dann nicht in meiner Sch\u00fcssel? Dar\u00fcber muss der Professor einen Augenblick nachdenken, wirft einen Blick in die japanische Vorlage und meint dann: <em>\u201eDas verwendete Wort (Giftstoffe) ist vielleicht keine gute Wahl gewesen. Damit sind Stoffe wie Kohlendioxid gemeint.\u201c<\/em> Aha, damit wird der Fall schon klarer.<br><em>\u201eAber machen das nicht alle Pflanzen?\u201c<\/em><br>Der Professor lacht (verlegen?): <em>\u201eJa, nat\u00fcrlich&#8230; aber dennoch ist es auch ein Vorteil der Reispflanze, oder?\u201c<\/em><br>Wie kommt mir diese Argumentation vor?<br><em>\u201eBenennen Sie die Vorteile eines Rotstiftes!\u201c<\/em><br><em>\u201eMan kann damit schreiben.\u201c<\/em><br>Unter den statistischen Angaben findet sich die folgende Angabe, die mir (in aktuellerer Version) durch den Vortrag von Nim \u00fcber Reisanbau in Japan bereits bekannt war: <em>\u201eEtwa die H\u00e4lfte der japanischen Bauern pflanzt ausschlie\u00dflich Reis an.\u201c<\/em><br>Ja, sind die denn alle von Sinnen?<br><em>\u201eWarum pflanzen die denn keine Variet\u00e4t von Reis, Gem\u00fcse und Obst, damit ihnen ein schlechtes Jahr nicht alles nimmt, was sie investiert haben?\u201c<\/em><br>Darauf wei\u00df er keine Antwort. Eine weitere Frage, die ihm unangenehm scheint. <em>\u201eJa, das w\u00e4re sicherlich besser.\u201c<\/em> sagt er. Warum kommt es mir vor, als h\u00e4tte ich heute <strong>nur<\/strong> Fragen gestellt, die nicht genehm waren?<br>Die Statistiken offenbaren mir eine weitere Schwachstelle: Ich habe an anderer Stelle erw\u00e4hnt, dass Japan nur 40 % seines Kalorienbedarfs selbst decken k\u00f6nne, die Reisversorgung aber sichergestellt sei. Klingt gut, vor allem als Wahlkampfslogan: <em>\u201eDie Reisversorgung ist sicher!\u201c<\/em> Aber das hat einen Grund, der den Slogan ins Stolpern bringt: Seit dem Beginn der Sechziger Jahre ist der Pro-Kopf-Reisverbrauch aufgrund des steigenden Verzehrs von Brot und Nudeln von etwa 120 kg auf knapp 50 kg pro Jahr gefallen. Das hei\u00dft, wenn den Japanern Brot und Nudeln pl\u00f6tzlich nicht mehr schmecken w\u00fcrden (oder wenn sie der ewigen <em>\u201eEsst mehr Reis!\u201c<\/em> Propaganda nachgeben w\u00fcrden), dann w\u00fcrde der Reis eben <strong>nicht<\/strong> reichen und es m\u00fcssten gewaltige Mengen importiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Apropos Reisimporte: Japan wurde vor einiger Zeit von der Welthandelsorganisation WTO gezwungen, pro Jahr etwa 700.000 Tonnen Reis aus anderen ostasiatischen Staaten zu importieren (was etwa 9 % des eigenen Erntevolumens ausmacht). Dieser Reis aber landet nicht auf dem japanischen Markt, sondern wird in Hafenhallen gelagert, um bei Bedarf in Staaten mit Ern\u00e4hrungsengp\u00e4ssen geliefert zu werden, also zum Beispiel nach Nordkorea. Das mag an sich sehr nobel sein, aber f\u00fcr diese Starrsinnigkeit gegen\u00fcber dem Import von Reis kann man nur die Machtliebe der Liberaldemokratischen Partei LDP verantwortlich machen. Japanische Bauern sind aufgrund der Primitivit\u00e4t ihrer Mittel \u00fcberhaupt nicht in der Lage, mit dem Ausland zu konkurrieren, sie w\u00fcrden untergehen, weil der Reis aus dem Ausland nicht nur billiger, sondern zum Teil auch besser ist. Allerdings stellen Reisbauern einen erheblichen Anteil der LDP W\u00e4hlerschaft, und die Partei hat nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes Interesse daran, ihre jahrzehntelange Alleinherrschaft aufrecht zu erhalten.<br>Der gr\u00f6\u00dfte Nachwuchsfaktor f\u00fcr Reisbauern ist \u00fcbrigens nicht der Familiennachwuchs der Bauern selbst, sondern Leute \u00fcber 50, die sich pensionieren lassen, um dann als Bauern auf dem Land zu leben. Der Bauernstand veraltet, im wahrsten Sinne des Wortes. Der durchschnittliche Reisbauer ist um die 60 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ogasawara-sensei gibt uns unsere Klausuren zur\u00fcck und bespricht sie. Ich komme auf 61 % und habe damit meinen Schnitt seit dem vergangenen Semester weiter gesteigert. Man muss es auch positiv sehen k\u00f6nnen. <br>Zuletzt gehen wir <em>\u201eShima Uta\u201c<\/em> weiter durch und sollen f\u00fcr die kommende Stunde den Text fl\u00fcssig ablesen k\u00f6nnen \u2013 was bedeutet, dass mal wieder gesungen wird. Hat ihr denn die Vorstellung vom letzten Mal nicht ausgereicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe ins Center und rede eine Weile mit Marc. Wie wir darauf kommen, wei\u00df ich nicht mehr, aber er erz\u00e4hlt von <em>\u201eBaldur\u2019s Gate II\u201c<\/em>, einem Rollenspiel f\u00fcr PC, das offenbar gro\u00dfe Spielr\u00e4ume f\u00fcr das Verhalten des Charakters l\u00e4sst, und das interessiert mich. Nichts ist \u00fcbler in einem Rollenspiel, als dem Spieler keine Aktionsfreir\u00e4ume abseits der Haupthandlung zu belassen.<br>Izham, der Malaye, r\u00e4t mir, es auch mal mit <em>\u201eWorld of Warcraft\u201c<\/em> zu versuchen. Ich wiederum tue mein bestes, ihn f\u00fcr <em>\u201eCombat Mission\u201c<\/em> zu erw\u00e4rmen, weil er ein Faible f\u00fcr Taktik- und Strategiespiele zu haben scheint, also gebe ich ihm die CD mit, bevor ich mich in die Bibliothek verziehe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gehe fr\u00fch ins Center, um mit meiner Daten\u00fcbertragung fertig zu werden, damit ich mit Misi die Memorysticks wieder tauschen kann. Ich lerne nebenher meine Vokabeln und lese ein paar \u201eKevin &amp; Kell\u201c Comicstrips. Ich erfahre dabei, dass man auch B\u00fccher davon kaufen kann, man kann sie im Internet bestellen. 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