{"id":3941,"date":"2024-06-12T07:00:00","date_gmt":"2024-06-12T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3941"},"modified":"2024-06-10T21:14:28","modified_gmt":"2024-06-10T19:14:28","slug":"samstag-12-06-2004-anprobe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3941","title":{"rendered":"Samstag, 12.06.2004 \u2013 Anprobe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gem\u00e4\u00df der Einladung, es geht um den Erwerb einer Schuluniform, finde ich mich um 09:55 bei Jins Haus ein. Wir, Vater Jin Y\u00fbtaka und meine Wenigkeit, setzen uns ins Auto und fahren zum Ito Y\u00f4kad\u00f4. Aha, also wurde offenbar die einfachste L\u00f6sung gew\u00e4hlt. Der Schneider erkennt mich auch tats\u00e4chlich wieder und meint <em>\u201eIch habe Sie doch schon einmal gesehen, oder?\u201c<\/em> Ja, ich bin vor zwei Monaten bereits einmal hier gewesen und habe Preisinformationen eingeholt.<br>Er hat also zwei \u00fcbergro\u00dfe Uniformen kommen lassen und ich probiere sie an. Die passen wunderbar, nur die Hosenbeine und die Jacken\u00e4rmel sollten ein wenig gek\u00fcrzt werden. Die Hose ist etwas weit (ich nehme die <strong>mittlere<\/strong> angebotene Gr\u00f6\u00dfe), aber er sagt, das sei normal und besser so.<br>Ich habe bei der Jacke extra darauf geachtet, dass ich mich ungest\u00f6rt bewegen kann und nicht gleich den R\u00fccken aufrei\u00dfe, wenn ich mich b\u00fccke oder mit dem Armen rudere. Schultern und Brust sind kein Problem. Das \u00c4ndern kostet nichts extra, das f\u00e4llt unter \u201eService\u201c. Na, ich will das auch gehofft haben, immerhin reden wir hier von einer ziemlichen Menge Geld, die den Besitzer wechseln wird. Ich bitte auch um andere Kn\u00f6pfe. Die Standardausf\u00fchrung wird mit \u201eCh\u00fb\u201c Kn\u00f6pfen geliefert, also mit dem Symbol f\u00fcr eine <strong>Mittel<\/strong>schule. \u201eK\u00f4\u201c (f\u00fcr <strong>Ober<\/strong>sch\u00fcler) w\u00fcrde ich mir noch gefallen lassen, aber \u201eDai\u201c (f\u00fcr <strong>Hoch<\/strong>schule, Universit\u00e4t) w\u00e4re mir nat\u00fcrlich am liebsten. Man m\u00fcsse nur im Seikyo anfragen, ob es solche Kn\u00f6pfe auch gebe, sagt er, aber ich m\u00fcsse diese Kosten dann selbst tragen.<br>W\u00e4hrend ich meine eigenen Hosen wieder anziehe, geht Jin-san mit dem Schneider zur Kasse und erledigt die Anzahlung. Als wir dann zum Auto zur\u00fcckgehen, sagt er: <em>\u201eDu hast n\u00e4chsten Monat Geburtstag, also betrachte die Anzahlung bitte als Geschenk.\u201c<\/em> Da klappt mir dann doch die Kinnlade runter und ich bedanke mich reichlich stammelnd, weil mir gerade die Worte fehlen. Immerhin geht es hier um 10.000 Yen, und das ist knapp ein Viertel des zu zahlenden Preises. Mir bleiben also noch 35.000 Yen Eigenkosten zzgl. des Preises f\u00fcr die Kn\u00f6pfe. Ich werde noch eine schriftliche Dankbezeigung an ihn richten&#8230; ich habe mir eine Menge \u201eGiri\u201c, \u201eEhrenschuld\u201c m\u00f6chte ich das nennen, aufgeb\u00fcrstet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich m\u00f6chte auch noch ein \u201eGeheimnis\u201c des englisch-japanischen Vokabulars einschieben, weil ich Dr. Jin in eben diesem Moment, beim Verlassen des Parkhauses, um eine Erl\u00e4uterung bitte. Es geht um einen Ausdruck, den man in der Werbung oft h\u00f6rt: <em>\u201eDramatic\u201c<\/em>. Im Winter war auf Werbeplakaten die Rede von <em>\u201eDramatic Christmas\u201c<\/em> und eine Immobilienfirma wirbt derzeit mit dem Slogan <em>\u201eDramatic Life for you\u201c<\/em>. Wenn ich das nun lese, verstehe ich <em>\u201eDramatische Weihnachten\u201c<\/em> und <em>\u201eEin dramatisches Leben f\u00fcr Sie\u201c<\/em>, und das klingt f\u00fcr mich alles andere als positiv. Das klingt nach Schlagzeilen in einer Tageszeitung, nach ungewollter Action, nach Stress. Jin-san erkl\u00e4rt mir, dass der Begriff in Japan ganz anders aufgefasst werde: <em>\u201eWie im Film\u201c<\/em> \u2013 was mir andeutet, dass die Japaner den Begriff mit einer urspr\u00fcnglicheren Konnotation auffassen, als es die westliche Welt heutzutage tut. Er findet meine Erl\u00e4uterung \u201edramatischer Weihnachtstage\u201c lustig. Schwarzeneggers <em>\u201eJingle all the Way\u201c<\/em> (<em>\u201eVersprochen ist versprochen\u201c<\/em>), <strong>das<\/strong> sind \u201edramatische Weihnachten\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir fahren aus der Stra\u00dfe raus auf den Parkplatz des McDonald\u2019s Restaurants, in dessen Inneren der Rest der Familie auf uns wartet. Aha, ein abgekartetes Spiel! Ich muss mich zuerst mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen dagegen wehren, mir ein Essen ausgeben zu lassen, denn erstens mag ich McDonald\u2019s nicht besonders, zweitens habe ich erst vor kurzem gefr\u00fchst\u00fcckt und drittens habe ich mir heute schon genug f\u00fcr die n\u00e4chsten paar Jahre ausgeben lassen. Ich schaffe es schlie\u00dflich, mich mit dem Argument, dass man von dem Zeug nur fett werde, zu retten, was mir nicht nur einen belustigt-strengen Blick mit angeh\u00e4ngtem Kommentar der Mutter einbringt <em>(\u201eBis <strong>Du<\/strong> fett wirst, dauert\u2019s noch ein bisschen!\u201c<\/em>), sondern auch noch eine Portion kalorienarmen Salat mit weniger kalorienarmen Pommes Frittes als Beilage.<br>Die Familie bespricht schlie\u00dflich die Aktivit\u00e4ten f\u00fcr den Monat Juli. Ob ich nicht beim Kleben der Lampenschirme f\u00fcr das Neputa-Fest im August helfen wolle? Sicher, warum auch nicht? Man sollte von mir keine Glanzleistungen in Sachen Fingerfertigkeit erwarten, aber Papier auf ein Gestell kleben sollte nicht allzu schwer sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist auch das \u201e80-Prozent-Gespr\u00e4ch\u201c. In Japan ist die Zahl Acht eine Gl\u00fcckszahl, weil das Zeichen aus zwei Strichen besteht, die, wie ein Zelt, unten weiter auseinander stehen als oben. Im japanischen Sinne steht das f\u00fcr eine positive Entwicklung. Und deshalb sagt man hier, dass man gesund lebe, wenn man jeweils 80 % von dem esse, was man maximal verdr\u00fccken kann. Ich frage den Vater, was er als Arzt von dieser Aussage halte. Er meint, er glaube daran, begr\u00fcndet seine Meinung aber mit oben genannter Numerologie. Eine irgendwie wissenschaftliche Erl\u00e4uterung f\u00e4llt ihm entweder nicht ein, oder aber er will mir den Fachvortrag ersparen. Ich denke also nicht weiter dar\u00fcber nach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Y\u00fbtar\u00f4 verabschiedet sich irgendwann, und eine halbe Stunde (und ein paar Fotos) sp\u00e4ter treten auch wir \u00fcbrigen den R\u00fcckweg an. Y\u00fbmiko und ihre Mutter fahren mit dem Fahrrad nach Hause, ich werde mit dem Auto gefahren. Ich nehme mein Fahrrad wieder auf und fahre zur Bibliothek. Es ist hei\u00df heute, und allein der Gedanke daran, gerade eben einen tiefschwarzen Anzug bestellt zu haben, l\u00e4sst mich in Schwei\u00df ausbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frank nimmt mein Waffenstillstandsangebot an und fasst es auch nicht als Kapitulation auf. Aus gutem Grund: Der Punktestand zeigt 56:38 Punkte <strong>f\u00fcr mich<\/strong> an \u2013 aber der h\u00e4tte sich binnen weniger Spielz\u00fcge ge\u00e4ndert. Was ich als wirklich ausschlaggebend ansehe, ist die Tatsache, dass die Moral der zum Angriff angetretenen Briten auf 40 % und damit sogar unter die deutsche Endmarke von 42 % gefallen war. Ich w\u00fcrde in Realit\u00e4t von einem reichlich blutigen Unentschieden ausgehen. Auf die Faktoren, die dazu gef\u00fchrt haben, will ich aber nicht weiter eingehen. Wer m\u00f6chte, kann ja meinen Bericht lesen. Er ist mehr als 30 DIN A4 Seiten lang, in englischer Sprache. Die Fehleranalyse schreibe ich morgen, aber ich werde wohl auch damit die 40-Seiten-Grenze nicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heutige \u201eSailorMoon\u201c Episode ist ein wenig verwirrend. Mio f\u00e4llt vor Mamorus Motorrad auf die Stra\u00dfe und er bringt sie ins Krankenhaus, wo sie sich, nachdem sie wieder aufgewacht ist, \u00fcbereifrig an ihn heranmacht \u2013 was nur deshalb m\u00f6glich ist, weil er aus unerfindlichen Gr\u00fcnden bei ihr bleibt, anstatt sie einfach dem Arzt in die Hand zu dr\u00fccken und wieder zu verschwinden. Ich habe mal gelesen, dass Retter dieser Art in Japan lieber anonym bleiben, um der Person, der man geholfen hat, nicht das Gef\u00fchl zu geben, sich eine Verpflichtung aufgeladen zu haben. Ob das nun stimmt, sei dahingestellt. Vielleicht folge ich mal dem Beispiel des \u201eHelden\u201c unserer H\u00f6r\u00fcbungen im Japanischunterricht und frage f\u00fcnfzig Leute auf der Stra\u00dfe&#8230;<br>Als n\u00e4chstes schmieden Zoisyte und Venus (interessante Konstellation) einen finsteren Plan, dessen Zweck ich nicht wirklich verstanden habe, aber es geht darum, dass Usagi Mamoru vergessen soll. Die englische Zusammenfassung der Episode auf der Genvid-Seite im Internet verr\u00e4t mir, dass nach der subjektiven Logik der beiden ungleichen Verschw\u00f6rer das Zusammenkommen von Usagi und Mamoru (= Prinzessin Serenity und Prinz Endymion) zu einer Wiederholung der Geschichte des Mondreichs f\u00fchren werde = die Welt wird mal wieder untergehen, und das wollen wir nat\u00fcrlich vermeiden. Das Werkzeug, das den Ged\u00e4chtnisschwund herbeif\u00fchrt, soll eine klimpernde Spieluhr sein. Minako l\u00e4dt Usagi also zum Essen ein und spielt den Amnesiewalzer mit der Spieluhr, worauf Usagi theatralisch von ihren Erinnerungen an Mamoru verlassen wird.<br>W\u00e4hrenddessen verschleppt Mio, tats\u00e4chlich eine \u201edirekte\u201c Agentin von K\u00f6nigin Beryllia, den hypnotisierten Mamoru auf irgendein Dach (ich nehme an, weil man daf\u00fcr keine Stra\u00dfe sperren und Leute evakuieren muss, um in Ruhe drehen zu k\u00f6nnen). Vielleicht will sie ihn in die Selbstmordstatistik eingehen lassen? Nein \u2013 Beryllia will den schnatzen Kerl (den halbverhungerten Spargeltarzan) f\u00fcr sich selbst haben! Kunzyte erscheint und greift Mio an, weil er plant, Mamoru (Endymion) als Trumpfkarte gegen die K\u00f6nigin einzusetzen, der er nicht sonderlich viel untert\u00e4nige Verehrung entgegenbringt, aber Mio wird von Jedyte besch\u00fctzt, der ja immer noch \u00e4u\u00dferst loyal zur K\u00f6nigin steht. Dann kommen SailorMoon und SailorVenus und der aus seiner Hypnose erwachte Endymion dazu, und jeder k\u00e4mpft so irgendwie mit jedem. Ich habe v\u00f6llig die \u00dcbersicht dar\u00fcber verloren, wer hier warum mit wem gegen wen paktiert!<br>Sch\u00f6n ist dann wieder die Szene, wo Venus zwei Karten f\u00fcr ihr (Minakos) Konzert an Usagi \u00fcberreicht, die \u00fcberhaupt nicht versteht, warum sie Karten f\u00fcr Minakos Auftritt von SailorVenus erh\u00e4lt. Mamoru glaubt nicht, was er da sieht, und er sieht ein herrlich d\u00e4mliches Gesicht, das Sawai Miy\u00fb so hervorragend hinbekommt. Das hat die Hauptdarstellerin ihrem zweidimensionalen Vorbild voraus.<br>Ich glaube auch nicht, was ich da sehe, wenn auch aus anderen Gr\u00fcnden. Rei (Mars) hat vor Wochen bereits herausgefunden, dass Minako SailorVenus ist, und sie hat es nicht weitererz\u00e4hlt? Hat sie in der Kirche, die sie hin und wieder besucht, vielleicht eine Nase zu viel vom Weihrauch genommen? Vielleicht ist mir aber einfach nur entgangen, dass Venus darum gebeten hat.<br>Au\u00dferdem entsteht in der Szene die berechtigte Frage, woher Venus (man bedenke, was sie anhat und dass hier gerade wieder gek\u00e4mpft worden war) die Eintrittskarten hergenommen haben k\u00f6nnte, und das auch noch knitterfrei? In alten Fankreisen ist ja die These anerkannt, dass die Taschen der R\u00f6cke der Senshi multidimensional sind und dass da quasi unendlich viel Material reinpasst.<br>Zum Schluss folgt dann das Konzert, in dem Minako, bzw. Komatsu Ayaka, unter Beweis stellt, dass sie die B\u00fchnentauglichkeit eines C3PO \u00dcbersetzungsdroiden hat \u2013 eine komplett stocksteife Nummer, die sie da zeigt. Aber sie hat ja einen Grund: Sie ist krank und bricht auf der B\u00fchne zusammen! Theatralisch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gem\u00e4\u00df der Einladung, es geht um den Erwerb einer Schuluniform, finde ich mich um 09:55 bei Jins Haus ein. Wir, Vater Jin Y\u00fbtaka und meine Wenigkeit, setzen uns ins Auto und fahren zum Ito Y\u00f4kad\u00f4. Aha, also wurde offenbar die einfachste L\u00f6sung gew\u00e4hlt. 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