{"id":3938,"date":"2024-06-11T07:00:00","date_gmt":"2024-06-11T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3938"},"modified":"2024-06-10T12:04:37","modified_gmt":"2024-06-10T10:04:37","slug":"freitag-11-06-2004-trauer-in-stein-gemeisselt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3938","title":{"rendered":"Freitag, 11.06.2004 \u2013 Trauer in Stein gemei\u00dfelt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kuramata-sensei l\u00e4sst heute \u00fcber die Geschichte des Reisanbaus von der Yayoi-Periode (300 v. Chr. bis 300 n. Chr.) bis zu den Hungersn\u00f6ten der Edo-Zeit (1603 &#8211; 1868) referieren. Ein \u00e4lterer Professor hat das \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist zun\u00e4chst, dass man in dem Zeitraum f\u00fcr das vierte bis zum neunten nachchristlichen Jahrhundert keinerlei Reisanbau in Nordjapan nachweisen kann. Offenbar hat man damit aufgeh\u00f6rt. Die Historiker schreiben das einer Klimaver\u00e4nderung zu, die ein Absinken der Durchschnittstemperatur zu Folge hatte. Sinkt diese hier oben nur um zwei Grad im Jahresmittel, bleibt von der Reisernte nicht viel \u00fcbrig.<br>W\u00e4hrend der Edo-Zeit wiederum war Reis aus Tsugaru so beliebt, dass er bis nach Osaka verkauft wurde. Die an Gewinn interessierten Daimy\u00f4 (Landesf\u00fcrsten) verst\u00e4rkten also den Reisanbau, bis jeder nur halbwegs geeignete Zipfel Land mit Reisfeldern bedeckt war. Das brachte einen gewissen Wohlstand, aber nat\u00fcrlich erwies sich die Monokultur aus den bereits angedeuteten Gr\u00fcnden als Fehler.<br>In der Mitte des 18. Jh. erlebte die Gegend ein ziemlich k\u00fchles Jahr und die Ernte erbrachte nur ein schmales Minimum. Etwas Anderes, f\u00fcr Notf\u00e4lle dieser Art, hatte man nicht gepflanzt. Und wie auch sp\u00e4ter die britischen Gutsbesitzer mit der irischen Kartoffelernte z\u00f6gerten die japanischen Landesherren von Tsugaru nicht, auch das bisschen Reis, was vorhanden war, zur pers\u00f6nlichen Bereicherung zu verkaufen. Was folgte, war die wohl verheerendste Hungersnot in der Geschichte Japans, w\u00e4hrend der mehr als 100.000 Menschen an Unterern\u00e4hrung starben. Es gibt Belege, dass Leichenverzehr und Kannibalismus an der Tagesordnung waren.<br>Im S\u00fcden der Ebene von Tsugaru stehen unz\u00e4hlige Steindenkm\u00e4ler, die von den \u00dcberlebenden zur Ehre der Toten, aber wohl auch als Bitte um Verzeihung, errichtet worden waren. Dabei handelt es sich um die in Japan weit verbreiteten Steinfiguren, aber auch um Steinplatten, in die man ein Memorandum eingemei\u00dfelt hat. Etwas in der Art wie <em>\u201eAuf dass wir eine solche Not wie wieder erleben m\u00f6gen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ogasawara-sensei l\u00e4sst <em>\u201eShima Uta\u201c<\/em> laufen und den Text heraush\u00f6ren. Ganz fertig werden wir wegen der heutigen Grammatikf\u00fclle allerdings nicht. Sie bittet mich, ihr die CD noch ein paar Tage zu \u00fcberlassen, wogegen ich nat\u00fcrlich nichts einzuwenden habe. Dann \u00fcberlegt sie es sich aber anders und sagt, dass sie sich die CD eh selbst kaufen werde. Allerdings hat sie vergessen, die CD auch wieder in die H\u00fclle zu tun und bringt sie mir zehn Minuten sp\u00e4ter im Center vorbei. Ich bearbeite noch meine Post, k\u00f6nnte aber sonst von keinen Abenteuern singen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kuramata-sensei l\u00e4sst heute \u00fcber die Geschichte des Reisanbaus von der Yayoi-Periode (300 v. Chr. bis 300 n. 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