{"id":3916,"date":"2024-06-02T00:00:00","date_gmt":"2024-06-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3916"},"modified":"2024-05-25T22:49:30","modified_gmt":"2024-05-25T20:49:30","slug":"mittwoch-02-06-2004-die-bauern-unsere-beziehungen-und-die-neue-kuh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3916","title":{"rendered":"Mittwoch, 02.06.2004 \u2013 Die Bauern, unsere Beziehungen, und die Neue Kuh"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von den Leuten, die ich gestern um Rat gefragt habe, haben tats\u00e4chlich wie erwartet drei geantwortet. Meinen besten Dank. Ich erfahre leider nichts Neues, au\u00dfer, dass die weniger wissen als ich. Unter Trierer Studenten, die vor\u00fcbergehend ins Ausland ziehen, geht man davon aus, dass es notwendig sei, die R\u00fcckmeldung mit Hilfe der TuniKa in Trier vor Ort vorzunehmen, indem man einem Treuh\u00e4nder seine Karte \u00fcberl\u00e4sst und den bittet, die entsprechende \u00dcberweisung vorzunehmen. Dies entspricht aber nicht der Wahrheit \u2013 eine \u00dcberweisung des Semesterbeitrags mit Matrikelnummer als Verwendungszweck reicht v\u00f6llig aus. Am meisten wundert mich, dass Katsuki-sensei noch nicht geschrieben hat. Sie ist als notorische Fr\u00fchaufsteherin normalerweise recht schnell beim Beantworten der Post, und ich habe sogar einen hohen Priorit\u00e4tsgrad angegeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kond\u00f4-sensei l\u00e4sst den Unterricht heute ins Freie verlegen, weil das Wetter so sch\u00f6n ist. Dann dr\u00fcckt er Mei 1000 Yen in die Hand und sagt, sie solle bitte zum Automaten gehen und bitte f\u00fcr alle was zum Trinken besorgen. Sie bringt Tee. Und dieses Zeug aus dem Automaten, allem voran \u00d4long, ist einfach widerlich. Aber ich trinke ein paar Schlucke davon, um den Spender nicht zu beleidigen, wie man das in Japan halt macht.<br>Nim redet \u00fcber den Zustand der japanischen Landwirtschaft, und der zu Grunde liegende Aufsatz (von 2003) zeichnet da ein reichlich d\u00fcsteres Bild. F\u00fcnf Prozent der japanischen Bev\u00f6lkerung sind in der Landwirtschaft t\u00e4tig, in Deutschland sind es drei. Das ist an sich nicht atemberaubend. Die quantitative Reisversorgung ist sichergestellt, aber dennoch kann Japan aus sich heraus nur 40 % des nationalen Kalorienbedarfs decken. Die Nahrungsmittelimporte sind so hoch, dass sie die Exportgewinne in H\u00f6he von etwa 7 Trillionen Yen (ca. 53 Mrd. Euro) fast vollst\u00e4ndig aufzehren. Vom weltweiten Fischfang z.B. gehen 60 % (!) nach Japan.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Deutschland ist, laut Aussage des Verfassers, in der Lage, seinen Kalorienbedarf zu 99 % selbst zu decken. Nat\u00fcrlich bedeutet eine solche Angabe in der Statistik nicht, dass ein Staat mit einer S\u00e4ttigung von 100 % keine Importe br\u00e4uchte. Schlie\u00dflich k\u00f6nnte das auch bedeuten, dass das nationale Angebot zwar sehr kalorienhaltig, aber wenig abwechslungsreich ist.<br>Nim ist leider nicht leicht zu verstehen. Ihr Englisch (es mag nicht sehr gut sein, aber es ist auch nicht schlecht) macht dabei nur den geringsten Teil des Problems aus. Hinter ihr pl\u00e4tschert n\u00e4mlich der Brunnen, neben mir \u00fcbersetzt SangSu das Gesagte f\u00fcr Mei ins Koreanische und wir m\u00fcssen andauernd Ameisen von unseren Kleidern verjagen, weil es hier in der Umgebung offenbar einen volkreichen Staat gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Anschluss redet Hugosson, im Lehrsaal, \u00fcber <em>\u201eSoziales Kapital\u201c<\/em> (oder <em>\u201eGesellschaftliches Kapital\u201c<\/em>), was man auf gut Deutsch <em>\u201eVitamin B\u201c<\/em> nennt \u2013 Beziehungen. Wie viele Beziehungen wir denn h\u00e4tten, will er wissen. Ich gebe an, so um die 80 zu haben. Ich denke, so viele Leute stehen mir nahe genug, um sie um einen Gefallen bitten zu k\u00f6nnen, wenn es einmal notwendig sein sollte. Die Koreanerin JiGong schickt gleich <em>\u201eein paar Hundert\u201c<\/em> ins Rennen. Aha. Die Thail\u00e4nderin Nun setzt der Sache die Krone auf und gibt <em>\u201eum die 2000\u201c<\/em> an. Da f\u00e4llt mir ja die Kinnlade runter! Und ich habe echte Probleme, das zu glauben. Ich m\u00f6chte sch\u00e4tzen, dass es auf der Welt etwa 150 Leute gibt, die sich an meinen Namen oder an mein Gesicht (oder zumindest eines davon) erinnern k\u00f6nnen. Den \u201eharten Kern\u201c, also meine besten Freunde, gebe ich mit etwa einem halben Dutzend an, und da unterscheide ich mich nicht von den anderen, was meiner Meinung nach die These von den 2000 Kontakten weiter aush\u00f6hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als n\u00e4chstes, nach dem Unterricht, schreibe ich \u201eEntwarnungen\u201c an alle, die mir auf meine Anfrage geantwortet haben, und an meine Lehrerin. Dann gehe ich ins Sekretariat meiner hiesigen Fakult\u00e4t und beantrage die Immatrikulationsbescheinigung \u2013 auf Englisch, bitte. Das Papier werde binnen der n\u00e4chsten zwei Tage in meinem Postfach liegen, hei\u00dft es.<br>In eben jenem Postfach finde ich heute einen Bescheid des Centers, in dem ich aufgefordert werde, bis zum 30. Juni meine R\u00fcckreiseformalit\u00e4ten mit der Angabe meiner Reiseroute zu beginnen. Ich gehe also zu Prof. Fuhrt, um eine m\u00f6gliche Verl\u00e4ngerung zu kl\u00e4ren, aber er verweist mich an meine Kontaktstellen in Trier. Au\u00dferdem bietet er mir an, das Faxen der Immatrikulationsbescheinigung f\u00fcr mich zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich werfe am Abend einen Blick in die \u201eJapan Times\u201c und finde darin einen interessanten Bericht. Darin ist zu lesen, dass das japanische Unternehmen \u201eKirin\u201c es geschafft habe, eine Kuh zu z\u00fcchten, die gegen BSE immun sei. Man habe dazu ein Tr\u00e4gerprotein entfernt, das angeblich keine andere Funktion als das \u00dcbertragen von solchen Krankheiten habe. Die Kuh sei noch nicht geboren, sondern befinde sich derzeit noch im Mutterleib \u2013 nichtsdestotrotz laufen die Untersuchungen bereits. Jetzt frage ich mich allerdings, warum ausgerechnet eine Brauerei, wenn auch die zweitgr\u00f6\u00dfte Japans, solche Forschungen betreibt. Die verkaufen n\u00e4mlich Getr\u00e4nke jeder Art \u2013 nur keine Milch.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ich frage mich heute, ob diese Zahl korrekt berechnet war. Im Jahr 2020 betrug der japanische Anteil am weltweiten Fischkonsum (laut de.statista.com) n\u00e4mlich nur knapp 4 %.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a>&nbsp;&nbsp; Patente sind immer eine Kapitalanlage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den Leuten, die ich gestern um Rat gefragt habe, haben tats\u00e4chlich wie erwartet drei geantwortet. Meinen besten Dank. Ich erfahre leider nichts Neues, au\u00dfer, dass die weniger wissen als ich. 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