{"id":3906,"date":"2024-05-28T07:00:00","date_gmt":"2024-05-28T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3906"},"modified":"2024-05-25T14:39:44","modified_gmt":"2024-05-25T12:39:44","slug":"freitag-28-05-2004-spuren-im-schlamm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3906","title":{"rendered":"Freitag, 28.05.2004 \u2013 Spuren im Schlamm"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich verbringe den Morgen mit Vokabeln und Datentransfer, die vorletzte <em>\u201eAirmaster\u201c<\/em> CD kann ich fertigstellen. Auf die letzte muss ich noch warten, weil niemand die Episode Nummer 26 anbietet. Es die vorletzte Episode, und da ist f\u00fcr gew\u00f6hnlich am meisten los, deswegen m\u00f6chte ich nur ungern darauf verzichten. Ich sollte einigen Teams eine entsprechende Mail schreiben, aber f\u00fcr gew\u00f6hnlich sind die allergisch gegen Bestellungen, und die h\u00f6chste pers\u00f6nliche Meinung habe ich von Leuten, die Mails noch nicht einmal der H\u00f6flichkeit halber beantworten, nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kuramata-sensei, frisch vom Friseur gekommen, verkarrt uns zur chronologisch n\u00e4chsten Sehensw\u00fcrdigkeit: Eine Yayoi-Ausgrabungsst\u00e4tte. Bei Yayoi handelt es sich um die Zeitperiode nach J\u00f4mon. Die Periode ist angesiedelt von 300 v. Chr. bis 300 n. Chr. und ihre herausragenden Merkmale sind organisierter Reisanbau und der Gebrauch der T\u00f6pferscheibe. Wichtig f\u00fcr diese Zeit war auch die Verh\u00fcttung von Eisen und Bronze. <br>Eigentlich gibt es nicht schrecklich viel zu sehen. Man hat etwa einen Quadratkilometer alter Reisfelder ausgegraben, w\u00e4hrend von der Siedlung nur die Bodenvertiefungen der H\u00e4user \u00fcbriggeblieben sind, und einige Gr\u00e4ber. Bemerkenswert ist, dass man bis zur Entdeckung dieses Ortes 1982 nicht glaubte, dass es zur Yayoi Zeit so hoch im Norden Reisanbau gegeben hat. Man ging bis zu jenem Zeitpunkt davon aus, dass das Klima f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten des damaligen Ackerbaus zu k\u00fchl gewesen sei. Aber dennoch wurde hier erfolgreich Reis geerntet.Allgemein machten der Reisanbau und dessen Lagerung die Bildung gr\u00f6\u00dferer Siedlungen m\u00f6glich, da der Reis das seit der J\u00f4mon Periode \u00fcbliche Jagen und Sammeln deutlich erg\u00e4nzte. Das scheint an sich sehr positiv zu sein, allerdings belegen die Funde auch die Nachteile der verbesserten Lebensbedingungen.<br>Wie es scheint, ging der Reisanbau (und der damit verbundene gestiegene Wohlstand) mit der Entdeckung der Metallverarbeitung eine unheilige Allianz ein, da ab nun die ersten, wenn auch kleinen, Kriege um Anbaugebiete gef\u00fchrt wurden. Auf dem Friedhof gibt es Skelette ohne K\u00f6pfe, mit deutlichen Gewaltspuren an der Halswirbels\u00e4ule, und woanders fand man ein Skelett, zwischen dessen recht gut erhaltenen \u00dcberresten 13 Pfeilspitzen steckten. Es muss also stellenweise hei\u00df hergegangen sein. Reis hat offenbar nicht nur Vorteile. Die verbesserten Lebensbedingungen, der sich entwickelnde Wohlstand, f\u00f6rderten auch die Herausbildung einer deutlicheren hierarchischen Struktur in den Gemeinschaften, und nat\u00fcrlich zeigte sich auch, dass manche Anbaugebiete besser waren als andere. Und wo Menschen aufgrund welcher Umst\u00e4nde auch immer Macht und Gewalt \u00fcber das Schicksal anderer erhalten, wollen sie diese Macht ausbauen. Da ging er hin, der himmlische Friede der Urgesellschaft.<br>Die Hauptattraktion der Ausgrabungen sind die Fu\u00dfspuren, die sich im erh\u00e4rteten Schlamm erhalten haben. Sie stammen von Menschen, die etwa 1,50 bis 1,60 m gro\u00df waren. Daneben gibt es Ausstellungen von Vasen, Arbeitsger\u00e4ten und Reisk\u00f6rnern, ebenso wie Bronzeschmuck und Pfeilspitzen. Bronze wurde ausschlie\u00dflich zu Schmuckzwecken verwendet, wie uns der Angestellte erz\u00e4hlt.<br>Wir verabschieden uns dann \u2013 bis zum Sonntag. Dann machen wir den n\u00e4chsten Trip in dieses Dorf, wenn auch nicht wieder zu den Ausgrabungen. Wir werden uns am Sonntag im \u201eTa-ue\u201c \u00fcben \u2013 im Reis pflanzen. Ich hoffe, dass es nicht regnet, das k\u00f6nnte das schlammige Feld richtig unangenehm machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir kommen p\u00fcnktlich zum n\u00e4chsten Unterricht wieder zur\u00fcck und Ogasawara-sensei hat den Plan gefasst, die Kommunikation innerhalb der Klasse zu erh\u00f6hen, indem sie jede \u00dcbung von jemand anderem \u201emoderieren\u201c l\u00e4sst. Ich bekomme die l\u00e4ngste ab und muss den Inhalt erst einmal selbst verstehen, was die Sache nat\u00fcrlich in die L\u00e4nge zieht, aber der Kommunikation sehr dienlich ist, weil ich dauernd irgendwelche Fragen an die Leute stellen muss, um zu verstehen, um was es hier eigentlich geht.<br>Auch Shin soll eine \u00dcbung leiten, was wegen seiner Art zu sprechen f\u00fcr allgemeine Erheiterung sorgt. Han bricht dar\u00fcber in Tr\u00e4nen aus (zumindest kann ich keinen anderen kausalen Zusammenhang erkennen), und das nicht vor Lachen, das hier sieht ernst aus. <em>\u201eVielleicht sch\u00e4mt sie sich daf\u00fcr, dass alle \u00fcber den armen Kerl da vorne lachen und ihm das vielleicht nicht einmal bewusst ist?\u201c<\/em> sagt Melanie dazu. Ich will das nicht ausschlie\u00dfen, obwohl mir eine derart heftige Reaktion \u00fcbertrieben scheint. Es lacht ja niemand laut, aber das Grinsen ist allerorts breit. Allen voran bei Hans Ehemann Jo&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verbringe den Morgen mit Vokabeln und Datentransfer, die vorletzte \u201eAirmaster\u201c CD kann ich fertigstellen. Auf die letzte muss ich noch warten, weil niemand die Episode Nummer 26 anbietet. Es die vorletzte Episode, und da ist f\u00fcr gew\u00f6hnlich am meisten los, deswegen m\u00f6chte ich nur ungern darauf verzichten. 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