{"id":3904,"date":"2024-05-27T07:00:00","date_gmt":"2024-05-27T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3904"},"modified":"2024-05-20T18:26:37","modified_gmt":"2024-05-20T16:26:37","slug":"donnerstag-27-05-2004-kill-quentin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3904","title":{"rendered":"Donnerstag, 27.05.2004 \u2013 Kill Quentin!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem also wieder ein Mittwoch \u00fcberstanden ist, kann die Kugel auch wieder entspannter rollen. Allerdings tut sie das auf so langweilige Art, wie das eben nur an einem Donnerstag m\u00f6glich ist und mein Unwille gegen\u00fcber dem Schreiben \u201eformvollendeter\u201c Aufs\u00e4tze, egal in welcher Sprache, k\u00f6nnte kaum gr\u00f6\u00dfer sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann wollte ich eigentlich Yui treffen, aber ich habe die Uhrzeit vergessen. Also handele ich schnell, setze mich auf mein Fahrrad und fahre nach Osten, um das Denkod\u00f4 zu suchen. Ich wei\u00df nur, dass es sich in ungef\u00e4hrer Umgebung des Sakurano befindet, aber nicht mehr. Ich fahre also an dem Kaufhaus vorbei, einfach die Stra\u00dfe weiter runter nach Osten. Und ich finde zuerst das \u201ePower Depot\u201c, ebenfalls ein Laden, der Elektronikzeug verkauft. Na wunderbar, dann habe ich ja den Preisvergleich gerade zur Hand. Aha, 256 MB FlashMemory USB 2.0 gibt es hier f\u00fcr 7990 Yen, also f\u00fcr ungef\u00e4hr 60 E. Unversch\u00e4mterweise frage ich den Angestellten, wo denn das Denkod\u00f4 sei, und er erz\u00e4hlt es mir. An der Ampel links vom Laden rechts abbiegen und drei Ampeln weit nach S\u00fcden fahren, da k\u00f6nne ich links ein gelbes Geb\u00e4ude sehen, und das sei das Denkod\u00f4.<br>Am Denkod\u00f4 stelle ich mein Fahrrad lieber in den Schatten. Heute ist es nicht nur sonnig, sondern auch noch richtig warm dazu. Auf dem Sattel k\u00f6nnte man bestimmt ein Spiegelei braten, ohne beabsichtigte Anspielungen. Aber das Denkod\u00f4 erweist sich preislich als zweite Wahl: Das gleiche Produkt kostet dort 8490 Yen und die Auswahl ist deutlich kleiner \u2013 auf Wiedersehen. Ich fahre zur\u00fcck ins Power Depot und kaufe die Ware dort.<br>Ah, zweiteilig: Das Geh\u00e4use ist der Stecker, der den herausnehmbaren Speicherstein mit dem Computer verbindet. Ich k\u00f6nnte also einen Speicherstein mit mehr Platz hineintun, ohne gleich ein komplettes Teil kaufen zu m\u00fcssen \u2013 falls es in Deutschland ein vergleichbares Produkt gibt. Aber 256 MB reichen mir erst mal v\u00f6llig aus. Ich denke, es wird noch zwei oder drei Jahre dauern, bis gr\u00f6\u00dfere Dateien die Norm werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich fahre ins Center zur\u00fcck und warte auf Yui. Ich installiere schon mal die Treiber auf den entsprechenden Computern und erfahre dabei die ersten Probleme. Als die Verk\u00e4uferin sagte, der Treiber sei \u201edrin\u201c, dachte ich, der Treiber w\u00e4re vielleicht bereits auf dem Memorystick gespeichert und mache so eine Installations-CD \u00fcberfl\u00fcssig, weil ich auf den ersten Blick keine habe entdecken k\u00f6nnen und deshalb nachfragte. Was sie allerdings mit \u201edrin\u201c gemeint hat, war \u201ein dem kleinen Karton\u201c. Es handelt sich um eine kleine 8 cm CD-ROM, die ich beim Auspacken v\u00f6llig \u00fcbersehen habe. Und unsere Laufwerke hier stehen alle aufrecht&#8230; das hei\u00dft, ich muss den Computer kippen, damit die CD gelesen werden kann. Zu meiner \u00fcbergro\u00dfen Freude nimmt einer der drei Win98 Rechner den Treiber nicht an und ein weiterer reagiert \u00fcberhaupt nicht, wenn man etwas in seinen USB-Port hineinsteckt. Vermutlich v\u00f6llig zerschossen, da das bis vor kurzem mit Misis Speicher noch funktioniert hat. An meinem Teil kann es nicht liegen, denn wenn ich den Stick in die anderen Computer stecke, werde ich nach den Treibern gefragt und bei diesem M\u00fcllrechner hier geschieht noch nicht einmal das. Okay, dann eben nur einer von dreien. Ich brauche einen Plan!<br>Der Plan: Ich tausche meinen Speicherstein tempor\u00e4r gegen den von Misi, um meine Daten von Rechner Zwei auf Rechner Eins zu transportieren, auf dem mein Ger\u00e4t ja l\u00e4uft, tausche dann wieder zur\u00fcck und verschiebe weiter auf Rechner Vier, auf dem ich wegen Windows XP keinen Treiber zu installieren brauche und der den notwendigen Brenner hat. Man kann sich das Leben kaum komplizierter machen. Warum haben nicht gleich alle Rechner Brennerhardware? H\u00e4tte mir den Erwerb des Memorysticks erspart.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Yui erscheint schlie\u00dflich auf der Bildfl\u00e4che und wir gehen in die Halle. Da ich nur meine Beispiels\u00e4tze noch einmal durchgehen will und es ja nur um zwei Lektionen geht, braucht die Sache nicht lange und wir streichen den vorsorglich ausgemachten Termin am Wochenende. Mir scheint, ich habe am Samstag eh viel vor, wie mir im Laufe des heutigen Tages langsam klar wird. Melanie hat uns f\u00fcr einen Fahrradtrip in den \u201eHirosaki Apfelpark\u201c eintragen lassen. Sie war irgendwie mit einem organisierenden Lehrer ins Gespr\u00e4ch gekommen, der meinte, dass es ja nicht angehen k\u00f6nne, dass wir keine japanischen Freunde h\u00e4tten (kann <strong>ich<\/strong> mich beschweren?) und der Ausflug sei wie geschaffen, das zu \u00e4ndern, weil nicht nur Ausl\u00e4nder, sondern auch japanische Studierende daran teiln\u00e4hmen. Melanie hat weniger japanische Kontakte als ich, und das ist nicht unwesentlich dem Zustand zuzuschreiben, dass sie keinen Tutor hat. Au\u00dferdem zeigt sie in solchen Dingen noch weniger Initiative als ich, weil ich weniger Bedenken habe, auch mangelhafte Sprachkenntnisse zu verwenden.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Das \u201eLearning by Doing\u201c liegt ihr nicht so. Also gut, dann also Apfelpark.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">BiRei ist auch auf der Liste, und dass sie sich \u00fcber meine Teilnahme so freut, mindert mein Gef\u00fchl, hier von Aktionismus \u00fcberrumpelt worden zu sein, doch ein wenig. Au\u00dferdem habe ich ihr und MinJi ja einen Sondertermin zum Sushi-Essen versprochen, was diesen Samstag stattfinden soll. Die Leute, die letzte Woche bereits dabei waren, habe ich nicht wieder gefragt und der Rest hat wegen aller m\u00f6glichen Nebenjobs keine Zeit. Bei anderen liegt es an mangelnder Kommunikation: Yukiyo und Masako schreiben mir, dass sie meine Mail zum letzten Sushi-Termin heute erst gelesen h\u00e4tten \u2013 also einige Tage nach dem Termin. Wozu haben die einen Mailaccount, wenn sie ihn nicht nutzen? Ich informiere sie \u00fcber den neuen Termin, aber wenn ihre Lesefrequenz so bleibt, dann ist es mindestens Montag, bis sie \u00fcber den Samstag Bescheid wissen. Wir einigen uns mit MinJi, dass BiRei sie anruft, sobald wir von dem Ausflug zur\u00fcck sind, weil sie nicht in den Ausflug zum Apfelpark mit eingebunden ist.<br>Den Rest vom Tag verbringe ich dann in der Bibliothek.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend wartet Melanie mit einem Film auf mich: <em>\u201eKill Bill\u201c<\/em>. Ich wollte ihn auch schon l\u00e4ngst mal sehen, um selbst zu erfahren, \u201e\u00fcber was alle reden\u201c. Der Film soll ja angeblich so toll sein. Ich hatte aber auch schon geh\u00f6rt, dass \u201eOt\u00f4to Sempai\u201c Pierre den Film in der Luft zerrissen und ihm nur wegen des angeblich genialen Schlusses noch die Note \u201e4\u201c gegeben habe. Und als dann der Abspann l\u00e4uft und ich aus dem Sessel aufstehe, wei\u00df ich pl\u00f6tzlich, wie sich mein Freund Sebastian gef\u00fchlt hat, als er damals nach der Vorf\u00fchrung von <em>\u201eVersus\u201c<\/em> aus seinem Sessel aufgestanden war und gesagt hatte (O-Ton):<br><em>\u201eAlso so eine <strong>Schei\u00dfe<\/strong> hast Du mir ja seit zehn Jahren nicht mehr gezeigt!\u201c<\/em><br><em>\u201eVersus\u201c<\/em> ist, meiner Meinung nach, wenn auch nicht gerade ein Meisterwerk der Filmkunst, was ich zugebe, auf jeden Fall cool. Aber <em>\u201eKill Bill\u201c<\/em> ist so ziemlich das mieseste Filmprodukt, das <strong>ich<\/strong> seit langer Zeit gesehen habe. <em>\u201eNinja Resurrection\u201c <\/em>(ich rede von dem vor ein paar Wochen beschriebenen Realfilm) war so schlecht, dass man dar\u00fcber lachen konnte, aber <em>\u201eKill Bill\u201c<\/em> schafft noch nicht einmal das \u2013 eine absolute Nullnummer!<br>Die Einbindung so genannter (im wahrsten Sinne des Wortes nur \u201eso genannter\u201c) Animesequenzen ist schlicht lachhaft, auch wenn diese Formulierung jetzt paradox erscheint. Wer das f\u00fcr Anime h\u00e4lt, sollte sich mal nach Alternativen umsehen. Der Stil ist <strong>sehr<\/strong> amerikanisch (Stil \u201eJapanimation\u201c, das US Imitat japanischen Stils) und die grafische Qualit\u00e4t ist noch ober\u00fcbel dazu. Und dann diese unglaublichen Mengen an Kunstblut, die in den K\u00e4mpfen den ohnehin \u00fcbertriebenen Animationssequenzen in keiner Weise nachstehen! Es sprudelt und spritzt aus allen Arterien, dass ich mir vorkomme wie in <em>\u201eNightmare on Elm Street\u201c<\/em>. Diese Ma\u00dflosigkeit rei\u00dft den Film endg\u00fcltig in den Abgrund. Ich glaube, Tarantino hat definitiv die falschen Anime gesehen. Ich rechne das seinem pers\u00f6nlichen Geschmack an.<br>Ah, von wegen \u201epers\u00f6nlicher Geschmack\u201c in Bezug auf Quentin Tarantino: Nach diesem Film habe ich den starken Verdacht, dass Tarantino Fetischist ist \u2013 mir scheint, er steht auf F\u00fc\u00dfe. In <em>\u201eFrom Dusk till Dawn\u201c<\/em> spielten F\u00fc\u00dfe eine erotische Rolle, und auch hier bekommt man von der einen oder anderen Darstellerin eine entsprechende Kameraeinstellung.<br>Ha, und ich habe noch gar nicht das Japanisch erw\u00e4hnt! An sich finde ich es l\u00f6blich, wenn man sich darum bem\u00fcht, in Szenen, die in Japan spielen, die Darsteller auch Japanisch reden zu lassen, aber dieser Akzent l\u00e4sst mir die Ohren bluten \u2013 und dabei bin ich noch nicht einmal Japaner. Ich glaube, die werden diese wenn auch nett gemeinten Versuche eher zum Totlachen finden.<br>Mit was f\u00fcr einer Fluggesellschaft fliegt unsere Heldin da eigentlich, in deren Maschinen man Schwerter mitnehmen darf? Und was ist an dem Schluss so toll? Das tot geglaubte Kind lebt noch, damit ist die Fortsetzung vorprogrammiert und es ist das Kind von Bill. Na toll, ich verneige mich in Ehrfurcht!<br>Aber ich will auch zwei positive Dinge \u00fcber den Film sagen: Erstens war es eine gute Idee, nach dem Gemetzel in dem Lokal die Verwundeten im Hintergrund jammern und st\u00f6hnen zu lassen, auch nachdem der Kampf bereits vorbei war. Das tr\u00e4gt zum Realismus bei. Actionfilme verfahren meist noch wie die alten Kriegsfilme \u2013 da gibt\u2019s nur Tote und ohnm\u00e4chtige Verwundete. Zweitens war es sch\u00f6n, den alten Sonny Chiba noch mal zu sehen. Seit <em>\u201eSengoku Jieitai\u201c<\/em> sind ja bereits ein paar Jahre vergangen&#8230; der Mann hat zugenommen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp; Ich habe au\u00dferdem weniger Bedenken, einfach so Leute anzusprechen, wenn ich es in einer Fremdsprache tue. Ich bin sonst nicht bekannt daf\u00fcr, einfach so auf Leute zuzugehen, ohne vorher einen Schnaps zur Entspannung getrunken zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem also wieder ein Mittwoch \u00fcberstanden ist, kann die Kugel auch wieder entspannter rollen. 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