{"id":3882,"date":"2024-05-18T07:00:00","date_gmt":"2024-05-18T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3882"},"modified":"2024-05-16T09:40:39","modified_gmt":"2024-05-16T07:40:39","slug":"dienstag-18-05-2004-wer-golf-spielt-sollte-versichert-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3882","title":{"rendered":"Dienstag, 18.05.2004 \u2013 Wer Golf spielt, sollte versichert sein!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Unterricht von Kond\u00f4-sensei ist heute wieder der Filialleiter der <em>\u201eTokio Marine &amp; Fire\u201c<\/em> Versicherung zu Gast und er beendet seinen Vortrag heute mit einer mir sehr eigent\u00fcmlich erscheinenden Sache, die von unserem Dozenten auch noch mit pers\u00f6nlicher Erfahrung garniert wird: In Japan gibt es offenbar Versicherungen speziell f\u00fcr Golfspieler, und zwar nicht einfach nur solche, die Personen- und Sachsch\u00e4den durch fliegende Golfb\u00e4lle abdecken, oder etwa Sportverletzungen, wenn man sich einen Muskel zerrt, ein Gelenk \u00fcberbelastet oder vielleicht mit dem Golfwagen einen Unfall hat. Nein, es gibt tats\u00e4chlich eine \u201eHole-in-One Versicherung\u201c.<br>Zur Erkl\u00e4rung f\u00fcr die, die diesen englischen Begriff nicht kennen: Das bedeutet, dass man den Ball vom Abschlagpunkt aus direkt in das vorgesehene Loch bef\u00f6rdert, mit Hilfe welcher (regelkonformen) Umst\u00e4nde auch immer. Ich habe keine Ahnung, wie ein solches Ereignis im Rest der Welt zelebriert wird, aber in Japan geht es da hoch her, wenn man das so nennen kann. Zu seiner Zeit als Generalverwalter der Mitsubishi Bank habe sein n\u00e4chsth\u00f6herer Vorgesetzter, der Aufsichtsratsvorsitzende, eine solche Leistung vollbracht, erz\u00e4hlt Kond\u00f4, und damit etwa die folgenden Ereignisse ins Rollen gebracht, die in Japan jedem widerfahren, der ein Hole-in-One schafft (und dabei \u201eerwischt\u201c wird):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da w\u00e4ren zun\u00e4chst einmal 5000 Yen (derzeit knapp 40 E) f\u00fcr jeden Caddy des Spielers, also f\u00fcr die Helfer, die die Tasche mit den Schl\u00e4gern tragen und das Golfmobil steuern. Leute mit Geld haben schon mal mehr als einen bei sich. Aber dieser Betrag f\u00e4llt im Geldbeutel einer solchen Person nicht weiter auf, wenn er fehlt.<br>Als n\u00e4chstes w\u00e4re da ein Baum am Rand des Golfplatzes zu pflanzen, mit einer entsprechenden Gedenkplakette, auf der geschrieben steht, wer der Spender ist. Das kann etwa 100.000 Yen (ca. 750 E) kosten. Dann versendet man kleine Pr\u00e4sente an alle, mit denen man jemals Golf gespielt hat. Der Herr Vorsitzende machte das bereits seit 40 Jahren und hatte v\u00f6llig den \u00dcberblick verloren, also schenkte er jedem, der im Verdacht stand, schon einmal mit ihm das Eisen geschwungen zu haben, eine 500 Yen Telefonkarte. Auch Kond\u00f4 erhielt eine, ohne jemals mit dem Vorsitzenden Golf gespielt zu haben, und er l\u00e4sst es sich nicht nehmen, eine sp\u00f6ttische Bemerkung \u00fcber das Ged\u00e4chtnis \u201edes Alten\u201c zu machen. Es kann sich also, je nach Alter oder Spielerfahrung des \u201egl\u00fccklichen\u201c Spielers, um einige Dutzend Leute handeln. Und man verschickt ja nicht einfach schmucklos eine Telefonkarte, da muss noch eine Karte dazu, und nicht unbedingt eine aus einem Zehnerpack des 100 Yen Ladens. Man k\u00f6nne also von knapp 1000 Yen f\u00fcr eine solche Postsendung rechnen, alles inklusive, also die Telefonkarte, die Gru\u00dfkarte, Versandkosten.<br>Zuletzt lade man seine engsten Freunde, und Kond\u00f4 geht von vier oder f\u00fcnf Personen aus, zu einem \u201eangemessenen\u201c Essen ein, \u201enat\u00fcrlich nicht irgendwo\u201c. Pro Nase k\u00f6nnten da gerne 200.000 bis 300.000 Yen (1500 bis 2250 E) anfallen. Es sei also durchaus realistisch, mit einem Ausgabenvolumen von zwei Millionen Yen (15.000 E) zu rechnen \u2013 und genau gegen solche F\u00e4lle k\u00f6nne man sich versichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kud\u00f4, der Mann von der Versicherung, f\u00fchrt uns noch ein Video vor, das er in den Morgennachrichten vor einigen Tagen aufgenommen hat. Es zeigt ihn (und untermalende Szenen aus dem Park von Hirosaki), wie er in einem kurzen Beitrag seine \u201eKirschbl\u00fcten-Wetter-Versicherung\u201c speziell f\u00fcr Taxiunternehmen vorstellt. Diese k\u00f6nnen sich gegen Einkommenseinbu\u00dfen versichern, die zur Zeit der Kirschbl\u00fcte entstehen k\u00f6nnen, wenn die Wagenflotte an \u201estrategischen Punkten\u201c der Stadt (wie z.B. Ein- und Ausg\u00e4nge des Parks, Bahnhof) steht, aber wegen zu geringer Temperaturen die Bl\u00fcten noch nicht aufgesprungen sind und deshalb die Kundschaft ausbleibt. Er sagt, dieses Jahr sei etwas k\u00fchl gewesen und er habe in dieser Sparte deshalb 270.000 Yen Verlust gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe ins Center, aber da gibt es nichts \u201ezu holen\u201c, also wechsele ich in die Bibliothek. Ich will heute austesten, wie lange ich brauche, wenn ich nur Dinge am Computer mache, die ich mir fest auf meinen Tagesplan geschrieben habe, also Post, Newsletter, Spiel gegen Frank und Forum. Das Ergebnis sind 3,5 Stunden. Dabei schreibe ich einen Kurozamurai-Bericht, drei kurze Eintr\u00e4ge ins Forum, spiele eine Runde gegen Frank (und verfasse den dazugeh\u00f6rigen Bericht) und bearbeite meine Post. 2,5 der 3,5 Stunden sind f\u00fcr Newsletter und Post.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um kurz nach Acht will ich dann wieder gehen, aber wie es der Zufall will, entdecke ich JaYong (die christliche Koreanerin) an einem der Rechner. Ich frage, was sie so mache, dass man sie so lange nicht im Center gesehen habe. <em>\u201eJapanisch lernen\u201c<\/em> sagt sie. <em>\u201eWas sonst?\u201c<\/em>, denke ich mir erg\u00e4nzend dazu. Es bestehe f\u00fcr sie kein Bedarf, ins Center zu gehen. Und was ist mit ihrer widerspenstigen Mailadresse bei \u201eDreamwiz\u201c? Das k\u00f6nne sie sich nicht erkl\u00e4ren, sagt sie. Ich mache also gleich vor Ort den Versuch, ihr Dreamwiz Konto von jedem einzelnen meiner Mailaccounts anzuschreiben \u2013 aber alle Mails kommen wieder zur\u00fcck, mit der Begr\u00fcndung, vom Zielserver zur\u00fcckgewiesen worden zu sein. Mit anderen Worten: Meine Mails werden als Spam betrachtet und gel\u00f6scht, ohne dass der geplante Empf\u00e4nger ein Wort mitzureden hat. Wie auch den anderen Leuten in meinem Umfeld sage ich ihr Bescheid, dass wir am Samstag Sushi essen gehen wollten und dass sie gerne mitkommen d\u00fcrfe. Sie \u00e4u\u00dfert sich positiv dar\u00fcber, aber wie ich sie einsch\u00e4tze, wird sie nicht kommen. Wie ich mein Gl\u00fcck kenne, werde ich mit Melanie nachher eh wieder der einzige sein, der sich vor der T\u00fcr des Sushi Sh\u00f4gun einfindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Unterricht von Kond\u00f4-sensei ist heute wieder der Filialleiter der \u201eTokio Marine &amp; Fire\u201c Versicherung zu Gast und er beendet seinen Vortrag heute mit einer mir sehr eigent\u00fcmlich erscheinenden Sache, die von unserem Dozenten auch noch mit pers\u00f6nlicher Erfahrung garniert wird: In Japan gibt es offenbar Versicherungen speziell f\u00fcr Golfspieler, und zwar nicht einfach nur [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[8,7,444],"tags":[2169,2163,1898,2152,2164,138],"class_list":["post-3882","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-japan","category-mylife","category-uni-mylife","tag-auslandsaufenthalt","tag-auslandsstudium","tag-hirosaki","tag-japan","tag-tagebuch","tag-universitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3882"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3882\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3883,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3882\/revisions\/3883"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}