{"id":3861,"date":"2024-05-14T07:00:00","date_gmt":"2024-05-14T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3861"},"modified":"2024-05-12T22:36:01","modified_gmt":"2024-05-12T20:36:01","slug":"freitag-14-05-2004-wenn-mir-schon-was-einfaellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3861","title":{"rendered":"Freitag, 14.05.2004 \u2013 Wenn mir schon was einf\u00e4llt&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Hilfe der morgendlichen Vorbereitungszeit ist der Kanjitest ein wahrer Spaziergang. Der Test wird heute auf die R\u00fcckseite des alten Tests geschrieben, weil Ogasawara-sensei vergessen hat, den neuen zu kopieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann f\u00e4hrt Kuramata-sensei mit seinem Seminar \u00fcber Reis fort. Er geht zuerst noch kurz auf Sannai Maruyama ein und geht dann zu der Genetik der Reispflanze \u00fcber. Eigentlich m\u00fcsste man sagen, dass er \u00fcber Genetik im Allgemeinen redet, was es damit auf sich hat und wer sich in dem Fach besonders hervorgetan hat. Nach sechzig Minuten ist er damit fertig, aber er will uns eine halbe Stunde vor Ende der Stunde noch nicht gehen lassen, also regt er uns zu Fragen an. Mir f\u00e4llt sogar ausnahmsweise was dazu ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eWenn die J\u00f4mon Leute keinen Reis kultiviert haben, warum besch\u00e4ftigt sich das Seminar damit?\u201c<\/em><br>Kuramata lacht dar\u00fcber (h\u00e4tte ich in dieser Situation auch gemacht) und sagt, dass das Seminar doch eine tolle Gelegenheit sei, uns v\u00f6llig umsonst die Ruinen in Aomori zu zeigen. Sehr gute Antwort. Direkt, ohne Umschweife und ehrlich. Da stimme ich ihm nat\u00fcrlich zu. Au\u00dferdem, f\u00e4hrt er fort, sei erwiesen, dass die Menschen dort Nussb\u00e4ume gepflanzt h\u00e4tten, um sich auf diese Art und Weise Nahrungsquellen zu erschlie\u00dfen. Nun seien (japanische) Forscher nat\u00fcrlich Feuer und Flamme, den Beweis zu finden, dass man vor 7000 Jahren vielleicht bereits wilden Reis angepflanzt hat. Reisanbau wird (offiziell) seit der Yayoi-Periode betrieben, und die begann 300 vor Christus. Dann ist nat\u00fcrlich anzunehmen, dass Reisanbau \u2013 in Ans\u00e4tzen \u2013 bereits in der J\u00f4mon-Zeit betrieben worden sein muss, aber meiner Meinung nach wohl erst in der Sp\u00e4tzeit, je nachdem, wie lange man gebraucht hat, um herauszufinden, dass Reis besser gedeiht, wenn er in einem Feld w\u00e4chst, das unter Wasser steht. Aber zu hoffen, dass Reis schon 5000 Jahre fr\u00fcher so weit in den Norden verbreitet worden war, halte ich f\u00fcr etwas enthusiastisch. Es ist was ganz anderes, N\u00fcsse von einem Baum zu pfl\u00fccken, als die Fr\u00fcchte einer Grasart als essbar zu erkennen, wenn man diese vorher zubereiten muss. Aber gut&#8230; auch diese N\u00fcsse mussten erst einmal eine Zeitlang in Wasser eingelegt werden, um den bitteren Eigengeschmack zu mildern. Darauf muss man auch erst mal kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eWarum kann man eigentlich nicht ganz regul\u00e4r Reis aus ganz Japan in den Superm\u00e4rkten kaufen?\u201c<\/em><br>Aber schon als ich die Frage ausgesprochen habe, ist mir der Fall selbst klar, obwohl Kuramata nur sagt, es sei zu teuer, und er nennt dabei den hohen Arbeitskr\u00e4fteeinsatz. Trotz der Hochtechnologie, f\u00fcr die dieses Land bekannt ist, wird Reis immer noch weitgehend mit relativ primitiven Methoden angebaut und geerntet: Mit blo\u00dfen H\u00e4nden und barfu\u00df im Reisfeld. Dabei gibt es Maschinen daf\u00fcr (von der Firma \u201eKubota\u201c, wie ich jeden Samstagmorgen in der Werbung erfahre), und wenn es keine g\u00e4be, k\u00f6nnte man locker welche bauen. Statt die Modernisierung der Reiswirtschaft voranzutreiben (und damit nicht wenige Bauern, auf die sich die Regierungspartei LDP st\u00fctzt, in den Ruin zu treiben oder auf andere Produkte umsteigen zu lassen) wird die Landwirtschaft mit Milliardenbetr\u00e4gen subventioniert und ist in keinem Fall konkurrenzf\u00e4hig, soweit es das asiatische Ausland betrifft. Bevor ich nach Japan kam, dachte ich, Reis m\u00fcsse in ostasiatischen Staaten allgemein sehr billig sein, weil er ja massenweise vor Ort angebaut wird. Aber nichts war\u2019s damit. 10 kg japanischer Reis, aus der Gegend, in der ich ihn auch kaufe, kostet mich umgerechnet etwa 30 Euro. Wenn ich mich mit thail\u00e4ndischem Bruchreis begn\u00fcge, der den halben Globus entfernt angebaut wird, kosten mich 22,5 kg in Deutschland sogar gerade einmal knapp 20 E.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber zur\u00fcck zu dem hiesigen Reisverteilungsproblem: Ich erinnere mich an den Unterricht bei Kond\u00f4, kombiniere ein paar Informationen und erkenne, was hier gespielt wird. Die landesweite Verteilung der Ernte ist wegen der hohen Autobahngeb\u00fchren unerschwinglich, und w\u00fcrde man diese Aufgabe mit Hilfe der K\u00fcstenschifffahrt zu bew\u00e4ltigen versuchen, w\u00e4ren es die von der Schiffergewerkschaft erstrittenen, hohen Personalkosten der Seeleute, die den Preis pro Sack in die H\u00f6he trieben. Kurzum, man k\u00f6nnte sich in Ky\u00fbsh\u00fb den Reis aus Aomori gar nicht leisten! Also l\u00e4sst man es gleich sein, propagiert den Reis vom Feld 500 m weiter als das Nonplusultra, und beschr\u00e4nkt sich im Binnenhandel auf bestimmte Feinschmeckersorten (wer auch immer diese zu solchen erkl\u00e4rt), die dann nat\u00fcrlich auch einen Feinschmeckerpreis haben. Oder vielleicht ist auch jemand auf die Idee gekommen, \u201eexotischen\u201c Reis zu verkaufen, und behauptet, der Reis sei teuer, weil er besonders gut sei \u2013 die Leute glauben ja viel. Kaviar schmeckt wahrscheinlich ebenfalls nur deshalb so umwerfend, weil er teuer ist. Man kommt sich ja vor wie in feudalen Zeiten! Die innerjapanischen Z\u00f6lle sind zwar abgeschafft, aber deren Platz wurde von den Autobahngeb\u00fchren eingenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eWie gro\u00df ist das Interesse der Konsumenten eigentlich an genetisch bearbeitetem Reis, den die Forscher dieser Tage ja bis auf das letzte Chromosomenpaar analysieren wollen? Wozu ist die Arbeit eigentlich gut?\u201c<\/em><br>Oh, die Japaner seien strikt gegen genmanipuliertes Material. Vor allem die Bem\u00fchungen der USA, ihre \u201eDesignersojabohnen\u201c nach Japan zu exportieren, machten Schlagzeilen. Auf vielen Natt\u00f4-Packungen wird extra darauf hingewiesen, dass es sich um einwandfreie japanische Bohnen ohne Eingriffe technischer Art handele. Ich interpretiere also, dass genmanipulierter Reis nicht sehr freundlich angenommen w\u00fcrde und die ganze Genforschung auf diesem Gebiet nur dazu dient, wissenschaftliche B\u00fccher zu f\u00fcllen&#8230; und wenn man auf den Sack nicht draufschreibt, dass an dem Reis herumgeschraubt wurde, merkt es auch keiner. Oder aber man definiert \u201egenetisch manipuliert\u201c entsprechend so, dass das Verfahren nicht in die Definition f\u00e4llt. Sehr japanisch und einfach w\u00e4re auch ein Gesetz, nach dem nur Importwaren als \u201egenmanipuliert\u201c gekennzeichnet werden m\u00fcssen, und das somit die innerjapanische Angabepflicht unter den Teppich kehrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit habe ich die Restzeit auf zehn Minuten reduziert und wir k\u00f6nnen gehen. Ich schlage noch eine Stunde im Center mit Postschreiben tot, in der Hoffnung, dass der richtige Rechner mal wieder frei wird. Aber nat\u00fcrlich wird man dabei f\u00fcr gew\u00f6hnlich herb entt\u00e4uscht. Daf\u00fcr findet heute wohl ein Treffen von Gastfamilien mit einigen der neuen Studenten statt. Im Hintergrund l\u00e4uft Klaviergeklimper klassischer Art.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 16:45 fahre ich mit Melanie zum Sushi Sh\u00f4gun und genehmige mir das Sushi, das mir am Mittwoch verwehrt geblieben ist. Markant: \u201eKaiten Sushi\u201c! Das bedeutet, das verf\u00fcgbare Angebot rollt auf einem Flie\u00dfband vorbei und man nimmt sich, was man haben m\u00f6chte. Wenn man etwas auf dem Flie\u00dfband vermisst, kann man es bestellen, das \u00e4ndert an dem Preis von 100 Yen pro Teller nichts, auf dem, je nach Materialwert, ein oder zwei R\u00f6llchen zu finden sind. Es rollt aber auch Fruchtsaft, Obst und Pudding vorbei. Es k\u00f6nnte etwas k\u00fchler serviert werden, aber das eine oder andere St\u00fcck ist geschmacklich wirklich eine Sensation, f\u00fcr die es zu morden lohnt. \u00dcbrigens ist das der Laden, vor dem wir mit Ricci und Ronald damals gestanden haben, nachdem wir aus dem Kino gekommen waren.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Melanie f\u00e4hrt nach dem Essen nach Hause und ich in die Bibliothek. Leider habe ich mein Tagebuch zuhause vergessen, kann also nichts schreiben. Ich besch\u00e4ftige mich anderweitig bis halb Neun, und gehe dann erst heim, um mir endlich die <em>\u201eSailorMoon\u201c<\/em> Episode von letzter Woche anzusehen, bevor morgen wieder die n\u00e4chste kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die hinterh\u00e4ltige S\u00e4ngerin Mio setzt ihr niedertr\u00e4chtiges Werk fort und streut das Ger\u00fccht, Minako werde ein Live-Konzert geben. Usagi hilft bei den Aufbauarbeiten und schlie\u00dflich erscheinen ein paar Dutzend Obersch\u00fcler, die lautstark nach Minako verlangen. \u00dcbrigens straft diese (quantitativ) \u00e4u\u00dferst l\u00e4cherliche Fantruppe, die da vor der B\u00fchne steht, das Aufhebens L\u00fcgen, das um Minako in dieser Serie als \u201eStar\u201c gemacht wird \u2013 oder aber die Mund-zu-Mund-Propaganda ihrer Gegnerin war reichlich ineffektiv. Nat\u00fcrlich zielt diese Aktion darauf ab, Usagi (und Minako) den Unmut der Fans zuzuschustern, denn es war ja nie geplant, dass Minako erscheinen solle. Und Mio kann sich bei der treu-doofen Usagi darauf verlassen, dass sie, aus welchem fadenscheinigen Grund auch immer, den nicht einmal ein Japaner nachvollziehen k\u00f6nnte, die Verantwortung f\u00fcr den Fehlschlag auf sich nimmt. W\u00e4hrend Usagi also bereits zur Entschuldigungsrede ansetzt, dass Minako wohl nicht kommen werde (und eigentlich nur noch die faulen Tomaten fehlen), geht das Licht aus und Minako erscheint tats\u00e4chlich \u2013 wenn auch auf ihrer eigenen B\u00fchne (umgebauter LKW) ein paar Schritte weiter. Uh, ein neues Lied! Dann bleiben wir diesmal also von <em>\u201eC\u2019est la vie!\u201c<\/em> verschont. Aber was hei\u00dft \u201everschont\u201c? Das Lied ist ja nicht schlecht, aber es immer wieder zu h\u00f6ren, ist ein bisschen viel.<br>Der Plan der Rivalin ist also vereitelt, die hier in einem \u00e4u\u00dferst sinnvollen Monolog hinter der B\u00fchne offenbart, wie sehr sie die beiden hasst, und alle, die zu ihnen geh\u00f6ren.<br>W\u00e4hrend des Konzerts erscheint allerdings, wie sollte es anders sein, der starke Y\u00f4ma wieder, mit dem die Senshi in der vergangenen Episode nicht fertig geworden sind. SailorMoon macht das ganz locker und pustet das Monster mit ihrer neuen \u201eHerzschmerzraketenwerfer\u201c Attacke (<em>\u201eMoon Twilight Flash!\u201c<\/em>), f\u00fcr die mir auf die Schnelle keine bessere Bezeichnung einf\u00e4llt, einfach so im Alleingang weg. Und die Widersacherin scheint nicht einfach nur boshaft zu sein \u2013 sie kann \u201ewas\u201c: Naru h\u00e4lt auch weiterhin zu Usagi und stellt Mio zur Rede, da das Ger\u00fccht aufgetaucht ist, ihre Verletzung an der Hand (aus der vergangenen<br>Episode) habe sie Usagi verdanken. Mio st\u00fctzt das Ger\u00fccht, indem sie geschickt (?) das exakte Gegenteil behauptet und die Angelegenheit so aussehen l\u00e4sst, als beuge sie die Wahrheit, um Schaden von Usagi abzuwenden. Naru f\u00e4ngt sich also einen b\u00f6sen Blick ein und geht mit starken Kopfschmerzen in die Knie. Aha, also dunkle Kr\u00e4fte am Werk! Andererseits kann ich ihre Reaktion gut verstehen, weil sich meine Sehnerven auch st\u00e4ndig verkrampfen, wenn ich dieses spitznasige Schrapnell auf dem Bildschirm sehen muss.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Sie hei\u00dft \u00fcbrigens mit vollem Namen \u201eKuroki Mio\u201c, und wenn ich Kuraki Mai w\u00e4re, w\u00fcrde ich den Sender deswegen verklagen. \ud83d\ude42<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Nachtrag 2010: Mittlerweile sind die Reiss\u00e4cke auf 20 kg geschrumpft und die Preise auf 27 E gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Bei dem Namen \u201eSushi Sh\u00f4gun\u201c handelt es sich \u00fcbrigens um ein Wortspiel. Den Koch eines Sushiladens, also den Hauptverantwortlichen f\u00fcr das Herstellen des Essens, nennt man traditionell \u201eTaish\u00f4\u201c, und das bedeutet \u201eGeneral\u201c. Der \u201eSh\u00f4gun\u201c dagegen ist der \u201eGeneralissimus\u201c, der \u201emilit\u00e4rische Oberbefehlshaber\u201c, und somit \u00fcber dem Taish\u00f4 angesiedelt, womit wohl eine Aussage \u00fcber die angebotene Qualit\u00e4t des Lokals gemacht oder suggeriert werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Die Schauspielerin wirkt nat\u00fcrlich sehr nett, den Interviews nach zu urteilen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Hilfe der morgendlichen Vorbereitungszeit ist der Kanjitest ein wahrer Spaziergang. Der Test wird heute auf die R\u00fcckseite des alten Tests geschrieben, weil Ogasawara-sensei vergessen hat, den neuen zu kopieren. Dann f\u00e4hrt Kuramata-sensei mit seinem Seminar \u00fcber Reis fort. 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