{"id":3853,"date":"2024-05-12T22:06:36","date_gmt":"2024-05-12T20:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3853"},"modified":"2024-05-12T22:06:36","modified_gmt":"2024-05-12T20:06:36","slug":"dienstag-11-05-2004-das-dunkle-geheimnis1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3853","title":{"rendered":"Dienstag, 11.05.2004 \u2013 Das Dunkle Geheimnis[1]"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe fr\u00fch, mit Melanie zusammen, zur Universit\u00e4t, damit ich noch vor Beginn des Unterrichts damit beginnen kann, meine Post zu bearbeiten. Ich sitze also bis 14:10 in der Bibliothek.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kond\u00f4-sensei hat heute einen Herrn K\u00f4d\u00f4 zu Gast, der, wie auch sein Vorg\u00e4nger vergangene Woche, \u00fcber gesch\u00e4ftliche Dinge redet. Allerdings macht K\u00f4d\u00f4-san das ganz anders als Tsushima-san, und er ist auch nicht selbst\u00e4ndig, sondern der Chef der hiesigen Filiale der Versicherung \u201eTokio Marine &amp; Fire\u201c. Dabei handelt es sich um eine finanziell bedeutende Versicherung in Japan.<br>Er l\u00e4sst Einzelheiten seines Werdegangs weg und redet ausschlie\u00dflich \u00fcber die Begleiterscheinungen eines Versicherungsunternehmens und wo japanische Besonderheiten liegen. Zum Beispiel schreibt sich der Name seiner Versicherung tats\u00e4chlich in westlicher Umschrift, und zwar auf die deutsche Art und Weise \u201eTokio\u201c mit \u201ei\u201c (anstatt wie im Englischen: \u201eTokyo\u201c), wie zur Meiji-Zeit (1868-1912). Es handele sich um die gewisserma\u00dfen graphemische Darstellung der langen Geschichte und der hohen Erfahrung des Hauses.<br>Des Weiteren gebe es sowohl \u201eFire &amp; Marine\u201c als auch \u201eMarine &amp; Fire\u201c Versicherungen, und die Reihenfolge der Begriffe zeige, ob die Gesellschaft bei ihrer Gr\u00fcndung mit Brand- oder Seefahrtspolicen begonnen habe. Weiterhin neigten \u201eFeuer\u201c Versicherungen dazu, eher Privatleute, Individuen und ihre Familienhaushalte, zu versichern, w\u00e4hrend \u201eMarine\u201c Versicherungen sich mehr an Gesch\u00e4ftskunden, also ganze Unternehmen, wendeten. Tokio Marine &amp; Fire ist also eine solche und K\u00f4d\u00f4-san erz\u00e4hlt, dass man hierbei viel h\u00f6here Pr\u00e4mien erhalte. Ganz klar, es geht ja auch um wesentlich wertvollere Policen. In diesem Zusammenhang sei es besonders g\u00fcnstig, Mitglied der Handelskammer zu sein, weil man gerade dort viele potentielle Kunden treffe.<br>Dann geht er auf finanzielle Dinge und Ersatzanspr\u00fcche ein und kommt schlie\u00dflich auf Erdbeben zu sprechen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nne man sich gegen solche F\u00e4lle versichern, wegen der relativen H\u00e4ufigkeit von Erdbeben in Japan aber nur bis zu einer bestimmten Summe, umgerechnet 400.000 E. Bei einem einzelnen Autounfall k\u00f6nnen, je nach Situation, schon einmal eine Million (Euro) herausspringen, aber bei Naturkatastrophen sei das wegen des gro\u00dfr\u00e4umigen Schadensausma\u00dfes und des damit verbundenen Liquidit\u00e4tsproblems nicht zu machen. Gewisserma\u00dfen als Anekdote f\u00fcgt er hinzu, dass das World Trade Center in New York in erster Linie von einem japanischen Unternehmen versichert worden sei. Diese Firma habe zwar ein paar St\u00fccke vom Kuchen an Subunternehmer weiterverkauft, sei aber in Folge der Anschl\u00e4ge vom 11. September v\u00f6llig ruiniert gewesen.<br>Wir werden auch diesmal gebeten, eine kurze Beurteilung des Vortrags zu verfassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann gehe ich ins Center. Nim hat mir am Morgen zwei kleine Schokoriegel geschenkt und einen davon gebe ich Melanie. J\u00fb bemerkt das, r\u00fcckt zu mir her\u00fcber und fragt in einem schelmischen Tonfall: \u201eOh, Du hast was zu verschenken?\u201c Ich gebe ihm den zweiten Riegel, weil ich eigentlich wenig Interesse daran habe. Das wiederum wird von MinJi bemerkt, und sie sieht mich sehr bittend an. Ich sp\u00fcre schon wieder diese aufkeimende Hitze in meinem Kopf, aber ich habe keinen Schokoriegel mehr. J\u00fb gibt ihr daraufhin die H\u00e4lfte von seinem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am fr\u00fchen Abend fahre ich mit meiner Daten\u00fcbertragung fort, aber ich komme wegen Zeitmangels nicht besonders weit. Immerhin habe ich jetzt meine Fotos wieder auf dem richtigen Rechner liegen. Ich w\u00fcrde den Memorystick also noch eine Weile brauchen und Misi \u00fcberl\u00e4sst ihn mir.<br>Ich fahre nach Hause. Als ich ankomme, stelle ich fest, dass ich Misis Memorystick w\u00e4hrend der Fahrt verloren haben muss! Grande Catastrophe. Aber ich erinnere mich an einen sanften Schlag an meiner Hose auf den letzten 75 m vor der Ampel am \u201eKing Kong\u201c. Eigentlich dachte ich, es sei ein kleiner Stein gewesen, der durch das Vorderrad weggeschleudert worden war. M\u00f6glicherweise und hoffentlich muss ich diese \u201eHypothese\u201c \u00fcberarbeiten \u2013 und neu pr\u00fcfen, und das sofort. Ich ziehe meine Schuhe wieder an und verfluche die schwache Stra\u00dfenbeleuchtung. Und meine eigene Fahrl\u00e4ssigkeit. \u201eTu\u2019s in Deinen Geldbeutel!\u201c hatte er gesagt. \u201eIch hab noch nie was einfach so aus meiner Hosentasche verloren\u201c, sagte ich dazu.<br>Ich untersuche minuti\u00f6s B\u00fcrgersteig und Fahrbahnrand ab der Ampel, am Ministop vorbei nach Norden. Die Beleuchtung ist wirklich mies, aber die vorbeifahrenden Wagen sorgen f\u00fcr \u201eGefechtsfeldbeleuchtung\u201c. F\u00fcnfzig Meter hinter dem Ministop finde ich den gesuchten Gegenstand in der (trockenen) Regenrinne wieder, zumindest \u00e4u\u00dferlich unbeschadet. So weit habe ich also Gl\u00fcck, und durch den kleinen umh\u00fcllenden Lederbeutel hat die Plastikoberfl\u00e4che nicht einmal einen Kratzer, und es scheint auch kein Wagen dr\u00fcbergerollt zu sein. Ob das St\u00fcck allerdings tats\u00e4chlich noch funktioniert, werde ich erst morgen erfahren. Diesen Vorgang sollte ich Misi besser verschweigen, sonst leiht er mir den Speicherstein nie wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe nach Hause und fr\u00fch schlafen; ich muss auch fr\u00fch wieder aufstehen, um die Vokabeln zu wiederholen, mit denen ich heute Morgen begonnen habe.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0Dieser Eintrag ging durch einen Fehler beim Speichern der Datei verloren und wurde anhand des Manuskripts am 23. Januar 2006 rekonstruiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gehe fr\u00fch, mit Melanie zusammen, zur Universit\u00e4t, damit ich noch vor Beginn des Unterrichts damit beginnen kann, meine Post zu bearbeiten. Ich sitze also bis 14:10 in der Bibliothek. 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