{"id":3847,"date":"2024-05-12T21:48:58","date_gmt":"2024-05-12T19:48:58","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3847"},"modified":"2024-05-12T21:48:58","modified_gmt":"2024-05-12T19:48:58","slug":"samstag-08-05-2004-kasukabe-boys","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3847","title":{"rendered":"Samstag, 08.05.2004 \u2013 Kasukabe Boys"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Melanie hat sich gestern Abend, mit technischer Unterst\u00fctzung unseres ungarischen Bekannten, ein neues Fahrrad besorgt und wir entschlie\u00dfen uns dazu, heute ins Kino zu gehen, um den <em>\u201eShin-chan\u201c<\/em> Film <em>\u201eKasukabe Boys\u201c<\/em> anzusehen. Am Sonntag, morgen, l\u00e4uft die letzte Vorstellung.<br>Es handelt sich dabei, grob gesagt, um eine Western-Parodie, in der Klaus Kinski und (ein recht junger) John Wayne (als die B\u00f6sen) ebenso auftreten, wie auch Yul Brunner und der Rest der Glorreichen Sieben. <br>Shinnosuke landet mit seinen Freunden beim Spielen in einem alten Kino, in dem zwar niemand anwesend ist, wo aber trotzdem, reichlich unscharf, eine Szene aus einer typischen Western-W\u00fcste auf dem Bildschirm gezeigt wird. Er geht zwischendurch auf die Toilette und als er zur\u00fcckkommt, sind die anderen vier verschwunden. Er geht nach Hause, aber es stellt sich bald heraus, dass seine Freunde nicht nach Hause gegangen sind. Die komplette Familie macht sich also auf den Weg, das alte Kino zu besuchen \u2013 was nat\u00fcrlich dazu f\u00fchrt, dass sie in dem (namenlosen) Film landen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00fcste. Eine Bahnlinie. Eine klassische Westernstadt. John Wayne und seine Gehilfen lassen die Dorfbewohner f\u00fcr sich arbeiten. Shinnosukes Freund Kazama hat sich der Gang auch inzwischen angeschlossen (er ist der Sheriff geworden) und gibt vor, sich nicht mehr an Shinnosuke zu erinnern. Masao (in der Rolle des unterdr\u00fcckten Mexikaners) erz\u00e4hlt dasselbe. Nene lebt mit Masao zusammen und B\u00f4 ist der einsame Indianer, der in seinem Tipi am Rand eines Canyons wohnt. Es scheint, dass die Stadt voller Leute ist, die hier eigentlich nicht hingeh\u00f6ren und wieder aus dem Film raus m\u00fcssen \u2013 aber je mehr Zeit man in \u201eJustice City\u201c (so der Name der Stadt) verbringt, desto mehr vergisst man von seinem alten Leben.<br>Des Weiteren steht in dieser Welt die Zeit still. Das hei\u00dft, hier ist immer \u201eHigh Noon\u201c, 12 Uhr mittags. Shinnosuke geht dazu \u00fcber, den Zeitverlauf daran zu messen, wie h\u00e4ufig der \u00f6rtliche Erfinder und Bastler (sicherlich auch eine Parodiegestalt, die ich aber nicht erkenne, m\u00f6glicherweise Steve McQueen) als Strafe f\u00fcr sein freidenkerisches Tun hinter einem Pferd durch die Stra\u00dfen geschleift wird. Die B\u00f6sen haben nat\u00fcrlich ein Interesse daran, dass die Zeit stehen bleibt, denn ein Film, in dem jemand ungerechterweise uneingeschr\u00e4nkte Macht aus\u00fcbt, kann nur ein \u201eHappy End\u201c haben \u2013 was sich nat\u00fcrlich zu ihren Ungunsten auswirken w\u00fcrde. Als die Leute sich dann zusammentun, um gegen ihr Joch zu protestieren, vergeht endlich etwas Zeit und die Sonne neigt sich ein St\u00fcck gegen den Horizont.<br>Zum Schluss gibt es dann wieder eine Verfolgungsjagd, diesmal Pferd, bzw. Ford, gegen Eisenbahn, und schlie\u00dflich Eisenbahn gegen \u201eMechaWayne\u201c (ein gro\u00dfer Roboter), der von John pers\u00f6nlich gesteuert wird und von den zu Superhelden mutierten Kindern zu Fall gebracht werden muss. Nat\u00fcrlich kommt, was kommen muss, n\u00e4mlich das Happy End, und alle landen wieder in dem kleinen Kinosaal, wo alles angefangen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich finde es sehr bedauerlich, dass in diesem Film \u201eechte\u201c Gewalt zum Einsatz kommt. In <em>\u201eDas Imperium der Erwachsenen schl\u00e4gt zur\u00fcck\u201c<\/em> waren die B\u00f6sen mit Spielzeugwaffen ausger\u00fcstet und niemand wurde verletzt. In <em>\u201eYakiniku Lord\u201c<\/em> (oder <em>\u201e- Road\u201c<\/em>) gab es zwar einen Kampf am Ende, aber dabei handelte es sich um ein sehr lustig choreographiertes Handgemenge, dessen Schwerpunkt eindeutig auf Humor lag. Aber in <em>\u201eKasukabe Boys\u201c<\/em> schie\u00dfen die B\u00f6sen mit Revolvern, es gibt Verletzte unter den Bewohnern, und Shin-chan und seine Mutter werden von John Wayne mit einer Peitsche bewusstlos geschlagen \u2013 ich glaub\u2019, ich spinne! Von allem, was ich von Shin-chan bisher gesehen habe, ist das hier am wenigsten f\u00fcr das nicht erwachsene Publikum geeignet, das hier im Kinosaal so vier bis sieben Jahre alt sein d\u00fcrfte. Bedauerlich ist eigentlich auch, dass die Kinder die Anspielungen auf klassische Western \u00fcberhaupt nicht verstehen k\u00f6nnen. Wer von denen kennt denn Klaus Kinski? Oder gar Yul Brunner? Letzterer ist schon seit 1985 tot. Da war so mancher Elternteil erst so alt wie die anwesenden Kinder heute!<br>Und dann: Welch Aufhebens wurde in der TV-Werbung f\u00fcr diesen Film um die Pr\u00e4senz der japanischen Gruppe <em>\u201eNo Plan\u201c<\/em> gemacht! Dabei waren die Jungs nur in einer einzigen Szene zu sehen, einer sagte einen Satz und damit war der Fall gegessen. Sie haben dann das Schlusslied gesungen, das <em>\u201eYume Biyori\u201c<\/em> von Shimatani Hitomi (einem Doraemon Schlusslied) irgendwie nicht ganz un\u00e4hnlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann trennen sich unsere Wege \u2013 Melanie f\u00e4hrt ins Book Off und ich in die Bibliothek. Ich mache allerdings noch einen Zwischenstopp in der Mazdavertretung und frage dort nach einer Fernbedienung f\u00fcr ein Pioneer Radio, die man am Lenkrad befestigen kann. Ich wei\u00df nicht, wozu das gut ist, aber Kai will so was haben. H\u00e4tte ich dabei <em>\u201eGran Tourismo\u201c<\/em> besser im Hinterkopf gehabt, h\u00e4tte ich zwei Gespr\u00e4chszeilen bei dem Dialog mit dem Angestellten vermeiden k\u00f6nnen.<br><em>\u201eF\u00fcr welches Auto?\u201c<\/em> fragt der. Ich bin verwirrt.<br><em>\u201eIst das wichtig? F\u00fcr den Mazda MX5.\u201c<\/em><br><em>\u201eMX5? Ah so, Roadster. F\u00fcr welche Radiomarke?\u201c<\/em><br><em>\u201eEs handelt sich um Pioneer.\u201c<\/em> <br>Ich bin mir nicht zu 100 % sicher, ob das noch stimmt, aber ich glaube, Kai kommt gar nichts anderes ins Haus (so lange er es sich Bohse noch nicht leisten kann&#8230;). Aber einen bestimmten Typ kann ich leider nicht nennen, weil ich keine Ahnung von Autoradios habe. Der Angestellte wirft einen Blick in den Katalog und meint dann: <em>\u201eF\u00fcr Stereoradios werden keine Fernbedienungen geliefert.\u201c<\/em> Ich wei\u00df, dass Kai bereits eine Fernbedienung hat, also muss ich dann daraus schlussfolgern, dass es sich bei seinem Modell um kein <strong>Stereo<\/strong>-Radio handelt? Kai war mit Informationen leider nicht sehr gro\u00dfz\u00fcgig, entgegen seinem sonst \u00fcblichen Perfektionismus in solchen Dingen. Ich sage dem Angestellten also, dass ich nachfragen werde und verabschiede mich bis zum n\u00e4chsten Mal.<br>In der Bibliothek gehe ich meinen \u00fcblichen T\u00e4tigkeiten nach, aber mein Newsletter wird bis 17:00 nicht fertig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach gehe ich mit Melanie essen, und zwar \u2013 endlich \u2013 in das Lokal des Shamisen-Meisters Daij\u00f4 Kazuo. Eine sehr gem\u00fctliche Atmosph\u00e4re herrscht dort, und vor allem erweist sich die Dame des Hauses als sehr gespr\u00e4chig, und sie lacht gerne. Sie ist sehr erheiternd auf ihre Weise. Ich frage sie, was denn die Spezialit\u00e4t des Hauses sei. <em>\u201eEigentlich haben wir keine Spezialit\u00e4t\u201c,<\/em> sagt sie, empfiehlt aber <em>\u201eTonkatsu Ramen\u201c<\/em>. Na, dann immer her damit. <em>\u201eWir hatten schon fr\u00fcher einen Deutschen zu Gast\u201c<\/em>, erz\u00e4hlt sie, <em>\u201edas war Professor H\u00f6ffgen. Er hat jeden Tag hier gegessen \u2013 bis er 1985 geheiratet hat. Ab dann ist er leider nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig gekommen.\u201c<\/em> Seit 1980 habe der Professor hier zu Mittag gespeist, erz\u00e4hlt sie weiter. Und sie erz\u00e4hlt offenbar gerne, interessanterweise ohne etwas zu erwischen, was mich langweilen w\u00fcrde. Sie vergisst dar\u00fcber sogar, unsere Bestellungen zu bearbeiten, bis sie sich schlie\u00dflich, nach etwa zehn kommunikativen Minuten, \u00fcber sich selbst ein wenig erschreckt, besinnt und meint: <em>\u201eOh, Ihr seid sicher hungrig \u2013 ich sollte mich endlich um Euer Essen k\u00fcmmern.\u201c<\/em> Aber es ist mir nicht wirklich aufgefallen, \u201edass da was fehlt\u201c. Auf so sympathische Art und Weise ist mein Essen noch nie herausgez\u00f6gert worden. Aber wir werden durch den Geschmack gro\u00dfz\u00fcgig entsch\u00e4digt \u2013 ich will hier auf jeden Fall noch einmal essen.<br>Auch Daij\u00f4-san ist da und ich frage ihn, wo oder wie man den Soundtrack zu <em>\u201eNitab\u00f4\u201c<\/em> kaufen k\u00f6nne. Er ist sich nicht sicher und fragt seinen Sohn. <em>\u201eEs gibt keinen zu kaufen\u201c<\/em>, sagt der.<br><strong><em>AAAAAAAAAAAAAAAAAAARGH!<\/em><\/strong><br>Wieder ein Traum meines Daseins dahin!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir fahren schlie\u00dflich nach Hause. Melanie \u00fcberf\u00e4hrt eine rote Ampel, weil die Stra\u00dfe frei ist und sie nicht warten will. Ich halte an und reagiere mit einer resignierenden Geste. Eine Gro\u00dfmutter am Stra\u00dfenrand lacht vergn\u00fcgt dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuhause sehen wir uns <em>\u201eKozure Ogami\u201c<\/em> an und ich lese weiter in meinem <em>\u201ePokemon\u201c<\/em> Manga, dessen unterschwellige (sagte ich eben <strong>unter<\/strong>schwellige???) Sexualisierung mir hier und da die Sprache verschl\u00e4gt \u2013 wie pr\u00fcde erscheint mir da der Anime! Ich hege den Verdacht, das Ono Toshihiro einen Teil der existierenden Hentai D\u00f4jinshi selbst unter einem Pseudonym zeichnet&#8230; seine Freude am Zeichnen \u00fcppiger weiblicher Formen ist un\u00fcbersehbar.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Nat\u00fcrlich ist diese Vermutung an den Haaren herbeigezogen, aber ganz unwahrscheinlich ist es auch nicht \u2013 immerhin sind die (metaphorischen!) Haare vorhanden. Da befindet sich zum Beispiel auf dem Innenumschlag ein reichlich unbekleideter Shigeru\/Gary. Der ist ein m\u00e4nnlicher Charakter, ja, aber seine K\u00f6rpermitte wird nur von einer vor ihm stehenden Figur verh\u00fcllt und ein Pfeil, der auf die private Gegend deutet, ist mit dem Kommentar versehen: <em>\u201eEr tr\u00e4gt eine Unterhose!\u201c<\/em> Soll hei\u00dfen: <em>\u201eNein, er ist <strong>nicht<\/strong> nackt!\u201c<\/em>, aber der Eindruck wird erweckt. Weiterhin befindet sich auf Seite 9 des zweiten Bandes eine Stadtstra\u00dfenszene, gesehen aus der Vogelflugperspektive, und in einem der Fenster ist \u201eSpielzeug\u201c zu sehen, dass definitiv nicht f\u00fcr Kinder ist. Auf Seite 47 im selben Band ist Kasumi\/Misty dargestellt, und ihre Kleidung zeigt mehr, als sie verbirgt.<br>Die Amerikaner haben die Zensur zwar auf die Spitze getrieben, aber ich komme zu dem Schluss, dass der Manga in seiner Originalversion nicht f\u00fcr Kinder geeignet ist. Wenn ich einen guten Tag habe, w\u00fcrde ich sagen <em>\u201eGeeignet f\u00fcr Leser ab 13 Jahren\u201c<\/em>, aber nicht weniger.<br>Ich bin nat\u00fcrlich nicht so scheinheilig, zu behaupten, dass mich pers\u00f6nlich das sehr st\u00f6ren w\u00fcrde, aber ich bin auch alt genug und dieser Manga verfehlt eindeutig das offizielle Zielpublikum.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u201eDengeki Pikachu\u201c IST ein D\u00f4jinshi und dessen Sch\u00f6pfer Ono hat zur offiziellen Produktreihe keine lizenzrechtliche Beziehung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Melanie hat sich gestern Abend, mit technischer Unterst\u00fctzung unseres ungarischen Bekannten, ein neues Fahrrad besorgt und wir entschlie\u00dfen uns dazu, heute ins Kino zu gehen, um den \u201eShin-chan\u201c Film \u201eKasukabe Boys\u201c anzusehen. 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