{"id":3813,"date":"2024-04-29T07:00:00","date_gmt":"2024-04-29T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3813"},"modified":"2024-04-21T15:41:06","modified_gmt":"2024-04-21T13:41:06","slug":"donnerstag-29-04-2004-einmal-die-runde-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3813","title":{"rendered":"Donnerstag, 29.04.2004 \u2013 Einmal die Runde gemacht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wirkt, als ob das Wetter den verpassten Sonnenschein der vergangenen Tage komplett nachholen will. Ich packe meinen Pullover in den Rucksack und mache die Arme der Armeejacke kurz. Ich fahre gegen 11 Uhr zur Bibliothek, in der Hoffnung, dass sie ge\u00f6ffnet hat, aber ich finde sie verschlossen vor.<br>Daf\u00fcr sind auf dem Campus gar seltsame Gestalten zu sehen. Hier befinden sich sch\u00e4tzungsweise 50 Cosplayer in verschiedenen Kost\u00fcmen, von denen ich die meisten nicht erkennen kann, auch Verkleidungen weiblicher Charaktere sind zu sehen, ungeachtet der Tatsache, dass hier nur M\u00e4nner um die 20 versammelt sind. Und sie sammeln sich in einem Kreis um eine Taik\u00f4-Trommel von 50 Zentimetern Durchmesser und ihren Trommler. Daneben stehen zwei Bannertr\u00e4ger, auf deren Fahnen der Name einer Oberschule geschrieben steht. Dann schl\u00e4gt der Trommler einen gem\u00e4chlichen Takt, einer der Fahnentr\u00e4ger stellt mit gr\u00f6lender Stimme irgendeine mir unverst\u00e4ndliche Aussage in den Raum, die von der Truppe enthusiastisch bejaht wird. Dann tun sie etwas, was man als \u201eSingen\u201c bezeichnen k\u00f6nnte und beenden das Lied mit einem dreifachen <em>\u201eBanzai!\u201c<\/em> (\u201eBanzai\u201c hei\u00dft \u00fcbrigens \u201e10000 Jahre\u201c und die, soweit mir bekannt, beziehen sich das auf das Lebensalter, das man dem Tenno w\u00fcnscht.) Dann formt sich der Kreis zu einer Kolonne um, mit dem Trommler, den Fahnen und einer Handkarre mit ca. zehn Litern Sake an der Spitze. Dann beginnen sie, immer wieder denselben Satz zu intonieren, laut und unmelodisch, und verlassen den Campus wie eine Prozession.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt noch ein paar weitere Leute, die heute auf offene T\u00fcren gehofft hatten, und w\u00e4hrend die Kolonne mit den gr\u00f6lenden Kost\u00fcmierten abzieht, winke ich mir eine junge Frau her (wen oder was auch sonst) und frage sie, was es damit auf sich habe. Sie wisse das auch nicht, sagt sie, aber einen Zusammenhang mit dem heutigen Feiertag, Midori no Hi, gebe es wohl nicht. Die Litanei des Zuges kann sie zwar wiederholen, aber der Informationsgehalt ist ihr v\u00f6llig unklar. F\u00fcr mich klingt das wie eine Mischung von Spanisch und Japanisch. M\u00f6glicherweise eine Art Insiderjargon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich verlasse den Campus ebenfalls und fahre in die Stadt, an der Kolonne vorbei, zum Ito Y\u00f4kad\u00f4. Dort bestelle ich die <em>\u201eFinal Fantasy VII Piano Collection\u201c<\/em> f\u00fcr Sebastian und es hei\u00dft, ich solle am 15.05. noch einmal vorbeikommen, weil die kommende Golden Week alle Vorg\u00e4nge dieser Art gewisserma\u00dfen auf Eis lege und es zu Verz\u00f6gerungen komme. Ich finde auch den <em>\u201eArea 88\u201c<\/em> Soundtrack, aber den lasse ich liegen, weil er von dem Intro nur die \u201eTV Size\u201c Version enth\u00e4lt \u2013 und die ist mir ein bisschen zu kurz. Ich will die Vollversion, und daf\u00fcr brauche ich entweder die Single-Version des Soundtracks oder aber die CD der <em>\u201eAngels\u201c<\/em>, die das St\u00fcck gespielt haben. Beim Suchen in der Kategorie \u201eA folgende\u201c (was in Japan I, U, E und O einschlie\u00dft, die Gr\u00fcnde erl\u00e4utere ich gerne jedem, der fragt) finde ich leider die <em>\u201eAngels\u201c<\/em> nicht. Daf\u00fcr aber zwei frisch gelieferte Singles von <em>\u201ee.mu\u201c<\/em>. Das sollte ich bei n\u00e4chster Gelegenheit mal Anna schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da es sonst nichts Interessantes gibt, fahre ich gleich weiter, ins Book Off, und kaufe mir den <em>\u201ePokemon\u201c<\/em> Manga, der hier <em>\u201eDengeki Pikach\u00fb\u201c<\/em> hei\u00dft \u2013 <em>\u201eDonnerschock Pikach\u00fb\u201c<\/em> w\u00fcrde man bei uns (in Pokemon-Kreisen) wohl sagen, auch wenn \u201eDengeki\u201c m.E. mehr auf \u201eElektroschock\u201c hinausl\u00e4uft. Von dem Manga sind nur drei B\u00e4nde (seit 1997) erschienen, und ich kann mir (noch) nicht erkl\u00e4ren, warum das so ist.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Die TV-Serie hat \u00fcber 500 Episoden hervorgebracht und erfreut sich immer noch so gro\u00dfer Beliebtheit beim jungen Publikum, dass derzeit ein weiterer Film in die japanischen Kinos kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann statte ich dem Cub Center einen Besuch ab und stelle dabei fest, dass die Auswahl von Dosenkaffee in diesem gro\u00dfen Markt kleiner ist als im bedeutend kleineren BenyMart bei mir um die Ecke (obwohl sie zum gleichen Konsortium geh\u00f6ren). Ich brauche eine Kaffeedose der Marke <em>\u201eGold Rush\u201c<\/em> aus der Serie <em>\u201eFire\u201c<\/em>. Im Fernsehen l\u00e4uft Werbung f\u00fcr das Produkt, aber ich habe es noch nirgendwo gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich fahre Richtung Sakurano und sehe mir den <em>\u201eDainamu Freizeitpark\u201c<\/em> an, der mir wegen des auff\u00e4lligen Schilds an der Stra\u00dfe eben aufgefallen ist. Eine n\u00e4here Untersuchung ergibt allerdings, dass es sich dabei lediglich um eine unspektakul\u00e4re und ordin\u00e4re Pachinko-Halle handelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich schon in der N\u00e4he bin, kann ich auch das <em>\u201eSEGA Center\u201c<\/em> in Augenschein nehmen, nachdem man mich k\u00fcrzlich gefragt hat, ob ich einen \u201eSEGA Saturn\u201c besorgen k\u00f6nne. Aber es handelt sich bei dem entdeckten Laden nicht um eine SEGA-Verkaufsstelle, sondern um eine Spielhalle, mit den \u00fcblichen Fahr-, Schie\u00df- und Kampfautomaten. Auch MahJong kann man am Automaten spielen, und ich frage mich, warum diese Idioten hier nicht einfach ein Brett mit den Spielsteinen kaufen und mit Freunden spielen, anstatt st\u00e4ndig den Automaten neu zu f\u00fcttern. Und die Halle riecht wirklich absto\u00dfend nach Zigarettenrauch. Die Toilette im Vergleich riecht nach einer (chemisch erzeugten) Zitronenpresserei, und das empfinde ich als wesentlich angenehmer.<br>Das untere Stockwerk ist frei f\u00fcr alle Altersgruppen, aber in den ersten Stock darf man nur als Erwachsener. Dort befinden sich die ganzen Gl\u00fccksspiele. Ich will nicht im Einzelnen darauf eingehen, aber die beiden \u201ePferderennen\u201c sind interessant \u2013 von einem technischen Standpunkt aus betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Automat ist voll elektronisch. Ein gro\u00dfer Bildschirm h\u00e4ngt an der Wand, etwa 200 x 100 cm gro\u00df, auf dem das Rennen zu sehen ist, in aktueller Konsolenqualit\u00e4t, untermalt von der Stimme eines passionierten Kommentators aus den Lautsprechern. Das Publikum d\u00fcrfte komplett j\u00fcnger als drei\u00dfig Jahre sein. Vor dem Bildschirm stehen zehn Monitorterminals mit St\u00fchlen, von denen im Moment sieben besetzt sind. Auf dem kleinen Monitor nun kann man Informationen bez\u00fcglich des eigenen, virtuellen Rennstalls abrufen; man kann sein Pferd offenbar auf unterschiedliche Art und Weise f\u00fcttern und pflegen, und wenn man das virtuelle Pferd (\u00fcber den Touchscreen) streichelt, reagiert es darauf. Man kann hier offenbar einige individuelle Faktoren in das Rennen mit einbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Automat, am anderen Ende des eigentlich kleinen Raumes, ist nicht f\u00fcr \u201eZ\u00fcchter\u201c, sondern f\u00fcr Zocker. Auch hier befindet sich ein Bildschirm mit den gleichen Ausma\u00dfen wie gegen\u00fcber, aber die Anlage hat auch einen auff\u00e4lligen mechanischen Teil. Da steht also ein Tisch, der ebenso gro\u00df wie der Bildschirm ist, und auf diesem Tisch befindet sich eine Modellanlage einer Pferderennbahn. Auf dieser Modellbahn stehen kleine Pferde mit noch kleineren Reitern an einer Startlinie. Acht Spieler k\u00f6nnen gleichzeitig spielen, und dazu sind wieder kleine Monitore in den Tisch eingebaut, mit denen die Spieler ihre Wetten abschlie\u00dfen k\u00f6nnen, ohne allerdings Einfluss auf die virtuellen Tiere auszu\u00fcben. Den Wetteinsatz entrichtet man in Form von Spielm\u00fcnzen, die man in einen Einwurfschlitz neben dem Monitor einwirft. Wenn das Rennen schlie\u00dflich startet, kann man sich aussuchen, ob man die zeitgem\u00e4\u00df wirklich gute Computergrafik auf dem Monitor betrachtet oder aber den kleinen Modellpferden zusieht, die, von Magneten unter der Oberfl\u00e4che gesteuert, \u00fcber die gr\u00fcne Bahn ziehen \u2013 und zwar auf exakt die gleiche Art und Weise, wie es die auf dem Monitor tun, der Vorgang und das Ergebnis sind v\u00f6llig identisch, unabh\u00e4ngig von dem verwendeten Medium. Hier findet der Bildschirm allerdings keine Beachtung. Die Aufmerksamkeit der vier Spieler, einer davon immerhin um die 50, richtet sich voll und ganz auf die Modellbahn. Man kann hier nat\u00fcrlich kein Geld gewinnen, sondern nur die genannten Spielm\u00fcnzen, von denen man je eine f\u00fcr 10 Yen kaufen kann. Ob man das Spielgeld am Ende vom Tag, sofern man etwas gewonnen hat, nicht doch an einem verschwiegenen Pl\u00e4tzchen gegen Bargeld umtauschen kann, ist eine andere Frage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann fahre ich durch das Gassengewirr in Richtung Westen und lande, eher zuf\u00e4llig, vor der hiesigen Mazda-Vertretung. Aber ich halte mich nicht auf, sondern bem\u00fche mich nur darum, einen Zusammenhang zu anderen Wegpunkten herzustellen, damit ich wieder herfinde. Ich fahre wieder in den kleinen Park, der sich so unweit meiner Wohnung befindet, wo ich eine halbe Stunde herumsitze und drei Jungs bei ihren wenig erfolgreichen Versuchen, einen Bumerang zu bedienen, zusehe. Aber der Wind wird recht frisch und die Gem\u00fctlichkeit des sonnigen Nachmittags geht verloren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich fahre also nach Hause, lese im Latour und nehme mir den ersten Band des <em>\u201ePokemon\u201c<\/em> Manga vor. Der Zeichner beweist seinen Hang zu weichen Formen, die im Anime leider v\u00f6llig verloren gegangen sind. Aber was hei\u00dft \u201everloren gegangen\u201c? Soweit mir bekannt, war der Ursprung das Spiel von Nintendo, dann wurde ein Anime daraus und dann erst kam der Manga auf den Markt. Ich kann mich auch irren, aber das ist die Reihenfolge, die ich vage im Hinterkopf habe. Auf jeden Fall zeigen sich die Vorlieben des Zeichners an den recht \u00fcppigen weiblichen Formen \u2013 schlank, aber sonst gut ausgestattet \u2013, die sich deutlich von den kantigen und direkt spartanischen Formen des Anime abheben. Kasumi\/Misty zeigt sich w\u00e4hrend des Kampfes gegen Satoshi\/Ash sehr freiz\u00fcgig in einer Art Badeanzug, der, im Einklang mit ihrer deutlich \u00fcbertriebenen Oberweite, so gar nicht zu ihren angegebenen 12 Jahren passen will. Und ansonsten tr\u00e4gt sie sehr knappe Hotpants. Na denn\u2026<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0M\u00f6glicherweise Absolventen derselben Schule, bereits im Studentenalter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0Erkl\u00e4rung: Es handelt sich nicht um <strong>den<\/strong> Pokemon Manga, sondern nur um <strong>einen<\/strong> (und inoffiziellen) Pokemon Manga.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Es handelt sich auch nur um einen inoffiziellen Manga, einen D\u00f4jinshi, der ohne Lizenzbeziehung zum offiziellen Merchandising existiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wirkt, als ob das Wetter den verpassten Sonnenschein der vergangenen Tage komplett nachholen will. 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