{"id":3791,"date":"2024-04-21T07:00:00","date_gmt":"2024-04-21T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3791"},"modified":"2024-04-14T17:29:20","modified_gmt":"2024-04-14T15:29:20","slug":"mittwoch-21-04-2004-sakura-no-kisetsu1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3791","title":{"rendered":"Mittwoch, 21.04.2004 \u2013 Sakura no Kisetsu[1]"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der strahlende Sonnenschein bringt die Kirschbl\u00fcten derzeit besonders gut zur Geltung, aber es weht auch ein recht starker Wind. Die Bl\u00fcten beginnen daher bereits zu fallen. Inzwischen ist mir auch klar, was japanische Kirschb\u00e4ume von ihren deutschen Vettern unterscheidet: In Japan kommen die Bl\u00fcten vor den Bl\u00e4ttern zum Vorschein \u2013 das Ergebnis aufw\u00e4ndiger Z\u00fcchtungen. Allerdings ist in der \u201eJapan Times\u201c zu lesen, dass die B\u00e4ume genau deshalb binnen der kommenden Jahre aussterben k\u00f6nnten. Durch die extreme \u00dcberz\u00fcchtung sind die B\u00e4ume viel anf\u00e4lliger f\u00fcr Krankheiten und Sch\u00e4dlinge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Yamazaki beginnt den Tag mit einer Konstruktion, die die direkte Folge einer Handlung ausdr\u00fcckt.<br><em>\u201eNaite-ita Kodomo ga ramb\u00f4-shita totan ni o-Kaa-san wa soto ni okimashita.\u201c<\/em><br><em>\u201eAls das heulende Kind gewaltt\u00e4tig wurde, stellte die Mutter es nach drau\u00dfen.\u201c<\/em><br>Nur einer meiner \u00fcblichen Beispiels\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ogasawara-sensei hat einen neuen Raum organisiert. Aber w\u00e4hrend der letzte zu klein war, ist dieser hier viel zu gro\u00df. Es ist ein H\u00f6rsaal mit einem Volumen von 120 Leuten \u2013 f\u00fcr 15 Kursteilnehmer ein wenig zu ger\u00e4umig. Misi und Nim sind heute zudem nicht erschienen. Nim f\u00fchlt sich nicht gut, aber wie ich Misi kenne oder zumindest einsch\u00e4tze, wird er \u00fcberhaupt nicht mehr erscheinen. \u201eRegeltechnisch\u201c kann er auf den Kurs verzichten, aber vor allem m\u00fcsste er sich dieses nicht ganz so billige Lehrbuch kaufen, das unsereins noch vom letzten Semester besitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mittagspause verbringe ich im Center, abgesehen von einem Ausflug zur Post, und ergehe mich mit Mei in englisch-japanischer Konversation, da sie ihren Plan, ihr Englisch zu verbessern, trotz des nicht allzu erfolgreich verlaufenen Kurses im letzten Semester, nicht aufgegeben hat. Sie stellt mir eine weitere Studentin ihrer Heimatuniversit\u00e4t vor, die Anfang April eingetroffen war. Ihr Name liest sich auf Japanisch \u201eJin Shoku\u201c, aber das klingt f\u00fcr mich wie \u201eNinniku\u201c (\u201eKnoblauch\u201c), au\u00dferdem h\u00f6rt sich das so hart an wie ein Kantholz auf dem Sch\u00e4del. Dann verbleibe ich bei der in diesem Fall relativ einfachen chinesischen Version: JinShu.<br><em>\u201eDer hat Deinen Namen n\u00e4chste Woche wieder vergessen&#8230;\u201c<\/em> sagt Mei und lacht. Oh nein, nicht den <strong>Namen<\/strong> \u2013 ich werde ihr <strong>Gesicht<\/strong> n\u00e4chste Woche bereits nicht mehr erkennen, sofern ich sie nicht in der Zwischenzeit noch einmal bewusst wahrnehme. Mei erz\u00e4hlt mir au\u00dferdem, dass es in China keine Zeitzonen gebe, sondern dass alle Uhren nach der Zeit in Peking liefen, also auch an der Grenze zu Kasachstan. Das w\u00fcrde ich einen ausgepr\u00e4gten Zentralismus nennen. Und es erinnert mich doch direkt an die Episode von <em>\u201eDon Camillo und Peppone\u201c<\/em>, in der der B\u00fcrgermeister den Entschluss fasst, die Uhren im Dorf nach Moskauer Zeit laufen zu lassen, um damit seine Solidarit\u00e4t mit der \u201egro\u00dfen Sache\u201c zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kond\u00f4-sensei redet heute \u00fcber die Verteilung von Sparverm\u00f6gen und \u00fcber die verschiedenen wichtigen Einrichtungen in Japan, die den Finanzmarkt kontrollieren. Dabei ist die japanische Postbank besonders hervorzuheben. Es handelt sich dabei um eine staatliche Einrichtung<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[2]<\/a> und die Konten dienen der Regierung \u00f6fters als \u201ezweiter Haushalt\u201c, falls hier und da mal ein Loch gestopft werden muss. Nat\u00fcrlich gibt es einige Stimmen, die dagegen protestieren, und es scheint, dass seit der Krise von 1997 immer mehr Sparer und Anleger ihr Geld lieber im Ausland investieren.<br>Kond\u00f4 gibt das Procedere, den Text w\u00e4hrend des Unterrichts vorlesen zu lassen, vorerst nicht auf. Er l\u00e4sst aber auch immer Leute (den englischen Teil) vorlesen, von denen er der Meinung ist, sie br\u00e4uchten etwas \u00dcbung \u2013 heute muss SangSu dran glauben. Mir scheint, ich werde eine gem\u00fctliche Zeit hier verbringen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hugosson bleibt bei seinem Diskussionsstil (was auch recht einfach ist mit nur drei bis vier Studenten) und stellt sein Modell von Wirtschaftssektoren oder \u2013faktoren vor. Seine Dissertation, um genau zu sein. Wirtschaftliche Unternehmungen seien privat oder \u00f6ffentlich, auf finanziellen Gewinn oder sozialen Nutzen ausgelegt, und entweder fest organisiert oder nur ein lockerer Verbund von Leuten. Dazu fragte er eingangs, wie wir denn \u201eGesellschaft\u201c (\u201esociety\u201c) in Untergruppen aufteilen w\u00fcrden. Ich verstehe darunter eine Ansammlung von historisch, kulturell oder anderweitig verbundenen Individuen, die sich durch die Definition des gemeinsamen Nenners ihrer Werte von anderen Gruppen\/Gesellschaften abgrenzen, daher gef\u00e4llt ihm meine Antwort nicht. Er wollte eben auf \u201ePrivat vs. \u00d6ffentlich\u201c hinaus, und das sind f\u00fcr mich Untergruppen im Bereich \u201eWirtschaft\u201c und nicht \u201eGesellschaft\u201c. Aber man kann wohl auch sagen, dass eine Gesellschaft aus \u00f6ffentlichen und privaten Teilen besteht. Er redet \u00fcber NPOs (Non-Profit Organizations) und sagt, dass der Erl\u00f6s solcher K\u00f6rperschaften nicht akkumuliert, sondern in Dinge investiert werden m\u00fcsse, die der Gruppe zu Gute k\u00e4men, wie z.B. einen neuen Teppichboden, einen Computer oder ein Gemeinschaftsfahrzeug. Ich frage, ob man das Geld auch in eine gemeinsame Urlaubsreise investieren k\u00f6nne und er lacht. Ich solle Anwalt werden, sagt er, da genau an dieser Stelle der Schwachpunkt der Definition liege. NPOs zahlen au\u00dferdem f\u00fcr gew\u00f6hnlich keine Steuern und es gibt nat\u00fcrlich Organisationen, die diesen Umstand entsprechend ausnutzen m\u00f6chten.<br>Nach dem Unterricht unterhalten wir uns \u00fcber dies und das und Hugosson erz\u00e4hlt, dass er Offizier bei der schwedischen Marine gewesen sei. Das ist zumindest nicht uninteressant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der heutige Marathon ist also vorbei und ich gehe in die Bibliothek. Im Netz ist nicht viel los, und viel Zeit habe ich eigentlich auch nicht. Ganz zu schweigen von meiner nicht vorhandenen \u201eAktionsbereitschaft\u201c. Da kommt n\u00e4mlich Val\u00e9rie zu mir und sagt, dass ab 18:00 eine Hanami<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[3]<\/a>-Party stattfinden werde. Ich wei\u00df, dass ich was verpassen werde, aber ich lehne das Angebot ab. Ich bin zum Umfallen m\u00fcde und einen Bericht will ich ja auch noch geschrieben kriegen. Um 18:30 gehe ich dennoch f\u00fcr eine Stunde zum Sport. Das gibt mir sozusagen den Rest und ich falle um zehn Uhr ins Bett.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die Zeit der Kirschbl\u00fcte<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[2]<\/a> Dieser Zustand wurde auf Betreiben des Premierministers Koizumi anno 2006 behoben. Die japanische Postbank ist seitdem zumindest teilweise privatisiert. Koizumi schuf sich damit ein politisches Verm\u00e4chtnis und trat zur\u00fcck \u2013 angeblich um das bedeutendere Verm\u00e4chtnis einem Nachfolger zu \u00fcberlassen: die dringend notwendige Rentenreform.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[3]<\/a> Bl\u00fctenschau<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der strahlende Sonnenschein bringt die Kirschbl\u00fcten derzeit besonders gut zur Geltung, aber es weht auch ein recht starker Wind. Die Bl\u00fcten beginnen daher bereits zu fallen. Inzwischen ist mir auch klar, was japanische Kirschb\u00e4ume von ihren deutschen Vettern unterscheidet: In Japan kommen die Bl\u00fcten vor den Bl\u00e4ttern zum Vorschein \u2013 das Ergebnis aufw\u00e4ndiger Z\u00fcchtungen. 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