{"id":3780,"date":"2024-04-17T07:00:00","date_gmt":"2024-04-17T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3780"},"modified":"2024-04-14T15:02:37","modified_gmt":"2024-04-14T13:02:37","slug":"samstag-17-04-2004-gtd-ii-great-teacher-dominik-die-zweite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3780","title":{"rendered":"Samstag, 17.04.2004 \u2013 GTD II \/ Great Teacher Dominik, die Zweite"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stehe um 09:00 auf. Der Tag ist sonnig, aber k\u00fchl. Ich setze mich in die Bibliothek und beginne mit meiner Post. Da kommt auch was Interessantes geflogen: Mein alter Kamerad Ritter wird demn\u00e4chst mit seiner Ausbildung f\u00fcr den gehobenen Polizeidienst im Lande Rheinland-Pfalz beginnen. Das ist doch was!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ah, und ich bin wieder mal sp\u00e4t dran&#8230; ich gratuliere Kai und Frank drei, bzw. zwei Tage versp\u00e4tet zum Geburtstag. Und ich kann endlich den dritten Zug des Stadtkampfes beenden. Allerdings schreibt Frank auch, dass er bis Donnerstag keine Zeit haben wird. Dann warte ich eben. Ich habe ja auch genug zu tun, um mich nicht zu langweilen. Aber wahrscheinlich wird er daf\u00fcr besser bezahlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und auch Ritter bekommt Appetit auf <em>Combat Mission<\/em>&#8230; sehr sch\u00f6n. Eine Vergr\u00f6\u00dferung der Gemeinde ist mir immer Recht. Allerdings mache ich mir angesichts seines Ausbildungsbeginns keine Hoffnungen auf ein Spiel in absehbarer Zeit, auch wenn mir die Idee gefallen w\u00fcrde, gegen einen Feldwebel zu spielen. Au\u00dferdem liegt mein Hauptinteresse derzeit bei Kampfberichten, und au\u00dfer Frank kommt derzeit nur Misi in Frage. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie begeistert Karl von der Idee w\u00e4re, einen Bericht in englischer Sprache zu schreiben. Ausf\u00fchrliche Berichte liegen ihm im Blut, habe ich das Gef\u00fchl, aber ob er sich die M\u00fche auf Englisch machen will, ist eine andere Frage. Ich klammere ihn vorerst aus. Die beiden Michaels (Harz und Ritter) sind des Englischen zwar ebenfalls m\u00e4chtig, aber alles andere als passionierte Schreiber. Die halten sich beide am liebsten kurz. Ich erinnere mich, dass der Herr Harz auf eine Anfrage von mir hin mal einen Bericht \u00fcber ein Gefecht von drei\u00dfig Spielz\u00fcgen gegen Karl in f\u00fcnf Zeilen untergebracht hat&#8230; das war etwa so befriedigend wie Nudeln ohne Salz und K\u00e4se. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 11:48 kommt Misi zu mir und fragt mich, ob ich bereit w\u00e4re, den Englischunterricht im <em>\u201eYork Culture Center\u201c<\/em> noch einmal zu \u00fcbernehmen. Ihm sei heute nicht danach, er hasse den Job sowieso, und Alex sei nicht da. Wie, heute? Ja, heute, um 13 Uhr. Also\u2026 jetzt!? In etwas mehr als einer Stunde, und ohne Lehrbuch, weil sie damit fertig seien. Aus dem Stegreif\u2026 ja, aber sicher doch! Ich kann die 2000 Yen gebrauchen, au\u00dferdem gef\u00e4llt mir diese Art von Arbeit. Ich suche mir zwei Berichte aus der <em>\u201eJapan Times\u201c<\/em> aus und lege mir damit mein wenn auch mageres Konzept zurecht. Ich sehe also zu, dass ich mit meinem Schreibkram fertig werde und fahre um 12:35 ins Ito Y\u00f4kad\u00f4.<br>Die \u00dcbernahme ist kein Problem und \u201emeine\u201c Kursteilnehmer sind recht \u00fcberrascht, mich noch einmal hier anzutreffen. Nachdem alle eingetroffen sind (vier Leute wie beim letzten Mal), erl\u00e4utere ich, warum ich hier bin und warum die heutigen Inhalte etwas provisorisch erscheinen k\u00f6nnten. Nat\u00fcrlich habe ich mich bei der Auswahl von meinen pers\u00f6nlichen Interessen leiten lassen, aber ich musste ja auch Themen verwenden, von denen ich Ahnung habe. Ich k\u00fcndige also eine freie Diskussion an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstes Thema: Die umstrittenen Sahalin Inseln.<br>Sahalin interessiert hier im Raum niemanden, keiner braucht diese Inseln n\u00f6rdlich von Hokkaid\u00f4, wo es au\u00dfer Fisch nichts zu geben scheint; au\u00dfer konservativen Politikern scheint es niemanden zu geben, den Sahalin interessiert. Bis auf Ozaki-san, den Herrn um die sechzig. Er sagt, dass Sahalin sehr wohl an Japan zur\u00fcckgegeben werden sollte und er nennt auch einen pragmatischen Grund, der mit Patriotismus, mit japanischem \u201eBlut und Boden\u201c, direkt nichts zu tun hat: Da oben gibt es nicht nur Fisch, sondern, wie er sagt, auch Erdgasvorkommen in einem bisher nicht n\u00e4her bekannten Ausma\u00df. Aha, so l\u00e4uft der Hase! Nat\u00fcrlich gibt es Leute, die eben wegen der Erdgasvorkommen auch auf Erd\u00f6l hoffen, das Japan unabh\u00e4ngiger von Importen machen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweites Thema: M\u00fclltrennungsvorschriften im Vergleich<br>Im Gro\u00dfen und Ganzen halte ich an dieser Stelle einen Monolog \u00fcber die Unterschiede des japanischen Recyclingsystems zum deutschen, aber ich komme zu keinem Ergebnis, welches ich f\u00fcr besser halten w\u00fcrde, da ich die Hintergedanken der jeweiligen Entwickler nicht kenne. Au\u00dferdem nutze ich die Gelegenheit, mich \u00fcber die Schrottkarren im Naturschutzgebiet auszulassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drittes Thema: Die japanischen Jieitai<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> im Irak<br>Nat\u00fcrlich sind sich alle einig, dass der Irak ein gef\u00e4hrliches Pflaster ist und dass die Familien zuhause mit Recht um das Leben ihrer Angeh\u00f6rigen in Uniform bangen, aber ebenso herrscht dar\u00fcber Einigkeit, dass der Einsatz auf lange Sicht einen positiven Effekt haben wird. Neben wirtschaftlichen Vorteilen, die sich aus dem Aufbau des Irak ergeben, wird auch das Prestige Japans steigen, dass mit seiner Bautruppe die Lebensverh\u00e4ltnisse im Irak verbessern hilft und keine Besatzungs- oder Sicherungstruppe ist. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass die Tatsache, dass man japanische Leben f\u00fcr irakische Leben riskiert, eine bittere Pille ist, die man aber in die Backentasche schiebt, um sie nicht schlucken zu m\u00fcssen. Nat\u00fcrlich ist derlei Denken nur menschlich.<br>Danach kehre ich mit trockener Kehle in die Bibliothek zur\u00fcck und schreibe den Bericht zum 10. April.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Animetric Forum erhalten wir derzeit \u201eLiveberichte\u201c aus Litauen, wo wohl eine Art Bandenkrieg tobt. Da hat wohl eine Gruppe ethnischer Russen (klassisch in Trainingsanz\u00fcgen) einen litauischen Metalfan (lange Haare, Nietenleder-Outfit) ins Krankenhaus gepr\u00fcgelt, worauf sich die langhaarigen Metalfans mit kahlk\u00f6pfigen Skinheads verb\u00fcndet haben (!), um sich bei den Russen \u201eRespekt\u201c zu verschaffen. Die Skinheads (40 Mann) haben daraufhin (angeblich ohne Beteiligung der Metalfans) acht von den Russen in die Mangel genommen, und auf der Stra\u00dfe geht das Ger\u00fccht, dass einer davon tot sei. <em>\u201eWir k\u00e4mpfen hier ums \u00dcberleben!\u201c<\/em> sagt Cabala, der Autor, <em>\u201eWenn wir ihnen nicht die Faust zeigen, werden uns die Russen weiter angreifen!\u201c<\/em><br>Ich frage mich, ob wir auf der Linie K\u00f6nigsberg, Brest-Litowsk und weiter nach S\u00fcden nicht vielleicht eine Mauer hochziehen sollten\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 17:00 gehe ich mit Melanie in den Park, weil heute das Kirschbl\u00fctenfest beginnt. Mit dabei sind au\u00dferdem SangSu, J\u00fb und M\u00e9lanie. Die Lufttemperatur betr\u00e4gt acht Grad und fallend, weil die Sonne in wenigen Stunden untergehen wird, und wenn man normale Kleidung ohne Jacke tr\u00e4gt, ist das ziemlich k\u00fchl. SangSu \u00fcberl\u00e4sst M\u00e9lanie daher seine Jacke. Er scheint h\u00e4rter im Nehmen als er aussieht. Wir fahren auch am Tempel vorbei, der auf dem Weg liegt, weil J\u00fb noch nie dort war und es da auch ein paar sch\u00f6ne Motive f\u00fcr die Kamera gibt. Die Kirschbl\u00fcten sind noch nicht alle aufgesprungen, das k\u00f6nnte noch ein oder zwei Tage dauern, aber die meisten strahlen uns bereits von den B\u00e4umen entgegen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IM000826-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3781\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IM000826-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IM000826-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IM000826-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IM000826-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IM000826.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">SangSu, Melanie, M\u00e9lanie, Dominik, J\u00fb hinter der Kamera<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir treffen im Park auch Masako, eigentlich genau richtig, weil ich ihre Mailadresse \u00fcberpr\u00fcfen will. Da sie mit der Uni fertig ist, hat ihre Uni-Mail-Adresse ihre G\u00fcltigkeit wohl verloren und ich brauche eine neue, um Kontakt halten zu k\u00f6nnen.<br>Der Park ist gut besucht und einige Leute sind schon schwer am Feiern. Ein paar junge Leute sprechen dem Sake kr\u00e4ftig zu und spielen Jan-Ken-Pon; der Verlierer muss ein Kleidungsst\u00fcck ablegen. Vielleicht sollte ich statt \u201eLeute\u201c besser \u201eM\u00e4nner\u201c sagen, da sich ihre Freundinnen (leider) nicht beteiligen und nur am\u00fcsiert zusehen, wie sich ihre Begleiter \u00f6ffentlich zum Affen machen und sich in Gefahr begeben, sich edle K\u00f6rperteile abzufrieren. Einer steht schon in Shorts da.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wir wieder gehen, schlage ich vor, ins \u201eSkattLand\u201c was essen zu gehen, aber mein Vorschlag scheitert an finanziellen Bedenken. J\u00fb sagt, er sei diesen Monat bereits ziemlich pleite, und M\u00e9lanie hat keine Jacke dabei, da sie die geliehene ja eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter zur\u00fcckgeben muss. Auf dem Weg nach Hause verliere ich die anderen vier kurzzeitig aus den Augen, weil ich \u00fcber eine Ampel fahre, die hinter mir rot wird und mich von der Truppe abschneidet. Ich finde mich allein und fahre schnellstens zu der roten Br\u00fccke, wo sie vorbeikommen m\u00fcssen, wie ich vermute. Nach f\u00fcnf Minuten allerdings kommt noch niemand, also muss ich annehmen, dass sie einen anderen Weg gefahren sind (was eigentlich eher unwahrscheinlich ist) oder dass sie bereits vor mir hier waren und bereits an der Hauptstra\u00dfe sind. Ich fahre also dorthin und treffe dort sofort wieder auf meine \u201eReisegruppe\u201c. Ich versuche nicht weiter, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir verabreden, uns um acht Uhr bei SangSu zu treffen, um einen Film anzusehen, allerdings ohne M\u00e9lanie, die lieber nach Hause m\u00f6chte. Und wenn wir schon mal da sind, werden wir von SangSu auch mit den Fotos begl\u00fcckt, die er Anfang April in Korea auf Heimaturlaub gemacht hat. Au\u00dferdem zeigt er uns ein Video, dass ihn gewisserma\u00dfen als Moderator auf einer Werbeveranstaltung f\u00fcr Obersch\u00fcler seiner Universit\u00e4t zeigt. Das sei vor drei Jahren gewesen, sagt er. Er scheint \u00fcber eine gewisse Prominenz zu verf\u00fcgen&#8230; aber es ist ohne Zweifel festzustellen, dass er schon damals ein Clown war.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Selbstverteidigungskr\u00e4fte<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stehe um 09:00 auf. Der Tag ist sonnig, aber k\u00fchl. Ich setze mich in die Bibliothek und beginne mit meiner Post. Da kommt auch was Interessantes geflogen: Mein alter Kamerad Ritter wird demn\u00e4chst mit seiner Ausbildung f\u00fcr den gehobenen Polizeidienst im Lande Rheinland-Pfalz beginnen. Das ist doch was! 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