{"id":3757,"date":"2024-04-08T07:00:00","date_gmt":"2024-04-08T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3757"},"modified":"2024-03-27T10:55:51","modified_gmt":"2024-03-27T09:55:51","slug":"donnerstag-08-04-2004-lesestoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3757","title":{"rendered":"Donnerstag, 08.04.2004 \u2013 Lesestoff"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute findet von 09:00 bis 11:00 der Einstufungstest statt, der die teilnehmenden Studenten einer Unterrichtsstufe zuordnet. Wie bereits erw\u00e4hnt, haben wir eine Menge neuer Gesichter in Hirosaki, und die sind vor allem chinesisch. Es scheinen diesmal keine Doktoren \u00fcber Drei\u00dfig dabei zu sein, und Frauen um die Zwanzig sind in der \u00dcberzahl. FanFan sitzt vor mir und ist erfreulich kommunikativ. Ich nutze die Gelegenheit und mache ein Bild von ihr. Sie demonstriert mir eindrucksvoll (ungewollt) die Schwierigkeiten der chinesischen Aussprache: Ihr Familienname besteht aus einer einzigen Silbe, n\u00e4mlich \u201eMa\u201c (was sich wie \u201ePferd\u201c schreibt), und es will mir nicht gelingen, dieser kleinen Silbe den richtigen Tonschwung zu verleihen. Das chinesische Tonsystem<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> verf\u00fcgt \u00fcber vier Arten von Tonverl\u00e4ufen, die bedeutungsunterscheidend sind. In ihrem Fall f\u00e4llt die Tonh\u00f6he nach dem \u201eM\u201c zum \u201ea\u201c hin ab, um am Ende des Lautes wieder zu steigen. Das klingt theoretisch ganz einfach, aber ein ge\u00fcbtes chinesisches Ohr ist nicht so leicht zufrieden zu stellen. Ich glaube, ich w\u00fcrde wirklich lieber Arabisch lernen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann knattern wir den Test durch, und einige \u201eVeteranen\u201c bemerken, dass es der exakt gleiche Test wie beim letzten Mal vor einem halben Jahr ist. Aber was w\u00fcrde es mir bringen, mich an Testaufgaben zu erinnern? Am Ende w\u00fcrde ich in einer Lernstufe landen, die meinen F\u00e4higkeiten nicht entspricht. Ich werde aber wohl in der gleichen Stufe landen, weil ich mich am Ende nicht sonderlich erfolgreich f\u00fchle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr 13:00 ist eine Informationsveranstaltung \u00fcber <em>\u201eLeben in Hirosaki\u201c<\/em> geplant, aber die kann ich beruhigt weglassen. Ich wei\u00df inzwischen, wie man M\u00fcll trennt. Der n\u00e4chste \u201eoffizielle\u201c Termin ist morgen fr\u00fch um 09:00, und er beinhaltet das Ablesen der Testergebnisse und das provisorische Planen meines Stundenplans.<br>Ich schaue Irena dabei ein wenig \u00fcber die Schulter, die sich schon jetzt um ihren Stundenplan bem\u00fcht, weil sie das Vorlesungsverzeichnis vor sich liegen hat, und ich finde Veranstaltungen, von denen ich nicht wei\u00df, ob sie mich interessieren. <em>\u201eTraditionelle Sportarten Japans\u201c<\/em>? Nein danke. Man erinnere sich daran, was ich vor einiger Zeit \u00fcber den in Japan tief verwurzelten Formalismus gesagt habe. Beim Kend\u00f4 lernt man zuerst mal das Knien, beim Sum\u00f4 das Wasser holen und Handtuchhalten. Dann gibt es <em>\u201eKunstformen in Tsugaru\u201c<\/em>. Das klingt an sich interessant, aber da steht schon wieder K\u00f4gin-Stickerei auf dem Plan, und das habe ich beim letzten Mal schon so uns\u00e4glich genossen. Musik ist nicht dabei&#8230; eine Shamisen-Vorstellung h\u00e4tte mich \u00fcberredet, mich einzutragen.<br>Ich kann auch keine Veranstaltungen finden, die von Philips oder Westerhoven angeboten werden (dessen Namen man tats\u00e4chlich mit \u201eW\u201c und nicht mit \u201eV\u201c schreibt \u2013 ich hatte letztlich ein Buch von ihm in der Hand). Carpenter ist auch nicht dabei&#8230; ich warte bis morgen und mache meinen Plan dann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe wieder in den Computerraum und plane meinen Spielzug gegen Frank, der heute endlich die entsprechende Datei geschickt hat. Dann schreibe ich zwei Berichte und finde eine Mitteilung von Prof. Fuhrt vor, in der er mich wissen l\u00e4sst, dass die beiden B\u00fccher, die ich bestellt hatte, angekommen seien. Ich k\u00f6nne sie heute abholen, wenn ich wolle, oder n\u00e4chste Woche in die Sprechstunde kommen. Ich antworte, dass ich versuchen werde, am Nachmittag in seinem B\u00fcro vorbeizukommen. Ich verfasse noch ein paar Eintr\u00e4ge f\u00fcr das Animetric Forum und gehe um kurz nach Vier zu meinem Betreuer. Er dr\u00fcckt mir die B\u00fccher in die Hand und meint, die 2000 Yen, die ich eigentlich noch zu zahlen h\u00e4tte, habe er aus dem Resthaushalt (g\u00fcltig bis 31.03.) abgezweigt. Wow, vielen Dank. Ich brauche jeden Yen.<br>Ich lasse mich noch \u00fcber die aktuelle Lage der Universit\u00e4t aufkl\u00e4ren, seit sie ja am 01.04. zu einer \u201eAnstalt des \u00f6ffentlichen Rechts\u201c teilprivatisiert worden war. Wie erwartet, sei das Budget gek\u00fcrzt worden und die Adleraugen des Bildungsministeriums l\u00e4gen paradoxerweise sogar noch sch\u00e4rfer auf der Lehranstalt als vorher, sagt er. Er erz\u00e4hlt weiterhin, dass bis vor wenigen Jahren jeder Professor (unabh\u00e4ngig von seiner Forschung oder Lehre) ein j\u00e4hrliches Budget von 550.000 Yen f\u00fcr B\u00fccher und 90.000 Yen f\u00fcr Forschungsreisen gehabt habe (ca. 4100, bzw. ca. 670 E), und dass dieses System nun ge\u00e4ndert worden sei. Jetzt habe jeder ein Budget von insgesamt 430.000 Yen insgesamt (ca. 3200 E), aber man k\u00f6nne \u00fcber die Verteilung von Literaturanschaffungs- und Reisekosten selbst entscheiden, was ein Lichtblick sei, weil man mit einer Reisekasse von nur 670 E im Jahr nicht weit komme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bedanke mich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch und gehe in die Bibliothek, weil ich ein paar Zeilen \u00fcber meine vorgenommene Befehlsphase im Spiel gegen Frank zu schreiben will, aber ich kann mich an Details schon nicht mehr erinnern. Ich verlege also wieder in den Computerraum, werfe das Spiel an und sehe mir den Zug noch einmal an. Ich will zum Beispiel die Namen der Truppen nicht umsonst umge\u00e4ndert haben \u2013 bekannte Namen machen die Handlung plastischer, und deswegen nenne ich sie auch in meinem After Action Report. Ich verwende f\u00fcr meine Truppen normalerweise die Namen meiner Bundeswehrbekanntschaften, allerdings sprengt dieses Spiel den bisherigen Rahmen und ich muss auf \u201enoch \u00e4ltere\u201c Kontakte zur\u00fcckgreifen. Karl und Mihel haben in meiner (deutschen) Aufstellung ja schon l\u00e4nger den Job als Panzerfahrer sicher, aber Ronald h\u00e4tte es sich wohl nicht tr\u00e4umen lassen, dass er mal als OG Saladin in einem Halbkettenfahrzeug landen w\u00fcrde, und Sebb w\u00fcrde sich in einem K\u00fcbelwagen wohl ziemlich verloren vorkommen. Irgendwie ist es auch interessant, dass Frank einen deutschen Leutnant treffen wird, der nach ihm benannt ist&#8230; der auch noch einen h\u00f6chst brisanten Job hat. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich schreibe danach einen weiteren Newsletter, sammele weitere Abschnitte des \u201eAlpha Reports\u201c und gehe um 18:50 in den Fitnessraum. Ich habe sogar Wechselkleidung mitgebracht. Aber entgegen meiner Hoffnung kann man die Duschen der Turnhalle nicht benutzen. Das Material ist angerostet und der Boiler au\u00dfer Funktion. Wasser l\u00e4uft zwar, aber kalt duschen mochte ich noch nie.<br>Ich gehe alle Ger\u00e4te zweimal durch, mit jeweils drei lockeren Wiederholungen, die wegen ihrer Anzahl anstrengend sein sollen, und nicht wegen dem Gewicht am anderen Ende des Zugseils. Immer die H\u00e4lfte des Machbaren. Ich teile den Raum mit zwei Japanern, die das wiederholen, was ich beim letzten Mal bereits beobachten konnte: Sie nehmen sich Gewichte vor, die sie gerade so und nur unter gro\u00dfen M\u00fchen h\u00f6chstens f\u00fcnfmal stemmen k\u00f6nnen und f\u00fchlen sich danach wie die K\u00f6nige. Ui, und einer zieht sogar sein Hemd aus. Ich l\u00e4chle unauff\u00e4llig in mich hinein. Seine Arme m\u00f6gen (f\u00fcr einen Japaner) \u00fcberdurchschnittlich sein, aber das, was dazwischenliegt, m\u00f6chte ich mal als \u201eH\u00fchnerbrust\u201c bezeichnen. Unn die mache so gudd, die zwei! Ich muss mich arg konzentrieren, um angesichts ihrer Ger\u00e4uschkulisse nicht in lautes Lachen auszubrechen. Wie Herkules mit Verstopfung auf dem Donnerbalken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um Acht verlasse ich die Halle wieder und fahre nach Hause. Melanie hat <em>\u201eFreddy Vs. Jason\u201c<\/em> ausgeliehen und ich bin \u00fcberrascht, dass mir der Film gef\u00e4llt. Sehr klassische Horrorelemente, der Kampf der beiden B\u00f6sewichte ist interessant \u2013 und den Soundtrack will ich auch haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Mandarin, um genau zu sein. Kantonesisch z.B. hat sechs T\u00f6ne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute findet von 09:00 bis 11:00 der Einstufungstest statt, der die teilnehmenden Studenten einer Unterrichtsstufe zuordnet. Wie bereits erw\u00e4hnt, haben wir eine Menge neuer Gesichter in Hirosaki, und die sind vor allem chinesisch. Es scheinen diesmal keine Doktoren \u00fcber Drei\u00dfig dabei zu sein, und Frauen um die Zwanzig sind in der \u00dcberzahl. 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