{"id":3750,"date":"2024-04-05T07:00:00","date_gmt":"2024-04-05T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3750"},"modified":"2024-03-27T10:34:21","modified_gmt":"2024-03-27T09:34:21","slug":"montag-05-04-2004-jim-allein-in-london","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3750","title":{"rendered":"Montag, 05.04.2004 \u2013 Jim allein in London"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stehe um 08:30 auf, mache mich fertig und fahre zur Uni. Meine Winterjacke kann ich heute beruhigt zuhause lassen. Au\u00dferdem ist mir nicht danach, ins Center zu gehen, deswegen setze ich mich ohne Umwege in den Computerraum und schreibe meine Berichte \u2013 f\u00fcnf an der Zahl werden es heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann k\u00fcmmere ich mich um meine Post: Ah, Hans-Jott-K hat seine Adresse innerhalb Karlsruhes ge\u00e4ndert. Frank schreibt mir, dass er bereit sei, und ich ihm meinen ersten Zug schicken k\u00f6nne. Aha&#8230; eigentlich habe ich das bereits vor Tagen gemacht. Ist da technisch etwas schief gegangen oder hat er das System nicht verstanden? Ich packe also meinen Spielzug erneut in einen Mailanhang und erl\u00e4utere noch einmal das Procedere, um beiden M\u00f6glichkeiten gerecht zu werden. Ich hoffe, dass meine Erkl\u00e4rung schl\u00fcssig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich gehe ich ins Animetric Forum, erh\u00f6he die Zahl meiner Eintr\u00e4ge und habe dann bis um F\u00fcnf noch eine Stunde Zeit. Ich sehe mir die Episoden Nummer 5 und 6 der Serie <em>\u201eArea 88\u201c<\/em> an. Der Soundtrack ist \u00fcbrigens von Vincent de Moor \u2013 aber das sollte bestenfalls Fans des Genres was sagen, wenn \u00fcberhaupt. Ich mag die Serie immer noch. Die grafische Qualit\u00e4t ist hervorragend und die Luftk\u00e4mpfe finde ich sehr gut animiert. Wer auch immer die Serie ins Leben gerufen hat, muss ein gro\u00dfer Fan von milit\u00e4rischen Jets sein, daran besteht f\u00fcr mich kein Zweifel. Nat\u00fcrlich hat der Realismus etwas gelitten, und ich meine dabei nicht die Machbarkeit irgendwelcher Stunts in der Luft bei Mach 2. \u201eArea 88\u201c ist der Name der Basis einer fliegenden S\u00f6ldnerstaffel im Dienste eines sich im B\u00fcrgerkrieg befindlichen, ungenannten Staates im Nahen Osten, deren Piloten alle mit privaten Maschinen auf eigene Kosten fliegen und Geld f\u00fcr zerst\u00f6rte Ziele erhalten. Die Piloten m\u00fcssen entweder einen Zeitvertrag erf\u00fcllen oder sich mit dem Geld, das sie verdient haben, aus dem Vertrag freikaufen. Allerdings stelle ich mir die Versorgungslage einer Basis, auf der jeder Pilot eine andere Maschine fliegt, etwas schwierig vor \u2013 jeder Pilot braucht dann individuelle Ersatzteile. Diese Staffel jedenfalls schie\u00dft Dutzende von gegnerischen Maschinen ab, und das wundert mich wenig, weil eine Luftwaffe keine gro\u00dfe Zukunft hat, wenn sie mit alten MiG-15 gegen moderne Typen wie Harrier, F-14, F-15, F-16, Phantom II oder Mirage antritt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 17:05 setze ich mich auf mein Fahrrad und d\u00fcse mit H\u00f6chstgeschwindigkeit im 18. Gang die Hauptstra\u00dfe hinunter, um zum Ito Y\u00f4kad\u00f4 zu kommen. Ich gehe geradewegs in die CD Abteilung und greife zielsicher heraus, was ich suche: Den Soundtrack von <em>\u201eKaiketsu Zorori\u201c<\/em>. Gerade gestern Abend habe ich erfahren, dass es die CD ab heute zu kaufen gibt. Unter den sonstigen Neuzug\u00e4ngen finde ich auch Soundtracks zu <em>\u201eSailorMoon\u201c<\/em>, einer davon mit dem abschreckend wirkenden Aufdruck <em>\u201eDJ Moon\u201c<\/em>. Es ist aber tats\u00e4chlich die Sammlung der Original Hintergrundmusik der Serie und keine wilden Technoversionen. Kostet 3000 Yen&#8230; das ist mir zu teuer. Die Hintergrundtitel interessieren mich auch eigentlich wenig. Ich bin mehr an Gesang interessiert. Und den gibt\u2019s auch \u2013 f\u00fcr insgesamt 5000 Yen. Jede einzelne der f\u00fcnf Senshi hat, in bester japanisch-kapitalistischer Tradition, ihr eigenes <em>\u201eCharacter Album\u201c<\/em> bekommen, auf dem jeweils zwei Lieder zu finden sind (nur Aino Minako hat drei). Die sind f\u00fcr mich aber auch nur dann interessant, wenn die Darstellerinnen selbst singen, und das kann ich auf den ersten Blick nicht feststellen.<br>Ich nehme also die <em>\u201eZorori\u201c<\/em> CD mit, und der Verk\u00e4ufer zeigt mir auch extra noch einmal den Preis, damit ich ihn auch nicht vergesse, bis ich ihn drei Sekunden sp\u00e4ter auf der Kasse wiedersehe. Aber nat\u00fcrlich habe ich nichts dagegen, dass man mir den Preis zeigt, um festzustellen, ob ich nicht vielleicht doch noch meine Meinung \u00e4ndern m\u00f6chte und die Scheibe nicht kaufe. Aber ich bin bereit, die 1300 Yen zu investieren. Als Zusatz zur Erstauflage gibt es eine Zorori-Pappmaske, die man ausschneiden und sich um den Kopf schnallen kann. Des Weiteren gibt es einen gefalteten Bogen Papier mit einzelnen Bildern aus dem Intro und dem Extro zum Ausschneiden, um ein Daumenkino daraus zu basteln. Davon habe ich zwar nichts, aber ich werde es in mein Archiv packen.<br>Nat\u00fcrlich enth\u00e4lt die CD auch wieder Karaoketitel, f\u00fcr die ich keine Verwendung habe, aber immerhin habe ich sowohl das Intro- als auch das Endlied auf einer CD bekommen. Das ist selten, aber die Musik wurde auch nicht von irgendeiner greifbaren Band gespielt. Das Intro wird von dem Sprecher Zororis selbst gesungen (Yamadera K\u00f4ichi!) und auch das Endlied scheint marketingtechnisch eher uninteressant. Ein h\u00fcbsches, aber wenig publikumstaugliches Liedchen, das niemals in einer Hitparade landen w\u00fcrde. Aber es gef\u00e4llt <strong>mir<\/strong> \u2013 und darauf kommt es an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe anschlie\u00dfend in den 100-Yen-Shop im Daiei und kaufe eine Packung salziger Cracker, vergleichbar mit \u201eTUC\u201c. Aber die Dosen mit dem halben Liter Milchkaffee gibt es nicht mehr. Ich muss annehmen, dass diese L\u00e4den zum Teil auf sehr kurzfristige Angebote reagieren, und demnach k\u00f6nnte ich von Gl\u00fcck sprechen, wenn ich jemals wieder eine solche Dose \u00fcberhaupt zu Gesicht bekomme. Na ja, vielleicht sind die Dinger auch einfach nur heute ausverkauft, weil noch mehr Leute auf den Geschmack gekommen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abends sehen wir uns <em>\u201e28 Days After\u201c<\/em> an \u2013 <em>\u201e28 Tage danach\u201c<\/em>. Es ist die Geschichte eines Mannes, der nach einiger Zeit im Koma im Krankenhaus wieder zu sich kommt und London menschenleer vorfindet. Es stellt sich heraus, dass alle entweder von einer Epidemie dahingerafft oder evakuiert worden sind \u2013 wohin auch immer, weil scheinbar <strong>alle<\/strong> Ortschaften verlassen sind. Nur die Infizierten sind noch da, und die st\u00fcrzen sich wie wahnsinnig auf alle Gesunden. Es sind keine \u201eklassischen\u201c Zombies = Untote, sondern Leute, die sich eine Art Tollwut eingefangen haben \u2013 das hei\u00dft, sie leben im klinischen Sinne, und das wiederum hei\u00dft, dass sie Nahrung und Wasser brauchen (das zu sich zu nehmen sie geistig scheinbar nicht in der Lage sind), und einer der Pl\u00e4ne besteht darin, sie einfach auszuhungern.<br>Der Schluss des Films ist schon beinahe ein Scherz. Nach dem Abspann geht der Film n\u00e4mlich gewisserma\u00dfen weiter und man sieht einen alternativen Schluss. H\u00e4tte Melanie nicht die Werbung nach dem Film sehen wollen, w\u00e4re uns der \u201eAnhang\u201c nie aufgefallen. Ich frage mich, wie viele Prozent der Zuschauer den alternativen Schluss gesehen haben, wenn er in jeder nationalen Version so versteckt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein paar Fragen l\u00e4sst das Schauspiel offen: Warum ist das Krankenhaus leer \u2013 ohne zumindest ein paar Leute, die ebenfalls nicht transportf\u00e4hig sind? Unser Komaheld war ja wohl nicht der einzige, den man nicht mitnehmen und nur mit Hilfe von Maschinen am Leben erhalten konnte. Dann w\u00fcrde mich nat\u00fcrlich auch interessieren, warum die Infizierten sich nicht gegenseitig angreifen? Warum veranlassen Hunger und Durst sie nicht dazu, den Inhalt der Superm\u00e4rkte oder sich gegenseitig zu essen? Andererseits: Nach sp\u00e4testens einer Woche ohne Wasser ist ein Mensch wohl reichlich handlungsunf\u00e4hig, und wenn die Seuche nach 28 Tagen noch nicht ausgestorben ist, m\u00fcssen wohl einige Exemplare auf die Idee gekommen sein, mal einen Schluck aus der Themse zu nehmen \u2013 oder aber es sind immer rechtzeitig neue Leute infiziert worden. Und warum kann Jim, der Mann aus dem Krankenhaus, nach l\u00e4ngerer Bettl\u00e4gerigkeit, auch wenn es sich nur um einige Tage handelte, einfach so, aus dem Koma raus und hoch, aufstehen, ohne einen Kreislaufzusammenbruch zu erleiden und sogar sofort richtig gut rennen?<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz solcher Unklarheiten ist der Film ganz gut. Enth\u00e4lt ein paar interessante Elemente. Zum Beispiel, dass die Zombies (man kann die Infizierten wohl durchaus so nennen) rennen k\u00f6nnen. Klassisch w\u00e4re ein Pulk von entsetzlich anzusehenden Gestalten, die sich langsam, aber stetig auf der Suche nach lebendem Fleisch und Gehirn nach vorne bewegen. Interessant finde ich auch, dass die Inkubationszeit nur ein paar Sekunden betr\u00e4gt. Der ebenso klassische Verwundete, der seine Infektion verbirgt oder nichts davon wei\u00df und irgendwann \u201eunerwartet\u201c zuschl\u00e4gt, f\u00e4llt also flach.<br>Ansonsten werden aber sehr klassische Verfahren angewendet, wenn es um die Erzeugung von Spannung geht, also Musikeinspielungen oder bestimmte Kameraeinstellungen. Wenn man aber ein bisschen was von Raimi oder Romero gesehen hat, wei\u00df man, was kommt und wann man damit zu rechnen hat. Das senkt zwar ein wenig die Spannung, aber Wiedererkennungseffekt und ein wenig Erinnerung \u201ean alte Horrorzeiten\u201c tragen sehr zum Wohlbefinden des Zuschauers bei.<br>Mein letzter Punkt: Der Film spielt in England und ich stelle fest, dass ich Probleme habe, Britisches Englisch zu verstehen. Ich bin Amerikanisches Englisch gew\u00f6hnt und die Umstellung meiner Ohren geht nicht so fl\u00fcssig, wie ich das gerne h\u00e4tte. Vor allem die dargestellten Soldaten reden einen ungewohnten Dialekt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Als ich selbst nach einer Operation und ein paar Tagen Bettruhe aufgestanden bin, wurde mir nach zwei Schritten schwarz vor Augen und der Pfleger musste mich auffangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stehe um 08:30 auf, mache mich fertig und fahre zur Uni. 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