{"id":3707,"date":"2024-03-21T07:00:00","date_gmt":"2024-03-21T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3707"},"modified":"2024-03-17T13:11:53","modified_gmt":"2024-03-17T12:11:53","slug":"sonntag-21-03-2004-nitabo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3707","title":{"rendered":"Sonntag, 21.03.2004 \u2013 Nitab\u00f4"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stehe um Zehn auf und lese <em>\u201eErdsee\u201c<\/em>. Um 14:00 mache ich mich mit Melanie auf den Weg ins Daiei. In der dortigen Gemeinschaftshalle wird um 15:10 der Film <em>\u201eNitab\u00f4\u201c<\/em> gezeigt. Der Anime handelt von einem Shamisen-Meister im 19. Jahrhundert; ich wollte ihn unbedingt sehen und heute ist der letzte Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind um 14:30 an Ort und Stelle und haben noch ein bisschen Zeit, die wir in der Spieleabteilung verbringen. Melanie spielt ein Spiel, bei dem man auf einer Art Heimtrainer sitzt und mit den Pedalen den Propeller des Flugger\u00e4tes antreibt, das man vor sich auf dem Bildschirm sehen kann. Aufgabe des Spielers ist es, riesige Luftballons durch Ber\u00fchrung zum Platzen zu bringen, und nat\u00fcrlich arbeitet man dabei gegen die Zeit. Zwei M\u00e4dchen, um die 13 vielleicht, sitzen daneben (sie warten darauf, dass ihre Purikura Fotos ausgedruckt werden) und am\u00fcsieren sich dar\u00fcber. Ihren Kommentaren entnehme ich, dass sie dieses Spiel gerne gespielt haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Daiei-03-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3708\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Daiei-03-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Daiei-03-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Daiei-03-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Daiei-03-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Daiei-03.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Tretm\u00fchle<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe Hunger, also gehen wir noch in den Supermarkt im Keller und ich kaufe ein Paket Sandwichbrot.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird schlie\u00dflich Zeit und wir gehen zur Gemeinschaftshalle. 1300 Yen soll eine Karte kosten. Vorbestellung w\u00e4re billiger gewesen. Hier befinden sich vornehmlich Leute \u00fcber 40 und die Kinder, die mitgebracht wurden, aber wen wundert das? F\u00fcr die Altersgruppe dazwischen ist Shamisenmusik wahrscheinlich viel zu uncool. Ha, die wissen nicht, was sie verpassen! Ich krame den Geldbeutel heraus. Alle anderen Leute scheinen bereits eine Karte zu haben, also greife ich einen der \u201ePlatzanweiser\u201c heraus und frage ihn, wie wir an eine Karte k\u00e4men. Er weist uns zu einem Tisch am Eingang. Er nimmt zwei Karten aus dem Abrei\u00dfblock und sagt: <em>\u201eF\u00fcr Sie beide zusammen nur 2000 Yen \u2013 ein kleiner Service.\u201c<\/em> Oha, dann umso lieber. Da sagen wir nicht nein und bedanken uns daf\u00fcr.<br>Daij\u00f4-san, der die Biografie geschrieben hat, auf der der Film beruht, ist ebenfalls da und erl\u00e4utert die Handlung kurz. Ein Mitarbeiter der Produktionsfirma sagt ebenfalls ein paar Worte und dankt allen Beteiligten. Ich h\u00e4tte etwas solches f\u00fcr die Premiere erwartet, aber nicht f\u00fcr die letzte Vorstellung. Mir gef\u00e4llt die Idee, obwohl ich vielleicht 10 % von dem verstanden habe, was die beiden Herren tats\u00e4chlich gesagt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Vorf\u00fchrung dieser Art bleibt nat\u00fcrlich nicht ohne Begegnungen. Zuerst w\u00e4re da eine der Familien aus dem <em>\u201eHappy Hippo Club\u201c<\/em>, genauer die Familie mit den niedlichen Zwillingst\u00f6chtern, denen ich die Bezeichnung <em>\u201eotokorashii Dominik\u201c<\/em> zu verdanken habe. Die beiden M\u00e4dchen kichern, als ich winke. Mikami weist mich bei der Gelegenheit darauf hin, wer noch hier erscheinen wird, aber das dauert noch ein paar Minuten. Zun\u00e4chst erscheint eine Dame auf dem Stuhl neben mir, die mich auf Englisch anspricht. Sie will mit dem Reden auch gar nicht mehr aufh\u00f6ren, scheint mir, bis sie mir er\u00f6ffnet, dass sie mich kenne, bzw. mich bereits getroffen habe. Aha? Ich gr\u00fcbele, aber mein Ged\u00e4chtnis f\u00fcr Gesichter ist schlecht wie eh und je. Ja, sie sei die Lehrerin von der Seiai Oberschule gewesen, die ich damals (am \u201eJudgment Day\u201c) gebeten habe, ein Gruppenfoto der Juroren zu machen (aus dem leider nichts wurde, weil die verdammte Kamera voll war). Dann erst f\u00e4llt es mir wie Schuppen von den Augen und ich entschuldige mich f\u00fcr mein schwaches Ged\u00e4chtnis. Schlie\u00dflich klopft mir die von Mikami angek\u00fcndigte Y\u00fbmiko auf die Schulter. Sie ist mit ihrer Mutter Eiko hier. Ich bin angenehm \u00fcberrascht, wenn ich das angesichts der Ank\u00fcndigung noch so sagen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oh&#8230; und der Film ist gut. Vor allem gef\u00e4llt mir der Soundtrack und Shamisenmusik allgemein gef\u00e4llt mir immer besser. Tsugaru Shamisen, um genau zu sein \u2013 HiroDai verpflichtet. Ich bin sicher, dass auch Oliver was daran haben k\u00f6nnte, und sei es von einem rein spieltechnischen Standpunkt aus betrachtet.<br>Die grafische Qualit\u00e4t ist hervorragend, die Geschichte wird in sehr sch\u00f6nen Bildern erz\u00e4hlt, die nach meinem Empfinden einer Ghibli-Produktion durchaus das Wasser reichen kann. Die Handlung ist auch nicht das, was man \u201eMain Stream\u201c nennen k\u00f6nnte \u2013 es geht um einen blinden Musiker, da ist nicht viel Action zu erwarten. Zuletzt sprechen die dargestellten Personen ein sehr klares, deutliches Japanisch und man versteht sie sehr gut. Zumindest habe ich von den Dialogen deutlich mehr verstanden, als von dem, was die zwei Kommentatoren vor Beginn des Films erl\u00e4utert haben. Mit anderen Worten: Ich will den Film haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleich nach der Vorf\u00fchrung kommt Jin Eiko zu mir und fragt, ob ich nicht Lust h\u00e4tte, mit ihnen ein kleines Konzert zu besuchen, an dem auch Y\u00fbtar\u00f4 mitwirke. Ich \u00fcberlege zuerst, ob ich das Angebot annehmen soll oder nicht, aber dann frage ich mich, ob ich denn bescheuert sei \u2013 was gibt es da zu \u00fcberlegen? Ja, wir sind dabei. Wir haben wirklich nichts Besseres vor. Unsere Fahrr\u00e4der sollen wir einfach am Haus der Familie abstellen, von da aus w\u00fcrden wir dann mit dem Auto mitgenommen. Genau das machen wir und erhalten jeder ein Cr\u00e8pe aus eigener Produktion mit Vanilleeisf\u00fcllung als \u201eReiseproviant\u201c. Besten Dank. Sogar ich muss zugeben, dass das Produkt gut ist. Mein Vater allerdings h\u00e4tte mich wohl in den Kofferraum gesperrt, wenn ich je versucht h\u00e4tte, in seinem Auto ein Eis zu essen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir gehen in die Halle, wo Essen verboten ist, also wende ich das \u201eenglische Transportverfahren\u201c auf mein verbliebenes Brot an \u2013 ich stopfe es unter meine Jacke.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Zur gro\u00dfen Belustigung von Jin Eiko. Wir verpassen nur die ersten Minuten. Es handelt sich auch nicht wirklich um ein \u201ehomogenes\u201c Konzert, sondern um eine Veranstaltung, in der mehrere Gruppen auftreten. Alles Kinder bis 14 Jahre, und gespielt wird auf Keyboards des Sponsors \u2013 Yamaha. Gespielt wird unter anderem <em>\u201eUnter dem Meer\u201c<\/em> aus dem Disneyfilm <em>\u201eArielle\u201c<\/em>, die Star Wars Symphonie (Episode IV), Titel von SMAP, und und und. Das Alter der Interpreten steigt im Laufe der Vorstellung, das hei\u00dft, Y\u00fbtar\u00f4 und seine Gruppe spielen als letzte. Und ganz am Ende d\u00fcrfen alle gemeinsam zur Freude der Eltern noch was singen. Ich begl\u00fcckw\u00fcnsche Y\u00fbtar\u00f4 zu seiner Leistung und frage ihn, wie er sich f\u00fchle. Er sagt, er habe noch ganz heftiges Herzklopfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und weil der fr\u00fche Abend so sch\u00f6n ist, werden wir auch noch zum Essen eingeladen. Wir essen in einem traditionell eingerichteten Haus \u2013 ohne St\u00fchle. Als Vorspeise bekommen wir Tempura und frittierte Garnelenschw\u00e4nze, danach gibt es Sushi, eine Platte f\u00fcr jeden, von denen ich allerdings drei esse, weil Jin Eiko ja bekanntlich auf Grund ihrer Familienvorgeschichte keinen Fisch mehr sehen kann und Melanie bereits satt ist. Das Hauptgericht sind Soba Nudeln, kalt. Zum Nachtisch gibt es Eis \u2013 und zwar Soba Eis! Es schmeckt irgendwie auf sanfte Art und Weise nach Nuss.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Jin-Essen-09-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3710\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Jin-Essen-09-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Jin-Essen-09-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Jin-Essen-09-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Jin-Essen-09-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/200403-Jin-Essen-09.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wir mit Familie Jin inklusive Gro\u00dfeltern<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um kurz nach Neun fahren wir zum Haus der Familie Jin zur\u00fcck und von dort aus mit dem Fahrrad nach Hause, trotz des mehrfachen Angebots, mit dem Auto nach Hause gefahren zu werden. Aber es ist ja nun wirklich nicht kalt und wir sind schon des \u00d6fteren nach Anbruch der Dunkelheit unterwegs gewesen. Ich werde morgen eine Mail schreiben, in der ich mich ausf\u00fchrlich bedanken kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuhause sehen wir noch <em>\u201eTetsuwan Dash\u201c<\/em>, eine der Shows der Band TOKIO. Und die haben heute niemand geringeren als Jackie Chan zu Gast. Und das nicht zum ersten Mal, wie ich aus den Gespr\u00e4chen entnehmen kann. Nebenbei sei erw\u00e4hnt, dass Jackie Chan in Japan einen gr\u00f6\u00dferen Volksauflauf von Autogrammj\u00e4gern verursacht als die einheimische Band TOKIO, deren Gesichter in Japan doch auch jeder kennt. TOKIO f\u00e4hrt hier nat\u00fcrlich keine gesittete Talkshow \u2013 hier wird ein Wettkampf veranstaltet. Aufgabe ist es, ein Souvenir aus Hakone zu besorgen \u2013 jeder ein anderes \u2013 und an einen vorher festgelegten Ort zu bringen. Mit maximal 3000 Schritten.<a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Dazu erhalten alle Teilnehmer einen Schrittz\u00e4hler. Jedes \u00f6ffentliche (!) Fortbewegungsmittel ist erlaubt, mit Ausnahme eines Taxis. Das hei\u00dft, die Jungs m\u00fcssen erst einmal nach Hakone kommen und dort ihr Souvenir finden, indem sie Leute fragen. Um die Beschr\u00e4nkung der Schrittzahl weniger hart zu machen, erh\u00e4lt jeder einen Hartschalenkoffer mit R\u00e4dern.<br>Matsuoka hat das Souvenir als erster besorgt, aber er scheitert 2,5 m vor dem Ziel. Jackie kommt als dritter an, aber auch er hat 7,5 m vor der Ziellinie seinen letzten Schritt verbraucht. Jetzt w\u00fcrde ich nat\u00fcrlich gerne den Namen des Siegers nennen, aber ich habe ihn mir nicht gemerkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach sehe ich noch <em>\u201ePretty Cure\u201c<\/em> und <em>\u201eZorori\u201c<\/em> an, und ich stelle heute den endg\u00fcltigen Anachronismus jener Welt fest \u2013 da gibt es n\u00e4mlich Automobile und mit Motoren betriebene Luxusliner. \u00dcber den mechanischen Drachen der ersten Episode habe ich \u201ehinweggesehen\u201c und dachte, die moderne Technik sei aus rein humoristischen Gr\u00fcnden eingef\u00fcgt worden, aber jetzt, wo die damals entf\u00fchrte Prinzessin und ihr Prinz mit einem Chevrolet Cabrio in die Flitterwochen fahren, muss ich die Lage wohl anerkennen. Was nicht hei\u00dft, dass ich mir das nicht weiter ansehen werde&#8230; Zorori ist immer noch lustig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die Bezeichnung geht auf meinen ersten Englandausflug im Schulrahmen anno 1991 zur\u00fcck. Ohne Rucksack war ich gezwungen, mir gegebene Lunchpakete in meine Jacke zu stopfen. Da viele meiner Mitsch\u00fclerInnen diese Lunchpakete abscheulich fanden, hatte ich immer ein halbes Dutzend davon auf diese Art und Weise bei mir, um sie im Laufe des jeweiligen Tagesausflugs zu verzehren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hakone liegt \u00fcber 80 km s\u00fcd\u00f6stlich vom Stadtzentrum von Tokyo entfernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stehe um Zehn auf und lese \u201eErdsee\u201c. Um 14:00 mache ich mich mit Melanie auf den Weg ins Daiei. 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