{"id":3690,"date":"2024-03-13T07:00:00","date_gmt":"2024-03-13T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3690"},"modified":"2024-03-10T17:02:11","modified_gmt":"2024-03-10T16:02:11","slug":"samstag-13-03-2004-gtd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3690","title":{"rendered":"Samstag, 13.03.2004 \u2013 GTD?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stehe um 08:00 auf, um Vokabeln f\u00fcr den heute geplanten Unterricht durchzugehen und zu \u00fcbersetzen, damit ich die Beispiels\u00e4tze auch erkl\u00e4ren kann. Ich h\u00f6re auch die Lehrkassette an. Ich finde kein gro\u00dfes Problem dabei und mache mich um 12:00 auf den Weg, um viel Zeit f\u00fcr Eventualit\u00e4ten zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 12:30 bin ich im Ito Y\u00f4kad\u00f4. Ich habe noch drei\u00dfig Minuten Zeit und die verbringe ich in der CD Abteilung. Wenn ich schon mal da bin, kaufe ich die <em>\u201eAce wo nerae!\u201c<\/em> Single und den <em>\u201eDoraemon\u201c<\/em> Soundtrack <em>\u201eYumebiyori\u201c<\/em> von Shimatani Hitomi. Ich finde auch zwei CDs, die mich interessieren k\u00f6nnten, und frage, ob man sie zur Probe anh\u00f6ren k\u00f6nne. Daraufhin fummelt der Angestellte an dem Computer an der Kasse herum und er\u00f6ffnet mir knapp eine Minute sp\u00e4ter, dass von diesen K\u00fcnstlern keine Samples gespeichert seien. Ich bin jetzt nicht ganz sicher, was f\u00fcr R\u00fcckschl\u00fcsse das auf das hier verwendete System zul\u00e4sst, aber unpraktisch ist es auf jeden Fall. In Tokyo stand ein Terminal herum, in dem man aus Hunderten von CDs w\u00e4hlen konnte. Aber\u2026 wir sind hier ja auf dem Land. Vielleicht bringe ich das n\u00e4chste Mal den Diskman mit und frage, ob es auf diese Weise m\u00f6glich w\u00e4re, CDs zu h\u00f6ren, bevor man sich blind zum Kauf entschlie\u00dft. Die Soundtracks bekannter Anime kann ich per E-Bay losschlagen, aber wenn es sich um Musik au\u00dferhalb des Mainstreams handelt, kann ich das vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe um 12:55 zum Unterricht. Meine Teilnehmer sind zwei Damen Mitte 40 (Namuri und Sasaki) und zwei Herren. Yamagata ist etwa drei\u00dfig und Ozaki um die sechzig \u2013 und nicht arm, wie man aus dem Anzug schlie\u00dfen k\u00f6nnte. Es stellt sich au\u00dferdem heraus, dass Yamagata nicht auf der Anwesenheitsliste steht, weil er zum ersten Mal hier ist und dass Namuri ausgebildete Englischlehrerin ist. Aha\u2026 ich kehre meine Frage unter den Tisch, bleibe stumm und demonstriere angenehme \u00dcberraschung.<br>Und es l\u00e4uft auch alles ganz wunderbar. Nat\u00fcrlich sind auch diese Japaner wenig einfallsreich, was ihre Beispiels\u00e4tze betrifft (sie lesen ab, was im Buch steht und tauschen ein oder zwei Worte aus), und R\u00fcckfragen werden auch nicht gestellt, obwohl ich sp\u00fcre, dass es notwendig w\u00e4re. Ich versuche also, eventuellen Fragen durch Anmerkungen im Vorfeld bereits zu begegnen. Yamagata-san fragt immerhin, warum ich zwei Uhren trage. Des Weiteren waren meine Bem\u00fchungen umsonst, mir die Erkl\u00e4rungen der grammatikalischen Umst\u00e4nde der indirekten Rede auf Japanisch zurecht zu legen. Man bittet mich kurzerhand, ausschlie\u00dflich Englisch zu reden. Nun gut, das ist eigentlich auch am sinnvollsten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 14:20 ist der Unterricht vorbei und ich hoffe, dem Thema auch gerecht geworden zu sein. Nat\u00fcrlich hat es wenig Sinn, die Kursteilnehmer nach ihrer Meinung zu fragen\u2026 die w\u00fcrden darin aufgehen, meinen Unterricht und mein Japanisch zu loben, selbst wenn ihnen etwas missfallen h\u00e4tte. Japan ist halt Japan.<br>Yamagata-san f\u00e4hrt mit mir im Aufzug nach unten und wir unterhalten uns kurz \u00fcber die Notwendigkeit von Englischkursen und ich komme nicht umhin, anzumerken, dass mir das weitgehend auf Auswendiglernen von Grammatik beruhende japanische Lehrsystem nicht gefalle, weil es den Sch\u00fclern jeden Spa\u00df an einer Fremdsprache nimmt. Er bedankt sich zuletzt f\u00fcr den Unterricht und meint, dass er weiterhin kommen werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bleibe aber noch ein wenig im Kaufhaus und komme \u00fcber kurz oder lang auch wieder an dem <em>\u201eAshita no Joe\u201c<\/em> Boxautomaten vorbei, den ich vor einiger Zeit einmal beschrieben habe. Im Moment steht ein Japaner davor, noch ein St\u00fcck davon entfernt, Zwanzig zu sein, knapp 170 cm gro\u00df, mit recht normalem K\u00f6rperbau \u2013 also eher mager. Er wirft 100 Yen in den Automaten und landet seinen ersten Schlag \u2013 170 kg. Ja, das kann ich auch, aber entgegen seinem \u00c4u\u00dferen scheint er recht kr\u00e4ftig zu sein. Der zweite Schlag: 180 kg. Was denn? Er steigert sich um 10 kg und schl\u00e4gt meinen eigenen Rekord um drei Kilogramm? Dass man sich beim zweiten Schlag steigert, ist allerdings nichts Ungew\u00f6hnliches. Dennoch bin ich gepl\u00e4ttet. Der dritte Schlag: 205 kg. Der packt beim dritten Schlag noch mal einen halben Zentner drauf? Schafft drei\u00dfig Kilo mehr als ich? Wie geht denn das? Zum Gl\u00fcck hat er nicht gesehen, wie mir die Kinnlade auf den Boden gefallen ist. Ich glaube immer noch nicht so ganz, was ich da gesehen habe, als ich das Kaufhaus wieder verlasse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend beginne ich, die <em>\u201eErdsee\u201c <\/em>Quatrologie von Ursula Le Guin zu lesen. Die Werbung verspricht <em>\u201eein Epos vom Weltrang eines Herrn der Ringe\u201c<\/em>, deshalb habe ich zu lesen begonnen. Nicht, weil ich geneigt w\u00e4re, dieser Aussage Glauben zu schenken, eher aus gegenteiligen Gr\u00fcnden. Ich merke schon bald, dass \u201eErdsee\u201c in diese Liga so schnell nicht aufsteigen wird \u2013 daf\u00fcr fehlt eine geh\u00f6rige Portion Handlung und auch \u201edie gro\u00dfe Aufgabe\u201c, wie ich es mal nennen will. <em>\u201eErdsee\u201c<\/em> schildert das Leben des Magiers Ged, wie er vom magisch begabten, halbw\u00fcchsigen Ziegenh\u00fcter zum Erzmagier wird. In dieser Welt gibt es zwar Drachen, ansonsten aber nur zwei Sorten von Menschen: Schwarze und Wei\u00dfe. Die Schwarzen sind Gelehrte, Kaufleute und allgemein potentielle Magier, die Wei\u00dfen sind tendenziell ein Kriegervolk, in dem Lesen und Schreiben als Schwarze Kunst betrachtet wird und das in h\u00fcbscher Regelm\u00e4\u00dfigkeit fremde K\u00fcsten auf der Suche nach Sch\u00e4tzen und Sklaven heimsucht.<br>Das hei\u00dft allerdings nicht, dass es unter den Schwarzen nur fromme L\u00e4mmer g\u00e4be, auch unter denen gibt es Piraten, und auch unter den Wei\u00dfen gibt es magisch begabte Personen. Eine Gut-B\u00f6se Polarisation h\u00e4tte ich nicht guthei\u00dfen k\u00f6nnen. Die beiden Rassen teilen sich zwar in mehrere kleine V\u00f6lker untereinander auf, aber im Gro\u00dfen und Ganzen gibt es eben nur zwei Machtbl\u00f6cke. Wenn man sich erst einmal an den etwas antiquierten Schreibstil gew\u00f6hnt hat, ist die Geschichte gar nicht uninteressant zu lesen. Nicht der ultimative Bringer, aber auch nicht schlecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stehe um 08:00 auf, um Vokabeln f\u00fcr den heute geplanten Unterricht durchzugehen und zu \u00fcbersetzen, damit ich die Beispiels\u00e4tze auch erkl\u00e4ren kann. Ich h\u00f6re auch die Lehrkassette an. Ich finde kein gro\u00dfes Problem dabei und mache mich um 12:00 auf den Weg, um viel Zeit f\u00fcr Eventualit\u00e4ten zu haben. 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