{"id":3667,"date":"2024-03-03T07:00:00","date_gmt":"2024-03-03T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3667"},"modified":"2024-02-24T17:42:17","modified_gmt":"2024-02-24T16:42:17","slug":"mittwoch-03-03-2004-revanche-eines-ungarn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3667","title":{"rendered":"Mittwoch, 03.03.2004 \u2013 Revanche eines Ungarn"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Winter ist zur\u00fcck, es schneit seit der Nacht, am fr\u00fchen Morgen und in den Tag hinein, und es ist unerh\u00f6rt kalt. Ein letztes sibirisches Aufb\u00e4umen, muss ich annehmen. Und hoffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stehe um 08:00 auf und gehe zusammen mit Melanie um 09:15 ins Center, um ihr aus ihrer MP3-Sammlung eine CD neu zu brennen, weil sie sagt, ihr Diskman spiele nur die H\u00e4lfte davon. Das Center erh\u00e4lt w\u00e4hrenddessen gleich zwei neue Drucker, weil der alte zu viele Fehler produziert hat. Ich h\u00e4tte es lieber gesehen, wenn man das Netzwerk mal gr\u00fcndlich \u00fcberarbeitet h\u00e4tte. Dann gehe ich zur Post und zur Aomori Bank, weil verschiedene Dinge bezahlt sein wollen und verschwinde dann im Physikgeb\u00e4ude, um mich der Tagesroutine hinzugeben. Nebenbei bereite ich das Rematch gegen Misi vor und beginne dann die Anfertigung weiterer Newsletter. Ich staune auch nicht schlecht, als ich feststelle, dass ich gestern nicht den 09. Januar, sondern den 10. Januar beschrieben habe \u2013 ich habe den neunten \u00fcberbl\u00e4ttert und meine eigene \u00dcberschrift v\u00f6llig missachtet. Ich schreibe zwei Berichte, also zum 09. und zum 11. Januar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach naht auch schon der H\u00f6hepunkt des Tages \u2013 Misis Revanche des Gefechts um Gersheim. Und ab hier gilt ebenfalls: Wer keine Spielbeschreibung lesen will, kann den Rest \u00fcberspringen \u2013 bis auf einen kleinen Abschnitt vielleicht, der sich mit dem Abend nach dem Spiel befasst.<br>Wir spielen also wieder um Gersheim, diesmal mit 2000 Punkten pro Spieler. Er verteidigt den Ort, ich greife aus Richtung Niedergailbach an. Mein Konzept besteht aus einem mit Panzern unterst\u00fctzten Infanterieangriff; zwei Artilleriebeobachter (155 mm) mit ausreichend Munition sollen am Waldrand auf der Anh\u00f6he Stellung beziehen und die deutschen Verteidigungspunkte einebnen. Die Infanterie w\u00fcrde vorr\u00fccken und sofort nach Ende des Bombardements zum Angriff \u00fcbergehen und die \u00fcberlebenden Verteidiger im Schock erwischen, unterst\u00fctzt von den beiden Churchill VII Panzern, deren Aufgabe es sein soll, die deutschen Panzer auszuschalten; zwei M7 Priest Selbstfahrlafetten sollten f\u00fcr punktgenaue Artillerieunterst\u00fctzung der Infanterie sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie man wei\u00df, \u00fcberlebt kein Plan den ersten Feindkontakt. Um genau zu sein, \u00fcberlebt mein Plan mein h\u00f6chsteigenes Kartenkonzept (und die auf Grund der Softwarebeschr\u00e4nkungen immer noch sehr sinnfreie Landschaftsgestaltung) nicht. Die (von mir ja selbst entworfene) Aufstellungszone der Deutschen schlie\u00dft die Anh\u00f6he um Wachalls Haus vor dem Kalkwerk (auf der gegen\u00fcberliegenden Anh\u00f6he) mit ein und Misi war so frei, zwei oder drei PaK 75 mm dort zu postieren. Nat\u00fcrlich kann man von dort aus meinen Anmarschweg, die Stra\u00dfe nach Niedergailbach, ganz hervorragend einsehen. In Realit\u00e4t handelt es sich dabei um ein paar wenige Kilometer, aber auf der Spielkarte sind es sch\u00e4tzungsweise gerade mal 900 Meter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der ersten Minute sind alle meine gepanzerten Fahrzeuge zerst\u00f6rt, noch bevor die Fahrer die Chance hatten, das Gaspedal zu ber\u00fchren. Der vorderste Churchill ist immerhin 75 Meter weit gekommen, bevor ihn die PaK in die Flanke erwischte. Das hat einen aufgesessenen Beobachter get\u00f6tet. Der andere \u00fcberlebt, wird aber zwei Minuten sp\u00e4ter von einer 20 mm Kanone in der N\u00e4he der heutigen Gesamtschule mit besten Gr\u00fc\u00dfen von Thyssen und Krupp im Plastiksack nach Hause geschickt. Die Infanterie r\u00fcckt vor und ger\u00e4t unter heftiges Feuer. Was zur H\u00f6lle ist da los? Es sind zu wenige Einschl\u00e4ge pro Minute, um von einer abgesetzten Artilleriestellung zu kommen. <br>Es stellt sich heraus, dass parallel zur Niedergailbacher Stra\u00dfe am Ortsrand mindestens ein Puma, ein Luchs und ein Tiger Stellung bezogen haben und ein lustiges Zielschie\u00dfen veranstalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wieder ein Gestaltungsfehler meinerseits, was die Aufstellungszonen betrifft. Die Karte ist mit 1040 mal 1040 Metern zu klein, um dem Verteidiger ein derart gro\u00dfes Gebiet als Aufstellungszone zu \u00fcberlassen. Und am Tretbecken steht nicht etwa eine, sondern gleich zwei 20 mm Kanonen. Das alles macht den Angriff zu einem Selbstmordkommando im Bataillonsrahmen. In Realit\u00e4t w\u00fcrde man einen R\u00fcckzug durchf\u00fchren oder Luftunterst\u00fctzung anfordern, aber die Option bietet sich mir nicht. Ich warte auf meine Verst\u00e4rkung. Ich habe n\u00e4mlich ausprobieren wollen, ob man die Verst\u00e4rkungsmarkierungen \u00fcberall hinstellen kann, anstatt nur in die eigene Aufstellungszone. Und das geht!<br>In Runde 10 landen zwei Kompanien US Fallschirmj\u00e4ger auf der Fl\u00e4che rechts der Blies, wo heute das Lager vom Pallmann steht. Ei, das hat ihn immerhin \u00fcberrascht! Ich kann die H\u00e4user an der Br\u00fccke einnehmen, mit etwa 15 % Verlusten und ich werde sie eine Zeitlang halten k\u00f6nnen. Sogar eine 8,8 und eine FlaK-Vierling habe ich dort, am Runden Brunnen, kalt erwischt. Aber dieser Kampf ist nicht mehr zu gewinnen, nicht ohne Panzerkr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass ich den Schwerpunkt des Angriffs auf die linke Bliesseite gelegt habe, hat sich doppelt als fatal herausgestellt: Nicht nur, dass die deutschen Kanonen auf dem H\u00fcgel gegen\u00fcber ein pr\u00e4chtiges Sichtfeld haben, nein, ich war auch so d\u00e4mlich, zu ignorieren, dass das Zentrum der deutschen Verteidigung die Br\u00fccke sein w\u00fcrde \u2013 anstatt mir also Bewegungsraum auf der Reinheimer Seite zu besorgen, wo auch zwei der drei einzunehmenden Gel\u00e4ndepunkte liegen, habe ich beschlossen, meine zwei britischen Kompanien durch das Nadel\u00f6hr der Bliesbr\u00fccke zu quetschen, um an die Siegpunkte auf der anderen Flussseite zu gelangen! So d\u00e4mlich kann doch eigentlich keiner sein. Es wird acht Uhr und wir brechen ab. Ich ersuche Waffenstillstand und bekomme ihn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich muss die deutsche Aufstellungszone gewaltig einschr\u00e4nken. Und vor allem wei\u00df ich eines: Wenn ich noch einmal eine Karte mit frei zu w\u00e4hlenden Truppen spiele, dann werde ich mir keinerlei Gedanken mehr \u00fcber Realismus machen und nur Panzer auf den Plan stellen, mit einem Zug Infanterie, um die Siegpunkte zu halten und einem oder zwei Artilleriebeobachtern, um die gegnerische Infanterie genau daran zu hindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Misi geht also, w\u00e4hrend ich noch einen Augenblick bleibe und meine elektronischen Postf\u00e4cher abklappere und auch bei Animetric kurz vorbeischaue, bevor ich nach Hause zur\u00fcckkehre. Melanie hat Spaghetti mit Fleischso\u00dfe gemacht und etwas Kuchen gekauft (von dessen Verzehr ich in Zukunft absehen werde, weil er so k\u00fcnstlich schmeckt wie er aussieht). Sie hat heute auch die ersten Leihvideos mit Kopierschutz gesichtet, aber es l\u00e4sst sich nicht erkennen, warum diese Videos einen Schutz haben und die anderen nicht.<br>Wir schauen uns noch die Aufnahme von <em>\u201eGakk\u00f4 e ikou\u201c<\/em> von gestern an und beenden den Tag, also Geschirrsp\u00fclen, M\u00fcll beseitigen und Tagebuch schreiben. Um 23:40 ist der Tag vorbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Winter ist zur\u00fcck, es schneit seit der Nacht, am fr\u00fchen Morgen und in den Tag hinein, und es ist unerh\u00f6rt kalt. Ein letztes sibirisches Aufb\u00e4umen, muss ich annehmen. Und hoffen. 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