{"id":3648,"date":"2024-02-23T07:00:00","date_gmt":"2024-02-23T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3648"},"modified":"2024-02-21T09:33:23","modified_gmt":"2024-02-21T08:33:23","slug":"montag-23-02-2003-skattland-rhapsody","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3648","title":{"rendered":"Montag, 23.02.2003 \u2013 Skattland Rhapsody"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber Nacht hat ein sehr kr\u00e4ftiger Wind eingesetzt, zum Teil mit Orkanst\u00e4rke, wie ich wegen des Lautst\u00e4rkepegels annehme. Dennoch schlafen wir, wie \u00fcblich, ziemlich lange und folgen Melanie nach, die um Zehn aufsteht, weil sie in die Stadt muss, um Geld abzuheben. Eigentlich wollte sie mit dem Fahrrad fahren (die Schneesituation auf den Stra\u00dfen l\u00e4sst es gerade zu), aber wegen des Windes f\u00e4hrt sie lieber mit dem Bus. Eine kluge Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um etwa 11:00 f\u00e4llt das Wasser aus. Ronald und Ricci sind bis dahin mit dem Notwendigsten fertig, aber ich werde ungewaschen \u00fcber die Runden kommen m\u00fcssen. Immerhin haben wir, in weiser Voraussicht, inzwischen grunds\u00e4tzlich 20 Liter Wasser in Eimern gebunkert, plus 2 Liter in einer Wasserflasche, so dass Toilettensp\u00fclung und Z\u00e4hneputzen gesichert sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe ins Center, weil ich den Stapel CD-ROMs, den Ricci mitgebracht hat, kopieren will. Oder einen Teil davon. Aber daraus wird nichts. Alle Rechner, die \u00fcber einen Brenner verf\u00fcgen, sind und bleiben besetzt, und das von Mittag bis zum Nachmittag um 17:30, als Sait\u00f4-san verk\u00fcndet, dass man schlie\u00dfen wolle. Na Mahlzeit! Dann wird der Zeitplan knapp. Ich muss morgen fr\u00fch um sp\u00e4testens 09:00 auf der Matte stehen, um dem \u201eMongolensturm\u201c zuvorzukommen (man verzeihe mir diesen Ausdruck f\u00fcr die \u00dcberpr\u00e4senz von Chinesen an den entscheidenden Maschinen bitte \u2013 ist nur ein Scherz).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 18:00 komme ich nach Hause. Und&#8230; es ist immer noch kein Wasser da! Allerdings haben wir mit Ronalds Telefon um 18:30 Ikeda-san angerufen, um mich diesbez\u00fcglich zu beschweren. Darauf hie\u00df es, dass um 19:00 jemand k\u00e4me, der das Problem beheben w\u00fcrde&#8230; oder Wasser bringt. Sicher bin ich mir nicht. Um 19:20 kommt stattdessen die mit Ikeda verwandte Nachbarin vorbei (was mir die Koreaner zwischendurch erz\u00e4hlt haben) und fragt mich, ob inzwischen Wasser da sei. Ich verneine, und sie verschwindet wieder, nat\u00fcrlich ohne zu vergessen, sich f\u00fcr die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.<br>Einige Minuten sp\u00e4ter gurgelt der Wasserhahn und \u00fcbergibt sich in das Sp\u00fclbecken. Besser kann man das anhand der erdbraunen und dickfl\u00fcssigen Beschaffenheit dessen, was daraus hervorspritzt, nicht nennen. Wir drehen alle H\u00e4hne auf, um die Leitungen frei zu sp\u00fclen und nach wenigen Minuten haben wir wieder geruchs- und geschmacksneutrales Wasser.<br>Die Nachbarin kommt noch einmal vorbei. Es sei wieder alles in Ordnung sage ich. Dennoch will sie das flie\u00dfende Wasser sehen. Na, wenn sie mir nicht glaubt: Ich drehe den Wasserhahn auf und zeige ihr, was sie sehen will. Sie ist zufrieden, entschuldigt sich noch einmal, w\u00fcnscht einen guten Abend und verschwindet die Treppe hinunter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um acht Uhr gehen wir nach Nishihiro, um im <em>\u201eSkattland\u201c<\/em> ein Nomih\u00f4dai zu machen. Melanie sagt, es sei besser, dorthin zu gehen, weil die Getr\u00e4nkeauswahl gr\u00f6\u00dfer sei als in dem Laden, wo wir wegen Angelas Abschiedsfeier einmal gewesen sind. Ich erinnere: \u201e<strong>Nomi<\/strong>h\u00f4dai\u201c ist, im Gegensatz zum <strong>Tabe<\/strong>h\u00f4dai, \u201eAll you can <strong>drink<\/strong>\u201c. Eigentlich hatten wir auch SangSu eingeladen, aber der hat aus finanziellen Gr\u00fcnden abgelehnt. Ich glaube, er wird im M\u00e4rz noch einmal f\u00fcr einige Zeit nach Tokyo fahren, vielleicht auch nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da wir, mangels Wasser, heute noch nichts gegessen haben, spielen wir auch mit dem Gedanken, ein Tabeh\u00f4dai zu machen, aber ich bin schlie\u00dflich der einzige, der dabeibleiben will. Und da findet sich der erste Knackpunkt im Skattland: Entweder jeder am Tisch oder keiner bestellt Tabeh\u00f4dai \u2013 die Chance, dass der Tabeh\u00f4dai-Kunde seine Freunde g\u00fcnstig mitf\u00fcttert, ist dem Laden verst\u00e4ndlicherweise zu gro\u00df. Also verzichte ich darauf.<br>Zweiter Knackpunkt: Das billige Nomih\u00f4dai f\u00fcr 1000 Yen gilt nur f\u00fcr Softdrinks (also alkoholfreie Getr\u00e4nke) und die so genannten \u201eSour\u201c Drinks (das sind Sirupgetr\u00e4nke in bunten Farben und Geschmacksrichtungen mit schwachem Alkoholgehalt). Aber gut, wir bestellen das Nomih\u00f4dai trotzdem.<br>Ich probiere ein \u201eSour\u201c und wei\u00df sofort, dass es das letzte sein wird: Kohlens\u00e4ure ohne Ende und der Geschmack ist schlicht grausig. Ich trinke daher die Saftliste herunter und bleibe bei Kalpis h\u00e4ngen \u2013 ohne Eisw\u00fcrfel, bitte. Ich kann nicht erkl\u00e4ren, was Kalpis eigentlich ist, aber ich glaube, dass man es entweder angenehm oder absto\u00dfend finden muss. Mir jedenfalls schmeckt das tr\u00fcb-wei\u00dfe Zeug. Zum Essen bestelle ich eine Curry-Pizza und ein \u201eDschingis Khan Men\u00fc\u201c. Die Curry-Pizza schmeckt nach dem, was der Name verspricht und nach der gro\u00dfen Portion K\u00e4se dar\u00fcber. Das Men\u00fc besteht aus Reis, Gem\u00fcse und Fleisch und ist ebenfalls gar nicht mal so schlecht. Ein normaler Mensch wird davon satt (ich brauche halt noch die kleine Pizza dazu) und es kostet nur 500 Yen.<br>Und das ist der dritte Knackpunkt: Ein Tabeh\u00f4dai kostet 1500 Yen. Wenn ich hier f\u00fcr 1000 Yen Essen bestellt habe, bin ich satt. Die restlichen 500 Yen sind ein Geschenk an den Betrieb.<br>Vierter Knackpunkt: Ein Nomih\u00f4dai mit alkoholischen Getr\u00e4nken kostet 1800 Yen. Ein faustgro\u00dfer Krug Sake kostet 200 Yen, und wenn ich davon f\u00fcnf getrunken habe, bin ich schon sehr lustig, was nicht zuletzt daran liegt, dass ich ansonsten nicht so schrecklich viel trinke. Ich halte es f\u00fcr utopisch, <strong>neun<\/strong> Kr\u00fcge zu leeren, ohne mich nach Hause tragen lassen zu m\u00fcssen. Utopisch ist au\u00dferdem, dass ich so viel Zeug in nur zwei Stunden, so das Zeitlimit, in mich hineinsch\u00fctten kann, ohne mich zu \u00fcbergeben. Ich schlie\u00dfe daraus (messerscharf): Das lohnt sich nicht! Das Nomih\u00f4dai f\u00fcr 1000 Yen k\u00f6nnte sich f\u00fcr mich gerade so gelohnt haben, m\u00f6glicherweise habe ich den Preis um ein paar Yen \u00fcberschritten. Ich lasse das Nomih\u00f4dai n\u00e4chstens sein und trinke lieber in einem angemessenen Tempo, ohne die Stoppuhr im Nacken zu sp\u00fcren. Ich glaube, der einzige sp\u00fcrbare Vorteil des Nomih\u00f4dai offenbart sich, wenn man mit einem Dutzend Leuten oder mehr am Tisch sitzt und die Truppe nicht mehr n\u00fcchtern ist: Es spart die Einzelabrechnung, und 1500 Yen auf den Tisch zu legen, schafft man auch mit schwerem Kopf und lallender Zunge noch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oh, da war doch noch was&#8230; In Anbetracht von SangSus Geldmangel und auch der Tatsache, dass mein Geldbeutel am Morgen nur noch 200 Yen aufwies (und ich daher dachte, der Ausflug am Abend h\u00e4tte sich erledigt), habe ich SangSu w\u00e4hrend meines Aufenthaltes im Center mitgeteilt, dass er dann ja so um 21:00 f\u00fcr ein zwangloses Trinken zu uns hochkommen k\u00f6nne. Bis zum Abend hatte ich das bereits vergessen, und wir waren um diese Zeit im Skattland. Um Mitternacht sind wir, per Taxi, wieder zuhause und bereiten uns darauf vor, schlafen zu gehen. Es klingelt an der T\u00fcr. Noch bin ich nicht (wieder) im Bilde. Ich mache die T\u00fcr auf und sehe erst einmal niemanden. Dann erscheint SangSus Kopf an der Ecke zur Treppe. Er bleibt gerne am Klingelknopf stehen (um die Ecke) und h\u00fcpft dann ins Bild, wenn man die T\u00fcr \u00f6ffnet. Ein bisschen kindisch, aber\u2026 so ist er eben. Ich wei\u00df zu dem Zeitpunkt immer noch nicht, was er will. SangSu entschuldigt sich bei mir daf\u00fcr, die Verabredung um Neun vergessen zu haben. Oh verdammt, <strong>jetzt<\/strong> wei\u00df ich, was los ist. Ich sage ihm, dass das nicht so schlimm sei, weil ich es ebenfalls vergessen h\u00e4tte. Er sagt, ich solle kurz warten und er verschwindet. Nach knapp einer Minute kommt er die Treppe wieder hoch. Mit einer Plastikt\u00fcte voller Bierdosen.<br>Also eine spontane Afterparty. So sei es. Sonst hat auch keiner was dagegen. Zumindest beschwert sich keiner. Und ich werde ins HotSpar geschickt, um zwei Flaschen <em>\u201eTwo Dogs\u201c<\/em> zu kaufen (eine leichte Mischung aus Bier und Fruchtsaft aus Australien). Und unsere Afterparty zieht sich noch \u00fcber zwei Stunden dahin, in denen uns SangSu, begeistert wie immer, einen Videoclip aus einer koreanischen Fernsehshow vorf\u00fchrt, in der <em>\u201eDer Herr der Ringe\u201c<\/em> geringf\u00fcgig parodiert wird. Man stelle sich eine Mittelschichtwohnung vor, in der zwei koreanische Gollums (einer m\u00e4nnlich, einer weiblich) auftauchen \u2013 und ein sp\u00e4hender koreanischer Legolas, der sie einsammelt. Au\u00dferdem beweist sich, wieder einmal aufs Neue, dass man mit SangSu eine Menge Unsinn machen kann. Melanie knetet sein Gesicht, er nennt sie <em>\u201ePrinzessin Gollum\u201c,<\/em> sie schl\u00e4gt ihn daf\u00fcr. Alles beim Alten. Es wird vor\u00fcbergehen, also warum eingreifen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Nacht hat ein sehr kr\u00e4ftiger Wind eingesetzt, zum Teil mit Orkanst\u00e4rke, wie ich wegen des Lautst\u00e4rkepegels annehme. Dennoch schlafen wir, wie \u00fcblich, ziemlich lange und folgen Melanie nach, die um Zehn aufsteht, weil sie in die Stadt muss, um Geld abzuheben. 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