{"id":3635,"date":"2024-02-18T07:00:00","date_gmt":"2024-02-18T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3635"},"modified":"2024-02-11T18:29:54","modified_gmt":"2024-02-11T17:29:54","slug":"mittwoch-18-02-2004-kung-fu-statt-ping-pong","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3635","title":{"rendered":"Mittwoch, 18.02.2004 \u2013 Kung Fu statt Ping Pong"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir stehen um 08:45 auf, strahlender Sonnenschein nach einer verschneiten Nacht. Um 11:30 gehen wir zum Bus und fahren zum Bahnhof, weil wir, also Ricci, Ronald, Melanie und ich, nach Aomori fahren wollen, um dort ein Aquarium zu besichtigen. Ich kann mir spannendere Dinge vorstellen, als potentiellem Sushi beim Schwimmen zuzusehen, aber was soll\u2019s.<br>Melanie hat aus unerfindlichen Gr\u00fcnden auf ihre sonst akribische Planung verzichtet, weil sie (und nicht nur sie) davon ausgegangen ist, dass in sch\u00f6nster Regelm\u00e4\u00dfigkeit ein Zug in die Hauptstadt der Pr\u00e4fektur fahren werde. Ja, der n\u00e4chste f\u00e4hrt schon um 12:45, aber der Vermerk auf dem Fahrplan sagt entweder, dass man daf\u00fcr h\u00e4tte vorbestellen m\u00fcssen, oder dass der Zug ausgebucht sei&#8230; eher das erstere, denke ich. Aber selbst eine solche Aussage kommt mir arg seltsam vor. Wie dem auch sei, der n\u00e4chste Zug f\u00e4hrt laut Fahrplan um 13:45. Dann k\u00e4men wir aber so sp\u00e4t im Aquarium an, dass wir nur noch etwa eine Stunde Zeit h\u00e4tten, bevor der Laden zumacht. Diese Hetze will aber keiner von uns in Kauf nehmen, also wird ein Einkaufsbummel aus dem f\u00fcr heute geplanten Ausflug. Wir verlagern die Aktion auf morgen und gehen ins Ito Y\u00f4kad\u00f4.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die anderen sehen sich nach irgendwelchen Sachen um, f\u00fcr die ich mich kaum weniger interessieren k\u00f6nnte als f\u00fcr ausgetretene Fu\u00dfmatten, also verziehe ich mich in die Spieleabteilung und bitte darum, mich dort abzuholen, sobald sie hier fertig seien. Ronald will eigentlich noch eine H\u00fclle f\u00fcr seinen Kanjitank kaufen, aber der Laden, wo ich mein Ger\u00e4t mit H\u00fclle gekauft habe, hat geschlossen. Und zwar f\u00fcr immer. Ein bedeutender Teil des Stockwerks wird umgebaut. Der 100-Yen-Shop aus dem dritten Stock wird diese Stelle einnehmen. Das wird ein reichlich gro\u00dfer 100-Yen-Shop.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir gehen schlie\u00dflich nach Hause und wollen uns irgendein ein Video ansehen, ein Live Action Video \u2013 also mit echten Schauspielern, nicht animiert. In der Videothek wogt die Diskussion 15 Minuten lang hin und her (ohne mich, weil mir das Ergebnis gleichg\u00fcltig ist) und schlie\u00dflich wird beschlossen, das Video auszuleihen, das in der Abteilung f\u00fcr Humor auf Platz Eins der beliebtesten Filme steht. Der Film hei\u00dft <em>\u201ePing Pong\u201c<\/em>. Offenbar eine Kom\u00f6die mit Schwerpunkt auf Tischtennisspielern. Daran hatte ich in meinem ganzen Leben noch kein echtes Interesse, aber warum nicht. Man soll nichts f\u00fcr schlecht halten, was man nicht selbst gesehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber dieser Film gibt mir von Anfang an ein schlechtes Gef\u00fchl. Die Hauptperson ist ein junger Mann, der offenbar sein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht hat, als Ping Pong zu spielen, und er tr\u00e4gt eine Frisur zur Schau wie Jim Carrey in <em>\u201eDumm und D\u00fcmmer\u201c<\/em>. Und bald darauf wei\u00df ich eins: <em>\u201eDumm und D\u00fcmmer\u201c<\/em> ist\u00a0 allemal und definitiv ein besserer Film als <em>\u201ePing Pong\u201c<\/em>!<br>Wenn das hier eine Kom\u00f6die sein soll, dann entgehen uns die humoristischen Elemente v\u00f6llig. Dieser Film ist stinklangweilig. Die \u201eFrisur\u201c und sein bester Freund spielen nat\u00fcrlich auch auf Turnieren, wo sie \u2013 ebenso\u00a0 nat\u00fcrlich wegen der Natur der Sachen Turniere und TV-Unterhaltung \u2013 auch auf starke Gegner treffen. Da w\u00e4re zum Beispiel ein rivalisierendes japanisches Team, dessen Mitglieder in ihren schwarzen Sportkleidern und mit den rasierten Glatzen aussehen wie Klone des wohl popul\u00e4rsten Fu\u00dfballschiedsrichters dieser Zeit. Das einzig lustige an der Mannschaft: Da ist einer dabei, der wegen seiner Kopfform und Brille aussieht wie Nikolas Kieker. Und dann gibt es noch einen unfreundlichen Chinesen, der aussieht, als k\u00f6nne er den sadistischen Aufseher eines Umerziehungslagers in Zentralchina wesentlich besser spielen als einen Sportler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir brechen den Film nach der H\u00e4lfte ab und besorgen uns was Neues: <em>\u201eShaolin Soccer\u201c<\/em>. <strong>Das<\/strong> ist lustig und das Geld wert. Trotz kantonesischen Originaltons mit japanischen Untertiteln. Eine Gruppe ehemaliger Shaolin M\u00f6nche (also Kung Fu Spezialisten) spielt&#8230; eine Art Fu\u00dfball. Das hei\u00dft, eigentlich handelt es sich dabei um Kung Fu K\u00e4mpfe, erweitert um einige Fu\u00dfballregeln\u2026 oder eigentlich nur um den Ball. Der Humor des Films kommt von der endlosen \u00dcbertreibung, derer sich die Macher bedient haben. Da werden Mauern mit Fu\u00dfb\u00e4llen gesprengt oder Getr\u00e4nkedosen in dieselben hineingetrieben, und das auf unglaubliche Entfernungen, und erst die Spezialtechniken auf dem Spielfeld&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den \u00fcbrigen Abend verbringen wir mit \u201efreier Diskussion\u201c und alten Schulgeschichten, was ich sehr genie\u00dfe, weil Ronald und meine Wenigkeit ja die gleiche Schule besucht haben. Um 23:30 bringe ich den Film zur\u00fcck und der Tag endet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir stehen um 08:45 auf, strahlender Sonnenschein nach einer verschneiten Nacht. Um 11:30 gehen wir zum Bus und fahren zum Bahnhof, weil wir, also Ricci, Ronald, Melanie und ich, nach Aomori fahren wollen, um dort ein Aquarium zu besichtigen. 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