{"id":3537,"date":"2024-01-10T07:00:00","date_gmt":"2024-01-10T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3537"},"modified":"2024-01-07T14:32:19","modified_gmt":"2024-01-07T13:32:19","slug":"samstag-10-01-2004-armed-and-harmless","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3537","title":{"rendered":"Samstag, 10.01.2004 \u2013 Armed and harmless"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute l\u00e4uft, endlich nach der Neujahrsunterbrechung, die erste <em>SailorMoon<\/em> Episode des neuen Jahres. Und das Jahr f\u00e4ngt gar nicht gut an. Meine Hoffnungen, die Serie k\u00f6nnte in gro\u00dfem Stil Eigenleben entwickeln, zerschlagen sich weitgehend. Ja, Kunzyte hat Usagi\/SailorMoon zwar mit einem Y\u00f4ma \u201einfiziert\u201c und im Anschluss sogar vom Krankenbett entf\u00fchrt, aber statt mal so richtig Amok zu laufen, ihre Senshi aufzumischen oder sonstiges Unheil zu stiften, liegt sie im Negaversum einfach nur rum \u2013 schlafend auf einer Art Steinbett. Merkur kommt zwar, sie zu retten, bald gefolgt von den \u00fcbrigen Senshi und Tuxedo Kamen, aber Usagi heilt sich im Prinzip selbst. B\u00e4h, wie einfallslos. Ich f\u00fchlte mich ein bisschen an die Geschichte von Rasputin erinnert, dem man genug Gift ins Essen getan hatte, um damit zehn Elefanten niederzustrecken, der aber darauf nur herzhaft r\u00fclpsen musste \u2013 es ist anzunehmen, dass sein st\u00e4ndiger Alkoholmissbrauch ihn quasi gerettet hat. Aber gut, Usagi r\u00fclpst nicht. Sie macht die Augen auf, g\u00e4hnt, und ist wieder bester Dinge, als sei nichts geschehen. Kunzytes Gesicht war einfach toll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Venus hat sich noch immer nicht zu der Truppe bequemt und so langsam frage ich mich, welche dramatischen Ereignisse sie dazu bewegen k\u00f6nnten, sich den anderen so richtig anzuschlie\u00dfen. Ich f\u00fcrchte: Es wird der Endkampf sein. Komatsu Ayaka scheint die leichteste Rolle zu haben, gemessen an ihrer Bildschirmpr\u00e4senz. Aber daf\u00fcr rennt sie auch rum, als h\u00e4tte sie an der Uhu-Tube geschn\u00fcffelt. Mit abgestreckten Armen, als sei sie der Meinung, fliegen zu k\u00f6nnen, wenn sie schnell genug l\u00e4uft. Es ist jedes Mal aufs Neue lustig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin m\u00fcde, also schlafe ich weiter, bis 12:00. Vorher war da kein Wachwerden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich will in der Bibliothek aber auch noch mindestens einen Bericht schreiben, also mache ich mich baldigst mit Melanie zusammen auf den Weg. Das heutige Wetter muss ich als \u201ewarm\u201c bezeichnen. Man sp\u00fcrt die Sonne richtig auf der Haut. Nach 500 Metern verstaue ich Schal und Handschuhe wieder im Rucksack, weil ich merke, dass es sonst nicht mehr lange dauern wird, bis ich in Schwei\u00df ausbreche. Ja, wo ist er denn, der harte Hirosaki-Winter, der angeblich Mitte November anfangen und bis Mitte M\u00e4rz andauern soll? Wo sind die unglaublichen Minustemperaturen, die man mir prophezeit hat? Wo sind die Berge von Schnee? Bis jetzt haben sich Frost, Schnee und Eis noch nicht l\u00e4nger als drei Tage am St\u00fcck halten k\u00f6nnen. Und die angek\u00fcndigten \u201e<em>zwei bis sechs Meter Schnee<\/em>\u201c habe ich bis dato nur in Form von Abraumhalden gesehen. Ich erinnere mich an h\u00e4rtere Winter in Deutschland. Ich gehe derzeit davon aus, dass der Winter in Hirosaki generell nicht h\u00e4rter ist als in Deutschland, dass aber diese Legende von Leuten, die m\u00f6glicherweise nicht sonderlich winterfest sind, mehr oder minder absichtlich gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben wird. Vor zwanzig Jahren sei der Winter viel h\u00e4rter gewesen, hei\u00dft es, unter anderem von Professor Vesterhoven. Ja, das ist mir klar. Vor zwanzig Jahren war auch Winter in Deutschland noch richtiger Winter. Was interessiert mich die Wetterlage in Japan von anno 1983\/84? Ich bin <strong>jetzt<\/strong> da. Ich wollte hier mal einen richtig extrem verschneiten, sibirisch kalten Winter erleben und werde bisher herb entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entt\u00e4uscht bin ich auch von der Bibliothek. Die nutzt n\u00e4mlich den Feiertag am Montag, um \u00fcbers Wochenende Urlaub zu machen. Also wieder kein Bericht heute. Wir gehen stattdessen in die Stadt. Dort gibt es einen Laden, wo man gegen Entgelt eine oder mehrere Stunden im Internet surfen kann. Ein Internetcaf\u00e9 m\u00f6chte ich es nicht nennen. Es ist ein Laden, der gebrauchte Manga, CDs und sogar Schallplatten verkauft und zwei Quadratmeter f\u00fcr Internetnutzer frei gemacht hat. Im hintersten Eckchen von dem Laden kann man auch Videospiele spielen und, wie sollte es anders sein, Sammelkarten tauschen oder die entsprechenden Kartenspiele spielen. Der Preis f\u00fcr eine Stunde Internet liegt bei 200 Yen, also etwa 1,50 E. Und man bekommt ein Getr\u00e4nk umsonst dazu. Ich erinnere mich, dass Mitte der Neunziger Jahre eine halbe Stunde im Karstadt (Saarbr\u00fccken) mal 5 DM gekostet hat, ohne irgendwelchen Service. Melanie kauft eine Stunde und erlaubt mir, schnell meine Post durchzugehen. Den Rest der Zeit verbringe ich damit, den Laden nach brauchbarem Material zu durchsuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Angebot an CDs von Tomoyasu Hotei (er hat sowohl den Antagonisten in \u201e<em>Samurai Fiction<\/em>\u201c als auch den dazu geh\u00f6renden Soundtrack gespielt) und <em>TWO MIX<\/em> gef\u00e4llt mir, aber was mir nicht gef\u00e4llt, sind die Preise. Aber ich kaufe zwei Soundtracks von \u201e<em>Y\u00fb Y\u00fb Hakusho<\/em>\u201c, in erster Linie, weil Ogata Megumi mit von der Partie ist und in zweiter Linie, weil man die bestimmt auch wieder mit Gewinn verkaufen kann. 900 Yen pro CD sind annehmbar als Einkaufspreis. Hm&#8230; aber bei dem Zustand der Plastikh\u00fclle h\u00e4tte ich das gleiche Produkt im Book Off wahrscheinlich f\u00fcr die H\u00e4lfte bekommen. Da w\u00e4re zum einen \u201e<em>Karaoke Battle Royal<\/em>\u201c und \u201e<em>Music Battle 2<\/em>\u201c. Die Karaoke CD ist ein Doppelpack. Auf der ersten CD befinden sich die Originallieder, auf der zweiten CD die Instrumentalversionen. Das Booklet pr\u00e4sentiert alle Songtexte, die Titel sogar in lateinischer Umschrift. Leider stellt sich am Abend heraus, dass beide Produkte nicht genug zu bieten haben, als dass ich sie behalten wollte, also werden sie f\u00fcr den Verkauf vorgemerkt.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Laden hat aber, wie ich feststelle, <strong>wirklich<\/strong> altes Material. Ich sehe in einer Ecke Kartonstapel und Ausstellungsmodelle von \u201e<em>Sega Saturn<\/em>\u201c, \u201e<em>Super NES<\/em>\u201c, alte GameBoys aus der ersten Produktionsreihe (1989) und \u201e<em>Playstation<\/em>\u201c Konsolen, daneben ebenso altes Zubeh\u00f6r \u2013 zum Beispiel die Bazooka f\u00fcr das <em>Super NES<\/em>, von der ich bisher angenommen hatte, ihre Existenz sei nur ein Ger\u00fccht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt also auch GameBoys und Gameboy Pocket Modelle. Hm&#8230; jetzt habe ich bereits seit Monaten das \u201e<em>SailorMoon R<\/em>\u201c Spiel in meiner Schublade rumliegen und m\u00f6chte es ausprobieren&#8230; aber die <em>Color GameBoys<\/em> sind mir zu teuer, die alten sind mir zu schlecht (und sie brauchen vier Batterien) und f\u00fcr die <em>Pocket GameBoys<\/em> brauche ich spezielle, kleinere Batterien \u2013 also verwerfe ich den Gedanken wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich finde ich auch Artbooks, aber das Angebot ist schwach, und der Zustand ist fragw\u00fcrdig. Zuletzt gibt es hier eine ganze Wand mit alten Schallplatten und LDs, und gerade Schallplatten sind etwas, das jemand, der j\u00fcnger als 20 Jahre ist, bestenfalls noch vom H\u00f6rensagen kennt, wenn er nicht mal beim Aufr\u00e4umen des Dachbodens zuf\u00e4llig auf eine verstaubte Kiste der Eltern oder Gro\u00dfeltern gesto\u00dfen ist. Aber die Titel, die hier herumliegen, sagen mir alle nichts, obwohl die Mehrzahl nicht japanischen Ursprungs ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil sonst nichts mehr da ist, sehe ich mir die alten Manga eben auch noch an. Und ich werde nach wenigen Sekunden f\u00fcndig. Ich finde einen <em>SailorMoon<\/em> Anime-Manga. Also nicht einen Band der urspr\u00fcnglichen Manga, sondern einen Band der Ver\u00f6ffentlichung, die die Geschichte anhand von Bildern aus der Animeserie nacherz\u00e4hlt, mit Sprechblasen und so. Und wie es der Zufall will, handelt es sich um einen ganz besonderen Band. \u201eBesonders\u201c deshalb, weil er mir etwas \u00fcber die Originalfassung verr\u00e4t, was ich schon lange habe wissen wollen. Es handelt sich um Band #8, und das Kapitel, bzw. die Episode, behandelt den Tod von Zoisyte. In der deutschen Version der Serie nun sagt er im Angesicht des Todes an dieser Stelle: \u201e<em>Kunzyte&#8230; lass mich in Sch\u00f6nheit sterben&#8230;<\/em>\u201c, worauf Kunzyte die Illusion einer Blumenwiese mit rieselnden Rosenbl\u00e4ttern erzeugt, um ihm den Wunsch zu erf\u00fcllen.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So (ha!), jetzt gibt es in der japanischen Version nat\u00fcrlich auch diese Blumen und die Bl\u00fctenbl\u00e4tter, aber Zoisyte sagt: \u201e<em>Kunzyte-sama&#8230; anata no Ude no naka ni shinitai&#8230;<\/em>\u201c<br>F\u00fcr alle die, die des Japanischen nicht m\u00e4chtig sind: \u201e<em>Verehrter Kunzyte&#8230; ich m\u00f6chte in Deinen Armen sterben&#8230;<\/em>\u201c<br>Man beachte den feinen Unterschied. Die Blumen waren also nur nettes Beiwerk und Kunzytes h\u00f6chsteigene Idee. Ich sehe aber von einem Kauf ab. So wichtig ist es nun auch wieder nicht, und es reicht mir, zu wissen, was ich wissen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir gehen schlie\u00dflich wieder. Und es hat wieder zu schneien begonnen. Mal sehen, wie lange es diesmal h\u00e4lt. Es schneit nicht einmal eine Stunde lang, und obwohl es in manchen Augenblicken ziemlich kr\u00e4ftig vom Himmel schneit, reicht der Schneefall nicht einmal aus, um als Verzierung f\u00fcr die freigeschmolzenen Stellen zu dienen.<br>Auf dem R\u00fcckweg nach Nakano gehe ich ins kleine Naisu D\u00f4 und kaufe die HK MP5. Sie h\u00e4lt von nahem betrachtet, wirklich nicht viel her, aber eigentlich will ich, sobald das Wetter es zul\u00e4sst, nur ein paar Bilder davon machen und sie dann verkaufen. Wohl kaum nach Deutschland.<br>Den Einkauf der Getr\u00e4nke will ich auf sp\u00e4ter verschieben, vor allem, weil ich jetzt ein relativ gro\u00dfes Paket mit mir rumschleppe. Nicht schwer, aber sperrig. Und was w\u00fcrden Kunden und Belegschaft wohl davon halten, wenn ich mit einer Maschinenpistole im Gep\u00e4ck in den Supermarkt marschiere?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuhause stopfe ich eine dreifache Portion Reis in mich hinein und sehe mir \u201e<em>Sazae-san<\/em>\u201c, \u201e<em>Crayon Shin-chan<\/em>\u201c und nat\u00fcrlich \u201e<em>Bobob\u00f4bo B\u00f4bobo<\/em>\u201c an. Ich bewundere immer wieder die Eigenschaft dieser Serie, einen Aufbau wie \u201e<em>DragonBall<\/em>\u201c zu haben (die Gruppe k\u00e4mpft sich von einem Gegner zum n\u00e4chsten), aber nicht einen Moment lang eine Art Spannung aufkommen zu lassen, wie man sie von dieser Art von Geschichte eigentlich erwarten sollte. B\u00f4bobo und Donpachi machen im Angesicht ihrer Gegner so viel Unsinn, dass man v\u00f6llig vergisst, dass da eigentlich gerade ein Kampf stattfindet, oder eher \u201estattfinden sollte\u201c. Diese K\u00e4mpfe gehen ganz schnell vonstatten, ohne einen Zweifel daran zu lassen, wer am Ende gewinnen wird \u2013 n\u00e4mlich der Nasenhaarfighter B\u00f4bobo.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um etwa 21:00 gehe ich dann einkaufen und kehre danach vor den Fernseher zur\u00fcck. Ich bin mir allm\u00e4hlich ganz sicher, dass Azama Miy\u00fb, die die Rolle der SailorJupiter bekommen hat, Werbung f\u00fcr ADSL-Flatrate Internetanschl\u00fcsse macht. F\u00fcr den Werbeclip hat man ihr, warum auch immer, einen Schnurrbart in ihr h\u00fcbsches Gesicht geklebt, und ich habe eigentlich kein Talent daf\u00fcr, mir Gesichter zu merken. Aber die Stimme aus der Werbung versichert mir mehr und mehr, dass sie es sein muss. Jetzt frage ich mich nat\u00fcrlich, was Azama Miy\u00fb bereits so bekannt gemacht hat, dass sie in der Werbung gelandet ist. Japanische Werbung baut sehr auf bekannten Gesichtern aus Film und Fernsehen auf. Ich glaube kaum, dass ihre \u201eunglaubliche\u201c Leistung in der Werbung ihr gen\u00fcgend Referenzen verschafft haben, um in der <em>SailorMoon<\/em> Serie eine der Hauptrollen zu spielen. Oder umgekehrt. Ihre offizielle Homepage ist leider nicht erreichbar (seit Wochen), also kann ich \u00fcber den bisherigen Verlauf ihrer Karriere keine Aussage machen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp; Kein Mensch wollte das kaufen, Y\u00fbY\u00fb Hakusho ist zu unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a>&nbsp;&nbsp; Ist nat\u00fcrlich auch ein Witz der Dialogregie&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute l\u00e4uft, endlich nach der Neujahrsunterbrechung, die erste SailorMoon Episode des neuen Jahres. Und das Jahr f\u00e4ngt gar nicht gut an. 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