{"id":3530,"date":"2024-01-07T07:00:00","date_gmt":"2024-01-07T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3530"},"modified":"2024-01-03T10:13:09","modified_gmt":"2024-01-03T09:13:09","slug":"mittwoch-07-01-2004-law-and-order-in-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3530","title":{"rendered":"Mittwoch, 07.01.2004 \u2013 Law and Order in China"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Morgen verschwindet unser W\u00e4scheberg endlich weitgehend. Hat auch lange genug gedauert, um die Auswirkungen unserer Reise nach Tokyo niederzuk\u00e4mpfen. Ich gehe zur Bibliothek und schreibe meine \u00fcbliche Post. Misi meldet mir w\u00e4hrenddessen, dass Paula uns alle eingeladen habe, ihren Geburtstag zu feiern. Aus nicht n\u00e4her bekannten Gr\u00fcnden in <strong>seinem<\/strong> Apartment. Misi hat \u00fcbrigens am 12.07.(1978) Geburtstag und f\u00fcllt damit die Liste der Juligeborenen weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stelle auch weitere Artikel bei E-Bay ein, um auf diese Art und Weise mein deutsches Konto weiter mit Geld zu versorgen, vergesse dar\u00fcber v\u00f6llig, zum Fris\u00f6r zu gehen und gehe am Abend mit Melanie gemeinsam nach Hause. Ich lasse mich von ihr dazu breitschlagen, einen Umweg \u00fcber Nishihiro (Hirosaki West) zu gehen, weil sie noch im <em>Animedia<\/em> vorbeischauen will, wo wir unsere Weihnachtsgeschenke gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir gehen also zum ersten Mal nach f\u00fcnf Uhr und nach Anbruch der Dunkelheit durch Nishihiro und es f\u00e4llt uns somit zum ersten Mal auf, wie viele Restaurants und Kneipen es hier eigentlich gibt, die sich tags\u00fcber hinter Rollos und unscheinbaren W\u00e4nden verbergen. Es gibt sehr viele Gelegenheiten, das eine oder andere auszuprobieren. Vor allem ist es ja gar nicht weit von unserer Haust\u00fcr weg. Im Laden kauft Melanie schlie\u00dflich ein paar \u201e<em>One Piece<\/em>\u201c Buttons, die sie an ihrer Tasche befestigen m\u00f6chte. Mich lacht ein \u201e<em>Utena<\/em>\u201c Poster an, aber ich kaufe es nicht. Vermutlich werde ich es ganz sein lassen. Das Poster ist sch\u00f6n, aber&#8230; irgendwas fehlt ihm. Ich kann den Mangel auch nicht benennen. F\u00fcr gew\u00f6hnlich w\u00fcrde ich dar\u00fcber nachdenken, es zu kaufen, um es weiter zu verkaufen, aber der Transport von Postern&#8230; ich wei\u00df nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der weitere R\u00fcckweg f\u00fchrt uns wie \u00fcblich am \u201ekleinen Naisu D\u00f4\u201c vorbei, und wenn wir schon dabei sind, k\u00f6nnen wir auch mal kurz reingehen. Ich hatte die Regale vor einigen Tagen bereits durchst\u00f6bert, war aber unschl\u00fcssig geblieben. Ich fand den Besuch damals auch nicht weiter erw\u00e4hnenswert. Aber manche Gedanken reifen erst mit der Zeit. Also habe ich heute eine ungef\u00e4hre Vorstellung von dem, was ich so brauche. Was ich aber erst heute entdecke, ist eine Luftpistole, die nach der HK MP-5 gestaltet wurde. Und das Ding soll nur 1500 Yen kosten? Das werde ich mir \u00fcberlegen. Das Modell ist allerdings lediglich aus Plastik, und den Erkl\u00e4rungen des Verk\u00e4ufers entnehme ich, dass das Ding irgendeinen Schaden hat.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Aber es wird sich bestimmt jemand finden, der bereit ist, einen Preis \u00fcber 15 E daf\u00fcr zu bezahlen&#8230; ich werde dar\u00fcber nachdenken. Ich kaufe auf jeden Fall drei Manga f\u00fcr den \u201eExport\u201c und einen f\u00fcr mich \u2013 einen D\u00f4jinshi-Klassiker von 1993, f\u00fcr 500 Yen. \u201e<em>Mun-Mun-Moon<\/em>\u201c hei\u00dft der Band, und ich bin mir sicher, dass ich den nicht mehr hergeben werde.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend laufen im Fernsehen nat\u00fcrlich die \u00fcblichen eher uninteressanten Shows, aber ein Beitrag interessiert mich intuitiv. Es handelt sich um eine Sendung, die dem staunenden japanischen Publikum Beitr\u00e4ge vorf\u00fchrt, die von den Studiog\u00e4sten dann mit offenem Mund und ungl\u00e4ubigen Gesichtern zur Kenntnis genommen werden. Meist handelt es sich um reinen journalistischen M\u00fcll, f\u00fcr den die BILD Zeitung vielleicht noch eine Ecke auf Seite 3 frei h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute geht es um ein Geschehen in China. Das hat wohl mein Interesse erregt und ich sah davon ab, umzuschalten: Handlungsort ist Peking, vor einigen Jahren. Ein einheimischer Gesch\u00e4ftsmann, Ende Drei\u00dfig, nimmt sich ein Zimmer f\u00fcr eine Nacht in einem Mittelklassehotel. In dem Zimmer neben dem seinen \u00fcbernachtet ein gerade frisch verheiratetes Paar. Da das Hotel nicht das Beste ist, gibt es in den einzelnen Zimmern keine Toiletten, diese befinden sich am Ende des Flurs. Die junge Ehefrau geht also mitten in der Nacht auf die Toilette, der Gang ist unbeleuchtet und sie kehrt, verschlafen und nicht sonderlich aufmerksam, in das falsche Zimmer zur\u00fcck, zu dem Gesch\u00e4ftsmann. Aus dem, was sich in der Geschichte sp\u00e4ter noch so abspielt, muss ich (interpretierend) entnehmen, dass es wohl zu sexuellen Handlungen gekommen ist, die jener Gesch\u00e4ftsmann offenbar (im wahrsten Sinne des Wortes) stillschweigend hingenommen und als Serviceleistung des Hotels betrachtet hat. Das klingt wirklich unverkennbar nach BILD Zeitung. Aber es wird noch besser, und das reicht schon irgendwo an Rosamunde Pilcher heran.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem er am folgenden Morgen aufwacht, vermisst der Ehemann seine Frau und findet sie nebenan in einem fremden Bett, nachdem ihr ein Schrei des Entsetzens entwichen war. Zeterzeter, der Ehemann verst\u00e4ndigt die Polizei. Die Polizei? Wie bitte? Ja, und so geht\u2019s weiter: Der Gesch\u00e4ftsmann wird wegen Verf\u00fchrung einer verheirateten Frau zu f\u00fcnf Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Chinesen sind da offenbar knallhart. Bei der Frau wird au\u00dferdem eine Schwangerschaft festgestellt, worauf sie von ihrer Familie versto\u00dfen wird (!) und fortan als einfache Akkordn\u00e4herin schuften muss. Aber damit nicht genug! Nach drei Jahren macht sie ihn ausfindig und besucht ihn im Gef\u00e4ngnis, um ihm mitzuteilen, dass er Vater eines Jungen geworden sei. Er scheint die Nachricht zumindest nicht negativ aufzufassen. Kurze Zeit darauf wird sie krank, verliert ihren Arbeitsplatz und muss umziehen, wovon der Mann im Gef\u00e4ngnis allerdings nichts erf\u00e4hrt. Er wird aus der Haft entlassen und findet wieder eine gut bezahlte Arbeit, aber die Frau findet er nicht mehr. Erst einige Jahre sp\u00e4ter trifft er sie zuf\u00e4llig in einer Nebenstra\u00dfe in Peking wieder, wo sie mittlerweile als Autow\u00e4scherin ihr Dasein fristet und sich und ihren Sohn so vor dem Verhungern bewahrt. Nat\u00fcrlich heiraten die beiden und leben gl\u00fccklich bis ans Ende ihrer Tage. Wie aus dem Kitschroman.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0Das Spielzeug hatte keinen Schaden, der Verk\u00e4ufer wollte mir nur zu verstehen geben, dass die Ware ohne Munition (tama = Kugeln) verkauft wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a>&nbsp; Der Band wurde ziemlich genau 20 Jahre sp\u00e4ter weggeworfen. Es musste ja nicht sein, dass mein Sohn ihn findet, und ich hatte auch seit fast 20 Jahren nicht mehr reingesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0Das ist so abstrus wie die BILD-Geschichte von dem Mann, dem nach dem Pinkeln die Toilette um die Ohren fliegt, weil seine Frau nach einer Reinigungsaktion terpentingetr\u00e4nkte Lappen hineingeworfen hat: Er tr\u00e4gt Verbrennungen an seinen edlen Teilen davon, und dann lassen ihn die Sanit\u00e4ter auch noch vor Lachen auf der Treppe fallen, als sie die Geschichte h\u00f6ren, und der Mann bricht sich dabei auch noch ein Bein. In einer Alternativversion fliegt ein Kugelblitz durch das offene Fenster, zwischen seinen Oberschenkeln hindurch und explodiert in der Klosch\u00fcssel. BILD am SONNTAG, Ende der 1980er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Morgen verschwindet unser W\u00e4scheberg endlich weitgehend. 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