{"id":3526,"date":"2024-01-05T07:00:00","date_gmt":"2024-01-05T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3526"},"modified":"2024-01-03T09:56:22","modified_gmt":"2024-01-03T08:56:22","slug":"montag-05-01-2004-wiedereroeffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3526","title":{"rendered":"Montag, 05.01.2004 \u2013 Wiederer\u00f6ffnung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Center \u00f6ffnet ab heute nach der Weihnachtspause wieder seine Pforten, also lasse ich mich nicht zweimal bitten. Immerhin hat mein Newsletter schon genug Urlaubstage gesehen. Die Monbusho-Stipendiaten (das schlie\u00dft Melanie ein) sollen erscheinen, um den Empfang ihrer Zuwendungen zu quittieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich sind wir auch sehr gespannt, wie viel (elektronische) Post uns so \u00fcber Weihnachten erreicht hat, und wir sehen uns sehr unterschiedlichen Ergebnissen gegen\u00fcber. Meine Mailbox zeigt einen Inhalt von 42 Mails an, die seit dem 22. Dezember eingetroffen sind. 27 davon sind reiner Spam und vier weitere sind ebenfalls eher \u00fcberfl\u00fcssig, wie z.B. der GMX Newsletter. Macht immerhin 11 Mails von mir bekannten Personen. Melanie dagegen hat noch nicht einmal ein halbes Dutzend Nachrichten erhalten. Das wundert mich doch sehr, bedenkt man, wie viele M\u00fchen sie auf sich nimmt, um allen m\u00f6glichen Leuten Post zu schreiben, also \u201ematerielle\u201c Post, echte Briefe aus Papier mit Briefmarke und Poststempel, nicht nur elektronische Mails. Ich bedauere sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Ricci ist zu h\u00f6ren, dass Februar in der Tat der letzte Monat sei, in dem es Ronald noch m\u00f6glich sein werde, nach Hirosaki zu kommen, um uns zu besuchen. Also noch mitten im Winter. Ich hatte darauf spekuliert, dass sich dieser Besuch in den M\u00e4rz verlagern lie\u00dfe, um mehr von der sch\u00f6nen Umgebung in Hirosaki zu haben, die man unter der Schneedecke bestenfalls erahnen kann. Au\u00dferdem ist im Winter hier oben im Norden noch weniger los als im Sommer. Ich gehe also mit Melanie zur Touristeninformation am Rande des Schlossparks, gegen\u00fcber vom Rathaus, um in Erfahrung zu bringen, was man hier so machen kann \u00fcber die kalten Tage. Wie erwartet, ist das Angebot recht sp\u00e4rlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Erdgeschoss, wo man die Informationsstelle findet, befindet sich auch ein Souvenirladen f\u00fcr Mitbringsel aus lokaler Produktion und einer dieser \u201eMegalampignons\u201c, wie sie zum Neputa-Fest in Massen durch die Gegend gezogen werden. Es handelt sich um einen gigantischen Lampenschirm, in diesem Fall ca. drei Meter hoch und ebenso lang, ein mit Reispapier bespanntes Gestell aus Draht und Holz in Form einer Kampfszene. Ich bedauere, meine Kamera nicht mitgenommen zu haben. Ach ja, ich verga\u00df: Es kommt ja noch hinzu, dass ich \u00fcberhaupt keine Fotos machen k\u00f6nnte, selbst wenn ich die Kamera dabeih\u00e4tte, weil der Bilderspeicher der Kamera voll und das \u00dcbertragungskabel noch immer in Tokyo ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt um die Ecke, im gleichen Geb\u00e4ude, auch ein japanisches Restaurant, das sehr gem\u00fctlich aussieht, und weil uns gerade danach ist, gehen wir was essen. Ich habe bisher noch keine Gelegenheit gefunden, frittierte Garnelenschw\u00e4nze zu essen, also bestelle ich das und verwirre die Kellnerin mit dem Wunsch, die dazu geh\u00f6renden Soba-Nudeln warm essen zu wollen. Ja, die Garnelenschw\u00e4nze sind hervorragend, und nicht so fett, wie ich das wegen des Frittierens vermutet hatte. Ein gutes St\u00fcck Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den Tischen befinden sich kleine vorbereitete Formulare, auf denen man seine Meinung zum Restaurant eintragen kann: wie man die Atmosph\u00e4re findet, wie das Essen geschmeckt hat, ob die Menge ausreichend war und \u00e4hnliche Fragen. Wir sind zufrieden. Die Frage, ob wir mit der Menge zufrieden seien, beantworten wir h\u00f6flich, da der durchschnittliche Japaner, f\u00fcr den hier Essen gemacht wird, h\u00f6chstwahrscheinlich eine bescheidenere Vorstellung von einer ausreichenden Portion hat.<br>Auf der Theke, wo man bezahlt, steht ein gro\u00dfer Korb \u00c4pfel. \u201e<em>Bitte bedienen Sie sich!<\/em>\u201c steht auf einem Zettel. Oh, ich habe nichts einzuwenden gegen einen Apfel zum Nachtisch. Melanie fragt noch einmal, ob das auch tats\u00e4chlich in Ordnung sei. Ja nat\u00fcrlich, sagt die Bedienung (und au\u00dferdem hat ein Gast, der vor einer Minute gegangen ist, sich auch einfach so einen Apfel rausgenommen), aber dann bittet sie uns, kurz zu warten und verschwindet in der K\u00fcche. Was denn nun? Ein paar Sekunden sp\u00e4ter erscheint sie wieder \u2013 mit einer T\u00fcte \u00c4pfel, f\u00fcnf St\u00fcck. Wir bedanken uns und gehen wieder. Zur\u00fcck ins Center.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Center treffen wir J\u00fb und SongMin. Sie hat ihre Frisur ge\u00e4ndert und ihre Haare braun f\u00e4rben lassen. Sie sieht \u00e4lter damit aus. Aber das klingt eigentlich viel zu negativ. \u201e<em>Sie sieht erwachsener aus.<\/em>\u201c Das trifft es viel besser. Es steht ihr und sie sieht gut so aus. Auch Tanja und Mareike sind da und schreiben an ihrer Post. Mareike erz\u00e4hlt, sie habe ihren Geldbeutel irgendwann nach Weihnachten verloren und ihn am Neujahrstag wiederbekommen. Das hei\u00dft, sie konnte ihn auf der Polizeiwache abholen. Der komplette Inhalt war noch vorhanden, alle Karten, jeder einzelne Geldschein. F\u00fcr meine Begriffe schier unglaublich. Das erinnert mich an eine Hass-Schrift (besser kann man es nicht nennen), die ich vor zwei Jahren einmal per Mail zum Lesen erhalten habe. Der betreffende Text war geschrieben worden von einem Austauschstudenten, wie ich annehmen muss, dem in einem Schwimmbad in Tokyo (?) der Geldbeutel aus dem Schlie\u00dffach gestohlen worden war und der daraufhin kollektiv alle Japaner zu einer niederen Lebensform erkl\u00e4rt hatte, auch nicht zuletzt wegen der wohl umst\u00e4ndlichen b\u00fcrokratischen Vorg\u00e4nge, die so eine Anzeige (\u201e<em>gegen Unbekannt<\/em>\u201c) wahrscheinlich mit sich bringt. Man hatte den Fall wohl nicht mit dem Enthusiasmus bearbeitet, den der Bestohlene sich gew\u00fcnscht hatte. Nat\u00fcrlich hatte ich Verst\u00e4ndnis f\u00fcr seine Situation, aber ich konnte den Text damals nur zur H\u00e4lfte lesen, bis mir das Gekeife dieses Idioten auf die Nerven ging und ich seine \u00fcberbordenden Anfeindungen von meiner Festplatte l\u00f6schte. Ich glaube, in einer Stadt mit 12 Millionen Einwohnern gehen pro Tag eine ganze Menge solcher kleinen Anzeigen bei der Polizei ein, und warum sollte man gerade seiner mehr Aufmerksamkeit widmen? Zumindest war das meine Auffassung von seiner Laune, die da r\u00fcberkam.<br>Wie dem auch sei. J\u00fb h\u00e4lt uns den schlagenden Beweis vor Augen, dass sich das Einkaufen w\u00e4hrend der Neujahrsfeiertage lohnt: Er hat sich eine Digitalkamera zugelegt, Neupreis: 30.000 Yen, Verkaufspreis: 10.000 Yen. Das ist deutlich. Also merke: Bei strategischen Anschaffungen auf jeden Fall Hatsu-Uri nutzen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend sehen wir uns eine der Serien an, die die dieser Tage neu anlaufen. \u201e<em>Die Sieben vom Achten Graben<\/em>\u201c (wohl eine Adressangabe innerhalb der Stadt) hei\u00dft die Show \u00fcbersetzt etwa. Ein Samurai Drama. Aber wir finden es schlicht langweilig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Center \u00f6ffnet ab heute nach der Weihnachtspause wieder seine Pforten, also lasse ich mich nicht zweimal bitten. Immerhin hat mein Newsletter schon genug Urlaubstage gesehen. Die Monbusho-Stipendiaten (das schlie\u00dft Melanie ein) sollen erscheinen, um den Empfang ihrer Zuwendungen zu quittieren. 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