{"id":3524,"date":"2024-01-04T07:00:00","date_gmt":"2024-01-04T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3524"},"modified":"2024-01-03T09:34:44","modified_gmt":"2024-01-03T08:34:44","slug":"sonntag-04-01-2004-neujahrsfeier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3524","title":{"rendered":"Sonntag, 04.01.2004 \u2013 Neujahrsfeier"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir stehen um 09:10 auf, weil wir von Familie Jin zum Mittagessen eingeladen worden sind. Zumindest hie\u00df es, um 12:00 sollten wir da sein. F\u00fcr einen Saarl\u00e4nder klingt das nach Mittagessen. Auf der Stra\u00dfe liegt Schnee, nachdem es gestern Abend zu schneien begonnen hat. Es ist nicht sehr viel, eine d\u00fcnne, aber geschlossene Schneedecke, und auf jeden Fall genug, um zu Fu\u00df gehen zu m\u00fcssen. Eine Fahrt mit dem Fahrrad will ich nicht riskieren. Wir m\u00fcssten also um 11:15 sp\u00e4testens aufbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis dahin kann ich noch in den \u201e<em>Fushigi no Umi no Nadia<\/em>\u201c OST reinh\u00f6ren, den ich gestern gekauft habe. Ich stelle fest, dass man drei Vierteln des Soundtracks anh\u00f6rt, dass die Serie eine <em>GAINAX<\/em> Produktion ist, das hei\u00dft, man h\u00f6rt, dass die Nadia-Musik die Vorstufe zum \u201e<em>Evangelion<\/em>\u201c Soundtrack ist, und zwar ganz deutlich. Das ist schade, aber kein Grund f\u00fcr mich, entt\u00e4uscht zu sein. Der gr\u00f6\u00dfte Teil vom Rest besteht aus wirklich brauchbaren Gesangsst\u00fccken, obwohl auch darunter welche sind, denen man entweder die \u201e<em>Evangelion<\/em>\u201c Verwandtschaft anh\u00f6rt, oder aber, dass die Musik zu den besten \u201e<em>SailorMoon<\/em>\u201c Zeiten, also Ende der Achtziger bis Anfang der Neunziger, geschrieben wurde. Gleiche Instrumente, demnach sehr \u00e4hnliche Klangelemente, und nur die Melodie unterscheidet sich wirklich von der \u201eVorlage\u201c. Und nat\u00fcrlich ist die S\u00e4ngerin eine andere. Aber in den allergr\u00f6\u00dften Teil der Titel muss ich nur wenige Sekunden hineinhorchen, um zu wissen, dass ich keine \u00dcberraschungen erleben werde. Die Unterschiede zum <em>EVA<\/em> OST sind daf\u00fcr zu minimal. Ich frage mich ernsthaft, ob ich die CDs behalten soll&#8230; im Prinzip k\u00f6nnte ich zwei davon verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir gehen zeitig los und sind p\u00fcnktlich bei den Jins, die das Essen in den \u201ealten\u201c Teil des Hauses verlegt haben, wo wir in einer R\u00e4umlichkeit von der Gr\u00f6\u00dfe von 12 Matten Platz nehmen. Sushanan ist nicht da, und man teilt mir mit, dass ihr \u201eTermin\u201c erst am 12.01. sei. Die Gro\u00dfeltern sind bedauerlicherweise ebenfalls nicht mit von der Partie, aber ich frage nicht weiter nach. Es wird einiges geboten. Da w\u00e4re zum Beispiel ein Topf Oden, dessen Inhalt noch besser schmeckt als der, den ich bei Prof. Fuhrt gegessen habe. Daneben gibt es auch Sushi zum selber rollen. Aber ich bin nicht ganz sicher, ob der Begriff \u201eSushi\u201c hier angebracht ist, da bei dem Begriff jeder gleich an kleine Reisr\u00f6llchen mit Algenumwicklung und eine irgendwie geartete Kernf\u00fcllung denkt. Es sind mehr als die \u00fcblichen Zutaten vorhanden, darunter Gurken, Krabben, Fischwurst, Schinken, Fischstreifen, usw., aber sie werden in die Nori wie in eine T\u00fcte eingerollt und so mit der Hand gegessen. Und das Ganze h\u00e4tte auch bequem doppelt so viele Leute satt gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend des Essens erfahre ich, dass Jin Eiko (die Gastmutter) keine Fischprodukte mag. Auch solche Japaner soll es geben. Warum dieses? Sie kommt aus einem Dorf bei Hachinohe an der Ostk\u00fcste von Aomori-ken und ist die Tochter eines&#8230; Fischers. Sie wurde in ihrer Kindheit so sehr mit Fisch gef\u00fcttert, dass sie keinen mehr sehen kann. Jin Y\u00fbtaka (der Vater) macht w\u00e4hrenddessen Fotos von dem Ereignis, das ich nicht fotografieren kann, weil meine Kamera voll ist und ich mein \u00dcbertragungskabel bei Ronald in Tokyo habe liegen lassen. Dazu macht er auch kurze Videos mit der gleichen Kamera, die er mir via E-Mail zusenden will.<br>Er sagt, er sei Arzt mit Schwerpunkt Nuklearmedizin (Radiologe). Und weil er Nukleartechnik so interessant findet, hat er vor einigen Jahren einmal die Gelegenheit genutzt, ein Atomkraftwerk in der Normandie zu besichtigen, wohl zusammen mit einer Gruppe von entsprechenden anderen Wissenschaftlern. Er findet diese Kraftwerke generell interessant, w\u00e4hrend ich f\u00fcr ein solches Interesse wenig Verst\u00e4ndnis habe. In Deutschland sind AKW nicht sehr beliebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Nachtisch, und da musste ich doch ein wenig lachen, gab es eine Tasse Instantkaffee, den das Ehepaar von einem \u201eAusflug\u201c nach Korea \u00fcber Weihnachten mitgebracht hat, in den Milch und Zucker schon eingearbeitet sind. Weiterhin gibt es eine Reihe von japanischen S\u00fc\u00dfigkeiten, die man zu Neujahr serviert, die so richtig chemisch aussehen, und meiner Meinung nach auch ebenso schmecken. Hm, ja&#8230; ich habe schon besseren Kaffee getrunken. Und die S\u00fc\u00dfigkeiten&#8230; ich belasse es bei der Probierportion. Aber ich muss mich im Ablegen meiner diesbez\u00fcglichen Ehrlichkeit noch etwas \u00fcben. Ich sage, es schmecke \u201e<em>interessant<\/em>\u201c. Es f\u00e4llt mir schwer, Dinge zu loben, die nicht meinen Geschmack treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Y\u00fbmiko hat offenbar Interesse an einer Vortragsform namens \u201e<em>Rakugo<\/em>\u201c gefunden. Oder sie ist daran \u201einteressiert worden\u201c. Ich sagte ja bereits, dass sie einen Sprachfehler hat, und Marc erz\u00e4hlt mir sp\u00e4ter, dass Rakugo in Japan derzeit ein gesch\u00e4tztes Mittel sei, Sprachfehler auszub\u00fcgeln und deutliches Sprechen zu lernen. Angeblich machen das viele Kinder und auch Leute vom Fernsehen, die mit Sprechen ihre Br\u00f6tchen verdienen. Hm, dann w\u00fcrde ich dem lispelnden Nachrichtensprecher von NHK eine solche Kur empfehlen. Warum auch immer Y\u00fbmiko zum Rakugo gekommen ist, sie hat in bester japanischer Manier zwei kurze Episoden auswendig gelernt und tr\u00e4gt sie uns vor. Als (noch) Laie bin ich mir nicht sicher, warum diese Vortragsart deutliches Sprechen erleichtern soll, denn wie es scheint, besteht eine K\u00fcr daraus, m\u00f6glichst schnell einen Text herunterzurattern, der voller Wort- und Lautspiele ist und sich daher wohl nur dem Muttersprachler voll er\u00f6ffnet. Ich verstehe gerade mal 10 % der gesagten Begriffe, verstehe keinerlei Zusammenh\u00e4nge und wei\u00df auch nach der \u201e\u00fcbersetzten\u201c Darlegung des Inhalts immer noch nicht so recht, was ich da eigentlich gerade geh\u00f6rt habe und was daran eigentlich lustig ist. Aber es war eine sehr beeindruckende Darstellung von schnellem Sprechen wie von einem japanischen Eddie Murphy.<br>Y\u00fbtar\u00f4 h\u00e4lt sich wie \u00fcblich mit der Interaktion zur\u00fcck, erscheint mir heute aber wesentlich entspannter als sonst. Immerhin beteiligt er sich an den Gespr\u00e4chen, und macht nebenher allerlei Unsinn mit seiner Schwester, die Gefallen daran findet, sich von ihm huckepack durch den Raum tragen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Kinder, Melanie und Mutter Eiko bereits zum Spielen \u00fcbergehen, esse ich noch ein bisschen weiter. Von daher kann ich das Kartenspiel nicht wirklich gut erkl\u00e4ren. Auf den R\u00fcckseiten der Karten steht jeweils ein Gedicht. Einer der Spieler liest es vor und die \u00fcbrigen Spieler m\u00fcssen offenbar die Karte finden, auf der das erste Silbenzeichen des Gedichtes aufgedruckt wurde. Wer am Ende die meisten hat, gewinnt. Aber all das sehe ich nur aus dem Augenwinkel, w\u00e4hrend ich mit Vater Y\u00fbtaka eine Basisdiskussion \u00fcber Atomstrom f\u00fchre.<br>Ich sto\u00dfe erst zu der Spielgruppe, als Y\u00fbmiko ein \u201eHamtar\u00f4\u201c Poster auspackt. Auf der einen Seite ist Hamtar\u00f4 selbst, auf der anderen Seite ist Ribon-chan abgebildet (man muss die Namen der Hamster nicht wirklich kennen, aber in Japan kennt sie jedes Kind). Aufgabe dieses Spiels ist nun, den Hamstern mit verbundenen Augen Nase, Augen und Mund zu aufzulegen. Nat\u00fcrlich f\u00fchrt das zu den abwegigsten Ergebnissen, vor allem, wenn der Mund, der die Form einer \u201e3\u201c hat, die auf dem R\u00fccken liegt, auf dem Oberk\u00f6rper landet und frei heraus als \u201e<em>Oppai<\/em>\u201c (\u201e<em>Br\u00fcste<\/em>\u201c) bezeichnet wird, oder aber, wenn er im Unterk\u00f6rperbereich landet und dem entsprechend \u201e<em>Kintama<\/em>\u201c (\u201e<em>Goldene B\u00e4lle<\/em>\u201c) genannt wird \u2013 eine japanische Scherzbezeichnung f\u00fcr nicht schwer zu erratende m\u00e4nnliche K\u00f6rperteile. Das sorgt f\u00fcr Belustigung, aber noch mehr erstaunt mich der offene Umgang mit Begriffen, die, nach meinem Empfinden, in meinem kulturellen Umfeld in den Tabubereich fallen, sofern man sich nicht in einem wirklich intimen Personenkreis befindet. Das ist hier zwar prinzipiell gegeben, Familie ist Familie, aber immerhin befinden sich auch zwei \u201eAu\u00dfenstehende\u201c im Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch solche Treffen scheinen in Japan kurz zu sein, und wir werden um 15:00 wieder nach Hause gefahren. In Deutschland bleibt Besuch ja grunds\u00e4tzlich bis mitten in die Nacht, sofern nicht etwas Dringendes dagegenspricht. Die Eltern setzen sich also nach vorn, Melanie und ich sitzen hinten, und die Kinder&#8230; ja, die werden auf der Kofferraumfl\u00e4che des Jeep-artigen Fahrzeugs \u201egestapelt\u201c.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Es sieht lustig aus, aber f\u00fcr sehr sicher halte ich das nicht. Ich habe \u00fcberhaupt das Gef\u00fchl, dass das Benutzen der Sicherheitsgurte in Japan str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt wird, auch im Winter, auf vereisten Stra\u00dfen. Wer die Sicherheitsgurte erfunden hat, dachte sich auch was dabei. Mein Kumpan Kai verwendet auch keinen, weil er nicht im Auto verbrennen will, weil die Gurtschlie\u00dfe sich verkanten oder die Plastikteile diese zuschmelzen k\u00f6nnen, wie er sagt. Ich glaube, die meisten machen das aus schierer Bequemlichkeit. Zum Abschied bekommen wir eine T\u00fcte \u00c4pfel. Wie erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da der Tag noch jung ist, k\u00f6nnen wir auch noch W\u00e4sche waschen. Ich will mir auch noch mehr von meinen neuen CDs anh\u00f6ren, aber die Batterien wollen nicht mehr. Diese No-Name Batterien haben noch nie viel getaugt&#8230; In Deutschland habe ich mal zwei Akkus von Duracell gekauft, die was herzumachen scheinen. Ich gehe also ins <em>Sunday Home Center<\/em> und kaufe ein paar Markenakkus von Panasonic und hoffe, dass sie ihr Geld wert sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u201eSUV\u201c war zumindest mir damals noch kein Begriff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir stehen um 09:10 auf, weil wir von Familie Jin zum Mittagessen eingeladen worden sind. Zumindest hie\u00df es, um 12:00 sollten wir da sein. F\u00fcr einen Saarl\u00e4nder klingt das nach Mittagessen. Auf der Stra\u00dfe liegt Schnee, nachdem es gestern Abend zu schneien begonnen hat. 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