{"id":3473,"date":"2023-12-23T07:00:00","date_gmt":"2023-12-23T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3473"},"modified":"2023-12-19T11:26:05","modified_gmt":"2023-12-19T10:26:05","slug":"dienstag-23-12-2003-wer-braucht-new-york-und-rio-wenn-er-tokyo-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3473","title":{"rendered":"Dienstag, 23.12.2003 \u2013 Wer braucht New York und Rio, wenn er Tokyo hat?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 06:30 kommen wir am Bahnhof Hamamatsu, Tokyo, an. Das bedeutet, dass wir 30 Minuten zu fr\u00fch dran sind und auf Ronald und Ricci noch ein wenig warten m\u00fcssen, die uns abholen wollen. Auch SangSu ist da. Als erstes frage ich mich, was wohl aus der weiblichen Begleitung geworden ist, die er in Hirosaki noch hatte, die auch nach Tokyo wollte? Aber ich denke mir erst nichts dabei. Wenige Minuten darauf klingelt sein Telefon. Seine Begleitung m\u00f6chte wissen, wo er ist&#8230; dieser Ungl\u00fccksmensch ist an der falschen Haltestelle ausgestiegen. Der Bus f\u00e4hrt noch drei weitere Positionen im Stadtgebiet von Tokyo an. Und Tokyo ist das, was man \u201eriesig\u201c nennt. Ich glaube einfach nicht, was ich da erlebe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ronald und Ricci kommen schlie\u00dflich. Das hei\u00dft, Melanie findet sie auf der anderen Seite des Busbahnhofs, wo sie offenbar bereits seit ein paar Minuten sitzen. Also k\u00f6nnen die beiden <strong>den<\/strong> SangSu gleich original und live in Aktion erleben. SangSu ist sich (nat\u00fcrlich, wer h\u00e4tte das gedacht) nicht zu 100 % sicher, wo der Kamerad wohnt, bei dem er \u00fcbernachten will, aber er kann immerhin eine Bahnstation nennen. Ronald erkl\u00e4rt ihm, wie er da hinkommt und wie man den Fahrkartenautomaten bedient. Ich hoffe, der arme Trottel kommt auch da an, wo er hin will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir fahren nach Odaiba, wo sich Ronalds Wohnheim befindet. \u00dcber die Rainbow Bridge. Und&#8230; ja, warum habe ich eigentlich all diese Kleidungsst\u00fccke am Leib? In Tokyo ist es warm, zumindest im Vergleich mit dem verschneiten Hirosaki, 10 bis 15 Grad Celsius haben wir hier, w\u00fcrde ich sagen. Das Wohnheim liegt nicht weit von der Haltestelle \u201e<em>Fune no Kagakukan<\/em>\u201c, wo sich das gleichnamige Museum f\u00fcr Maritime Technik und Geschichte befindet, und das Museum hat die Form eines gro\u00dfen Schiffes. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000578-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3477\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000578-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000578-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000578-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000578-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000578.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fune no Kagakukan<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Vorplatz steht ein \u201e<em>Emily<\/em>\u201c Flugboot aus dem Pazifischen Krieg. Davon muss ich noch eine Nahaufnahme machen, sobald ich kann. Wir essen etwas und beraten, was wir heute tun k\u00f6nnen. Die von mir erwartete Reiseersch\u00f6pfung hat sich nicht eingestellt, weil ich im Bus ausreichend habe schlafen k\u00f6nnen. Wir beschlie\u00dfen, nach Asakusa zu fahren, um das Kamenarimon, das wahrscheinlich bekannteste Tempeltor Japans, und den Kannontempel zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000580-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3474\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000580-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000580-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000580-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000580-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000580.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kamenarimon<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein lohnender Anblick, darf ich feststellen, aber total \u00fcberf\u00fcllt. Auf dem Weg vom Tor zum Tempel muss man erst einmal eine ganze Reihe von Souvenirl\u00e4den passieren, die die 200 m der Stra\u00dfe s\u00e4umen. Interessant finde ich vor allem die Leute, die vor einem stinkenden, qualmenden Kessel stehen und sich den Rauch zuf\u00e4cheln. Offenbar haben nicht nur bekennende Christen eine Vorliebe f\u00fcr stinkende Gef\u00e4\u00dfe mit kokelndem Inhalt. Ich habe keine Ahnung, warum Japaner das machen, aber ich muss annehmen, dass es auf Ziele wie \u201eSeele reinigen\u201c oder \u201eGl\u00fcck und Segen erbitten\u201c hinausl\u00e4uft. Wir gehen dann noch die paar Schritte bis zum Tempelgeb\u00e4ude.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000583-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3476\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000583-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000583-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000583-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000583-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000583.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Feinstaub f\u00fcr alle!<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist an dieser Stelle \u00fcblich, M\u00fcnzen in spezielle Sammelbeh\u00e4lter vor dem Heiligtum zu werfen. Als ehemaliger Christ kenne ich kleine Sparb\u00fcchsen mit Einwurfschlitz, in die man das Geld einwirft, aber in Japan wird diese Sache gleich richtig gemacht: Vor dem Heiligtum steht ein Sammelkasten, ca. 4,00 x 0,50 x 0,50 Meter, mit Holzgittern dar\u00fcber. Da steckt man das Geld nicht etwa diskret hinein, oh nein, die Leute werfen hier mit Geld, zum Teil aus der dritten oder vierten Reihe der Betenden!<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup> Als ob Geldspenden irgendjemandem schon einmal Gl\u00fcck oder g\u00f6ttliches Geh\u00f6r gebracht h\u00e4tte&#8230; und was hat Buddha gelehrt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Selbst wenn jemand sechs Galaxien mit den Sch\u00e4tzen der Welt anf\u00fcllt und all diese Reicht\u00fcmer als Almosen verschenkt, ist der Lohn desjenigen dennoch gr\u00f6\u00dfer, der nur vier Zeilen einer Sutra verstehen, rezitieren und lehren kann.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist wohl kein Zufall, dass der japanische Begriff f\u00fcr \u201e<em>Zen-Dialog<\/em>\u201c (Zen ist eine Sekte des Buddhismus und ein solcher Dialog gilt wohl der Diskussion philosophischer Ansichten) die Konnotation \u201e<em>unverst\u00e4ndliches Gerede<\/em>\u201c besitzt. Japaner sind ja bekannt daf\u00fcr, dass sie kulturelle Dinge aus dem Ausland zwar aufnehmen, aber auch das wieder aufgeben, was ihnen nicht zusagt \u2013 selbst wenn es sich um grundlegende Dinge der importierten Idee handelt. Auf der anderen Seite ist die Klausel des \u201eVerstehens der Sutra\u201c m\u00f6glicherweise nicht selten zu viel verlangt.<a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000584-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3475\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000584-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000584-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000584-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000584-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000584.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Heiligtum mit M\u00fcnzzaun<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir verlassen dieses Geb\u00e4ude wieder und sehen uns die \u00fcbrigen zum Tempel geh\u00f6rigen \u201eAttraktionen\u201c an. Melanie zieht ein St\u00fcck Papier aus einer Box, und damit hat es folgendes auf sich: Oft stehen da die f\u00fcrchterlichsten Dinge drauf, was denn in naher Zukunft so alles schiefgehen werde, und das in einer Intensit\u00e4t, dass kein Mensch das ernst nehmen kann \u2013 bei der Menge an b\u00f6sen Prophezeiungen ist die Chance nat\u00fcrlich gegeben, dass mindestens eine davon eintreffen wird. \u201e<em>Eine Reise wird nicht gut verlaufen<\/em>\u201c, \u201e<em>Ihre Beziehung wird scheitern<\/em>\u201c, und lauter solche Dinge. Und damit das, was da steht, blo\u00df nicht wahr wird, bindet man den Zettel an ein neben der \u201eAusgabestelle\u201c angebrachtes Gitter, und die G\u00f6tter werden dieses Schicksal gn\u00e4digerweise bereinigen. Ja ja, man kann auch seltsame Dinge glauben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach fahren wir nach Shinjuku, um vom 45. Stockwerk der Stadtverwaltung aus die nun weit unter uns liegende Metropole zu betrachten. Sehr beeindruckend. Wie erwartet kann man den Berg Fuji nicht sehen \u2013 zu viel Smog. Wahrscheinlich kann man den nur sehen, wenn konstanter Wind die ganzen Abgase wegpustet. Aber es offenbart sich sehr sch\u00f6n, dass Tokyo keine \u201ehohe\u201c Stadt ist. Ja, in Shinjuku befinden sich einige Wolkenkratzer, aber der Rest der st\u00e4dtischen Geb\u00e4ude geht relativ selten \u00fcber zehn Stockwerke hinaus, und wahrscheinlich 80 % der Stadt halten sich noch n\u00e4her am Boden. Daf\u00fcr ist die Stadt extrem weit ausgebreitet. Von hier aus betrachtet scheinen erst die Berge am Rand der Kanto-Ebene die Stadt einzugrenzen. H\u00e4user bis zum Horizont. Aber dem sind ja wegen der verschmutzten Luft Grenzen gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000592-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3478\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000592-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000592-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000592-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000592-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000592.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tokyo Tower im Hintergrund<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Nachmittag gehen wir endlich was essen. \u201e<em>Okonomiyaki<\/em>\u201c m\u00f6chten wir essen, und Ronald wei\u00df ein daf\u00fcr geeignetes Restaurant. Was ist Okonomiyaki? Im Prinzip eine Art dicker Pfannkuchen. Auf der Speisekarte sucht man sich aus, welche Zutatenkombination man haben m\u00f6chte und die Bedienung bringt das gew\u00fcnschte Rohmaterial in Sch\u00fcsseln. Die Basis besteht wohl aus Ei, Teig und Kraut, der Rest l\u00e4sst sich zusammenbasteln aus&#8230; eigentlich allem m\u00f6glichen. Ich bestelle Krabben und andere Meeresfr\u00fcchte, aber ich kriege Schweinefleischstreifen. \u00c4hem. Ich wusste nicht, dass meine Aussprache so undeutlich ist. Aber egal. Essen ist Essen und ich habe Hunger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da man ja nur die Einzelbestandteile bekommt, muss man sich den Pfannkuchen selbst machen. Den mitgelieferten eingelegten Ingwer werfe ich gleich weg. Man mischt die Zutaten in der \u201eHauptsch\u00fcssel\u201c zu einem Teig. Den wirft man auf die Heizplatte, die den Gro\u00dfteil des Tisches ausmacht, sorgt mit Hilfe von Spachteln f\u00fcr eine angemessene Form und l\u00e4sst das Ganze drei Minuten anbacken. Daf\u00fcr gibt es am Tisch spezielle Sanduhren. Nach drei Minuten dreht man das Ding um und l\u00e4sst die andere Seite braten. Dann verteilt man den gelieferten K\u00e4se, die Mayonnaise, und eine dicke So\u00dfe \u00fcber das Machwerk und l\u00e4sst das verschmelzen, indem man eine Glasglocke \u00fcber den Pfannkuchen auf der Platte st\u00fclpt, und zum Schluss kann man noch Fischflocken dr\u00fcberstreuen. Leider habe ich den gesamten Vorgang nicht minuti\u00f6s in allen Einzelheiten dokumentiert, also muss ich viel aus dem Ged\u00e4chtnis zusammenkramen. Ich bin <strong>sehr<\/strong> zufrieden mit diesem Essen. Die von Marc so gelobten Okonomiyaki in Hirosaki schmeckten ja penetrant nach Seife \u2013 was der eingelegte Ingwer im Zusammenspiel mit den \u00fcbrigen Zutaten gewesen sein k\u00f6nnte. Die Portion kostet hier 880 Yen, also etwas mehr als 6 E. Kein schlechter Preis f\u00fcr eine Mahlzeit, die man eigentlich selbst zubereitet. Aber der Geschmack macht das wieder wett. Und schlie\u00dflich sind wir in der teuersten Stadt der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wir mit dem Essen fertig sind, ist es dunkel. Wir sehen uns also Shinjuku bei Nacht an. Viele, viele Neonlichter und Anzeigetafeln und Gro\u00dfbildschirme, die Werbung unters Volk bringen. Ich gebe zu: Das hat seinen Reiz, auch f\u00fcr ein Landei wie mich. Aber wohnen m\u00f6chte ich hier lieber nicht. Ich empfinde es als beruhigend, zu wissen, dass ich irgendwo eine ruhige Bleibe habe, weit weg von diesem \u00dcberschwang an Leben. Und da heute ja der 23. Dezember ist, findet man \u00fcberall Weihnachtsbeleuchtung und weihnachtliche Verzierungen. \u00dcberall stehen m\u00e4nnliche und weibliche Weihnachtsm\u00e4nner und preisen ihre Waren an. Das bei einem Anteil von 2 % Christen an der Gesamtbev\u00f6lkerung. Und diese Christen machen Werbung, geradezu Propaganda, an Kreuzungen und anderen Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberwegen der Hauptstra\u00dfen. Mit Plakaten und Lautsprechern. \u201e<em>Das Himmelreich wird kommen<\/em>\u201c und \u201e<em>Der Erl\u00f6ser hilft auch Dir<\/em>\u201c. Nicht einmal in Japan kann man vor denen fliehen. Das ist mir zu aufdringlich. Au\u00dferdem war ich bereits in Rom, auch im Petersdom, und nach altem christlichen Glauben d\u00fcrfte mich das von den S\u00fcnden der n\u00e4chsten 100 Jahre befreit haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Melanie setzt am Abend ein neues Wort in die Welt und erfreut uns alle mit ihrer Kreativit\u00e4t:<br>\u201e<em>PHASENBLASTER<\/em>\u201c<br>Diese gef\u00e4hrliche Waffe sollte eigentlich nur ein \u201eBlasenpflaster\u201c werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote1sym\" href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Das Heiligtum ist durch einen d\u00fcnnen Drahtzaun von den Besuchern getrennt, wie mit einem Fliegengitter. Der Zaun l\u00e4sst den Blick auf das Tempelinnere zu, ist aber auch so engmaschig, dass die geworfenen M\u00fcnzen davon abprallen und in die davor aufgestellten Tr\u00f6ge fallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote2anc\" id=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Ich sehe nat\u00fcrlich ein, dass, jenseits der religi\u00f6sen Bedeutung, ein historisch bedeutendes Bauwerk erhalten bleiben sollte und dass ein solches Ansinnen Geld kostet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um 06:30 kommen wir am Bahnhof Hamamatsu, Tokyo, an. Das bedeutet, dass wir 30 Minuten zu fr\u00fch dran sind und auf Ronald und Ricci noch ein wenig warten m\u00fcssen, die uns abholen wollen. Auch SangSu ist da. 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