{"id":3460,"date":"2023-12-18T07:00:00","date_gmt":"2023-12-18T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3460"},"modified":"2023-12-16T19:41:48","modified_gmt":"2023-12-16T18:41:48","slug":"donnerstag-18-12-2003-gesteuerter-volkszorn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3460","title":{"rendered":"Donnerstag, 18.12.2003 \u2013 Gesteuerter Volkszorn?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin beim Herrichten des Essens gestern Abend der Empfehlung von Andreas gefolgt und habe eine kleine Handvoll kleingehackte N\u00fcsse in das Kochwasser des Reises getan. Das Ergebnis zeigte sich heute Morgen. Der Reis hat eine br\u00e4unliche Farbe angenommen und riecht sehr appetitlich. Ich finde den Geschmack sehr ansprechend, aber wie \u00fcblich kann Melanie darauf verzichten. Das Essen, das ich koche, findet in den meisten F\u00e4llen ihren Beifall, aber beim Reis ist sie sehr penibel. Was anderes als Reis und Wasser will sie nicht im Topf sehen, und ich habe nach z\u00e4hen Verhandlungen immerhin eine Prise Salz durchsetzen k\u00f6nnen. Dem Versuch mit den N\u00fcssen hat sie zugestimmt. Das finde ich gut von ihr. Schlie\u00dflich darf man sich erst nach dem Probieren \u00fcber etwas beschweren. Ohne einen Bissen geschmeckt zu haben schon zu sagen \u201e<em>Nein, das <\/em><em>m\u00f6chte<\/em><em> ich nicht essen<\/em>\u201c, finde ich schlicht und ergreifend beleidigend. Aber gut, sie mag die N\u00fcsse im Reis nicht. Dann wird die Packung mit der Mischung ja eine Weile halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich wollte ich am Morgen noch den Nassbereich reinigen, aber es wird zu sp\u00e4t daf\u00fcr, wenn wir den Termin mit Masako einhalten wollen. Um zehn Uhr treffen wir Masako und gehen mit ihr noch einmal ein paar Punkte ihrer Katastrophenmeldungen durch, die sie dieses Mal vorliest, anstatt einen Kassettenrekorder zu verwenden. Warum sie das macht, verstehe ich nicht, aber wenn es ihrer Abschlussarbeit n\u00fctzt, warum nicht? Und der Test dauert tats\u00e4chlich nicht sehr lange. Allerdings vergesse ich, auf die Uhr zu sehen, um die Zeit festhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach h\u00e4ngen wir im Center rum. Positiver kann man es nicht benennen. Um 14:00 gehe ich in die Bibliothek und schreibe zwei Berichte, bevor ich um 16:00 Yui in der Halle treffe. Aber wir verlegen sofort in die Mensa, weil sie hungrig ist. Und da mir au\u00dfer dem Unterschied zwischen \u201e<em>Koitsu<\/em>\u201c und \u201e<em>Aitsu<\/em>\u201c keine dringenden Fragen auf der Seele brennen, wird der Dialog recht entspannend, abgesehen von meinen Vokabelschw\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie bittet mich darum, ihr zu zeigen, wie man Musik aus dem Internet herunterladen kann. Ich erkl\u00e4re ihr, dass das nicht sonderlich legal sei und dass sich die Gesetze wie auch die Spionagesoftware deutlich verst\u00e4rkt h\u00e4tten, aber sie sagt, sie suche dringend das eine oder andere Lied, ohne daf\u00fcr gleich die ganze CD kaufen zu m\u00fcssen. W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs gehe ich noch davon aus, dass sie von ihrem Privatrechner redet, falls sie einen besitzt, der mir bei meinem Besuch entgangen sein k\u00f6nnte. Aber nein, sie meint den Unirechner. Ei, ei, ei&#8230; durch den praktischen Versuch mache ich ihr deutlich, dass sie zum Herunterladen von mp3-Daten eine Downloadsoftware installieren muss und dass sie zum Installieren von was-auch-immer auf dem Unirechner sogenannte Administratorrechte ben\u00f6tigt, die man als 08\/15-Student nat\u00fcrlich nicht hat. Au\u00dferdem k\u00f6nne das Rechenzentrum, wenn die Installation m\u00f6glich <strong>w\u00e4re<\/strong>, gegen illegale Downloads vorgehen, weil ja einwandfrei feststellbar ist, <strong>wer<\/strong> zu welchem Zeitpunkt <strong>was<\/strong> heruntergeladen hat. Und mich wundert dabei doch sehr, dass es in Trier (oder sonst wo) noch nicht zu Verhaftungswellen wegen Versto\u00dfes gegen das Urheber- oder Kopierrecht gekommen ist&#8230; und mir soll keiner erz\u00e4hlen, dass nicht auch Dinge heruntergeladen werden, die schlicht und ergreifend als illegal einzustufen sind, und das wegen der Art der Inhalte und nicht wegen des Downloads an sich. Aber ich wei\u00df ja nicht, wie wichtig das Rechenzentrum in Hirosaki seine Aufgabe als Datenw\u00e4chter nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 18:00 will ich eigentlich nach Hause gehen, aber es regnet in Str\u00f6men, also bleibe ich noch, bis der Regen (50 Minuten sp\u00e4ter) endlich aufgeh\u00f6rt hat. Am Abend laufen die jeweils letzten Episoden von \u201e<em>TRICK<\/em>\u201c und \u201e<em>Manhattan Love Story<\/em>\u201c. \u201e<em>TRICK<\/em>\u201c hat kein wirkliches Ende, also ist es durchaus m\u00f6glich, dass weitere Staffeln nachfolgen, nachdem die bis heute gelaufene ja offenbar schon die dritte gewesen ist, wie Alex mir irgendwann einmal mitgeteilt hat. \u201e<em>MLS<\/em>\u201c dagegen hat ein definitives Ende und alle Stammg\u00e4ste des Caf\u00e9s haben einen Partner f\u00fcrs Leben gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile hat sich auch gekl\u00e4rt, warum in Peking derzeit die Wellen hoch schlagen. Die japanischen Studenten, gegen die sich der Zorn richtet, waren Teil einer multikulturellen Party, wie man sie, im Prinzip, auch in Hirosaki veranstaltet. Auch sie hatten sich eine kleine Nummer ausgedacht, die dazu dienen sollte, ihr Land (Japan) vorzustellen. Die Japaner (alle m\u00e4nnlich und um die 20 Jahre alt) hatten hierzu kurze Hosen und quietschbunte BHs getragen. Die BHs waren mit Papierschnipseln gef\u00fcllt und waren weiterhin mit Kondomen verziert. Auf den R\u00fccken hatten sie sich (in Kanji nat\u00fcrlich) \u201e<em>Japan + China<\/em>\u201c geschrieben, umrahmt von einem gro\u00dfen Herzen. Die Papierschnipsel waren wohl mit kurzen Gl\u00fcckw\u00fcnschen beschriftet und ins Publikum geworfen worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, das ist alles. In Deutschland (und wohl auch in Japan) w\u00e4re das schlimmstenfalls als geschmackloser Scherz durchgegangen, und auch nur in dem Fall, dass wir von einem sehr konservativen Publikum ausgehen \u2013 junge Leute d\u00fcrfen das, denke ich. <strong>Aber nicht in China! <\/strong>Und wie man das in (zumindest offiziell) kommunistischen Staaten so macht, hat sich sofort ein das Volk repr\u00e4sentierender Mob organisiert, um diese Beleidigung anzuklagen. Und offenbar auch zu s\u00fchnen. Tagelang. Ich kann nicht verstehen, warum wegen eines solchen Unsinns gleich 2000 Leute auf die Stra\u00dfe gehen, \u201e<em>Japaner raus!<\/em>\u201c br\u00fcllen, und auch noch an den entsprechenden Wohnungen randalieren m\u00fcssen. Die Hauswand wurde beschmutzt, die Scheiben eingeworfen. Was das soll, ist weder mir noch anderen Leuten in meinem Umfeld verst\u00e4ndlich. Auch nicht den Chinesen, die ich kenne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin beim Herrichten des Essens gestern Abend der Empfehlung von Andreas gefolgt und habe eine kleine Handvoll kleingehackte N\u00fcsse in das Kochwasser des Reises getan. Das Ergebnis zeigte sich heute Morgen. Der Reis hat eine br\u00e4unliche Farbe angenommen und riecht sehr appetitlich. 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