{"id":3445,"date":"2023-12-13T07:00:00","date_gmt":"2023-12-13T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3445"},"modified":"2023-12-10T16:01:39","modified_gmt":"2023-12-10T15:01:39","slug":"samstag-13-12-2003-der-begehrteste-mann-im-kindergarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3445","title":{"rendered":"Samstag, 13.12.2003 \u2013 Der begehrteste Mann im Kindergarten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg in die Bibliothek pumpe ich endlich mal wieder etwas Luft in die Reifen meines Fahrrades. Danach werden Mails geschrieben, ohne, dass etwas Dramatisches dabei vor sich geht. Um 16:00 brechen Melanie und ich auf, um der Einladung des \u201e<em>Hippo Family Clubs<\/em>\u201c zu folgen, den ich f\u00fcr gew\u00f6hnlich \u201e<em>Happy Hippo Club<\/em>\u201c nenne, weil es leichter von der Zunge geht. Verdammtes Werbefernsehen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir fahren auf der Stra\u00dfe Richtung Daiei, kommen an die Eneos Tankstelle, und gegen\u00fcber wartet auch schon ein bekanntes Gesicht. Es ist der Mann, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass Vogelweide wahrscheinlich nicht im 1200. Jahrhundert geboren worden ist. Er ist erk\u00e4ltet, wie mir scheint. Sushanan und Yong treffen zur gleichen Zeit ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie ich mir bereits dachte, handelt es sich auch hierbei um eine durchorganisierte Party mit festem Zeitplan. Ab 16:30 beginnt die \u201eEndphase\u201c des Aufbaus. Ein hellblauer Teppich und drei Tatamimatten wurden bereits auf dem Boden platziert, damit die F\u00fc\u00dfe nicht zu kalt werden. Es kommen mehr und mehr Leute und schlie\u00dflich trifft auch die Stereoanlage ein. Maeda-san nutzt sie, um ihre Stimme mit dem angeschlossenen Mikrofon verst\u00e4rken zu k\u00f6nnen, obwohl der Raum bestenfalls 35 qm gro\u00df ist. Aber wir brauchen die Anlage nat\u00fcrlich noch f\u00fcr was anderes&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztendlich anwesend sind die Gastfamilien und die ihnen zugeteilten Studenten, niemand sonst. Eine \u00fcberschaubare Gruppe. Um 17:00 habe ich bereits die ersten Abenteuer hinter mir, nachdem die (vornehmlich weiblichen) Kinder mich wiedererkannt haben und mit dem \u201e<em>Kinnikuman<\/em>\u201c spielen wollen. Weil ich nicht auf dem Boden Platz nehmen will, so lange es sich vermeiden l\u00e4sst, und auch nicht stehen will, setze ich mich auf die Fensterbank. Neben mir ein halbes Dutzend M\u00e4dchen \u2013 wie bereits fr\u00fcher erw\u00e4hnt \u2013 im Alter von vier bis elf Jahren. Sie verstecken sich (uns), indem sie die Jalousie des Fensters herunterlassen, und ich werde unfreiwillig Teil dieses Spiels, das ihnen auch nach mehreren Minuten und mehrmaligem Hochziehen und Herunterlassen der Jalousie nicht langweilig werden will.<br>Dann zieht mich eine davon an der linken Wange, wie das Melanie normalerweise zu tun pflegt, und ruft:<br>\u201e<em>Der hat ja Barthaare im Gesicht!<\/em>\u201c und findet das ungeheuer lustig.<br>\u201e<em>Nat\u00fcrlich, das ist m\u00e4nnlich!<\/em>\u201c (\u201e<em>Mochiron, otokorashii da zo!<\/em>\u201c) sage ich dazu, und alle lachen sich halbtot \u2013 weshalb auch immer. Ich wollte nat\u00fcrlich einen Scherz machen, aber dass er eine solche Wirkung haben w\u00fcrde, habe ich nicht erwartet. Und es wird noch toller. Minato, die Kleinste aus der Gruppe kommt im Anschluss noch \u00f6fter zu mir und bittet mich, \u201e<em>otokorashii<\/em>\u201c zu sagen (und nichts weiteres). Ich tue es ein paar Male und jedes Mal kugelt sie sich auf dem Boden und quietscht vergn\u00fcgt. Ich wusste nicht, dass das Wort so lustig ist. Auch wenn man es mit verschiedenen Betonungen sagt&#8230; aber vielleicht sehe ich das zu rational. Ihr zur Freude mache ich den Spa\u00df eine Weile mit, aber irgendwann wird es mir doch eine Spur zu kindisch, und ich bitte sie freundlich, damit aufzuh\u00f6ren. Sie tut es, ohne sich zu beschweren, aber&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben ja alle Namensschilder bekommen, selbstklebende Papierstreifen, die wir selbst beschriften. Und als n\u00e4chstes malen die M\u00e4dchen gleich zwei Schilder, auf denen \u201e<em>otokorashii<\/em>\u201c zu lesen ist und kleben sie mir auf die Brust. Sie bekommen sp\u00e4ter einen Platz im \u201eManuskript\u201c meines Tagebuchs. Dann gehen sie dazu \u00fcber, meine Arme und Beine zu bef\u00fchlen, weil sie die Muskeln so toll finden. Ich finde das ein bisschen peinlich, aber ich will auch kein Spa\u00dfverderber sein. Als seltene Attraktion kommt auch einer der Jungs zu mir, etwa sieben Jahre alt, greift nach meinem Oberarm und meint \u201e<em>Das ist doch bestimmt nur Fett!<\/em>\u201c Leider muss ich ihn in diesem Punkt entt\u00e4uschen, nachdem er sich empirisch \u00fcberzeugt hat. Er l\u00e4uft rot an und verschwindet wieder zu seinen Freunden, die an einer Tafel in der Ecke Baseball-Spielz\u00fcge durchgehen oder \u201e<em>Vier gewinnt<\/em>\u201c spielen. Die M\u00e4dchen gehen derweil dazu \u00fcber, mich mit einer T\u00fcr zu verwechseln und klopfen auf meinem Oberk\u00f6rper herum. \u201e<em>Katai!<\/em>\u201c (\u201e<em>Hart!<\/em>\u201c) sagen sie. Hoffentlich wechsele ich nicht ebenfalls zu auff\u00e4llig die Gesichtsfarbe. Ich habe wie \u00fcblich keine Ahnung, wie ich mit diesem ungebremsten Sturm der Begeisterung umgehen soll. Also \u201e<em>Helm auf und Gl\u00fcck ab!<\/em>\u201c, wie ein Freund letztlich sagte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das allein waren die \u201eAbenteuer\u201c bis um f\u00fcnf Uhr. Dann beginnt der offizielle Teil. Ich muss endg\u00fcltig auf den Boden umziehen, das Mikrofon wandert reihum und jeder stellt sich kurz vor, beginnend bei SangSu. Das Procedere \u201e<em>Ich bin&#8230; und ich komme aus&#8230;<\/em>\u201c wird sp\u00e4testens beim vierten Mal langweilig. <br>Ich nehme das Mikrofon. \u201e<em>Ja, wer bin ich eigentlich?<\/em>\u201c frage ich. <br>Leises Lachen im \u201eZuschauerraum\u201c.<br>\u201e<em>Der m\u00e4nnliche Dominik!<\/em>\u201c (\u201e<em>Otokorashii Dominiku!<\/em>\u201c) rufen die M\u00e4dchen, als h\u00e4tte ich sie dazu aufgefordert. <br>Am\u00fcsiertes Lachen unter den Erwachsenen.<br>\u201e<em>Sehr gut! Gibt es jemanden, der mich noch nicht kennt? Nein? Wie es scheint, bin ich ber\u00fchmt&#8230;<\/em>\u201c<br>Ich sp\u00fcre deutlich die pfeilspitzen Blicke von Melanie. Ich gebe das Mikrofon also lieber weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Familie Jin ist mittlerweile eingetroffen und hat sich in meine N\u00e4he gesetzt. Mutter Eiko stellt sich vor. Uh, Keigo = feinstes Japanisch. Vater Y\u00fbtaka macht das ganze weniger f\u00f6rmlich. <em>\u201eOosu!\u201c<\/em> ruft er zur Einleitung. Eine Art Schlachtruf von Sportmannschaften. Wieder habe ich das Gef\u00fchl, in der irrsten Familie von dem ganzen Haufen gelandet zu sein&#8230; ohne das jetzt irgendwie negativ zu meinen.<br>Das Ehepaar Jin tr\u00e4gt T-Shirts mit aufgedruckten Familienfotos. Sie tr\u00e4gt eines, das sie zusammen mit ihrer Tochter zeigt. Offenbar recht aktuell. Sein T-Shirt zeigt ein Foto, das 1950 aufgenommen wurde. Er sagt, eigentlich habe er das Hemd seiner Mutter geschenkt, aber sie wolle es aus Gr\u00fcnden des Aberglaubens oder der Piet\u00e4t, je nachdem, wie man es betrachtet, nicht tragen. Er h\u00e4lt die rechte Seite des Fotos zu. <em>\u201eDie sind bereits alle gestorben\u201c<\/em>, sagt er. Die Mutter wolle die Geister der Toten nicht beleidigen. Da er selbst nicht an solche Geister glaube, habe er kein Problem damit, das T-Shirt zu tragen. Ich frage ihn, wo man solche T-Shirts machen lassen k\u00f6nne. Er habe es in Tokyo gekauft, sagt er. In Hirosaki gebe es einen solchen Laden wahrscheinlich nicht. Ist eigentlich auch egal. Derzeit habe ich kein Motiv, das ich unbedingt auf einem T-Shirt sehen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann stellen sich die Studenten in einer Reihe auf, mit Ausnahme von Melanie, die ja \u201enur\u201c ein Gast ist, ohne Gastfamilie. Wir erhalten Geschenke \u2013 die Kinder der jeweiligen Familie haben je ein Portr\u00e4t von uns gemalt, auf ein Blatt Papier, A4 Format, auf Pappe aufgeklebt, mit einem Band zum Umh\u00e4ngen. Y\u00fbmiko hat mich gemalt. Idealisiert, ohne Brille und etwas zu blond, aber es ist das sch\u00f6nste Bild von allen. Aller Subjektivit\u00e4t zum Trotz. Y\u00fbtar\u00f4 h\u00e4ngt mir meines um, Y\u00fbmiko gibt Sushanan ihres. Y\u00fbtar\u00f4 legt mir gegen\u00fcber immer noch eine gewisse Unsicherheit an den Tag. Also muss ich ihn noch ein bisschen auftauen. Sobald ich herausgefunden habe, wie ich es anpacken kann. Nat\u00fcrlich werden Fotos gemacht, wir mit unseren Portr\u00e4ts.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"410\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/200312-Ich-410x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3446\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/200312-Ich-410x600.jpg 410w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/200312-Ich-205x300.jpg 205w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/200312-Ich-768x1124.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/200312-Ich-1050x1536.jpg 1050w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/200312-Ich.jpg 1378w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann beginnen die obligatorischen Spiele. Zum Aufw\u00e4rmen der \u201e<em>L-O-V-E<\/em>\u201c Song. Ich kriege die Fingerbewegungen nicht koordiniert. Auch das Spiel, wo jemand eine Zahl sagt und sich dann entsprechend gro\u00dfe Gruppen bilden m\u00fcssen, wird noch einmal durchexerziert. Aber diesmal bin ich darauf gefasst und kann unverkrampfter an die Sache herangehen. Danach stellen sich zehn Freiwillige in die Mitte des Raumes, die \u00fcbrigen bilden einen Kreis um sie herum. Dann wird eine Musik gespielt, der \u00e4u\u00dfere Kreis bewegt sich im Takt der Musik auf die Mitte zu und jeder tritt irgendjemandem (sanft) ans Bein. Ich sehe davon ab, jemanden zu treten. Ich habe keine Ahnung, was das hier bedeutet, aber die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten erschlie\u00dfen sich schnell. Der Tritt ans Bein ist gewisserma\u00dfen eine Herausforderung zum Jan-Ken-Pon. Okay, alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Die Melodie h\u00f6rt auf zu spielen und die Getretenen gehen zum jeweiligen Herausforderer und spielen mit ihm\/ihr Jan-Ken-Pon. Wer verliert, muss in die Mitte, bzw. in der Mitte bleiben. Man hat zehn Sekunden Zeit, mit Leuten Jan-Ken-Pon zu spielen, um aus dem Kreis herauszukommen, bevor die Musik wieder zu spielen und der Tanz von vorne beginnt. Da die Vierj\u00e4hrige offenbar einen Narren an mir gefressen hat, sehe ich mich die ganze Zeit \u00fcber ihren \u201eAttacken\u201c ausgesetzt, und sie hat ein diebisches Vergn\u00fcgen daran, mich so kr\u00e4ftig zu treten, wie sie nur kann \u2013 aber da sie bestenfalls 20 Kilo wiegt, ist das nicht viel. Jin Eiko bedient die Stereoanlage, da sie mit ihrem gerade wieder halbwegs brauchbaren und noch immer bandagierten Fu\u00df nicht mitspielen kann. Ich hoffe, sie langweilt sich nicht allzu sehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem ich dann alle Spiele ohne bleibende Sch\u00e4den \u00fcberstanden habe, gibt es was zu Essen. Und davon nicht zu wenig. Die Familien haben es zubereitet. Da steht eine Art Rahmkuchen, der eher wie ein gro\u00dfes Omelett aussieht, Obstsalat, Onigiri (Reisb\u00e4llchen) verschiedener Art, gekochte H\u00fchner(-unter-)schenkel, Spaghetti mit mehreren Sorten So\u00dfe, darunter Hackfleischso\u00dfe, eine scharfe Tomatenso\u00dfe und sogar Pesto, eine Art Kuchen, dessen einzelne St\u00fccke man andernorts als \u201e<em>Brownies<\/em>\u201c bezeichnen w\u00fcrde, kleine Cupcakes, Reis mit Gem\u00fcse, Nudeln mit Fleisch und So\u00dfe, frittiertes Schweinefleisch, frittierte Teigst\u00fcckchen, frittierter Teig mit Fleischst\u00fcckchen, nat\u00fcrlich Sushi, und etwas, das man in Deutschland als \u201e<em>Schweinebraten mit dunkler <\/em><em>So\u00dfe<\/em>\u201c bezeichnen w\u00fcrde. Fast das gleiche wie zuhause, nur der Daikon-Rettich und das Gem\u00fcse in der So\u00dfe wirken daran japanisch. Und das Fleisch wurde bereits mundgerecht geschnitten, damit man es ohne Messer und Gabel mit St\u00e4bchen essen kann. Nachdem ich von allem eine Portion gegessen habe, bin ich nat\u00fcrlich satt, aber ich nehme noch ein paar Happen von den Sachen, die besonders gut waren. Jetzt bin ich kurz vor \u201e\u00fcberfressen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens ist auch die Chinesin, die so sch\u00f6n getanzt hat, hier. Mit der offenen Frisur habe ich sie nicht sofort erkannt. Erst das Bild, das man ihr geschenkt hat, brachte mich in die richtige Richtung, weil sie darauf in dem entsprechenden Kost\u00fcm dargestellt ist. In japanischer Transkription hei\u00dft sie \u201e<em>FanFan<\/em>\u201c. Die chinesische Originallesung kann ich nicht aussprechen; sie \u00fcbertr\u00e4gt sich u.a. etwa als \u201e<em>KanKan<\/em>\u201c ins Japanische, aber das klingt ja furchtbar&#8230;. Das Original jedenfalls kann ich mir nicht merken und&#8230; na ja, dann lieber \u201e<em>FanFan<\/em>\u201c. Meine Bitte, sie m\u00f6ge doch bei anderer Gelegenheit noch einmal tanzen, weist sie h\u00f6flich und l\u00e4chelnd zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Essen f\u00fchren die Kinder ein kleines St\u00fcck auf, das offenbar aus Russland stammt \u2013 und es scheint die russische Version von der <em>\u201eR\u00fcbe\u201c<\/em> zu sein. <em>\u201eDie R\u00fcbe\u201c<\/em> ist ein Gedicht oder ein Lied, das sich in einem meiner Leseb\u00fccher der Grundschule befand, dritte Klasse, glaube ich, und es geht darum, dass einer aufs Feld geht und eine riesige R\u00fcbe vorfindet, die er allein nicht aus der Erde ziehen kann; also ruft er Verst\u00e4rkung, und einer nach dem anderen kommt, um beim Herausziehen der R\u00fcbe zu helfen, bis schlie\u00dflich alle gemeinsam anpacken und die Aufgabe bew\u00e4ltigen.<br>Die gezeigte russische Version handelt von einem Bauern, der seine Frau, seine Kinder und seine Eltern zu Hilfe ruft, und schlie\u00dflich ziehen alle Bewohner des Hofes gemeinsam an der R\u00fcbe, vom Bauern bis zum Hofhund, der Katze und der Maus. Die Kinder haben hierzu entsprechende, wenn auch einfache Kost\u00fcme gebastelt. Sehr niedlich. Jin Eiko h\u00e4lt w\u00e4hrend der Vorf\u00fchrung Pappschilder in die Luft, auf denen die Szenen noch einmal in Bilderform aufgemalt sind und liest von der R\u00fcckseite den Erz\u00e4hltext ab. Die R\u00fcbe, um die es letztendlich geht, ist ein Zusammenschnitt aus einem gro\u00dfen roten Kopfkissen und gr\u00fcnen Stoffst\u00fccken in Blattform.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann ist das Programm zu Ende und das Einpacken und Verteilen des restlichen Essens beginnt. Die Tische werden ges\u00e4ubert und zusammen mit den St\u00fchlen wieder in die jeweilige Ausgangsposition geschoben. Nach und nach verlassen die Leute das Geb\u00e4ude und ich passe noch einen der Erwachsenen ab, der ein olivgr\u00fcnes Hemd tr\u00e4gt, das vor einigen Jahren noch Eigentum der deutschen Bundesluftwaffe gewesen war, noch mit Adler an der Schulter und mit Bundesflagge Schwarz\/Rot\/Gold. Ich frage ihn, wo er das gekauft habe und ob man dort auch japanisches Material kaufen k\u00f6nne. Er habe es in Hirosaki gekauft, sagt er, aber der Laden habe inzwischen geschlossen. Und es gebe nur Material aus dem Ausland, haupts\u00e4chlich aus den USA und aus Deutschland. Japanische Uniformen habe er keine gesehen. Das finde ich zwar nicht sehr hoffnungsspendend, aber wenn es noch mehr ausl\u00e4ndisches Material gibt, kann ich in Japan vielleicht einen russischen Tarnanzug kaufen, ohne daf\u00fcr gleich nach Polen oder weiter fahren zu m\u00fcssen&#8230; von Trier aus f\u00e4hrt ja ein Bus direkt nach Minsk. Ich werde auf jeden Fall weiter versuchen, einen Tarnanzug der <em>Jieitai<\/em>, der japanischen Selbstverteidigungsstreitkr\u00e4fte, zu ergattern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 19:30 sind wir wieder zuhause und sehen uns \u201e<em>30 <\/em><em>Menschen<\/em><em>, 31 Beine<\/em>\u201c an. Drei\u00dfig Grundsch\u00fcler bilden eine Reihe, ein Bein jeweils an das des Nachbarn gebunden. Sie laufen nacheinander eine Strecke von 50 Metern gegen die Zeit und nat\u00fcrlich gegen Teams aus anderen Gegenden Japans; insgesamt ein Dutzend Mannschaften, die die Vorausscheidungen gewonnen haben, um hier bei den japanischen Meisterschaften antreten zu k\u00f6nnen. Als Gast ist eine Mannschaft aus Kuba dabei. Die Kubaner scheitern im Halbfinale. Was reden die eigentlich f\u00fcr eine Sprache? Nat\u00fcrlich eine Art Spanisch, aber nach Spanisch h\u00f6rt sich das f\u00fcr mich nicht mehr an. Die ganze Angelegenheit ist sehr emotional. Bei den Verliererteams bricht sich die Anspannung in Form von Tr\u00e4nen feuchte Bahnen. Die begleitenden Lehrer gleich mit. Man hat den Eindruck, die Jungs und M\u00e4dchen seien der Meinung, man w\u00fcrde ihre Eltern auf Nimmerwiedersehen nach Sibirien deportieren, sollten sie nicht gewinnen. Aber man sagt mir auch nach, ich sei emotional halbtot. Ich sehe mir die Sendung nicht ganz bis zum Ende an. Nach dem Ausscheiden der Kubaner gehe ich schlafen. Und w\u00e4hrend ich schlafe&#8230; aber das erz\u00e4hlt mir Melanie erst sp\u00e4ter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Weg in die Bibliothek pumpe ich endlich mal wieder etwas Luft in die Reifen meines Fahrrades. Danach werden Mails geschrieben, ohne, dass etwas Dramatisches dabei vor sich geht. 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