{"id":3414,"date":"2023-12-04T07:00:00","date_gmt":"2023-12-04T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3414"},"modified":"2023-12-03T14:53:25","modified_gmt":"2023-12-03T13:53:25","slug":"donnerstag-04-12-2003-ohne-den-winter-waeren-die-tage-laenger-und-die-unterhosen-kuerzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3414","title":{"rendered":"Donnerstag, 04.12.2003 &#8211; Ohne den Winter w\u00e4ren die Tage l\u00e4nger und die Unterhosen k\u00fcrzer"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch heute Mittag warte ich vergeblich auf Yui. Ist sie krank? Wenn sie keine Zeit hat, ruft sie doch gew\u00f6hnlich an. Ich verabschiede mich also vorl\u00e4ufig davon, dass unsere Treffen Mittwochs und Donnerstags dauerhaft regelm\u00e4\u00dfig geplant waren. Ich muss aber endlich meine Krankenversicherung zahlen, und Melanie sagt, das ginge mit dem Automaten. F\u00fcr die Bedienung einer Maschine m\u00f6chte ich Yui aber lieber dabei haben. Um 1215 verlasse ich die Halle wieder. Bis 1240 sehe ich dann meine Post durch und stelle fest, dass der Drucker im Center nach Tagen endlich wieder Tinte hat. Das muss ich direkt ausnutzen, und ich freue mich, dass der Rechner, an dem ich sitze, den Druckauftrag auch weiterleitet. Leider stelle ich dabei fest, dass ich Kais Mail versehentlich gel\u00f6scht habe, in der er mit den hehren Worten eines wahren Meisters erkl\u00e4rt hat, warum eine Kette an den Schwei\u00dfstellen nicht so leicht rostet. Eigentlich wollte ich sie f\u00fcrs Archiv mit ausdrucken&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kitahara-sensei erl\u00e4utert uns heute die Geschichte der Frauen der Gegend, die heute Aomori-ken ist. Es ist ganz interessant, wie sich die Neuzeit (also ab 1868) f\u00fcr die Frauen gestaltet hat. Die Gattin des ersten amerikanischen Lehrers in Hirosaki zum Beispiel bedauerte die armen M\u00e4dchen, die im Alter von 13 oder 14 Jahren bereits verheiratet wurden, und Heiraten war zu dieser Zeit wenig anderes als eine Umverteilung von Arbeitskr\u00e4ften. Und weil die M\u00e4dchen dringend ben\u00f6tigte Arbeitskr\u00e4fte waren, waren sie vom existierenden Bildungsangebot weitgehend ausgeschlossen. Die M\u00e4dchen (und auch die Jungs), die eine Schulbildung erhielten, kamen aus besser gestellten Familien, die nicht unbedingt auf aller H\u00e4nde Arbeit angewiesen waren. Mrs. Ing hatte offenbar auch Schwierigkeiten, zu beschreiben, was \u201eKalligrafie\u201c im japanischen Sinne ist. Das kann doch nicht so schwer sein \u2013 \u201e<em>man nimmt einen gro\u00dfen Pinsel und einen gro\u00dfen Bogen Papier und malt schwungvoll japanische Schriftzeichen darauf<\/em>.\u201c Das war ein Satz. Ja, das sei schon richtig, sagt Kitahara-sensei, aber Mrs. Ing ging mit ihren Schilderungen (die sie an eine Zeitung in ihrer Heimatstadt schickte) auch weit mehr ins Detail, beschrieb die ben\u00f6tigten Requisiten und alles andere darum herum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend des Unterrichts setzt starker Schneefall ein. Gestern Abend hat es auch schon geschneit, aber der Schnee war sehr nass. \u201e<em>Es schneite Regen<\/em>\u201c, k\u00f6nnte man sagen. Der heutige Schnee dagegen ist von einer ganz hervorragenden Qualit\u00e4t, soweit ich das nur vom Anfassen und Formen her beurteilen kann. Allerdings soll es am Samstag gleich wieder regnen, sagt der Wetterbericht. Erst der Sonntag soll wieder richtig kalt werden. Warten wir\u2019s ab. Aber heute schneit es erst einmal, mal mehr und mal weniger heftig. Aber die meiste Zeit stark.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Unterricht erfahre ich von Melanie, dass Yui im Center auf mich warte. Das ist doch was. Vielleicht erhalte ich dann doch noch eine sinnvolle Besch\u00e4ftigung fuhr den Nachmittag. Yui begleitet mich zur Bank und erweist sich (nat\u00fcrlich unverschuldet) wieder einmal als \u00fcberfl\u00fcssig. Ja, ja, von wegen Automat&#8230; wer hat das Ger\u00fccht blo\u00df in die Welt gesetzt? Die Dame am Schalter nimmt den richtigen Zettel aus dem meinem \u00dcberweisungsblock heraus, bittet um die Zahlung von 2500 Yen, \u00fcberreicht mir eine Quittung und die Sache ist erledigt. Tut mir leid, Yui&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">100 Meter von der Bank weg, wieder in Richtung Universit\u00e4t, sehen wir einen Mann, der keine K\u00e4lte zu kennen scheint. Der gemeinte Herr ist etwa 170 cm gro\u00df, schlank, um die 40 Jahre alt und arbeitet kniend an seiner Garageneinfahrt herum. Durch das Knien ist seine Trainingshose so verrutscht, dass die H\u00e4lfte seines Hinterns zu sehen ist. \u201e<em>Kowai<\/em>&#8230;\u201c sagt Yui dazu. Er steht kurz auf, zieht die Hose zurecht und kniet sich wieder hin \u2013 mit dem Ergebnis, dass all seine M\u00fche umsonst war. Er sieht noch immer aus, als wolle er ein Ei auf die Stra\u00dfe legen. Es juckt mich direkt in den Fingern, eine Portion Schnee von der Mauer zu nehmen und sie ihm in die \u00d6ffnung zu werfen. Aber ich lasse es lieber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Yui schl\u00e4gt vor, zum Lernen in das Restaurant \u00fcber der Mensa zu gehen. Ja, warum auch nicht. Auf der Speisekarte finde ich ein paar (wenige) Sorten Spaghetti, als erstes \u201e<em>Napolitan<\/em>\u201c, also \u201e<em>Napoli<\/em>\u201c, mit Tomatenso\u00dfe. Das will ich dann doch mal probieren. Andere Leute probieren McDonald\u2019s in verschiedenen Nationen und ich eben Spaghetti mit Tomatenso\u00dfe. Schlie\u00dflich bin ich vor langer Zeit der \u201ePastasciutta-K\u00f6nig\u201c gewesen. Ich glaube, das ist inzwischen 20 Jahre her. Die \u201eProbierportion\u201c (also \u201eklein\u201c) kostet 390 Yen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und gerade eben geht mir der zweite Kugelschreiber aus, den ich hier gefunden habe. Ich schreibe offenbar unerh\u00f6rt viel. Ich muss mich in den H\u00f6rs\u00e4len dringend nach einem neuen Kugelschreiber umsehen \u2013 gew\u00f6hnlicherweise werden ja genug davon vergessen. F\u00fcr den Moment muss ich auf meinen \u201eureigenen\u201c umsteigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8230; wo war ich? Ja, also 390 Yen f\u00fcr eine kleine Portion Spaghetti mit Tomatenso\u00dfe, aber f\u00fcr nur 100 Yen mehr kann man noch \u201eNomih\u00f4dai\u201c (\u201eAll you can drink\u201c) dazu bekommen. Nat\u00fcrlich nur Softdrinks, aber so viel, wie man will, bis zum Ladenschluss um 1700. Die Auswahl an Getr\u00e4nken besteht aus Apfelsaft, Orangensaft, Eiskaffee, Oolong Tee, schwarzem Tee und Kaffee. Selbstbedienung. Nachdem ich von jedem was probiert habe, bleibe ich bei einer Mischung aus Apfelsaft und Orangensaft (1:2).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Spaghetti sind sehr interessant. In der So\u00dfe befinden sich kleine Fleischstreifen, Paprikast\u00fcckchen, sichtbare Zwiebelst\u00fccke (so gro\u00df wie die Fl\u00e4che meines Daumens) und ein einsamer Champignon. Ich w\u00fcrde sagen \u201e<em>Das ist kein Jim Beam!<\/em>\u201c (und meine damit \u201e<em>Das ist keine Napoli-So\u00dfe!<\/em>\u201c). Ich habe schon <strong>viele<\/strong> Spaghetti mit Tomatenso\u00dfe gegessen, nicht nur aus der T\u00fcte, sondern auch echte \u2013 aber diese Zutatenzusammenstellung habe ich noch nirgendwo gesehen, auch nicht in Italien. Nu ja, aber es schmeckt. Der Geschmack ist gut, wenn auch vielleicht ein bisschen stark \u2013 ich f\u00fcrchte, denen ist die Dose mit dem Fondor (Geschmacksverst\u00e4rker auf Basis von Mononatriumglutamat) in den Topf gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Tisch steht ein Parmesanspender. Aber nicht irgendein neutraler oder einer aus Japan. Nein, der Parmesan hier ist von <strong>Kraft<\/strong>. Also eigentlich teuer. Und es ist <strong>echter<\/strong> Parmesan, und kein \u201e<em>Parmesello<\/em>\u201c, wie man ihn in Deutschland f\u00fcr den Hausgebrauch kauft, wenn der Geldbeutel eher schmal ist. Parmesello ist <strong>kein<\/strong> Parmesan \u2013 echter Parmesan hat seinen Preis, und der ist normalerweise nicht von schlechten Eltern. Parmesello ist nur ein g\u00fcnstiges Plagiat, das mit dem \u00e4hnlichen Namen Werbung macht. Oh, Tabasco gibt es auch. Besser Tabasco als gar nichts scharfes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Essen gehen wir neun der 16 f\u00fcr die Klausur am Dienstag notwendigen Lektionen durch, und die Unterscheidung von \u201e<em>te-iku<\/em>\u201c und \u201e<em>te-kuru<\/em>\u201c macht mir immer noch gewisse Probleme, vor allem, wenn der zu bildende Satz keine physische Bewegung beinhaltet. Aber wie es der Zufall will, kommt um 1630 Kashima-sensei in das Restaurant, um einen Kaffee zu trinken. Genau den brauche ich jetzt. Ein professioneller Japanischlehrer, der \u00fcberdies auch noch Englisch kann. Yuis Englisch ist leider zu rudiment\u00e4r, um grammatikalische Zusammenh\u00e4nge zu erkl\u00e4ren. Aber zusammen mit dem, was Yui bereits erkl\u00e4rt hat, kann ich mir so langsam ein Bild davon machen, was es mit den fraglichen Konstruktionen auf sich hat. <br>Und wenn Kashima-sensei schon einmal am Tisch sitzt, kann er mir grade noch \u201e<em>te-oku<\/em>\u201c und \u201e<em>te-aru<\/em>\u201c erkl\u00e4ren, zur Sicherheit. So weit ich ihn verstehe, bezieht sich die Verbkonstruktion \u201e<em>te-aru<\/em>\u201c auf Dinge, die in der Vergangenheit <strong>bereits vorsorglich getan<\/strong> wurden, w\u00e4hrend man \u201e<em>te-oku<\/em>\u201c verwenden sollte, wenn die Vorbereitungen <strong>im Gange<\/strong> sind oder \u00fcberhaupt erst noch in der Zukunft <strong>begonnen werden sollen<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 1700 schlie\u00dft das Lokal, und nachdem Kashima-sensei sich verabschiedet hat, gehe ich mit Yui in die Mensa, um noch ein paar Aufgaben durchzugehen. In der Mensa treffen wir (Sait\u00f4) Mio, die kleinere der beiden Mios. Aber viel ist in der Mensa nicht mehr zu machen, weil es da zu laut ist. Ich kann mich ja kaum auf das konzentrieren, was ich fragen oder sagen will. Aber ich schie\u00dfe ein h\u00fcbsches Bild von den beiden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000472-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3415\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000472-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000472-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000472-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000472-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IM000472.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Yui und Mio 2003<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 1815 komme ich an einen Rechner, schreibe meinen Bericht und spiele ein bisschen Go. Ich habe die CD mit dem Spiel darauf Ende Oktober im 100 Yen Laden gekauft und ich bin eigentlich sehr gl\u00fccklich damit. Ich habe versucht, \u201eGo\u201c aus dem Netz runterzuladen, aber ich fand gro\u00dfe Bretter nur als kostenpflichtige Version, musste also mit einem kleinen 9&#215;9 Brett vorlieb nehmen. Jetzt habe ich also 75 Cent investiert und habe eine \u201egro\u00dfe\u201c Version, die man auch zu zweit (am selben Rechner zumindest) spielen kann, und man muss das Spiel nicht installieren (was ich ja am Unirechner eh nicht kann). Ich spiele direkt von der CD. Und ich verliere \u2013 mal wieder \u2013 haushoch gegen meinen elektronischen Gegner. Leider mangelt es mir ein wenig an F\u00e4higkeit zur Fehleranalyse, also muss ich mir schon vorher ein generelles Vorgehen zurechtlegen. Ich merke, dass ich verloren habe, wenn ich dazu \u00fcbergehen muss, auf den Gegner zu reagieren. Aber das ist auch grade alles, was ich merke, und ich verliere auch weiterhin&#8230; aber wenn ich hin und wieder spiele, wird das bestimmt noch. SangSu sagt, dass er auch Go mal gelernt habe, aber er sei \u201e<em>abgrundtief schlecht<\/em>\u201c (\u201e<em>ch\u00f4 warui<\/em>\u201c). Ich sehe mich am besten mal nach einem echten Brett um. Muss ja nicht gleich Teakholz sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe nach Hause, als ich genug habe und komme noch fr\u00fch genug an, um noch \u201e<em>Mujin Wakusei no Survival<\/em>\u201c (ein Anime, \u201e<em>\u00dcberleben auf einem unbewohnten Planeten<\/em>\u201c) zu sehen. Danach l\u00e4uft die Serie um diesen Detektiv in Kyoto (kein Anime, und ich habe immer noch nicht nachgesehen, wie man den Namen der Serie liest und \u00fcbersetzt)<a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a>, dann \u201e<em>Trick<\/em>\u201c und schlie\u00dflich \u201e<em>Manhattan Love Story<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin auch immer noch auf der Suche nach Downloadm\u00f6glichkeiten, aber ich wei\u00df nicht einmal genau, <strong>wo<\/strong> ich eigentlich nach japanischen Live-Action Serien suchen muss, also habe ich noch nichts gefunden. Im Prinzip brauche ich eine Seite wie <a href=\"http:\/\/www.Animesuki.com\/\">www.Animesuki.com<\/a>, eben nur f\u00fcr Live Action Serien&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote1anc\" id=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Es k\u00f6nnte sich um \u201eKy\u00f4to Meiky\u00fb\u201c handeln, \u201eLabyrinth Ky\u00f4to\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch heute Mittag warte ich vergeblich auf Yui. Ist sie krank? Wenn sie keine Zeit hat, ruft sie doch gew\u00f6hnlich an. Ich verabschiede mich also vorl\u00e4ufig davon, dass unsere Treffen Mittwochs und Donnerstags dauerhaft regelm\u00e4\u00dfig geplant waren. Ich muss aber endlich meine Krankenversicherung zahlen, und Melanie sagt, das ginge mit dem Automaten. 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