{"id":3393,"date":"2023-11-26T12:51:12","date_gmt":"2023-11-26T11:51:12","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3393"},"modified":"2023-11-26T12:51:12","modified_gmt":"2023-11-26T11:51:12","slug":"mittwoch-26-11-2003-just-communication","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3393","title":{"rendered":"Mittwoch, 26.11.2003 \u2013 Just Communication"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Strahlendes Wetter am Morgen, und es h\u00e4lt sich den ganzen Tag \u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Morgen komme ich in den Genuss, mich mit zweien der \u00e4lteren Chinesen (also \u00fcber 30) zu unterhalten. Generell unterhalten wir uns \u00fcber Sinn und Zweck des Japanischstudiums, der sich bei mir darin ersch\u00f6pft, dass ich \u00fcberhaupt nicht wei\u00df, was ich mit meinem Leben sonst anfangen sollte. Positiv ausgedr\u00fcckt ist es also mein Lebensinhalt. Einer der jedenfalls beiden studiert Japanisch, weil er den Manga <em>\u201eTetsuwan Atomu\u201c<\/em> als Jugendlicher so mochte. Viel interessanter dabei war, zu erfahren, welches Bild von Japanern ihrer Meinung nach in China vorherrscht. Sie sagen, dass Japaner als ein wenig verr\u00fcckt betrachtet w\u00fcrden, aber die Allgemeinheit sei weit davon entfernt, in ihnen den \u201eErbfeind\u201c zu sehen. Ich w\u00fcrde das eine positive Entwicklung nennen, angesichts der sch\u00e4tzungsweise 19 Millionen Chinesen, die der kontinentale Teil des Pazifischen Krieges das Leben gekostet hat&#8230; und ich halte die geschilderte Einstellung f\u00fcr durchweg richtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vesterhoven behandelt heute Kawabata Yasunari, und der zu lesende Text ist <em>\u201eKata Ude\u201c<\/em>, ins Englische \u00fcbersetzt als <em>\u201eOne Arm\u201c<\/em>. Kawabata arbeitet hier extrem mit bildhaften Stilmitteln und Handlung und Setting wirken sehr (sehr!) surreal. Ich habe keine Ahnung, was ich da eigentlich lese, und was sich der K\u00fcnstler dabei m\u00f6glicherweise gedacht hat \u2013 falls er gedacht hat und nicht im Morphiumrausch geschrieben hat.<br>Was steht da nun eigentlich?<br>Eine junge Frau gibt dem Mann, der sie begehrt, ihren rechten Arm, damit er ihn (an ihrer Stelle) mit nach Hause nehmen kann. Er packt den Arm (keine Prothese! Und dies ist auch kein Horrorszenario) unter seinen Mantel und geht nach Hause. Es ist sehr neblig. Er h\u00f6rt aus einem Radio die Durchsage, dass drei Flugzeuge wegen des starken Nebels nicht landen k\u00f6nnten. Ein Auto f\u00e4hrt an ihm vorbei, aber er nimmt das Auto nicht recht wahr, sondern nur die Fahrerin, und die Lichter des Autos, die lila schimmern und im Nebel verschwinden. Er redet mit dem Arm. Der Arm redet mit ihm. Zuhause legt er sich mit dem Arm ins Bett. Dann erliegt er der Versuchung, nimmt seinen eigenen Arm ab und befestigt den Arm der jungen Frau an seiner Schulter. Aha. K\u00f6rperliche Verschmelzung, it est: es geht um Sex.<br>Nichts f\u00fcr mich. Nicht in dieser Form. Ich habe schon Probleme, Texte zu interpretieren, die in sich Sinn ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vesterhoven macht seinen Studenten (uns) das Angebot, zu Weihnachten, genauer am 23. Dezember, zum Essen zu ihm zu kommen. Voraussetzung: Man muss helfen, den gro\u00dfen Tannenbaum in seinem Garten zu schm\u00fccken. Nun ja, das Herrichten eines Weihnachtsbaumes ist f\u00fcr mich eine rein mechanische Angelegenheit ohne tieferen Sinn, aber vor allem habe ich am 23.12. gar keine Zeit, weil ich bereits am Tag zuvor nach Tokyo fahren werde. Wir werden Ricci und Ronald besuchen, und ich werde auch Hiroyuki wieder sehen wollen. Er soll mir mal Akihabara zeigen. Und f\u00fcr Kati und Memel habe ich mit ein bisschen Gl\u00fcck vielleicht auch Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab 12:15 bin ich mit Yui in der Mensa, um 14:20 treffe ich Mei in der Halle. Anstatt allerdings ihre Englischlektionen zu wiederholen, reden wir knapp drei Stunden lang \u00fcber alles m\u00f6gliche andere. Vor allem die Darstellung meiner fernsehreifen Familienverh\u00e4ltnisse verwirren sie sehr, und am Ende macht sie ein Gesicht, als w\u00fcrde sie gleich in Tr\u00e4nen ausbrechen. Des weiteren muss ich (zu einem anderen Thema) meine Darstellung von Ideal und Realit\u00e4t mehrfach erkl\u00e4ren, bis ich verst\u00e4ndlich gemacht habe, dass Wertunterschiede zwischen Menschen eben nicht meiner Meinung entsprechen (ich habe nur gesagt, dass Menschen mit geringerer Bildung f\u00fcr Menschen wie uns arbeiten werden), sondern leider eine bittere Realit\u00e4t sind, die ich nicht sch\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor ich nach Hause fahre, gehe ich aber ins Naisu D\u00f4 und kaufe die Artbooks, die ich mir letzten Monat bereits zurechtgelegt habe. 16200 Yen f\u00fcr etwa ein Dutzend Artbooks. Drei weniger dringende habe ich noch stehen lassen. Die kaufe ich dann wohl im Januar zusammen mit dem Material, das ich verkaufen will. Und wenn ich schon Geld bekommen habe, dann kann ich morgen auch gleich meine Miete zahlen, und das diesmal p\u00fcnktlich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Strahlendes Wetter am Morgen, und es h\u00e4lt sich den ganzen Tag \u00fcber. Am Morgen komme ich in den Genuss, mich mit zweien der \u00e4lteren Chinesen (also \u00fcber 30) zu unterhalten. 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