{"id":3373,"date":"2023-11-21T10:18:26","date_gmt":"2023-11-21T09:18:26","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3373"},"modified":"2023-11-21T10:18:26","modified_gmt":"2023-11-21T09:18:26","slug":"freitag-21-11-2003-go-go-kinnikuman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3373","title":{"rendered":"Freitag, 21.11.2003 \u2013 Go, Go, Kinnikuman!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guten Morgen Deutschland!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist der Punkt erreicht, an dem ich ein neues Notizbuch anfangen muss \u2013 mein altes, das ich aus Deutschland mitgebracht habe, ist voll. Im \u00fcbrigen habe ich zwar gesagt, dass ich gerne <strong>kurze<\/strong> Kommentare h\u00e4tte, um Zeit bei meiner Post sparen zu k\u00f6nnen \u2013 allerdings habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht damit gerechnet, dass nur halb so viele Leute, wie gedacht, mir schreiben w\u00fcrden. Ich bin von einer Antwort- oder Kommentierungsrate von 20 % ausgegangen&#8230; als ob das nicht schon ein niedriger Ansatz w\u00e4re&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bitte also diejenigen unter meinen Freunden und Bekannten, die noch gar nichts von sich haben h\u00f6ren lassen, um eine kurze Mitteilung, wie ihre Eindr\u00fccke von meinen Berichten bisher sind \u2013 zu neudeutsch: Ich bitte um Feedback.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielen Dank!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Masako ist mit ihren Voruntersuchungen fertig. Masako ist eine junge Studentin kurz vorm Abschluss, die uns vor etwa zwei Wochen eine Bandaufnahme mit kurzen japanischen Mitteilungen vorgespielt hat, damit wir entscheiden, welche der Vokabeln wir (die Ausl\u00e4nder) am besten verstehen. Wir haben damals also das, was wir heraush\u00f6ren konnten, auf einem Formular, das sie ausgeteilt hat, vermerkt und abgegeben, und aus diesem am besten verstandenen Vokabular hat sie eine Reihe von Katastrophenmeldungen zusammengebastelt. Sie m\u00f6chte den Katastrophenschutz verbessern helfen, indem sie m\u00f6glichst einfaches Vokabular an die entscheidenden Stellen weiterleitet, damit auch Ausl\u00e4nder die Meldungen im Radio verstehen k\u00f6nnen, was denn nun in welchem Falle zu tun sei, falls es einen Gro\u00dfbrand, eine Flutwelle oder ein Erdbeben (oder alles zusammen) geben sollte.<br>Der Schwachpunkt ihrer Untersuchung ist leider, dass ihre Studien nichts dar\u00fcber aussagen, ob der H\u00f6rer die Begriffe, die er aufschreiben kann, auch wirklich versteht. Man kann ja W\u00f6rter, also Lautfolgen, die man in der Bandaufnahme geh\u00f6rt hat, aufschreiben, ohne zu wissen, was man schreibt. Allerdings bin ich nicht recht sicher, wie ich ihr das klarmachen k\u00f6nnte, also lasse ich es. Au\u00dferdem freut sie sich viel zu sehr \u00fcber die rege Beteiligung und das freut wiederum mich. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie hat Melanie und mich f\u00fcr 10:00 in ihr B\u00fcro gebeten, wo wir uns eine Reihe von Durchsagen anh\u00f6ren und nachher aufschreiben sollen, um was es gerade eben ging. Es sind aber auch eine Reihe von \u201eJa oder Nein\u201c Fragen dabei. Das Szenario: \u201eHeute Morgen ereignete sich ein schweres Erdbeben der St\u00e4rke 6\u201c.<br>An dieser Stelle folgt eine Auswahl aus den Ja-Nein-Fragen (und meine spontanen Gedanken dazu), die ein halbwegs vern\u00fcnftig denkender Zehnj\u00e4hriger beantworten k\u00f6nnte, ohne jemals eine der Durchsagen geh\u00f6rt zu haben, aus denen man die Antwort heraush\u00f6ren soll:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Kann man beliebig telefonieren?\u201c<\/em><br>(<em>\u201eNun ja, wenn die Sendemasten noch stehen w\u00fcrden, k\u00f6nnte es sich lohnen, dar\u00fcber nachzudenken.\u201c<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Kann man an den Ausgabestellen beliebig viel Wasser erhalten?\u201c<\/em><br>(<em>\u201eKlar, ich lade mir mal eben schnell 200 Liter auf die Sackkarre und lasse meinem Nachbarn den Fluss.\u201c<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>K\u00f6nnen die Kinder zur Schule gehen?\u201c<\/em><br>(<em>\u201eBestimmt, wenn sie helfen, die Tr\u00fcmmer zu beseitigen und die Tafel an den umgest\u00fcrzten Baum nageln.\u201c<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Kann man die Stra\u00dfe in Nishihiro benutzen?\u201c<\/em><br>(<em>\u201eAber sicher!Aber umfahren Sie bitte die Schlagl\u00f6cher von drei Metern Breite und zehn Metern Tiefe oder warten sie, bis sich diese mit Automobilen und anderen Verkehrsteilnehmern gef\u00fcllt haben.\u201c<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass Masako hier schlechte Arbeit geleistet h\u00e4tte. Ganz im Gegenteil, ich finde ihre Bem\u00fchungen sehr lobenswert, und in der Tat war ich wegen ihrer Vorarbeit auch in der Lage, 95 % der abgespielten Durchsagen zu verstehen, und auch wenn ich das eine oder andere Wort nicht kannte, lie\u00df es sich oft aus dem Kontext schlie\u00dfen.<a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach f\u00fchrt mich Yui zu einer Michinoku Bankfiliale, die sich im Stadtteil Nishihiro befindet und damit etwas n\u00e4her an unserem Haus liegt als die Hauptstelle in der Stadtmitte, wo ich dann endlich meine Miete zahlen kann. Drei Wochen zu sp\u00e4t. Kubota-san hat mich schon mit besorgter Miene gefragt, ob denn alles in Ordnung sei und wann ich denn zahlen k\u00f6nne. Nein, ich habe nicht mein ganzes Geld in der Pachinko-Halle gelassen. <br>Ich gebe meine Zahlungsunterlagen ab und werde gebeten, doch noch ein paar Minuten zu warten, bis meine Angaben \u00fcberpr\u00fcft seien. Yui verabschiedet sich derweil, weil sie gleich Unterricht hat. Und kaum ist sie weg, werde ich von der Angestellten mit neuen Vokabeln \u201eversorgt\u201c, von denen ich so richtig gar keine verstehe. Schlie\u00dflich f\u00fchrt mich eine Kollegin zu dem Einzahlungsautomaten im Eingangsbereich des Hauses und erkl\u00e4rt mir, wie man ihn bedient. Aus dem Automaten erhalte ich eine Karte mit Magnetstreifen, die mir die Eingabeschritte, wer hier was an wen zahlen m\u00f6chte, erspart. Im Prinzip muss ich danach nur noch den Verwendungszweck angeben, dass ich Miete zahlen m\u00f6chte, schiebe die Karte in den daf\u00fcr vorgesehenen Schlitz und gebe die Summe an, die ich zu zahlen habe. Es \u00f6ffnet sich ein Fach am Automaten, in den man Geldscheine einlegen kann. Der Automat z\u00e4hlt das Geld und gibt den Rest zur\u00fcck. Sehr praktisch. Au\u00dferdem ist diese Zahlungsmethode etwa 500 Yen billiger, als wenn man am Schalter bezahlt. Aber von den Erl\u00e4uterungen verstehe ich nur die H\u00e4lfte, also werde ich beim n\u00e4chsten Mal wohl wieder etwas Hilfe brauchen. Das w\u00e4re dann kommende Woche, weil ich meine Miete diesmal p\u00fcnktlich zahlen m\u00f6chte, also vor Monatsende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zu dem folgenden Unterricht habe ich noch etwas Zeit, aber sie reicht nicht aus, um einen Bericht verfassen zu k\u00f6nnen. Der Bericht wird bis Samstag warten m\u00fcssen, und ich habe auch den Rest des heutigen Tages keine Zeit mehr, etwas zu schreiben. Wir werden heute Abend G\u00e4ste im Plaza Hotel sein, wo eine weitere Internationale Party stattfinden wird. In einem gr\u00f6\u00dferen Rahmen als bisher, wie man mir sagte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz bevor wir nach Hause fahren, um unseren Beitrag zum Fest zu holen, beginnt es zu regnen. Erst ganz leicht, dann st\u00e4rker. Es reicht auf jeden Fall aus, um meine Hose zu durchn\u00e4ssen. Ich sehe in den Schrank. Keine Wechselhose mehr da \u2013 zwei Jeanshosen sind in der schmutzigen W\u00e4sche, weil Fahrrad\u00f6l daran klebt und eine weitere h\u00e4ngt noch zum Trocknen aus. Oha, das beschr\u00e4nkt meine Auswahl doch sehr&#8230; \u00e4hem&#8230; die Frage lautet also: deutsches oder amerikanisches Tarnmuster? Dann lieber deutsche Punkttarnung. Oh, wie passend, dann kann ich ja auch das gr\u00fcne \u201eHard Rock Caf\u00e9 Budapest\u201c T-Shirt anziehen, das mir meine Gro\u00dfeltern mal geschenkt haben. Das passt farblich doch ganz hervorragend. Ganz wohl f\u00fchle ich mich dabei nicht, immerhin soll diese Veranstaltung etwas \u201egediegener\u201c sein als die zuvor. Mit allen Gastfamilien und so. Ich stecke in einer Zwickm\u00fchle \u2013 die Darstellung Deutschlands in dieser Sprachsendung st\u00f6rt mich, weil Deutschland \u00fcber das (militante) Dritte Reich zu negativ dargestellt wird&#8230; aber ich kann auch schlecht in Unterw\u00e4sche zu dieser Veranstaltung gehen, oder in den \u00f6lverschmierten Hosen. Ich habe nur noch milit\u00e4risch aussehende Hosen. Daran kann ich jetzt nichts \u00e4ndern. Auf die Reaktionen bin ich gespannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir ziehen es vor, mit der gro\u00dfen Sch\u00fcssel Nudelsalat mit dem Taxi zu fahren. Erstens ist die Sch\u00fcssel nicht bequem zu tragen und zweitens w\u00e4ren wir durchgeregnet, wenn wir im Hotel ankommen. Die Fahrt kostet uns 1000 Yen. Der Basispreis betr\u00e4gt 580 Yen, daf\u00fcr kann man wohl einen Kilometer weit fahren, danach steigt der Preis je nach Entfernung in Schritten von 80 Yen. Eigentlich haben wir vom Center ein Ticket bekommen f\u00fcr das Taxifahren. Wir sind allerdings davon ausgegangen, dass das dazu diene, nach dem Fest die entstandenen Kosten zur\u00fcck zu erhalten. Valerie kl\u00e4rt uns schlie\u00dflich irgendwann (nachdem alles gelaufen ist) dar\u00fcber auf, dass man dieses Ticket bei den Fahrern h\u00e4tte abgeben m\u00fcssen, um so umsonst zu fahren. Ganz toll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Plaza Hotel sieht ein wenig nach gehobener Klasse aus. Die Lobby macht einen n\u00fcchternen, aber teuren Eindruck. Um f\u00fcnf Uhr sollten wir erscheinen, eine Stunde vor Beginn etwa. Die eintreffenden Studenten werden in kleinen Gruppen in die K\u00fcche gebracht, wo sie ihr Essen selbst anrichten d\u00fcrfen. Die Plastikbeh\u00e4lter werden also in eine Ecke gestellt und das Geschirr des Hotels verwendet. W\u00e4hrenddessen erh\u00e4lt man kurze Einblicke in das K\u00fcchenleben des Hotels. Wie es scheint, stellen nicht nur die Studenten etwas zu Essen zur Verf\u00fcgung \u2013 das Hotel selbst sorgt f\u00fcr kleine japanische Gerichte wie Sushi oder Sashimi. Nachdem wir unseren Nudelsalat auf drei gro\u00dfe Teller verteilt haben, wird er auf einen Wagen gestellt und von den Angestellten in die Halle gebracht. Danach geben wir unsere nicht ben\u00f6tigten Kleidungsst\u00fccke an der Rezeption ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich wird meine Bekleidung nicht \u00fcbersehen. Vor allem die anwesenden Studierenden sind belustigt oder \u00fcberrascht. Frau Jin ist mit ihrer Tochter und ihrer Schwiegermutter eingetroffen. Der Sohn ist zum Lernen zuhause geblieben und der Gatte muss noch arbeiten. Sie bezeichnet meinen Aufzug als \u201ekakkoii\u201c, aber heute will ich das nicht so ernst nehmen. (F\u00fcr alle, denen es nicht klar ist: <em>\u201e<\/em><em>kakkoii<\/em><em>\u201c<\/em> hei\u00dft etwa <em>\u201eEine gute Figur machen\u201c<\/em> und bezeichnet konnotativ etwa den Umstand, dass jemand anziehend auf das andere Geschlecht wirkt.) Da sie immer noch nicht ohne Hilfsmittel gehen kann, sitzt sie in einer Ecke des Saales und l\u00e4sst sich ihre Portion Essen bringen. Sie m\u00f6chte auch Melanies Nudelsalat probieren, also bringe ich ihr welchen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000422-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3374\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000422-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000422-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000422-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000422-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000422.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Oma Jin, Mutter Jin, Y\u00fbmiko, Minato, Mikami und ihre vergessene Zwillingsschwester.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch sonst kommen meine Hosen ganz gut an. Vor allem bei Kindern, wie mir scheint. Nachdem Y\u00fbmiko (11) die \u00fcbrigen Halbw\u00fcchsigen davon \u00fcberzeugt hat, dass ich <em>\u201e<\/em><em>nicht zum <\/em><em>F\u00fcrchten\u201c<\/em> sei (<em>\u201e<\/em><em>Kowaku nai! Kowaku nai!<\/em><em>\u201c<\/em>) sei, bin ich schnell von einem halben Dutzend davon umgeben. Die sind alle halb so gro\u00df wie ich, im Alter von etwa vier bis zw\u00f6lf Jahren und \u2013 man beachte \u2013 bis auf ein Exemplar alle weiblich. Und die haben eine unglaubliche Freude daran, zu versuchen, mich alleine oder gemeinsam von der Stelle zu schieben, indem sie sich gegen meinen Oberschenkel pressen und ihre ganzen 25 kg Gewicht in die Waagschale werfen. Y\u00fbmiko schafft es nat\u00fcrlich ebenfalls nicht und ich sage ihr, dass das kaum ginge, weil ich 95 kg wiege \u2013 und wie viel habe sie zu bieten? <em>\u201e<\/em><em>Hidoi! Himitsu desu!<\/em><em>\u201c<\/em> ruft sie (<em>\u201e<\/em><em>Wie <\/em><em>unh\u00f6flich<\/em><em>! Das ist ein Geheimnis!<\/em><em>\u201c<\/em>), aber sie lacht auch weiterhin. Ich lasse ihr das Geheimnis. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem ich dann irgendwann doch einmal einen Fu\u00dfbreit Boden aufgegeben habe, macht sich die J\u00fcngste (4)<a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> daran, meine Hosentaschen zu durchsuchen, in denen sich mein Brillenetui befindet, meine Notizb\u00fccher, mein Reisepass mit dem Versicherungsnachweis (den ich lieber in Sicherheit bringe), meinen Geldbeutel, meine Hausschl\u00fcssel, zwei Batterien f\u00fcr die Kamera und ein Radiergummi. Die europ\u00e4ische Schrift in meinem Notizbuch scheint eine gro\u00dfe Anziehungskraft zu besitzen, und Y\u00fbmiko ist entt\u00e4uscht, dass ich ein neues habe beginnen m\u00fcssen. Sie bittet mich darum, das alte bei meinem n\u00e4chsten Besuch wieder mitzubringen. Sie kann zwar kein Wort lesen (lesen schon, aber nicht verstehen), aber wenn es ihr gef\u00e4llt, wie mein Schriftbild aussieht, von mir aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vierj\u00e4hrige erscheint mir etwas zu neugierig von meinem Standpunkt der Erziehung aus betrachtet, auch wenn sich in meinen Hosentaschen nichts Geheimes befindet. Aber was soll ich dagegen tun? Ich kann sie ja schlecht KO schlagen&#8230; und wirklich st\u00f6ren tut mich meine Popularit\u00e4t ja nicht. <br>Nachdem ich meine Sachen wieder weggepackt habe, beginnt ein neues \u201eSpa\u00dfkapitel\u201c. Eine der Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen macht sich einen Spa\u00df daraus, das Etui in meiner Seitentasche anzufassen, wenn sie an mir vorbeigeht, dann grinst sie mich an und sagt <em>\u201eKinniku!\u201c<\/em> (<em>\u201eMuskeln!\u201c<\/em>) Nein, das sind keine Muskeln; das ist Plastik und ich verpacke meine Brille darin! Aber ich nehme die Angelegenheit ja auch nicht ernst und sie macht munter weiter, die Ausbeulung des Etuis anzufassen oder mit ihrer kleinen Faust auf meinen Oberschenkel zu schlagen. Ich am\u00fcsiere mich sehr dabei. Bis zum Ende des Tages werde ich noch zum \u201eKinnikuman\u201c bef\u00f6rdert. Frei \u00fcbersetzt also \u201eMuskelmann\u201c, und es handelt sich dabei in einen bekannten Anime um einen solchen. Eine Kom\u00f6die. Vielleicht sollte ich mir auch \u201eKinnikuman\u201c einmal ansehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber davor stehen immer noch erst einmal die ganzen Spiele zur Unterhaltung auf dem Plan. Geplant und durchgef\u00fchrt wird das Unterhaltungsprogramm vom \u201eHippo Family Club\u201c, Maeda-san (das ist die Gastmutter von Melanie, falls ich es noch nicht erw\u00e4hnt habe) macht die Moderatorin.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210064-1-450x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3376\" style=\"width:456px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210064-1-450x600.jpg 450w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210064-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210064-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210064-1.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Frau Maeda, Minato, SungYi, dahinter Dave<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst ein Sing- und Koordinationsspiel. Es wird eine Melodie gespielt und man formt im Takt mit den Fingern die Buchstaben \u201eL-O-V-E\u201c. Ich halte mich h\u00f6flich zur\u00fcck und mache ein paar Bilder.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000426-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3377\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000426-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000426-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000426-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000426-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000426.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Frau Maeda, Luba, Ramona, Val\u00e9rie<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach gibt es ein \u201eMassen-Jan-Ken-Pon\u201c. Das ist, wir erinnern uns, \u201eSchere-Stein-Papier\u201c, aber in einem gro\u00dfen Rahmen. Jeder einzelne Anwesende sucht sich einen Gegner aus, der Verlierer stellt sich hinter den Gewinner und legt die H\u00e4nde auf seine oder ihre Schultern. Der Gewinner sucht sich dann den n\u00e4chsten Gegner, bis am Ende nur noch eine Person \u00fcbrig ist, mit einem Wurm von etwa 100 Verlierern im Schlepptau. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000429-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3379\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000429-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000429-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000429-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000429-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IM000429.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Melanie mit Mei im Schlepptau<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gewinner ist ein etwa 70 Jahre alter Herr, der daf\u00fcr auch einen kleinen Preis erh\u00e4lt. Da mir dieses Spiel schon in der Grundschule zu kindisch war, bleibe ich (mit Marc) abseits und mache Fotos mit Melanies Kamera, damit sie auch welche hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210082-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3378\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210082-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210082-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210082-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/11210082.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">ReiGen im Finale mit dem sp\u00e4teren Sieger, hinten rechts Misi, der aus der Menge ragt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In das folgende Spiel werde ich mit sanftem Druck zwangsintegriert. Zuerst bilden die Austauschstudenten einen Kreis in der Mitte des Raumes, die Japaner bilden einen gro\u00dfen Kreis drumherum. Dann geht Maeda-san zu irgendeiner Person im inneren Kreis und fragt etwas, was ich nicht verstehe. Die Antwort ist eine Zahl und pl\u00f6tzlich kommt Bewegung in die Menge. Ich habe keine Zeit, zu verstehen, was hier l\u00e4uft, Nan packt mich am linken Arm und zerrt mich in ihre neugebildete Gruppe, gemischt aus Studenten und Japanern. Ich habe keine Ahnung, was hier gespielt wird, im w\u00f6rtlichen Sinne. Die Gruppe kniet ab und es wird die Zahl der Personen gez\u00e4hlt. Schlie\u00dflich, nach drei Durchg\u00e4ngen oder so, kommt Maeda-san auch zu mir. Ich habe keinen blassen Dunst, was sie von mir will. Sie fl\u00fcstert mir ins Ohr, dass ich einfach die Zahl \u201e10\u201c nennen soll \u2013 und zeigt mir f\u00fcnf Finger. Mein sonst geordnetes Denken l\u00f6st sich auf in einem Strudel von Fragezeichen. Was denn nun? Ich sage \u201ef\u00fcnf\u201c, dann nimmt sie immer einen Finger weg und ich z\u00e4hle runter bis auf \u201eeins\u201c, und dann wieder hoch auf f\u00fcnf. F\u00fcnf bleibt das Endergebnis meiner Verwirrung und das wilde Treiben beginnt wieder mit dem Bilden neuer Gruppen. Bevor ich wei\u00df, was ich getan habe, werde ich bereits in den n\u00e4chsten Kreis geschoben. Was wird denn nun hier gespielt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was das alles bedeutet, erfahre ich erst ganz am Schluss. Der Gefragte muss einfach eine Zahl sagen, und daraufhin m\u00fcssen sich Gruppen mit exakt dieser Personenzahl bilden. Die Gruppen kommen zusammen, fassen sich bei den H\u00e4nden, klatschen erst ein paar Takte zur Musik in die eigenen, und dann in die H\u00e4nde des Nachbarn und gehen schlie\u00dflich in die Hocke, wo dann gez\u00e4hlt wird, ob die verlangte Personenzahl vorhanden ist. Was mit denen passiert, die keine Gruppe abbekommen, wei\u00df ich nicht. Zuletzt stellt man sich einander vor. Nette Idee, aber leider recht sinnlos, weil ich mir nach einem solch kurzen Kontakt die Namen und die dazu geh\u00f6renden Gesichter vielleicht zwei Minuten lang merken kann. Eigentlich sollte man an dieser Stelle, im letzten Kreis, auch die vorbereiteten Namenskarten verteilen (Herkunftsland und Name stehen darauf), aber auch von diesen Karten hat mir vorher keiner gesagt, was ich mit ihnen tun soll. Und da ich keine Ahnung habe, dass diese Karten f\u00fcr speziell dieses Spiel gedacht waren, werden sie entweder im M\u00fcll landen oder mein Andenkenregal zieren&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und was Frau Maeda mir \u201evorgef\u00fchrt\u201c hat, war die japanische Art, mittels einer Hand bis Zehn zu z\u00e4hlen. Japaner fangen, anders als Deutsche, mit dem kleinen Finger an zu z\u00e4hlen und mit dem Daumen ist die Hand dann ganz offen, man ist bei F\u00fcnf angelangt. Dann wird die Hand beginnend mit dem Daumen wieder geschlossen, aber anders als ich das interpretiert habe, hei\u00dft das nicht, dass r\u00fcckw\u00e4rts gez\u00e4hlt wird, sondern man z\u00e4hlt bei Sechs weiter bis rauf zur Zehn, wo die Hand dann wieder ganz geschlossen ist. Z\u00e4hlt man weiter als bis zehn, wird die zweite Hand dazu verwendet, die Zehnerstellen anzuzeigen. Das ist zugegebenerma\u00dfen viel praktischer als die Art des Z\u00e4hlens, die ich in meinem heimischen Kindergarten gelernt habe, da hat jeder Finger seine eigene Nummer und wie man h\u00f6her z\u00e4hlen kann, wird einem nicht beigebracht. Die japanische Methode erleichtert die Aufgabe, und zwar ohne, dass man sich schriftliche Notizen machen muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Melanie erz\u00e4hlt mir nachher, dass M\u00e4nner hier \u00fcbervorteilt gewesen seien, weil ja nicht wenige j\u00fcngere Damen mit kurzen R\u00f6cken erschienen waren&#8230; in der im Spiel vorgesehenen Hockstellung wusste man dann angeblich oft genug nicht, wo man hinschauen sollte, um nicht \u201eirgendwohin\u201c zu starren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuletzt spielen wir ein Spiel, das f\u00fcr mich untrennbar mit gelangweilten, aber kontaktfreudigen amerikanischen Rentnern verbunden ist: BINGO. Da vorne steht also ein adrett gekleideter Herr, der sich von einer jungen Dame (im Kimono) kleine B\u00e4lle mit Buchstaben und Zahlen reichen l\u00e4sst, die sie aus einer Lostrommel zieht. Daf\u00fcr haben wir zu Anfang also diese seltsamen Lochkarten erhalten. Wenn eine Zahl genannt wird, die sich auf der Pappkarte befindet, dr\u00fcckt man das K\u00e4stchen durch, und wenn man eine F\u00fcnferreihe voll hat, hebt man den Arm, das Spiel wird kurz unterbrochen, man geht nach vorn und erh\u00e4lt einen Preis. Ich f\u00fchle mich reichlich d\u00e4mlich dabei, im Alter von 26 Jahren BINGO zu spielen \u2013 aber ich gewinne was: Zwei Pakete sind noch da. Ich nehme das schwerere. Ui, ein Topf. Und nicht irgendein Topf, sondern eine Kasserolle, also ein Glas-Keramik-Topf, der speziell f\u00fcr Backofengerichte gedacht ist, wie z.B. Gem\u00fcseaufl\u00e4ufe oder \u00e4hnliches. Leider habe ich gar keinen Backofen, und au\u00dferdem ben\u00f6tigen wir keine T\u00f6pfe mehr, weil Melanie das alles bereits letzten Monat gekauft hat&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ramona gewinnt eine Trainingsjacke mit \u201eWONDA\u201c Aufdruck (ein Kaffeehersteller), die ihr eigentlich viel zu gro\u00df ist und die mir viel besser gef\u00e4llt, als mein langweiliger und unbrauchbarer Pott. Sie m\u00f6chte meinen Topf prinzipiell auch gerne haben, aber sie hat ebenfalls keinen Ofen in Japan, und f\u00fcr die Postgeb\u00fchren in die Heimat w\u00fcrde sie wohl einen neuen bekommen \u2013 abgesehen von der Gefahr, dass das Teil w\u00e4hrend des Transports kaputtgehen k\u00f6nnte. Ich glaube, ich nutze den n\u00e4chsten Besuch, um Frau Jin damit zu beschenken \u2013 die kann mehr damit anfangen, als ich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum Ende will aber der Berg an Essen noch vertilgt werden und ich tue mein Bestes, dabei zu helfen. Das japanische Essen, das das Hotel bereitgestellt hat, ist von hervorragender Qualit\u00e4t. Die besten Sushi, die ich seit langem gegessen habe. Ansonsten hat jede hier vertretene Nation etwas beigesteuert (und ich habe bestimmt die H\u00e4lfte davon vergessen):<br>Gulaschsuppe aus Ungarn (und diese Version aus Debrcen ist gar nicht scharf)<br>Scharfe Gem\u00fcsesuppe und Kr\u00e4uterbrot aus Thailand (und die Suppe war <strong>richtig<\/strong> scharf!)<br>Minestrone aus Italien (die von Ramona stammt, die eine halbe Italienerin ist)<br>Kartoffel-Gem\u00fcse-H\u00fchnereintopf in Kokos-So\u00dfe aus Neukaledonien<br>Omelett mit Tomate, Chili und Kr\u00e4utern aus China<br>Sandwiches und Wei\u00dfbrot mit Ei-Mayonnaise-F\u00fcllung aus Frankreich<br>Kartoffelsalat mit Fleisch aus Russland<br>\u201eStrutlj\u201c aus Slowenien (ich muss Irena noch mal fragen, was da drin ist, weil ich nichts mehr bekommen habe)<br>Spaghetti mit Muscheln (unbekannter Hersteller)<br>Kaiserschmarrn aus Deutschland (der ist von Marc) und<br>Nudelsalat aus Deutschland.<br>Von letzterem hat Melanie eine Portion f\u00fcr zehn Mann gemacht, mindestens, obwohl nur f\u00fcr f\u00fcnf verlangt war. Offenbar lie\u00dfen sich die Mengen auf zehn leichter umrechnen als auf f\u00fcnf? Dem entsprechend ist auch viel \u00fcbrig geblieben. Aber das macht nichts, weil am Ende Plastikbeh\u00e4lter ausgeteilt werden, in denen man sich mitnehmen kann, was man haben und an sich rei\u00dfen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 2000 ist die Feierlichkeit dann beendet und jeder Teilnehmer erh\u00e4lt zum Abschied eine T\u00fcte mit \u00c4pfeln. Unter den \u00c4pfeln ist au\u00dferdem eine kleine Keramiksch\u00fcssel versteckt. Zusammen mit meinem d\u00e4mlichen Topf ist das alles etwas unhandlich. Wir fahren mit dem Taxi nach Hause. Es regnet zu sehr, um zu Fu\u00df zu gehen, und sogar ich muss einsehen, dass das unvern\u00fcnftig w\u00e4re. Die gro\u00dfe Plastiksch\u00fcssel, in der der Nudelsalat urspr\u00fcnglich hergebracht worden ist, \u00fcberlassen wir Irena, die sich der Sch\u00fcssel freundlich annimmt. Wir haben sie in der K\u00fcche der Einfachheit halber in ihre Plastikt\u00fcte gepackt, weil wir eine solche vergessen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sagen dem Taxifahrer, dass wir nach \u201eNakano 5 Chomei\u201c wollen und er f\u00e4hrt los. Vielleicht h\u00e4tten wir \u201e10 no 27\u201c noch dazu sagen sollen&#8230; weil er an unserer Strasse vorbeifahrt. Ich mache ihn vorsichtig darauf aufmerksam und er entschuldigt sich, f\u00e4hrt zur\u00fcck und erl\u00e4sst uns den Fahrpreis \u00fcber 1000 Yen, immerhin 220 Yen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuhause angekommen, r\u00e4umen wir noch ein bisschen auf und ich beginne, den Tag schriftlich festzuhalten, damit mir diese Flut von Eindr\u00fccken nicht verlorengeht. Und wie ich den Tag so Revue passieren lasse, f\u00e4llt mir auf, dass ich ein Detail vergessen habe. Springen wir also auf etwa 1550 zur\u00fcck, als der Unterricht gerade beendet war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kam mit einem der Chinesen ins Gespr\u00e4ch und fragte ihn nach Besch\u00e4ftigung und Alter der \u00fcbrigen Chinesen in unserem Japanischkurs, weil die Herren alle schon recht alt aussehen, im Vergleich zu den sonstigen Studenten. Er sagt, dass die (m\u00e4nnlichen) Chinesen hier im Kurs allesamt 29 bis 38 Jahre alt seien. Er selbst sei davon der J\u00fcngste und hauptberuflich Programmierer (irgendeine Art von EDV-Spezialist). Die anderen drei studierten Medizin, sagt er. Alles Doktoren, zur Weiterbildung in Hirosaki. Die Uniklinik hier genie\u00dfe einen guten Ruf. Nat\u00fcrlich gebe es noch bessere Universit\u00e4ten, aber Hirosaki sei nun einmal \u201ezuf\u00e4llig\u201c die Partneruniversit\u00e4t ihrer Heimatuni.<br>Ich warf einen verstohlenen Blick zu Shin hin\u00fcber. Der ist also \u00fcber 30 Jahre alt und Arzt, aha. Ich h\u00e4tte Skrupel, mich ihm anzuvertrauen&#8230; nicht, weil er unsympathisch w\u00e4re, aber er redet seltsam&#8230; und das nicht nur auf Japanisch. Man versteht kaum, was er sagt, weil er recht leise redet und weil er sich anh\u00f6rt, als w\u00fcrde beim Sprechen zu viel Luft durch seinen Kehlkopf rutschen, weil die Stimmlippen nicht richtig schlie\u00dfen. M\u00f6glicherweise hat er einen Kehlkopfdefekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das sollte dann alles vom Tage gewesen sein. Es war ja genug&#8230; au\u00dferdem ist es jetzt 23:40 und ich will nur noch schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote1anc\" id=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Marc schob sp\u00e4ter die Frage ein, ob es nicht einfacher w\u00e4re, f\u00fcr Ausl\u00e4nder eine weitere Ansage auf Englisch zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote2sym\" href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Ihr Name ist Minato.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guten Morgen Deutschland! Heute ist der Punkt erreicht, an dem ich ein neues Notizbuch anfangen muss \u2013 mein altes, das ich aus Deutschland mitgebracht habe, ist voll. 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