{"id":3313,"date":"2023-11-06T11:12:05","date_gmt":"2023-11-06T10:12:05","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3313"},"modified":"2023-11-06T11:12:05","modified_gmt":"2023-11-06T10:12:05","slug":"donnerstag-06-11-2003-die-strasse-gehoert-mir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3313","title":{"rendered":"Donnerstag, 06.11.2003 \u2013 Die Stra\u00dfe geh\u00f6rt mir (?)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ry\u00fbgakusei Center ist heute&#8230; aus irgendeinem Grund geschlossen. Also muss ich f\u00fcr das Schreiben meiner Post auf die Bibliothek ausweichen. Die Rechner dort sind mir auch viel sympathischer. Windows 2000 Professional ist mir von der Uni Trier vertraut, die Maschinen haben mehr als ein Gigahertz Frequenzleistung, sie fahren schnell hoch, haben keine unn\u00f6tigen Sachen wie die ganzen Downloadprogramme und Chat-Anwendungen drauf, wie man sie im Center findet, sie laufen stabil. Der Nachteil gegen\u00fcber Trier wiederum ist, dass man den Desktop nicht individuell gestalten kann, die Einstellungen werden immer wieder gel\u00f6scht. Und in der Programmleiste verbleiben die Shortcuts ebenfalls nicht. Aber damit kann ich leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessanterweise kann man das Musikprogramm WinAmp installieren. Ich entdecke zwar Windows Media Player, Quicktime und Real Player vorinstalliert, aber ich finde das Internet-Radio-Angebot dieser Programme entweder etwas mager oder unverst\u00e4ndlich, das hei\u00dft, ich komme mit der Einrichtung nicht klar. Also lieber WinAmp, damit kenne ich mich aus. Ich habe mal einen Kanal f\u00fcr Klassische Musik, einen f\u00fcr 80er Popmusik, einen f\u00fcr Trance, einen f\u00fcr Rock und zwei f\u00fcr Heavy Metal in die Playlist getan. Das deckt meinen ersten Bedarf ab. Alles Weitere kann ich sp\u00e4ter noch finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber meine Kamera ist immer noch voll. Ich hatte noch keine Gelegenheit, die Bilder zu \u00fcbertragen. Entweder war die eine Maschine, die ich benutzen muss, belegt, oder aber das Center war geschlossen. Hoffentlich l\u00e4uft mir bis dahin nichts vor die Linse, was ich vermissen w\u00fcrde, wenn ich es nicht fotografieren kann.<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterricht zum Thema Kulturgeschichte von Tsugaru f\u00e4llt ebenfalls aus, also habe ich viel Zeit. Am heutigen Tag schreibe ich drei Berichte auf einmal. Leider dauert das ein paar Minuten l\u00e4nger als gesch\u00e4tzt. Um 15:10 bin ich fertig, jetzt hat die Michinoku Bank geschlossen, und ich habe meine Miete nicht wie geplant einzahlen k\u00f6nnen. Aber \u2013 keine Panik! \u2013 die Miete ist auch erst am Ende des Monats f\u00e4llig. Ich m\u00f6chte mich nur darum bem\u00fchen, das Geld so schnell wie m\u00f6glich loszuwerden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem ich auch mit meiner Post fertig bin, fahre ich in Richtung Stadtmitte, zum Naisu D\u00f4. Dort kaufe ich endlich das Artbook der Anime-Serie <em>\u201e<\/em><em>Cutey Honey<\/em><em>\u201c<\/em>, das ich bereits vor einigen Tagen ins Auge gefasst hatte. Es ist relativ d\u00fcnn, kostet aber 2000 Yen. Aber ein Original aus dem Jahr 1981 ist mir das wert. Auch wenn der Preis damals gerade mal 580 Yen war. 23 Jahre sind doch nicht schlecht f\u00fcr ein solches Buch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich finde bei der Gelegenheit auch noch verschiedene andere Dinge, die mich interessieren, darunter auch Artbooks der Serien <em>\u201e<\/em><em>Galaxy Express<\/em><em>\u201c<\/em>, <em>\u201e<\/em><em>Queen Millenia<\/em><em>\u201c<\/em> (<em>\u201e<\/em><em>K\u00f6nigin<\/em><em> der Tausend Jahre<\/em><em>\u201c<\/em>) und <em>\u201e<\/em><em>Queen Emeraldas<\/em><em>\u201c<\/em>. Und die haben zum Teil auch bereits ein gesegnetes Alter. F\u00fcr ebenfalls 2000 Yen pro St\u00fcck. Damit will ich aber warten, bis das n\u00e4chste Geld bei mir ankommt. Ich habe eine \u201eeigene Ecke\u201c im Regal<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup> eingerichtet&#8230; ich muss also in zwei, drei Wochen nur noch in den Laden gehen und ins Regal greifen, um alles in der Hand zu haben, was ich brauche. Dreimal zwanzig Minuten lang suchen ist mir lieber als einmal eine Stunde lang das Regal zu durchsuchen. Hinterher tun mir immer Knie und R\u00fccken weh, weil ich ja von der H\u00f6he des Fu\u00dfbodens aus bis auf \u00fcber zwei Meter H\u00f6he meine \u201eF\u00fchler\u201c ausstrecken muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg nach Hause, es ist immer noch hell, fahre ich beinahe in eines dieser Familien-Gro\u00dfraumautos hinein. Der Streckenabschnitt ist leicht absch\u00fcssig, und 30 km\/h bin ich bestimmt gefahren, als vor mir dieser Wagen auf einen Parkplatz einbiegt. Der Fahrer hat meine Geschwindigkeit wohl etwas untersch\u00e4tzt oder sich erst gar nicht darum bem\u00fcht, einen Blick in meine Richtung zu werfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bremsen beweisen, dass sie gut sind. Zehn Zentimeter vor der Beifahrert\u00fcr kommt das Vorderrad zum stehen. Der Wagen f\u00e4hrt weiter auf den Parkplatz, mein Hinterrad hebt sich in die H\u00f6he, und weil ich nicht auf der Stra\u00dfe einen Salto schlagen will, springe ich einen halben Meter nach vorne, also dahin, wo vor einer halben Sekunde noch das Auto im Weg war. Der Fahrer k\u00fcmmert sich in keiner Weise um den Beinahe-Vorfall. Ich hole einmal tief Luft, um den kurzen Schrecken loszuwerden und fahre weiter. Ich sehe mich nicht gen\u00f6tigt, mit einem japanischen Autofahrer zu diskutieren. Daf\u00fcr fehlen mir das Vokabular und die Nerven.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuhause stelle ich fest, dass Melanie nicht da ist. Eigentlich wollte sie doch Hausaufgaben machen? Daf\u00fcr sieht der Schreibtisch aus wie die Miniausgabe des Schlachtfelds von Sewastopol \u2013 voll mit Krempel, den man zum Verpacken von niedlich aussehenden Paketen (Melanie-Stil) offenbar so braucht. Und das, was auf dem Schreibtisch keinen Platz mehr findet, liegt auf dem Boden. Aha. Aber wozu aufregen? Ich mache eine Flasche Boco auf und sehe mir <em>\u201e<\/em><em>Hamtar<\/em><em>\u00f4<\/em><em>\u201c<\/em> an. Auf Japanisch kommt das gleich viel besser. Ist allerdings immer noch zu kindisch. Und (Aber?) dieses Titellied ist ein extremer Ohrwurm. Man bekommt die Melodie nicht mehr aus dem Kopf, tagelang \u00fcbrigens. Bereits zuhause hatte ich mir das Lied aus dem Internet besorgt, aber bei dem, was jetzt l\u00e4uft, handelt es sich um eine Art Remix. Das alte Titellied wurde mit ein paar Dancefloor-Rhythmen aufgepeppt und landet noch viel besser in der \u201eZwischenablage\u201c hinter dem Trommelfell. Ich glaube, sogar das Schlusslied von <em>\u201e<\/em><em>Atashi<\/em><em>\u2019<\/em><em>n<\/em><em>\u2019<\/em><em>chi<\/em><em>\u201c<\/em> steht dahinter zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser erster, in Japan gekaufter Sack Reis geht heute zu Ende. In einem Monat braucht man pro Person also etwa f\u00fcnf Kilo. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde der Reis l\u00e4nger halten, wenn wir morgens nichts davon essen w\u00fcrden, aber man gew\u00f6hnt sich schnell daran, am Morgen etwas Warmes zu essen. Vor allem, wenn es Reis ist. Wenn ich zuhause in Deutschland morgens etwas gegessen habe, war mir nachher erst einmal schlecht. Nicht so richtig spei\u00fcbel, aber mir war nicht gut, bis etwa zur Mittagszeit. Reis dagegen ist sehr bek\u00f6mmlich, stelle ich fest, und leicht verdaulich. Ich habe bereits erw\u00e4hnt, dass man zwei Stunden, nachdem man sich damit vollgegessen hat, schon nicht mehr viel davon sp\u00fcrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reispreise hier im Beny-Mart beginnen bei 2800 Yen (ca. 21 E). Der teuerste Sack, den ich bisher gesehen habe, kostet 5300 Yen (ca. 40 E). Ich erinnere daran, dass hier von <strong>10-Kilo-S<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>cken<\/strong> die Rede ist, nicht von den g\u00fcnstigen 22,5-Kilo-S\u00e4cken f\u00fcr 17 E, mit denen ich bisher \u201egearbeitet\u201c habe, dank der freundlichen Unterst\u00fctzung der Familie Hary und ihrem Asia Laden in Saarbr\u00fccken. Und der billige Reis, den ich in Deutschland bekommen habe, war \u201enur\u201c Bruchreis. Der Bruchreis ist zwar gut, h\u00e4lt aber keinem Vergleich mit dem japanischen Produkt stand. Trotzdem m\u00f6chte ich hinzuf\u00fcgen, auch wenn ich mich wiederhole, dass Basmati der bisher beste Reis war, den ich gegessen habe. Japanischer Reis kommt nur auf Rang Zwei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Heimat werde ich mir einen Reiskocher zulegen. Der Reis wird einfach um Klassen besser in einem <em>\u201e<\/em><em>Suihanki<\/em><em>\u201c<\/em> (Reiskocher). Es werden in Deutschland auch Varianten verkauft, wo man den Reis auf der Herdplatte in einem normalen Topf \u201eankocht\u201c und dann den Topf in ein w\u00e4rmeisoliertes Styroporgef\u00e4\u00df stellt, wo dann der Rest des Wassers den Reis so schonend garen soll. Meine Gro\u00dfmutter hat eine solche Vorrichtung (leider) gekauft. Vergesst diesen Schrott, kauft Euch einen echten Reiskocher. Ich werde es auch tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und weil Reis sich so gut verdaut, k\u00f6nnte ich den ganzen Tag Reis essen, von fr\u00fch bis sp\u00e4t. Ein Pott leer \u2013 den n\u00e4chsten gleich aufgesetzt. Und man braucht nichts gro\u00df dazu, ich esse den Reis einfach mit Sojaso\u00dfe, mit Furikake (getrockneter Geschmack aus der T\u00fcte zum \u00dcberstreuen) und\/oder mit Nori-Bl\u00e4ttern, nach denen ich mich dieser Tage verzehre&#8230; im wahrsten Sinne des Wortes. Beinahe jedenfalls.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist Donnerstag, da l\u00e4uft \u201e<em>TRICK<\/em>\u201c im Fernsehen. Ich genie\u00dfe die Serie jedes Mal aufs Neue.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was <em>\u201e<\/em><em>TRICK<\/em><em>\u201c<\/em> auf jeden Fall hat, ist das \u201eScooby-Doo-Kernelement\u201c, das da besagt, dass hinter allen mysteri\u00f6sen Geschehnissen immer ein logisch erkl\u00e4rbarer Trick steckt. Kurz gesagt, ging es diesmal um eine Dame um die 40, die ein Museum um eine alte Statue erleichtern will. Sie verschwindet, indem sie mit ihrem F\u00e4cher einen \u201eSchlitz\u201c (\u201e<em>Suritto<\/em>\u201c = engl. \u201e<em>Slit<\/em>\u201c) in die Luft malt und hineinsteigt. Sie sagt, auf diese Art und Weise blitzschnell an anderen Orten wieder erscheinen zu k\u00f6nnen, indem sie sich dieser \u201eWarp-M\u00f6glichkeit\u201c bedient. Es kommt dann heraus, dass sie Spiegelfolie aufh\u00e4ngt und dahinter ein Drehrad mit irren Farben aufstellt, damit der Schlitz auch magisch aussieht. Sie war vor 20 Jahren eine bekannte Sprinterin gewesen und nutzt den \u00dcberraschungseffekt (ihres Verschwindens) aus, um zu dem Ort zu <strong>rennen<\/strong>, an dem sie \u201eerscheinen\u201c m\u00f6chte, m\u00f6glichst mit Zeugen. Der von ihr verwendete Begriff \u201eSchlitz\u201c ist \u00fcbrigens auch eine Anspielung auf ihr Kleid, das ebenfalls einen solchen hat. Sie nutzt jede Gelegenheit, um so ihr Bein zu zeigen, sehr zur Freude der m\u00e4nnlichen Charaktere, die so gebannt sind, dass sie alles andere vergessen&#8230; au\u00dferdem lacht sie auf eine Art und Weise, wie man es aus verschiedenen Anime kennt. Nicht ganz Naga, aber immerhin. (Insidergespr\u00e4che, ich wei\u00df&#8230;) Nat\u00fcrlich ist das alles etwas irrsinnig. Es kann ja nicht sein, dass sie nicht damit gerechnet hat, dass einer der Zeugen zum Ort ihres \u201eVerschwindens\u201c laufen k\u00f6nnte, um nachzusehen. Die Stellw\u00e4nde f\u00fcr die Spiegelfolie und das neonfarbene Rad dahinter w\u00e4ren jedem Trottel sofort aufgefallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist \u00fcbrigens auch, dass die Serie sich ein wenig \u00fcber Absolventen der T\u00f4dai (der Tokyo Universit\u00e4t) lustig macht. Ueda und Yamada sehen sich immer wieder verfolgt von einem Inspektor der Polizei. Dessen Assistent ist ein solcher T\u00f4dai-Absolvent. Das erw\u00e4hnt er auch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit (vor allem, wenn er sich jemandem vorstellt) und macht sich dementsprechend \u201ebeliebt\u201c. Er wirkt eigentlich wie ein Clown. Der <em>\u201e<\/em><em>funny Sidekick<\/em><em>\u201c<\/em>. Das deckt sich ein wenig mit einer Aussage von Professor Vesterhoven, der irgendwann in den vergangenen drei Wochen am Rande einmal erw\u00e4hnt hat, dass Absolventen der T\u00f4dai nicht mehr so beliebt bei Arbeitgebern seien wie fr\u00fcher. Das hinge nicht damit zusammen, dass Japans elit\u00e4rste Universit\u00e4t an Qualit\u00e4t verloren habe, sondern damit, dass sich ihre Absolventen f\u00fcr die besten und sch\u00f6nsten und kl\u00fcgsten S\u00f6hne und T\u00f6chter der Sonne auf dem Erdball hielten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nat\u00fcrlich sollte man im Anschluss nicht <em>\u201e<\/em><em>Manhattan Love Story<\/em><em>\u201c<\/em> verpassen&#8230; \ud83d\ude42<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote1anc\" id=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Es handelte sich um eine \u201ebillige\u201c Kamera f\u00fcr 160 Euro, die schon nach damaligen Verh\u00e4ltnissen sehr durchschnittlich war. Der interne Speicher umfasste ganze 16 MB, das reichte f\u00fcr 24 Bilder im Format 1024 x 768. Der Vorteil gegen\u00fcber einer analogen Kamera war, dass man Bilder l\u00f6schen und noch einmal aufnehmen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote2sym\" href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Im Regal des Ladens, muss ich betonen, auf einer H\u00f6he oberhalb des Blickfelds.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ry\u00fbgakusei Center ist heute&#8230; aus irgendeinem Grund geschlossen. Also muss ich f\u00fcr das Schreiben meiner Post auf die Bibliothek ausweichen. Die Rechner dort sind mir auch viel sympathischer. 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