{"id":3306,"date":"2023-11-03T12:24:51","date_gmt":"2023-11-03T11:24:51","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3306"},"modified":"2023-11-03T12:24:51","modified_gmt":"2023-11-03T11:24:51","slug":"montag-03-10-2003-das-geheimnis-der-japanischen-kraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3306","title":{"rendered":"Montag, 03.10.2003 \u2013 Das Geheimnis der japanischen Kraft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist ein lang erwarteter Tag. Strahlendes Wetter herrscht nicht gerade, aber es gibt mehr Sonne als Wolken. Ich gehe mit Melanie zur Uni, um dem Wettbewerb im Armdr\u00fccken zuzusehen. Und eigentlich nicht nur, um zuzusehen. Zuerst findet ja der Kampf der Clubs statt, und acht Clubs haben je drei Streiter an den Start geschickt. Darunter die Clubs f\u00fcr Aikid\u00f4, Kend\u00f4, Tennis, ein Club, dessen Bezeichnung ich nicht lesen kann, eine Gruppe namens <em>\u201eFree Wave\u201c<\/em> und der <em>\u201eAmerican Football Club\u201c<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer von <em>\u201eFree Wave\u201c<\/em> tr\u00e4gt ein Affenkost\u00fcm und scheint so besoffen, dass man ihn die Treppe zur B\u00fchne hoch tragen muss. Der Kend\u00f4 Club, in entsprechenden Trachten, wird dennoch von <em>Free Wave<\/em> weggefegt. Der Affe scheint mir nicht betrunken, wenn er am Pult steht. Er \u00fcberrumpelt seinen Gegner innerhalb von nicht einmal zwei Sekunden, wankt dann aber wieder in den Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiterhin ist auff\u00e4llig, dass einer der Clubs mit einem weiblichen Teilnehmer auftritt. Ich will nicht sexistisch sein, aber diese Entscheidung war nicht klug. Nicht bei dieser Konkurrenz. Sie geraten an den unleserlichen Club und verschwinden von der B\u00fchne.<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup> Die Footballspieler machen im Halbfinale <em>\u201eFree Wave\u201c<\/em> nieder und treffen im Finale auf den Club mit dem unleserlichen Namen. Zu meiner \u00dcberraschung verliert der Football Club. Die beiden besten Mannschaften erhalten Einkaufsgutscheine und eine kleine Urkunde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum die Jungs vom Football Club verloren haben, ist mir optisch nicht ganz klar. Einer davon ist so gro\u00df wie ich, aber schmaler. Er sieht eigentlich normal aus. Die anderen beiden sind kleiner als ich. Der Typ mit dem Irokesenschnitt ist vielleicht 160 cm hoch, aber sehr st\u00e4mmig. Und weil er aussagekr\u00e4ftig die \u00c4rmel hochkrempelt, glaube ich, dass er nicht zu untersch\u00e4tzen ist. Der dritte von denen ist vielleicht etwas mehr als 170 cm gro\u00df, aber bestimmt 30 kg schwerer als ich. Seine Unterarme allein sind beachtlich. Von dem unlesbaren Club ist nur einer auff\u00e4llig, und das auch erst, wenn man zweimal hinsieht. Er tr\u00e4gt einen Pullover, aber man kann ahnen, dass einiges daruntersteckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann beginnt das Dr\u00fccken der Freiwilligen. Um einen ersten Gegner zu haben, bleibt der Kapit\u00e4n der Siegermannschaft auf der B\u00fchne. Und wird vom erstbesten, der sich meldet, besiegt. Ohne gro\u00dfe Probleme, und ohne, dass der Freiwillige sonderlich stark aussehen w\u00fcrde. Der Sieger bleibt jeweils auf dem Podest, der Besiegte darf ihm noch einmal die Hand sch\u00fctteln und darf dann gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 120-Kilo-Mann der Footballmannschaft wittert seine Chance, meldet sich noch einmal und macht den ersten Freiwilligen, quasi den Sieger \u00fcber seinen eigenen Bezwinger, nieder. Es findet sich tats\u00e4chlich jemand, der gegen den Fleischberg antreten will, aber auch der wird besiegt. Die Organisatoren danken dem schweren Mann und schicken ihn von der B\u00fchne. Mehr als zweimal hintereinander geht offenbar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach dr\u00fccken noch verschiedene Leute, darunter auch zwei Westler (nicht \u201eWrestler\u201c), die jedoch auch beide verlieren. Einem davon sieht man den Freeclimber an, aber dennoch findet er einen, der st\u00e4rker ist als er. Au\u00dferdem will ich eigentlich gegen einen Japaner antreten. Schlie\u00dflich findet sich einer und ich melde mich als Gegner. Mein G\u00fcte, was macht der ein Gesicht, als er mich die kleine Treppe hochkommen sieht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangsstellung. Und losdr\u00fccken. Mir ist sofort klar, dass mit dem Mann hier fertig zu werden ist. Er ist kr\u00e4ftig, aber nicht stark. Allerdings wei\u00df er das auch, und er hat was, das mir fehlt: eine Technik. Er dreht mein Handgelenk ein wenig im Uhrzeigersinn und zieht es zu sich hin, w\u00e4hrend mein Ellenbogengelenk auf dem gleichen Punkt fixiert bleibt. Dadurch wird mein Winkel an der Armbeuge gr\u00f6\u00dfer und seiner kleiner. Bevor ich wirklich verstehe, wie hier gespielt wird, bin ich knapp 10 Sekunden sp\u00e4ter geschlagen \u2013 technischer KO. Ich habe keine gro\u00dfe Anstrengung versp\u00fcrt, aber mit ausgestrecktem Unterarm war da nicht viel zu machen. Das kratzt nat\u00fcrlich am Stolz. Aber man gewinnt nicht jeden Tag. Die erteilte Lehre in Sachen Technik merke ich mir f\u00fcr das n\u00e4chste Mal, sollte es eines geben. Das \u201emuss\u201c ich auch Alex erkl\u00e4ren, der wissen wollte, wie es kommen konnte, dass er gerade wegen mir zwei Flaschen Bier bei einer Wette verloren hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sehen noch eine Weile zu, gehen dann aber nach Hause, weil sich die Texte ja nicht von alleine lesen. Und diese theoretischen Texte \u00fcber den Buddhismus sind stellenweise derma\u00dfen langweilig, dass sich die Bibel wie ein Actiondrama liest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor ich einschlafe, bringe ich den Kreislauf in Wallung, indem ich noch einmal zum Golfplatz fahre und andere B\u00e4lle einsammle. Am Abend habe ich eine T\u00fcte mit 49 B\u00e4llen im Schrank stehen&#8230; blo\u00df\u2026 was mache ich jetzt damit?<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote1anc\" id=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Aus gesammelter Erfahrung heraus muss ich allerdings hinzuf\u00fcgen, dass Japaner auch vieles deshalb tun, um \u201edabei zu sein\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote2sym\" href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Der Gro\u00dfteil der Golfb\u00e4lle verblieb letztlich in Japan. Die drei sch\u00f6nsten nahm ich mit, von denen ich wiederum einen vor einigen Jahren an eine Gruppe Kinder verschenkte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist ein lang erwarteter Tag. Strahlendes Wetter herrscht nicht gerade, aber es gibt mehr Sonne als Wolken. Ich gehe mit Melanie zur Uni, um dem Wettbewerb im Armdr\u00fccken zuzusehen. 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