{"id":3281,"date":"2023-10-28T09:50:55","date_gmt":"2023-10-28T07:50:55","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3281"},"modified":"2023-10-28T09:50:55","modified_gmt":"2023-10-28T07:50:55","slug":"dienstag-28-10-2003-seht-da-die-deutsche-einigkeit-hier-tut-sie-sich-beweisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3281","title":{"rendered":"Dienstag, 28.10.2003 \u2013 Seht da, die Deutsche Einigkeit, hier tut sie sich beweisen&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Unterricht von Yamazaki-sensei findet im Center ein Meeting statt, dass nach wenigen Minuten in das Stockwerk darunter verlagert wird. Wir werden seelisch und moralisch auf das Zusammentreffen mit unseren Gastfamilien vorbereitet und werden gebeten, eine Erkl\u00e4rung zu unterschreiben, nach der wir die Gastfamilien nicht f\u00fcr Unf\u00e4lle verantwortlich machen wollen, wenn uns w\u00e4hrend einer Aktivit\u00e4t mit der Familie (Schwimmen, Bergwandern, Skifahren, etc.) etwas zusto\u00dfen sollte. Eine formale Vorsichtsma\u00dfnahme. Ich dachte, dass verst\u00fcnde sich von selbst. Wenn Kai mich zum Kebab einl\u00e4dt und ich danach an einer Lebensmittelvergiftung leide, werde ich ihn deshalb wohl kaum verklagen. Und das nicht nur der Freundschaft wegen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Anschluss versuche ich, das \u201eHaus Gottes\u201c zu finden. Nein, nein, ich verwende diesen Ausdruck nicht, weil ich pl\u00f6tzlich zur Religion zur\u00fcckgefunden habe, sondern weil die Familie Jin, der man mich zugeteilt hat, ihren Namen so, wie <em>\u201ekami\u201c<\/em> = <em>\u201eGott\u201c<\/em>, schreibt. Ich glaube, ich habe das bereits erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stra\u00dfe zu finden, ist ganz einfach. Aber ich finde das Haus nicht. Ich solle nach Namensschildern an den T\u00fcren Ausschau halten, sagte Sawada-sensei. Leider hat die H\u00e4lfte aller H\u00e4user in dieser Stra\u00dfe kein Namensschild. Sawada-sensei empfiehlt mir daraufhin, einfach morgen mit Nan zu der Stra\u00dfe zu gehen und anzurufen, sobald wir da sind. Nan hat ein Telefon, also sollte das kein Problem sein. Ich treffe sie morgen um 16:30. Wir sind f\u00fcr 17:00 eingeladen, also ist 16:30 eigentlich ein wenig fr\u00fch, da es von der Uni bis zu der kleinen Stra\u00dfe nur 10 Minuten zu Fu\u00df sind, wenn man sich Zeit l\u00e4sst. Aber sicher ist sicher. Wir sind bei den Jins eingeladen, weil Frau Jin an dem Tag, an dem die Zusammenf\u00fchrung von Familien mit Studenten stattfinden soll, keine Zeit hat, daher die Sonderbehandlung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Schreiben meiner Post bemerke ich, dass ein weiterer der Rechner, die mit Windows XP arbeiten, das Programm Windows Word verloren hat. Wenn man es starten will, erscheint neuerdings eine Fehlermeldung. Wunderbar. Also kann ich auch hier keine l\u00e4ngeren Mails schreiben (weil dem GMX-Server ja nicht zu trauen ist, der hat mich fr\u00fcher bereits mehr als einmal schon einfach so ausgeloggt, weil er Schreibarbeit offenbar nicht als T\u00e4tigkeit auf der Benutzeroberfl\u00e4che betrachtet). Da ich ja nun nichts machen kann, frage ich Sawada-sensei nach dem Vorgang, wie man seine Miete bezahlt. Sie sagt, auf dem Vertrag sei gew\u00f6hnlich eine Kontonummer aufgedruckt, dorthin solle man \u00fcberweisen. Aha\u2026 weiteres erfahre ich also in einer Bank.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich treffe mich noch mit zwei oder drei der \u00fcbrigen Deutschen und stelle fest, dass die deutsche Beteiligung an dem Kulturfest <em>\u201eInternational Festa\u201c<\/em> am 01.11. sehr d\u00fcnn wird. Wir wurden gebeten, die Show vom letzten Mal doch zu wiederholen, weil dies ja dann auch ein minimaler Aufwand w\u00e4re. Wir erinnern uns: Die <em>\u201eOde an die Freude\u201c<\/em>, absichtlich schief gesungen. Um Himmels willen\u2026 Ramona und sogar Luba w\u00e4ren dabei. Aber Marc ist nicht danach, weil ihm schon die Aufgabe zuf\u00e4llt, in einem Vortrag von f\u00fcnf Minuten Deutschland vorzustellen, und wegen der kurzen Zeit wird er wohl nur \u00fcber deutsches Essen reden. Er sagt, er werde \u00fcber seltenere Speisen sprechen, um dem Klischee zu begegnen, dass Deutsche nur Bratwurst, Strudel und Eisbein mit Sauerkraut essen und dazu am liebsten Bier trinken. Aber okay, er hat eine Aufgabe. Ich will mich auch nicht an dem Projekt beteiligen. Erstens war ich von Anfang an dagegen und zweitens war die Vorstellung arm. Auf eine Art und Weise schlecht, dass es keinem auffiel, dass absichtlich schief gesungen wurde, und die Idee mit den Socken befand ich als v\u00f6lligen Bockmist. Ich will mein \u201ePal\u00e4stinalied\u201c auch nicht umsonst auswendig gelernt haben. Ich k\u00fcndige an, dass ich das machen werde, solo und acapella (ohne instrumentale Begleitung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mareike, Tanja und auch Melanie haben absolut keine Lust (<em>\u201eLust ist f\u00fcr Tiere und Liebesspiele!\u201c<\/em> will ich dazu mal zitieren), sich noch einmal mit Singen zu blamieren. Dabei hat sich niemand beschwert oder abf\u00e4llig gelacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und eigentlich w\u00e4re das nicht einmal so schlimm, wenn es dabei um Lampenfieber ginge. Viele Leute haben halt ein Problem damit, vor Publikum aufzutreten. Das ist mir bewusst und ich akzeptiere das. Was ich aber in diesem Fall absto\u00dfend finde, ist die \u201eausschlie\u00dfende \u00dcbereinkunft\u201c, die die drei geschlossen haben. Mareike und Tanja, immer in Personalunion, haben Sawada-sensei und Ramona gegen\u00fcber erkl\u00e4rt, sie w\u00fcrden nur mitmachen, wenn das alle anderen auch t\u00e4ten. Sie haben mit Melanie gesprochen, die ihre Abneigung gegen einen Auftritt zum Ausdruck brachte und beschlossen, sich durch allseitige Verweigerung gegenseitig zu blockieren \u2013 weil dann ja nicht alle \u201eja\u201c sagen. Bei Melanie muss ich die Sache aus offen ersichtlichen Gr\u00fcnden etwas anders handhaben, aber Tanja und Mareike haben heute bei mir einen Gro\u00dfteil der Achtung verloren, die ich auf menschlicher Ebene f\u00fcr sie hatte. Aber ich will nicht weiter l\u00e4stern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer nichts vorf\u00fchrt, muss Eintritt zahlen, 1000 Yen, habe ich geh\u00f6rt. Also wird sich die Zuschauermenge in Grenzen halten, die in erster Linie sowieso aus den Gastfamilien bestehen wird, die die ihnen zugeteilten Studenten kennen lernen wollen. Und wenn das Wetter schlecht wird, kommen wohl noch weniger Leute, weil das Kulturfest zum Gro\u00dfteil im Freien stattfinden soll. Sawada-sensei rechnet mit etwa 200 Personen im Zuschauerraum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend kommt ein Einschreiben, wie bestellt. Der Postservice ist toll hier. Man muss verpasste Briefe nicht auf der Post abholen, sondern schreibt auf einen Benachrichtigungszettel, wann man Zeit hat, und wirft ihn in den n\u00e4chsten Briefkasten. Zum ausgesuchten Termin erscheint dann der Brieftr\u00e4ger (bis Abends um 21:00!) und bringt die Post vorbei. Das gilt allerdings (leider) nicht f\u00fcr Pakete. Die muss man pers\u00f6nlich auf der Hauptpost abholen, wie in der alten Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fernseher bleibt heute aus, weil noch einige Hausaufgaben zu machen sind, und die Kanji f\u00fcr morgen sollten ein wenig besser sitzen, als sie das bisher tun. Gegen Mitternacht kann ich dann endlich dahinsinken und schlafen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Unterricht von Yamazaki-sensei findet im Center ein Meeting statt, dass nach wenigen Minuten in das Stockwerk darunter verlagert wird. 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