{"id":3279,"date":"2023-10-27T16:48:08","date_gmt":"2023-10-27T14:48:08","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3279"},"modified":"2023-10-27T16:48:08","modified_gmt":"2023-10-27T14:48:08","slug":"montag-27-10-2003-droehnung-durch-kaputte-oelheizung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3279","title":{"rendered":"Montag, 27.10.2003 \u2013 Dr\u00f6hnung durch kaputte \u00d6lheizung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein kurzer Tag, gemessen an den Geschehnissen. Montag. Um 12:40 beginnt der Unterricht. Wir lernen was \u00fcber japanische Satzzeichen und die Regeln, die dazugeh\u00f6ren. In erster Linie geht es darum, unter welchen Umst\u00e4nden man ein Satzzeichen in die n\u00e4chste Zeile schreibt oder es in das letzte K\u00e4stchen einer Zeile quetscht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Erl\u00e4uterung sei gesagt, dass japanisches Schreibpapier sich nicht wie deutsches einfach in Linien unterteilen l\u00e4sst. Auf einer japanischen Papierseite sind 20 mal 20 leere Schreibk\u00e4stchen aufgedruckt, die ein bisschen l\u00e4nger als breit sind und somit das \u00c4quivalent einer DIN A4 Seite f\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In jede Zeile passen also 20 Zeichen, und Satzzeichen sind auch welche, und wir behandeln heute, wie man mit diesen umgeht, weil es ja sein k\u00f6nnte, dass man nach dem letzten Schriftzeichen in einer Zeile noch ein Komma setzen will, und die japanische Schreib\u00e4sthetik hat da halt gewisse Vorschriften, auf die ich jetzt aber nicht genau eingehen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Anschluss schreibe ich meine Post. Immer noch 10 Tage hinterher. Ich muss mehr schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann ist auch schon sp\u00e4ter Nachmittag und ich habe Hunger. Weil Montag ist, ist unser Ramenlokal aber geschlossen. Gegen\u00fcber davon befindet sich aber ein weiterer kleiner Laden, in dem man essen kann. Wenn wir sowieso vorbeigehen, k\u00f6nnen wir auch mal da essen, zumal der Laden auch heute ge\u00f6ffnet hat. \u201e<em>Eigy\u00f4ch\u00fb<\/em>\u201c steht an der T\u00fcr, das hei\u00dft \u201e<em>in Betrieb<\/em>\u201c, ergo &#8220;<em>ge\u00f6ffnet<\/em>&#8220;. Ich setze einen Fu\u00df in den Laden, begr\u00fc\u00dfe den Besitzer und die Frau hinter der Theke und wei\u00df sofort, warum der Laden auch montags aufhat. Offenbar finanzielle Notwendigkeit. Der Innenraum riecht gar furchtbar nach Kerosin\/Heiz\u00f6l. Hmmm\u2026 offen ersichtliche Staubf\u00e4den an den Ecken der Holzleisten an der Theke erg\u00e4nzen noch das ungem\u00fctliche Bild des Raumes, der durch seinen deutlichen Geruch schon genug abschreckt. Durch die \u00d6ld\u00e4mpfe f\u00fchlt sich mein Kopf schon an, als w\u00fcrde er in Salat\u00f6l schwimmen.<a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Na ja, aber man kann ja das Essen mal probieren. Die Speisekarte ist zu japanisch, als dass ich sie lesen k\u00f6nnte, also bitte ich den Besitzer, einen beleibten Mann um die 70, ebenso alt wie seine Frau w\u00fcrde ich sagen, mir die Karte vorzulesen. Es sind auch nur ein Dutzend Gerichte. Sagt mir aber alles nichts. Also bestelle ich das, was auf der Karte ganz oben steht. Aber ich habe den Namen nach wenigen Minuten wieder vergessen. Ich nenne der Frau hinter dem Tresen meine Bestellung, aber sie sieht mich an, als w\u00fcrde ich einen innermongolischen Dialekt sprechen. Ich sehe leicht verwirrt zu dem Herrn neben mir hin\u00fcber, der dann exakt das wiederholt, was ich gesagt habe, und zwar nicht lauter, als ich. Jetzt kommt Bewegung in die Frau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Essen besteht aus frittiertem und in Scheiben geschnittenem H\u00fchnerschnitzel, dazu eine Tasse Misosuppe, eine Sch\u00fcssel Reis und zwei Spiegeleier auf rohem Kraut. Ein ganz und gar durchschnittliches Essen eigentlich, aber mit dem rohen Kraut kann ich mich nicht anfreunden, zumal es keinerlei So\u00dfe zum Anfeuchten dazu gibt. Abgesehen von Fleisch also reines Hasenfutter von mittelm\u00e4\u00dfigem Geschmack und man kaut darauf herum wie auf Gras. Ich stopfe mir das Essen in den Rachen, weil ich Hunger habe (der treibt\u2019s rein) \u2013 und damit das Essen verschwindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden alten Herrschaften wirken auch leider wenig einladend. Sie versteht mich nicht oder kann sich nicht vorstellen, dass ich gerade eben japanisch mit ihr geredet habe. Er versteht mich offenbar besser, aber \u2013 bei allem Respekt \u2013 seine Ausstrahlung ist mir unsympathisch. Nat\u00fcrlich kann er daf\u00fcr nichts, weil das meine subjektive Wahrnehmung ist. Aber er wirkt auf mich wie einer von diesen verbitterten, beinahe grimmigen alten Leuten, denen ihre Lebenserfahrung zu schwer auf der Seele liegt. Nein. Noch einmal esse ich hier nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 19:00 bin ich wieder zuhause und sehe mir \u201e<em>Ko-zure Ogami<\/em>\u201c an. Leider \u00fcberschneidet sich die Serie mit \u201e<em>InuYasha<\/em>\u201c und \u201e<em>Meitantei Conan<\/em>\u201c, aber die Wahl f\u00e4llt mir nicht sehr schwer. Lieber den R\u00f4nin Ogami. Auch hier &#8220;spannende&#8221; K\u00e4mpfe \u2013 Ogami hackt und schneidet sich seinen Weg durch Dutzende von Gegnern, weil diese zu d\u00e4mlich sind, mit mehr als zwei Leuten gleichzeitig anzugreifen oder um ihren Reichweitenvorteil als Speertr\u00e4ger auszunutzen. Aber irgendwo ist Ogami auch ein cooler Charakter. Den wahren Werten eines Samurai zutiefst verbunden, fest wie ein Fels in der Brandung, zieht er mit seinem kleinen Sohn durch die Gegend und bek\u00e4mpft das Unrecht. Und will wohl auch den Tod seiner Frau r\u00e4chen, wenn ich das recht verstehe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach kommt eine Serie mit dem sch\u00f6nen Titel \u201e<em>Lion Sensei<\/em>\u201c. So weit ich das verstehe, geht es in der Serie um einen verwitweten Oberschullehrer um die 50<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup>, der aus wohl eitlen (und humoristischen) Gr\u00fcnden eine ziemlich schlechte Per\u00fccke tr\u00e4gt. Humoristisch deshalb, weil diese Episode gleich mal damit anf\u00e4ngt, dass ihm seine Per\u00fccke vom Kopf in die Toilette f\u00e4llt (und ich erinnere daran, dass altmodische japanische Toiletten aus einem l\u00e4nglichen Keramikloch im Boden bestehen, \u00fcber dem man im Knien sein Gesch\u00e4ft verrichtet). Aber er will nat\u00fcrlich nicht zugeben, dass er eine Glatze hat und das Ding in einer T\u00fcte nach Hause tragen, nein, er setzt sich das nasse Ding auf den Kopf und fl\u00fcchtet so nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischenmenschliche Beziehungen an einer Oberschule und die Probleme, die ein allein erziehender Vater einer Tochter um die 18 Jahre so haben kann, bilden den Stoff f\u00fcr die einzelnen Kapitel. Das ist zumindest nicht uninteressant und ich werde mir noch weitere Episoden ansehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Des Weiteren l\u00e4uft eine Serie, deren Titel ich nicht entziffern kann. Die Serie spielt in der Edo-Zeit Japans, und den Hauptdarsteller assoziiere ich am ehesten mit \u201e<em>Tai Ginseng<\/em>\u201c &#8211; das hei\u00dft, mit einer sehr alten TV-Werbung f\u00fcr dieses Zeug, die vor etwa 20 Jahren im deutschen Fernsehen zu sehen war. Ein etwas zu jung aussehender, weil auf alt geschminkter, Darsteller. Es geht darum, dass eben jener Herr inkognito mit seinen Leibw\u00e4chtern (?) das Land durchstreift und die unsauberen Machenschaften kleiner Lokalf\u00fcrsten aufdeckt, die das Volk ausnehmen und auf ungerechte Art und Weise unterdr\u00fccken. Ich sage &#8220;<em>ungerecht<\/em>&#8220;, weil sich in Japan die Begriffe \u201e<em>unterdr\u00fccken<\/em>\u201c, \u201e<em>regieren<\/em>\u201c und \u201e<em>Frieden haben<\/em>\u201c mitunter mit demselben Kanji schreiben&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun ja, abgesehen davon, dass hier wieder die f\u00fcr Realserien typische atemberaubende Choreografie und oskar-reife schauspielerische K\u00fcnste an den Tag gelegt werden, besteht der H\u00f6hepunkt einer jeden Sendung darin, dass am Ende die B\u00f6sen konfrontiert werden, es wird gek\u00e4mpft, und wenn der Kampf so richtig l\u00e4uft, dann l\u00e4sst Tai Ginseng sein Mon (Wappen) von einem seiner Begleiter zeigen: &#8220;<em>Ruhe! Ruhe! Seht her, wen Ihr vor Euch habt<\/em>!\u201c und alle fallen auf die Knie und bitten um Gnade, weil er wohl ein hohes Tier der feudalen Regierungshierarchie ist. Eigentlich k\u00f6nnte er sein Wappen auch <strong>vor<\/strong> dem Kampf zeigen, weil zu diesem Zeitpunkt die Schuld der B\u00f6sen grunds\u00e4tzlich bereits bewiesen ist \u2013 aber nein, wir wollen uns zuerst ein wenig pr\u00fcgeln. Die Serie lohnt sich in erster Linie wegen des unfreiwilligen Humors, der ihr innewohnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Truppe von Protagonisten ist auch lustig zusammengew\u00fcrfelt: Die h\u00f6fliche Dame im Kimono entpuppt sich als erfahrene Kampfamazone im Lederdress, der japanische Herkules macht alle waffenlos fertig, der braucht keine Schwerter, St\u00e4be oder St\u00f6cke, das kleine M\u00e4dchen, das wohl zu Herkules geh\u00f6rt, ist ein sieben Jahre alter Ninja in Ausbildung, und dann ist da noch \u201eder treue Heinrich\u201c in zweifacher Ausfertigung, dem die Aufgabe zuf\u00e4llt, am Ende das Wappen in die Luft zu halten und &#8220;<em>Shizumareee! Shizumareee!<\/em>&#8221; zu rufen, damit alle B\u00f6sen auch wissen, dass sie so richtig in der Jauchegrube sitzen. Heinrich &amp; Heinrich, Herkules, Xena, Ninjagirl und Tai Ginseng unterwegs. Erinnert auch ein wenig an das \u201eA-Team\u201c, das den Schwachen und Machtlosen vom Untergrund in Los Angeles aus zur Seite steht, nur ohne das obligatorische \u201eMcGyver-Basteln\u201c und nicht von der Regierung verfolgt. Sehr pathetisch. Aber lustig. Ich muss noch herausfinden, wie die Serie hei\u00dft.<sup><a href=\"#sdfootnote3sym\" id=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote1sym\" href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Ich f\u00fcge hinzu, dass die Inneneinrichtung etwas heruntergekommen schien, ohne dabei gem\u00fctlich zu wirken, wie das im <em>Bunpuku<\/em> der Fall war, dazu noch bezeichnenderweise kein einziger \u00fcbriger Gast.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote2sym\" href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Gespielt von Takenaka Naoto<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote3sym\" href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a> Die Serie hei\u00dft \u201eMito K\u00f4mon\u201c und der Protagonist ist Tokugawa Mitsukuni (1628-1701), Lehnsherr der Provinz Mito und Vetter des Sh\u00f4gun Tokugawa Iemitsu. In der sp\u00e4ten Edozeit wurden Legenden um seine angeblichen Wohltaten als verkleideter Reisender erstmals niedergeschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kurzer Tag, gemessen an den Geschehnissen. Montag. Um 12:40 beginnt der Unterricht. Wir lernen was \u00fcber japanische Satzzeichen und die Regeln, die dazugeh\u00f6ren. In erster Linie geht es darum, unter welchen Umst\u00e4nden man ein Satzzeichen in die n\u00e4chste Zeile schreibt oder es in das letzte K\u00e4stchen einer Zeile quetscht. 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