{"id":3273,"date":"2023-10-24T10:17:32","date_gmt":"2023-10-24T08:17:32","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3273"},"modified":"2023-10-24T10:17:32","modified_gmt":"2023-10-24T08:17:32","slug":"freitag-24-10-2003-men-at-work","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3273","title":{"rendered":"Freitag, 24.10.2003 \u2013 Men at Work"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unzuverl\u00e4ssigkeit der Computer nagt weiterhin an meinen Nerven. Computer, die gestern noch problemlos druckten, sagen heute, keine Verbindung zum Drucker zu haben. Es ist also v\u00f6llig sinnlos, sich eine Maschine auszugucken, an der man bevorzugt arbeiten m\u00f6chte, weil die Funktionsf\u00e4higkeit der Maschinen st\u00e4ndig im Wandel begriffen ist. Sehr buddhistisch eigentlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am fr\u00fchen Nachmittag lese ich, dass es in Riccis Wohnheim gebrannt hat und dass nur eine Handvoll Leute sich dazu hat \u00fcberreden k\u00f6nnen, das Geb\u00e4ude zu verlassen. Die ganzen Asiaten blieben offenbar im Geb\u00e4ude. Als ob es in Ostasien nie brennen w\u00fcrde. Aber ich erinnere mich, dass auch die Chinesen im alten Trierer Petrisberg aus den Zimmern getreten werden mussten, weil sie gar nicht einsehen wollten, wegen eines Feueralarms (im Januar 2001) das warme Zimmer zu verlassen. Muss genetisch bedingt sein. \ud83d\ude42<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurze Zeit darauf werde ich selbst mit einem Feueralarm konfrontiert. Ich bin in die Bibliothek gegangen, um mir die Zeitungen anzusehen. Es liegt ein Exemplar der <em>\u201eJapan Times\u201c<\/em> aus, in englischer Sprache. Nachdem ich drei Viertel der Zeitung gelesen habe, h\u00f6re ich von den Computern her, die vielleicht zehn Meter weiter stehen, jemanden laut etwas rufen. Ich schaue hin\u00fcber und sehe einen Asiaten von seinem Stuhl aufspringen und zum Alarmknopf rennen (f\u00fcnf Meter von ihm entfernt). Er dr\u00fcckt den Knopf, der Alarm wird ausgel\u00f6st (eine mechanische Glocke) und dann verschwindet er mit einem breiten Grinsen, aber ebenso eilig, in den Keller.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich blicke unschl\u00fcssig in die Runde, wie einige andere ebenfalls. Zuerst passiert gar nichts. Keiner macht Anstalten, sich irgendwie anders zu verhalten. Ich sehe verwirrt einen der Mitarbeiter an. Der geht zu dem Alarmsystem, als sei das der allt\u00e4glichste Vorgang seines Berufslebens und schaltet den Alarm ab. Noch immer passiert nichts. Zu diesem Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass der Fall damit beendet sei. Aber die darauf folgende Durchsage ist wohl systembedingt automatisch: Nicht, dass ich viel davon verstehen w\u00fcrde, aber <em>\u201eKaji\u201c<\/em> (<em>\u201eBrand\u201c<\/em>) und <em>\u201eTatemono wo dete kudasai\u201c<\/em> (<em>\u201eBitte verlassen Sie das Geb\u00e4ude\u201c<\/em>) sind recht eindeutig. Die Letzten werden die Ersten sein. Die Studenten, die sich ganz hinten im Geb\u00e4ude aufhalten, verlassen zuerst das Geb\u00e4ude, weil wir hier ganz vorne, Augenzeugen des schlechten Scherzes, wissen, dass es nicht brennt, wir folgen aber der Herde. Au\u00dferdem wird das Geb\u00e4ude der Vorschriften wegen tats\u00e4chlich zugemacht. Also gehen wir raus. Dabei stolpere ich \u00fcber einen Schwachsinn fatalen Ausma\u00dfes, im w\u00f6rtlichen Sinne: Am Fu\u00dfe der Treppe, die in das Geb\u00e4ude f\u00fchrt, befindet sich an Sonn- und Feiertagen eine Kette mit einem Schild, auf dem zu lesen ist, dass die Bibliothek geschlossen ist. Und der irre Hausmeister hat jetzt diese Kette schon aufgespannt, bevor alle das Geb\u00e4ude verlassen haben, damit keiner mehr reingeht. Und das ist <strong>nicht<\/strong> lustig. Wenn es tats\u00e4chlich brennt und es jemand zu eilig hat, f\u00e4llt er \u00fcber diese Kette, die perfekt in H\u00f6he der Unterschenkel h\u00e4ngt. Im Falle einer Panik k\u00f6nnte es Tote geben. Nach dieser Erfahrung bleibt mir nur der Weg zur\u00fcck ins Ry\u00fbgakusei Center, und danach der R\u00fcckweg nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dort f\u00e4llt mir der Stra\u00dfenzustand ins Auge. Eigentlich w\u00e4re dies kein Anlass, einen Eintrag in das Tagebuch vorzunehmen, aber die Unterschiede zu der Situation in Deutschland erscheinen mir im Nachhinein doch zu auff\u00e4llig, um nicht doch ein paar Worte dar\u00fcber verlieren zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor zwei Tagen bereits waren in der Parallelstra\u00dfe Schnitte in der Asphaltdecke zu sehen. Dies sind meiner Erfahrung nach deutliche Anzeichen daf\u00fcr, dass demn\u00e4chst ein Bautrupp anr\u00fccken wird, um etwas auszubessern. Ich machte mich also seelisch und moralisch auf etwa zwei Wochen Baul\u00e4rm gefasst, der L\u00e4nge der Schnitte nach zu urteilen. Gestern Morgen ging es auch gleich los. Als wir uns auf den Weg zur Uni machten, waren die Arbeiter bereits am werkeln, mit LKW und Bagger und Presslufthammer und allem, was man so braucht, um an eine unterirdische Leitung zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Sache l\u00e4uft hier etwas anders als in der deutschen Heimat. Wir kamen nach Anbruch der Dunkelheit wieder zur\u00fcck und die M\u00e4nner arbeiteten immer noch, mit Hilfe von Halogenscheinwerfern. Ein etwa zehn Meter langer Abschnitt der Stra\u00dfe war aufgerissen. Wenn man nun aus Deutschland ein relativ negatives Bild von Bauarbeitern hat (<em>\u201eProleten\u201c<\/em>), dann wurde ich hier angenehm \u00fcberrascht. Der Bauabschnitt befand sich genau vor der Einfahrt zu unserer Nebenstra\u00dfe. Wir schauten uns etwas verwirrt um, weil wir auf den ersten Blick nicht erkennen konnten, wie wir denn nun nach Hause kommen sollten, 50 Meter vor dem Ziel. Aber dann kam auch schon einer daher, mit seinem rot leuchtenden Dirigierstab und f\u00fchrte uns mit h\u00f6flichem Japanisch durch die Baustelle. In Deutschland muss man sich den Weg selber suchen und die Sprache der Arbeiter ist\u2026 realistisch volksnah. Na ja, sie <strong>sind<\/strong> das, was man herablassend <em>\u201edas Volk\u201c<\/em> nennt, wenn man Abitur hat und sich von eben <em>\u201esolchem Volk\u201c<\/em> abheben m\u00f6chte. (Ich bitte darum, das nicht zu ernst zu nehmen. Spa\u00df muss sein.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am folgenden Morgen, also heute Morgen, war nichts mehr davon zu sehen, sieht man von dem frischen Asphalt ab. Offenbar wird alle paar Tage ein Abschnitt bearbeitet und am selben Tag wieder zugemacht, um ein minimales Verkehrshindernis zu bilden. Und statt Ampeln hat man eben zwei Leute mit Signalst\u00e4ben, die den Verkehr an der Baustelle vorbeilotsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hiesige System sagt mir irgendwie mehr zu, als die tagelang verdreckten und halbgesperrten Stra\u00dfen in Deutschland. Man d\u00fcrfte nur in der Heimat weniger Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Personalpolitik haben, da Ampeln auf Dauer billiger sind als zwei Arbeiter f\u00fcr die Verkehrsregelung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Unzuverl\u00e4ssigkeit der Computer nagt weiterhin an meinen Nerven. Computer, die gestern noch problemlos druckten, sagen heute, keine Verbindung zum Drucker zu haben. 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