{"id":3263,"date":"2023-10-21T07:45:09","date_gmt":"2023-10-21T05:45:09","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3263"},"modified":"2023-10-21T07:45:09","modified_gmt":"2023-10-21T05:45:09","slug":"dienstag-21-10-2003-obiwan-sensei-wa-omae-ni-koto-wo-takusan-oshiete-ageta-to-iimasu-ka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3263","title":{"rendered":"Dienstag, 21.10.2003 \u2013 \u201eObiwan-sensei wa omae ni koto wo takusan oshiete-ageta!\u201c to iimasu ka?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Das bedeutet: &#8220;Sagt man so (auf japanisch) <em>Obiwan hat Dich viel gelehrt<\/em>?&#8221;)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stelle fest, dass Yamazaki-senseis Unterricht besser wird, in meiner subjektiven Wahrnehmung. Das gemeinsame Aufsagen von S\u00e4tzen l\u00e4sst deutlich nach, es kann also nicht nur Gew\u00f6hnung sein. Dann kann ich die Angelegenheit viel entspannter angehen, wie mir Kashima-sensei das von Anfang an geraten hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach schreibe ich eine weitere Mail, die durch einen \u201eTime-out Error\u201c in den Tiefen des WWW verschwindet. Interessanterweise rege ich mich nicht dar\u00fcber auf. Shit happens, und vom Grollen bekommt man doch nur Magengeschw\u00fcre, frei nach der Richtlinie meines \u201ealten\u201c Feldwebels Ingolf \u201eIngo\u201c Diete:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Schwarz, manche Dinge sind so beschissen, dass man wieder dr\u00fcber lachen muss<\/em>.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und der Mann hat viel gelacht. (Ich bitte um Vergebung wegen der unfeinen Sprache.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einf\u00fchrung in das Studium des Buddhismus ist weder spannend noch langweilig, liegt aber im interessanten Bereich. Das Ganze ist etwas r\u00e4tselhaft. \u201e<em>Nichts ist f\u00fcr die Ewigkeit<\/em>\u201c kann man eine der Grundregeln wohl paraphrasieren. Man wird wiedergeboren, aber es gibt gleichzeitig keine Seele, sondern nur Karma \u2013 also <strong>was<\/strong> genau wird da eigentlich wiedergeboren? So weit ich das verstehe, ist das Karma wie ein Register, in dem schlechte und gute Taten aufgelistet werden. Wenn ein Leben zu Ende geht und das n\u00e4chste anf\u00e4ngt, bleibt man belastet von den vorhergehenden Leben. Die Wiedergeburten haben eine seltsame Hierarchie, denn man kann als H\u00f6llenwesen oder als Tier, als Mensch oder als Gott geboren werden. Was offenbar bedeutet, dass G\u00f6tter sterblich sind. So weit interessant. Aber nur Menschen k\u00f6nnen zur Erleuchtung gelangen, durch eigenes Streben oder unter Anleitung eines Buddhas. G\u00f6tter k\u00f6nnen das nicht, sie m\u00fcssen erst als Menschen geboren werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Phillips ist kommende Woche nicht da, er h\u00e4lt einen Vortrag in Kanada, von daher kriegen wir 100 Seiten Papier zum Lesen, um uns mit der Geschichte und der Ideenwelt des Buddhismus vertraut zu machen. Dann bin ich ja mal gespannt, wie das war, mit der Mutter von Siddharta und dem wei\u00dfen Elefanten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach besorge ich mir mit Hilfe von Alex eine Kundenkarte f\u00fcr die <em>\u201eKing Kong\u201c<\/em> Videothek und stelle befriedigt fest, dass eine japanische Sprachversion von <em>\u201eStar Wars\u201c<\/em> (Ep. IV-VI) existiert. Oh, und den <em>\u201eTerminator\u201c<\/em> fasse ich bei der Gelegenheit ebenfalls in Auge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Angestellte der Videothek redet so schnell, dass ich kaum verstehe, was er sagt. Mein Dank an Alex f\u00fcr seine Hilfe bei der Angelegenheit. Ein Tag Ausleihe kostet 180 Yen, zwei Tage 230 Yen, sofern es sich nicht um funkelnagelneue Filme handelt. Ob die Preisangaben auch DVDs einschlie\u00dfen, ist mir bislang nicht bekannt geworden. Und eigentlich ist es auch nicht interessant, weil ich keinen DVD-Player besitze und auch keinen hier anschaffen werde. Da die Videothek 24 Stunden lang ge\u00f6ffnet hat, scheint es also g\u00fcnstig, um zwei Minuten nach Mitternacht einen oder mehrere Filme auszuleihen, weil man dann mehr Zeit hat. Nett zu wissen, aber f\u00fcr mich nicht wirklich von Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alex weist mich noch auf verschiedene Dinge hin, die von minderer oder gr\u00f6\u00dferer Bedeutung sein k\u00f6nnten. In einer der nahen St\u00e4dte findet offenbar j\u00e4hrlich eine Art Roboter-Wettbewerb statt. Dazu kommen Kinder aus aller Welt nach Japan und bauen hier ihre Maschinen zusammen. Da die Kunden meist aus englischsprachigen Staaten anreisen, suchen die Veranstalter Dolmetscher. Alex empfiehlt also, sich daf\u00fcr zu bewerben, weil man eine Woche lang in einem Drei-Sterne-Hotel wohnt, mit drei warmen Mahlzeiten am Tag und anderen Verg\u00fcnstigungen. Und das Vokabular sei weitgehend auf den Umgang mit dem notwendigen Werkzeug beschr\u00e4nkt, und darauf, was die Kinder (und ihre Erziehungsberechtigten) so brauchen. Das interessiert mich nat\u00fcrlich sehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuletzt bem\u00e4ngelt er den mangelnden Zusammenhalt der Austauschstudenten, der dieses Jahr offenbar herrscht. Er sagt, im letzten Jahr habe es zwei Wochen gedauert, bis alle so dicke zusammen waren, dass man halbnackt (!) wilde und vor allem alkoholhaltige Partys im Wohnheim gefeiert habe. <em>\u201eNach zwei oder drei Wochen Party haben wir uns eigentlich weitgehend wieder beruhigt \u2013 nur JP hat weitergemacht wie gehabt\u201c<\/em> sagt Alex, und er bedauere nichts von alldem. Na, ich kann mir vorstellen, dass jemand wie JP (ein weiterer meiner Trierer Jahrgangskollegen) die notwendigen Eigenschaften besitzt, eine solche Gemeinschaft zu schaffen und auch zu erhalten. Eine solche Pers\u00f6nlichkeit ist in diesem Jahrgang nicht enthalten. So weit ich das sehe, sind die allermeisten der europ\u00e4ischen Austauschstudenten Nichtraucher und nur Gelegenheitstrinker.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Eindruck ist bisher, dass keiner dabei ist, eine Party so richtig zum toben bringt. Mathieu, \u201eder frische Franzose\u201c, scheint mir am ehesten daf\u00fcr geeignet, aber er teilt meine Ansicht, dass man den Mund halten sollte, wenn man nichts Sinnvolles zu sagen hat. Man muss eine Konversation erst aus ihm herausziehen. Ansonsten eine gesellige Natur, wie die meisten anderen auch, aber ein Party-Tier habe ich keines gefunden. Und irgendwie beruhigt mich das ein wenig. Wenn ich das recht verstehe, waren es n\u00e4mlich diese kleinen Orgien im Internationalen Studentenheim, die daf\u00fcr gesorgt haben, dass \u201e\u00f6ffentliche\u201c Partys um 22:00 einzustellen und in den privaten Bereich, in die l\u00e4cherlich kleinen Zimmer, zu verlegen sind. Es wurde ausdr\u00fccklich verboten, au\u00dferhalb der nun sehr eng gefassten Regelungen im Kaikan zu feiern; der Eingangsbereich lade zwar dazu ein, er sei aber nur ein Ort f\u00fcr \u201ezivilisierte\u201c Zusammenk\u00fcnfte, wenn ich das mal so umschreiben darf. Den O-Ton von \u00d4ta-san auf dem Hinweisschild habe ich nicht mehr im Kopf, aber darauf lief es hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alex erkl\u00e4rt mir bei dieser Gelegenheit auch, was es mit den Shimoda H\u00e4usern auf sich hat, von denen ich ja eines bewohne. Nach seiner Schilderung ist Ikeda-san der Pr\u00e4sident der Firma, die diese Mieth\u00e4user <strong>verwaltet<\/strong>, aber die H\u00e4user befinden sich im Besitz einer Dame mit Namen Shimoda. Jene Dame ist offenbar die reichste Person in der Umgebung, wahrscheinlich eine der reichsten Frauen Japans. Sie besitze mehrere dieser Mieth\u00e4user, drei Krankenh\u00e4user und wohl auch eine Universit\u00e4t. Er gibt nicht genauer an, welche. Und jene Dame hat wohl ob ihres finanziellen Hintergrundes politische Ambitionen. Ger\u00fcchte (?) besagen, dass sie Pr\u00e4fekt (weibliche Form?) von Aomori-ken werden will. F\u00fcr deutsche Ohren klingt das vielleicht nicht weiter seltsam, aber ich glaube, man kann die Gef\u00fchle der Japaner zu dieser Sache m\u00f6glicherweise damit vergleichen, wenn in der Bundesrepublik Deutschland sich eine Frau f\u00fcr das Amt des Bundeskanzlers bewirbt. Und das vor dem Hintergrund, dass die Geschlechterrollen in Japan etwas rigider sind als in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ganz anderes \u201eereilt\u201c mich am Nachmittag. Ich habe meine Gastmutter kennen lernen d\u00fcrfen. Sie hei\u00dft <em>\u201eJin\u201c<\/em> (das ist der Familienname), was sich schreibt wie <em>\u201eKami\u201c<\/em>, also <em>\u201eGott\u201c<\/em>. Wer Piccolo, diesen gr\u00fcnen Kerl aus der Serie <em>\u201eDragonBall\u201c<\/em>, kennt, wei\u00df, wie man das schreibt, er tr\u00e4gt dieses Kanji auf seiner Tunika. \u201e<em>Dieu<\/em>\u201c (frz.) wurde es bei uns untertitelt, wegen der Herkunft der \u00dcbersetzungsgrundlage. Ich bin also folglich demn\u00e4chst Gast im Hause Gottes. Nun ja, das hei\u00dft, ich werde es am 29.10. sein. Oh, und diese Frau Jin sieht nicht aus, als sei sie bereits 44 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Familie Jin hat aus diversen Gr\u00fcnden am 01.10. keine Zeit, die \u201eInternational Festa\u201c zu besuchen, wo die Austauschstudenten eigentlich ihre Gastfamilien erst treffen sollen. Also bittet sie mich (und Sushanan, eine der Thail\u00e4nderinnen, die ihr ebenfalls zugeteilt wurde) daf\u00fcr um Verzeihung und l\u00e4dt uns f\u00fcr den 29.10. zum Essen ein. Zum Sukiyaki, um genau zu sein. Ich habe keine Ahnung, was das ist, aber sie sagt, ich solle bei der Herstellung helfen, dann wisse ich sehr schnell, um was es sich dabei genau handele. Na ja, das geht schon in Ordnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Programm ist also eine Art Doppelaktion. Jede der teilnehmenden Familien erh\u00e4lt zwei Austauschstudenten zugeteilt, die sich m\u00f6glichst in Herkunft und Geschlecht unterscheiden sollen. Hier also ein Deutscher und eine Thail\u00e4nderin. Warum nicht. Auf den \u201eClash of Civilizations\u201c bin ich sehr gespannt. Von Jin-san habe ich einen sehr m\u00fctterlichen Eindruck. Sie ist mir auf den ersten Blick sympathisch. Dann erhalte ich ein Blatt, auf dem eine kurze Familien\u00fcbersicht dargestellt ist. In dem Haus wohnen also das Ehepaar Jin, beide Mitte Vierzig, mit zwei Kindern (eine Tochter von 11 und ein Sohn von 14 Jahren) und den Gro\u00dfeltern, beide 74 Jahre alt. Leider haben die Namen keine Furigana (das sind Schriftzeichen, die mir sagen, wie man die Kanji des Namens zu lesen und auszusprechen hat), also kann ich nur raten. Au\u00dferdem wird man sich mir wahrscheinlich sowieso noch einmal vorstellen, wenn ich denn im Wohnzimmer stehe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Das bedeutet: &#8220;Sagt man so (auf japanisch) Obiwan hat Dich viel gelehrt?&#8221;) Ich stelle fest, dass Yamazaki-senseis Unterricht besser wird, in meiner subjektiven Wahrnehmung. Das gemeinsame Aufsagen von S\u00e4tzen l\u00e4sst deutlich nach, es kann also nicht nur Gew\u00f6hnung sein. 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