{"id":3245,"date":"2023-10-17T09:41:20","date_gmt":"2023-10-17T07:41:20","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3245"},"modified":"2023-10-17T09:41:20","modified_gmt":"2023-10-17T07:41:20","slug":"freitag-17-10-2003-war-da-heute-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3245","title":{"rendered":"Freitag, 17.10.2003 \u2013 War da heute was?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich war nichts los. Oder vielleicht waren es einfach zu viele kleine Dinge? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich versuche, das mal zusammenzufassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Morgen hat mein Schrottrad endlich Luft in die Reifen bekommen. Jetzt kann man bequemer damit fahren, aber wegen der Bremsen werde ich mir noch ein anderes suchen m\u00fcssen. Zu gef\u00e4hrlich, muss ich einsehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Unterricht werde ich von zwei einheimischen Studenten zu einem Interview gebeten. Sie erforschen die Unterschiede zwischen japanischen Sportarten und solchen woanders auf der Welt, und wie Sport in anderen L\u00e4ndern empfunden wird, sei es als Schulsport oder als Vereinssport, welches die popul\u00e4rsten Sportarten in den jeweiligen Staaten sind und welchen Eindruck man dort von japanischem Sport hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bibliothek habe ich mal fl\u00fcchtig in Augenschein genommen. Irgendwie klein. Aber ich habe bestimmt nicht alles gesehen. Und da sehe ich etwa 20 \u00f6ffentliche Rechner. Moment bitte \u2013 20 Rechner f\u00fcr alle Studenten? Das muss ein Irrtum sein. Es kann sich doch nicht jeder einen Laptop leisten! Ich bin eher bereit zu glauben, dass die Bibliothek der Hirodai nur ein Stockwerk gro\u00df ist, als dass es au\u00dferhalb des Ry\u00fbgakusei Centers nur 20 Computer auf dem Campus gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sawada-sensei macht wiederholt und mit viel Freude auf das Internationale Fest am 01.11. aufmerksam. Vielleicht (offenbar) erhalte ich dort noch die Chance, meinen Vogelweide loszuwerden. Au\u00dferdem sollen wir dort unseren Gastfamilien vorgestellt werden. Auch hier handelt es sich um eine alkoholfreie Zwei-Stunden-Veranstaltung. Auf meine vorsichtige Anfrage hin erkl\u00e4rt mir Sawada-sensei, dass Alkohol auf dem Campus generell verboten sei und man nicht einmal privaten Alkohol mitbringen d\u00fcrfe. Na denn prost. Aber das Fest findet eh um zwei Uhr nachmittags statt, da sollte man noch keinen Alkohol trinken. Vorf\u00fchrende erhalten kostenlosen Zutritt mit Verpflegung, w\u00e4hrend alle andern etwa einen Tausender zahlen m\u00fcssen, um die Unkosten zu decken. Na, dann sing ich doch lieber. Au\u00dferdem ist vergessen werden schlimmer als der Tod.<sup><a id=\"sdfootnote1anc\" href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup> \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich versende noch ein paar Bilder. Li SangSu, mein koreanischer Nachbar aus dem Erdgeschoss, dessen Name ich mir endlich merken kann, macht mir das Angebot, meine Bilder auf seinen Laptop zu laden und zu gegebener Zeit eine CD zu brennen. Ich komme bestimmt darauf zur\u00fcck. Nett von ihm. Im Anschluss unterhalte ich mich noch ein wenig mit ihm und zweien der \u00fcbrigen Koreaner. Die Unterhaltung wird ab und zu etwas chaotisch, weil das Japanisch von SangSu nur etwas besser ist als meines und er daher J\u00fb, der schr\u00e4g gegen\u00fcber von mir wohnt, fragen muss, was denn dies oder das hei\u00dfe. Er solle es doch auf Englisch versuchen, sagt J\u00fb, aber SangSu winkt ab. J\u00fb lacht sich daraufhin fast tot (leise, aber heftig), zeigt auf SangSu und sagt zu mir: \u201e<em>Der hat zwei Jahre in Australien gelebt und kann immer noch kein Englisch!<\/em>\u201c und SangSu sagt \u201e<em>Der behandelt mich dauernd wie einen Sklaven!<\/em>\u201c Die sind lustig. W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs stelle ich auch fest, dass die anwesenden Koreaner die ganze Zeit dachten, Karl Marx sei ein Russe gewesen. Wohl wegen des Sowjetkommunismus. Und ich stelle fest, dass sie in Korea zwei Jahre lang Deutsch gelernt haben. In der Oberschule. Da bin ich doch platt. In der koreanischen Oberschule muss man zwei Fremdsprachen belegen und meine m\u00e4nnlichen Nachbarn haben Englisch und Deutsch gelernt, und meine weibliche Nachbarin SongMin, sie wohnt in dem Apartment direkt gegen\u00fcber, hat wahrscheinlich (wie SangSu sagt, aber ich habe noch nicht gefragt) Unterricht in Franz\u00f6sisch genossen. Die Sprache sei bei Sch\u00fclerinnen beliebt. Die Jungs lernten lieber ein wenig Deutsch, weil Deutschland ein wirtschaftlich bedeutendes Land sei. Sch\u00f6n und gut, aber leider wissen sie nichts mehr davon. Sie k\u00f6nnen sich vorstellen und dem Gegen\u00fcber einen guten Tag w\u00fcnschen. Aber ein Brot k\u00f6nnten sie wohl nicht mehr kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie dem auch sei, ich finde meine Nachbarn ganz umg\u00e4nglich, im Gegensatz zu einer Darstellung aus den USA, von wo mir zugetragen wurde, dass Koreaner am liebsten den Tag und vor allem die N\u00e4chte mit feucht-fr\u00f6hlichen und vor allem lauten Partys verbr\u00e4chten. J\u00fb sagt, dass er sich das in den USA durchaus vorstellen k\u00f6nne, wo es viele koreanische Studenten hinzieht, die eine gewisse Vorstellung vom \u201eamerikanischen Traum\u201c und den Freiheiten dort haben. Studenten mit mehr Sinn f\u00fcr Disziplin gingen eher nach Japan oder Deutschland, sagt er.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg nach Hause kaufe ich mir ein Glas Nescafe Instantkaffee und eine Flasche Sake aus <em>\u201eSake ga nomeru zoeeeee\u201c<\/em> Akita.<a id=\"sdfootnote2anc\" href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a> Nur 1,8 Liter\u2026 wir wollen ja nicht \u00fcbertreiben.<a id=\"sdfootnote3anc\" href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a> \ud83d\ude42 Ich fange in der Preisskala unten an, die Flasche kostet ca. 1300 Yen. Wenn man hier \u00fcbrigens von <em>\u201eSake\u201c<\/em> redet, dann verstehen Japaner darunter ganz allgemein ein \u201e<em>alkoholisches Getr\u00e4nk<\/em>\u201c. Das, was sonst wo auf der Welt als <em>\u201eSake\u201c<\/em> verkauft wird, hei\u00dft hier <em>\u201e<\/em><em><strong>Nihon<\/strong><\/em><em>sh\u00fb\u201c<\/em>. Grob \u00fcbersetzt: <em>\u201ealkoholisches Getr\u00e4nk <\/em><em><strong>aus Japan<\/strong><\/em><em>\u201c<\/em>. Ich warte also auf eine Gelegenheit, die Flasche zu \u00f6ffnen. Heute h\u00e4tte sich eine Gelegenheit bieten k\u00f6nnen, weil ich Misi die <em>\u201eInkomplette Liste unh\u00f6flicher Begriffe\u201c<\/em> (der englischen Sprache)<a id=\"sdfootnote4anc\" href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a> vorf\u00fchren wollte. Aber die Pappnase ist mal wieder nicht gekommen, also bleibt die Flasche vorerst zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote1sym\" href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Aus Final Fantasy IX, das ich nie gespielt habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote2sym\" href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Aus den Liedern des jap. Duos \u201eBarracuda &amp; Beethoven\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote3sym\" href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a> Es handelt sich hierbei um die g\u00e4ngigste Flaschengr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote4sym\" href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a> \u201eThe incomplete list of impolite words\u201c von Carl Douglas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich war nichts los. Oder vielleicht waren es einfach zu viele kleine Dinge? Ich versuche, das mal zusammenzufassen. Am Morgen hat mein Schrottrad endlich Luft in die Reifen bekommen. Jetzt kann man bequemer damit fahren, aber wegen der Bremsen werde ich mir noch ein anderes suchen m\u00fcssen. Zu gef\u00e4hrlich, muss ich einsehen. Nach dem Unterricht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[8,7,444],"tags":[2169,2163,2152,2164,138],"class_list":["post-3245","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-japan","category-mylife","category-uni-mylife","tag-auslandsaufenthalt","tag-auslandsstudium","tag-japan","tag-tagebuch","tag-universitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3245","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3245"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3245\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3251,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3245\/revisions\/3251"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3245"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3245"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3245"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}