{"id":3162,"date":"2023-10-07T10:01:19","date_gmt":"2023-10-07T08:01:19","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3162"},"modified":"2023-10-12T09:20:25","modified_gmt":"2023-10-12T07:20:25","slug":"dienstag-07-10-2003-symphonie-in-muell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3162","title":{"rendered":"Dienstag, 07.10.2003 \u2013 Symphonie in M\u00fcll"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tag beginnt um 06:30 mit Sonnenschein. W\u00e4schewaschen. Ein Werbeblatt verr\u00e4t mir, dass bereits seit dem 04.10.2003 eine SailorMoon Realserie (<em>\u201ePretty Guardian SailorMoon\u201c<\/em>) auf CBC\/TBS l\u00e4uft, jeden Samstagmorgen um 07:30. Also beste Sendezeit&#8230; leider empfange ich den Kanal nicht. Ich werde bei Gelegenheit ein TV-Programmheft kaufen, um festzustellen, ob es vielleicht auch woanders l\u00e4uft. Nichts ist unm\u00f6glich, hei\u00dft es doch bei Toyota. Die jungen Damen passen n\u00e4mlich ganz hervorragend in die Kost\u00fcme und sehen obendrein noch gut aus. Und als alter SailorMoon Fan will ich das auch nicht verpassen. Ich habe also nicht nur rein \u201em\u00e4nnliche\u201c Motive.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"722\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/SM-G002-722x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3163\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/SM-G002-722x600.jpg 722w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/SM-G002-300x249.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/SM-G002-768x638.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/SM-G002.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So, heute werden die Ergebnisse des Placement Tests bekannt gegeben und wir erfahren unsere Kurszuteilung: Ich lande zusammen mit Melanie in der Kategorie \u201eMittelstufe A\u201c. Das hei\u00dft, wir haben schon einmal davon geh\u00f6rt, dass man in Japan mit Kana und Kanji schreibt und sind in der Lage, eine Flasche Limo im Supermarkt zu kaufen, ohne auf un\u00fcberbr\u00fcckbare Sprachhindernisse zu sto\u00dfen. Unterhalb von uns gibt es nur noch die Anf\u00e4nger, die nie Unterricht hatten und bestenfalls \u201ebitte\u201c, \u201edanke\u201c, \u201eGuten Tag\u201c und \u201eAuf Wiedersehen\u201c sagen k\u00f6nnen. Aber so sei es. Nach dieser Bekanntgabe erl\u00e4utert man uns, wie man einen Stundenplan zusammenstellt, und welche Schritte notwendig sind, um Kurse zu belegen. Das ist nicht so wie in Deutschland, wo man sich an einer Uni einschreibt und dann einfach in die Kurse geht, sich dort in eine Anwesenheitsliste eintr\u00e4gt (wenn es \u00fcberhaupt eine gibt) und man selbst sehen muss, wie man sich und seine Arbeit organisiert. Hier muss man drei Formulare ausf\u00fcllen, mit Name, Adresse, Passfoto (!) und Werdegang. Die Lehrer m\u00fcssen die Anmeldung im jeweiligen Kurs mit einem hochoffiziellen Stempel best\u00e4tigen. Und wenn das alles fertig ist, gehen die Unterlagen an das Sekretariat, damit die dort genau wissen, was bei den Studis so l\u00e4uft. Es dauert zwei Stunden, das alles zu verstehen und auszuf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach wird uns das japanische M\u00fcllsystem erkl\u00e4rt, bzw. seine Anwendung im Raum Hirosaki. Es ist leider nicht ganz so einfach, wie ich dachte. Aber auch nicht so kompliziert, wie es sich im Folgenden anh\u00f6ren k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000798-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3219\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000798-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000798-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000798-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000798-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000798.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst einmal gibt es tats\u00e4chlich M\u00fcllt\u00fcten, und der M\u00fcll trennt sich in mehr als vier Unterteilungen, entgegen meinem bisherigen Denken. Die meisten S\u00e4cke, die ich an den Sammelpl\u00e4tzen gesehen habe, sind allerdings Kaufhaust\u00fcten, die ann\u00e4hernd durchsichtig sind. Obwohl man doch in Hirosaki angeblich so genau darauf achtet, wie der M\u00fcll entsorgt wird. Ich sehe es kommen, dass die Austauschstudenten, denen das hier erkl\u00e4rt wird, den M\u00fcll vorbildlicher entsorgen werden, als die Einheimischen. F\u00e4ngt schon damit an, dass Melanie \u201eechte\u201c M\u00fcllt\u00fcten besorgen geht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Muellsammlung-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3217\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Muellsammlung-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Muellsammlung-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Muellsammlung-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Muellsammlung-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Muellsammlung.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Digital Camera<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber zum System: Der M\u00fcll wird getrennt nach<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Zeitungspapier<\/li>\n\n\n\n<li>sonstiges Papier (Glanzpapier)<\/li>\n\n\n\n<li>Kartonagen (Milch und Saft)<\/li>\n\n\n\n<li>Karton (Pappkisten)<\/li>\n\n\n\n<li>PET-Flaschen<\/li>\n\n\n\n<li>sonstiger Plastikm\u00fcll (T\u00fcten, Verpackungen)<\/li>\n\n\n\n<li>brennbarer M\u00fcll (Taschent\u00fccher, K\u00fcchenabf\u00e4lle)<\/li>\n\n\n\n<li>nicht-brennbarer M\u00fcll (kleine Metallteile, Alufolie)<\/li>\n\n\n\n<li>Sperrm\u00fcll<\/li>\n\n\n\n<li>Dosen (Getr\u00e4nke)<\/li>\n\n\n\n<li>Glas gr\u00fcn<\/li>\n\n\n\n<li>Glas wei\u00df<\/li>\n\n\n\n<li>Glas braun<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sind die Hauptgruppen. Meine K\u00f4hais k\u00f6nnen ja schon mal mit dem \u00dcben anfangen. Das System impliziert, wie ich m\u00f6glicherweise bereits erw\u00e4hnte, dass man die Schraubverschl\u00fcsse der Flaschen ebenso wie die Folie, auf der der Produktname steht, entfernt und in den jeweils richtigen M\u00fcllsack wirft. Kugelschreiber auseinanderfummeln ist besonders lustig. Da ist n\u00e4mlich Plastik, Metall und noch mehr Plastik dran, und das Material ist zum Teil verklebt, wie z.B. der Clip am Kopfende des Schreibers. Als Deutscher bin ich mit dem Trennungsprinzip nat\u00fcrlich vertraut, aber man kann auch \u00fcbertreiben. Ich finde das deutsche System durchaus brauchbar. Dass der M\u00fcllmann nicht noch sein \u201eOkay\u201c zum Inhalt geben muss und Beanstandungen den Beh\u00f6rden meldet, ist alles, was noch fehlt, glaube ich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der M\u00fcllshow (<em>\u201eGomigeki\u201c<\/em> habe ich es Kashima-sensei gegen\u00fcber genannt) findet die Welcome Party statt, die Er\u00f6ffnungsparty in erster Linie f\u00fcr die Austauschstudenten, aber auch f\u00fcr alle interessierten Japaner. Der Platz wimmelt von ihnen, wenn ich das mal so sagen darf, aber die Mensa ist nicht \u00fcberlaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einleitend muss ich schon bemerken, dass ich eine solch traurige Party noch nicht erlebt habe. Und ich bedauere ein wenig die Vorf\u00fchrenden, die zumeist gegen eine Wand aus Ger\u00e4uschen antreten mussten. Die Deutschen (mit Ausnahme meiner Person und Luba) singen eine (absichtlich) schauerlich schlechte Version der \u201e<em>Ode an die Freude<\/em>\u201c. Dazu haben sie eine Wand aus Zeitungspapier gebastelt, hinter der sie sich verstecken. In diese Wand sind L\u00f6cher eingerissen, und sie strecken ihre H\u00e4nde hindurch, die in Wollsocken stecken, auf die Augen aufgen\u00e4ht sind. Es singen also diese improvisierten Handpuppen. Meiner Meinung nach ein schwacher Vortrag, der nicht wirklich lustig war. Ich habe meine Zweifel, ob irgendjemandem klar geworden ist, dass hier eine absichtlich schlechte Version dargeboten wurde\u2026 zum Gl\u00fcck habe ich da nur den Wandpfeiler gemimt, der die Papierwand festhielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, und dann&#8230; wollte ich eigentlich meinen Vogelweide zum Besten geben, f\u00fcr den ich stundenlang ge\u00fcbt habe, in leeren Lehrs\u00e4len, in denen man niemanden durch lauten Gesang st\u00f6rt. Aber Sawada-sensei ist so beeilt, die n\u00e4chsten anzusagen, dass ich nicht zum Zug komme. Ich teile ihr mit, dass ich auch am Schluss auftreten kann, aber das wird vergessen. S U P E R. Alle M\u00fchen umsonst!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber immerhin kann ich jetzt das Pal\u00e4stinalied auswendig. Wer kann das schon? Das ist doch auch was. Es ist mein zweiter Text von Vogelweide, nach \u201e<em>Suo die Bluomen uz dem Grase dringet<\/em>\u201c. Aber erst einmal bin ich oberstinkesauer wegen der investierten M\u00fchen. Auf dem R\u00fcckweg streite ich mich mit Melanie wegen irgendeinem Mist. Das tut mir nat\u00fcrlich leid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Party fing um 18:00 an und endete plangem\u00e4\u00df um 20:00. Eine organisierte Zwei-Stunden-Party. Alkohol gab es da auch keinen. Nicht, dass mir pers\u00f6nlich das sehr gefehlt h\u00e4tte, obwohl ich wegen der Aufregung vorher nat\u00fcrlich gerne ein Glas getrunken h\u00e4tte. Nein, meiner bescheidenen Meinung nach w\u00e4re Alkohol f\u00fcr die Kontaktaufnahme wichtig gewesen. Das \u201eSpiel\u201c, das zu diesem Zweck (Kontakte kn\u00fcpfen) veranstaltet wurde, wirkte n\u00fcchtern n\u00e4mlich wie eine \u201eHauruck-Aktion\u201c: Wir erhielten Zettel und Kugelschreiber. Auf dem Zettel befanden sich freie Felder und die Aufgabe lautete, in jedes Feld eine Kontaktadresse einzutragen, und zu diesem Zweck musste man losgehen und die Leute nach Name und E-Mail-Adresse fragen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000807-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3220\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000807-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000807-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000807-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000807-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000807.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende des Tages habe ich einen Chinesen, einen Iraner, und zwei Japanerinnen. Meinen Namen habe ich etwa ein Dutzend Mal weggegeben. Ich rechne nicht damit, jemals etwas von diesen Leuten zu h\u00f6ren, denen ich meine E-Mail Adresse gegeben habe. Was soll\u2019s. Ich beschlie\u00dfe, auf jeden Fall dem Iraner zu schreiben. Anders als Behrang, den ich in Trier kennen gelernt habe, kommt er direkt aus dem Iran. Und nicht irgendwie indirekt. Ich w\u00fcrde gerne ein bisschen mit ihm diskutieren.<sup><a id=\"sdfootnote1anc\" href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Adressaustausch habe ich noch Arpi kennen gelernt, einen Ungarn aus der Slowakei (eine Erinnerung an Minderheitenprobleme in Zentraleuropa), und eine Franz\u00f6sin aus Bordeaux. Die Franz\u00f6sin hei\u00dft, wie es der Zufall will, M\u00e9lanie (Mathieu). Dann w\u00e4re da noch ein Koreaner namens J\u00fb. Ist nat\u00fcrlich ein K\u00fcrzel, weil es mir nicht gelingt, einen koreanischen Namen in voller L\u00e4nge auszusprechen, obwohl sie schon einfacher auszusprechen sind als chinesische. Der vorletzte, den ich noch treffen darf, ist David aus Neuseeland (den man nicht mit David \u201eDave\u201c Ryan verwechseln darf). Er hat einen Gesichtsausdruck wie Stefan, geht und bewegt sich wie Stefan, spricht wie Stefan \u2013 aber seine Hingabe geh\u00f6rt einem anderen Fach: David ist Jazz-Musiker. Und gar kein schlechter, so weit ich das beurteilen kann. Er spielt ein paar Blasinstrumente, Saxophon und Klarinette sind dabei. Und seine Frisur erinnert an Larry von den drei Stooges. Zumindest entfernt. Ansonsten ist er auch ebenso gespr\u00e4chig wie Stefan. ? Er redet auch mehr Japanisch. Und das kann er wirklich gut. Er redet langsam, aber fl\u00fcssig, und er scheint nicht gro\u00df dar\u00fcber nachdenken zu m\u00fcssen, wie er seinen Satz konstruieren muss, wie das bei unsereins der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzte Person ist Yukiyo, Japanerin. Die sich im Anschluss, als wir gerade gehen wollen, noch einmal versichert, ob ich mich an sie erinnere. \u00c4hem. Sie hat meine Mailadresse. Wenn sie nicht schreibt, ist sie selber schuld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ich will auch was Positives \u00fcber die v\u00f6llig \u201etotorganisierte\u201c und \u00e4u\u00dferst alkoholfreie Party sagen. Besonders auffallend waren zwei Tanzvorstellungen, die zum Vergleich einladen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Tanz war japanisch. Leider habe ich zu wenig Ahnung von japanischem Tanz, um das Gezeigte zuordnen zu k\u00f6nnen. Aber als Laie m\u00f6chte ich meine, wenn auch unqualifizierte, Meinung schildern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der japanische Tanz war sehr f\u00f6rmlich, geradezu formalisiert. Sehr strenge Formen wurden da vorgef\u00fchrt und man konnte die Konzentration der T\u00e4nzerin geradezu sp\u00fcren. Es war eine sch\u00f6ne, \u00e4sthetische Darbietung. Ich frage ein paar Japaner, die neben mir knien, und sie sagen, sie mache ihre Sache sehr gut. Aber welcher historischen Periode (die ich im Gegensatz zu den Japanern hier auswendig kenne) die Musik und der Tanz zuzuordnen ist, kann mir niemand sagen. Ich finde aber auffallend, dass da in erster Linie eine \u00e4sthetische Unflexibilit\u00e4t zu sp\u00fcren ist. So will ich es einmal nennen. Wirklich bewundernswert, aber wie in einer Zwangsjacke.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000821-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3221\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000821-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000821-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000821-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000821-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/P1000821.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Chinesin dagegen, die mir knapp \u00fcber das Zwerchfell hinausragt, hat schnell (als Einzige an diesem Abend!) die ungeteilte Aufmerksamkeit des gesamten Publikums. Ihr Tanz ist locker und beschwingt, direkt fr\u00f6hlich, und sie gibt diese Laune auch weiter. Da klatscht das Publikum im Takt mit. Hier sieht der Laie in erster Linie keine Kunst, sondern etwas, das Spa\u00df macht. Beides zusammen im selben Paket wird gerade in diesem Moment von der kleinen Chinesin vorgef\u00fchrt, aber in der (vormodernen) japanischen Kultur scheint mir Kunst und Spa\u00df (ich m\u00f6chte den Begriff \u201eGenuss\u201c wegen seiner Dehnbarkeit vermeiden) ein Widerspruch zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden T\u00e4nze waren das Beste, was der kurze Abend zu bieten hatte, aber die Japanerin muss hinter der Chinesin zur\u00fcckstehen, trotz ihres hohen K\u00f6nnens. Eine zu ausgepr\u00e4gte Spezialisierung l\u00e4sst die Formen erstarren, deshalb geb\u00fchrt ihr nur der zweite Platz. Aber eben jene Spezialisierung ist ein deutliches Merkmal der Kulturgeschichte, die ich studiere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens verspeisen wir in diesen Tagen ein <em>\u201eNeon Genesis Evangelion\u201c<\/em> Kultobjekt: Baumkuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steht auch h\u00fcbsch gro\u00df auf der Verpackung drauf. Und war im Preis herabgesetzt. Also essen wir Baumkuchen. Eigentlich ist es ein langweiliger Kuchen, der aus einem knapp handbreiten, zusammengerollten Teigst\u00fcck besteht, um anhand der R\u00e4nder Jahresringe zu imitieren. Viel Geschmack hat die Sache nicht. Aber immerhin habe ich jetzt auch mal Baumkuchen gegessen, den ich in Deutschland noch nie gesehen habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote1sym\" href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Meine Anfrage wurde nie beantwortet (wie \u00fcbrigens von keiner der Personen, deren Adressen ich gesammelt habe) und ich habe ihn danach auch nur noch einmal wiedergesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tag beginnt um 06:30 mit Sonnenschein. W\u00e4schewaschen. Ein Werbeblatt verr\u00e4t mir, dass bereits seit dem 04.10.2003 eine SailorMoon Realserie (\u201ePretty Guardian SailorMoon\u201c) auf CBC\/TBS l\u00e4uft, jeden Samstagmorgen um 07:30. Also beste Sendezeit&#8230; leider empfange ich den Kanal nicht. Ich werde bei Gelegenheit ein TV-Programmheft kaufen, um festzustellen, ob es vielleicht auch woanders l\u00e4uft. 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