{"id":3153,"date":"2023-10-04T08:28:47","date_gmt":"2023-10-04T06:28:47","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3153"},"modified":"2023-10-12T09:09:49","modified_gmt":"2023-10-12T07:09:49","slug":"samstag-04-10-2003-klischees-und-realitaeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3153","title":{"rendered":"Samstag, 04.10.2003 \u2013 Klischees und Realit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tag beginnt \u2013 heute um 07:00, Sonnenschein durchs Fenster \u2013 sch\u00f6n. Ich bin auch sehr gespannt, den neuen Reiskocher auszutesten. F\u00fcnf Go Reis passen hinein, ich glaube, das sind etwa 900 ml Material, zzgl. etwa vier Liter Wasser, die man dann zum Kochen braucht.<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup> Professor Fuhrt sagte ja, dass zwei Go ganz bequem f\u00fcr zwei Personen ausreichten. Wenn er das sagt, wird es wohl stimmen. Im Gegensatz zu mir kann er sich unter dem gekochten Endergebnis von zwei Go trockenem Reis ja etwas vorstellen. Der Kocher wird auf jeden Fall genug Reis liefern, auch wenn wir mal drei oder vier Leute zum Essen hier haben sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abnehmen scheint hier recht leicht zu sein, obwohl die Ramen-Suppe nicht den Eindruck macht, kalorienarm zu sein, aber seit meiner Ankunft vor etwa einer Woche habe ich bereits 10 cm um die G\u00fcrtellinie verloren. Und mehr als ein Loch will ich am G\u00fcrtel auch gar nicht frei haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute um 15:00 sollen die ersten \u201eProben\u201c f\u00fcr das kommende Fest stattfinden. In unserem Fall hei\u00dft das, dass sieben oder acht wildfremde (deutsche) Leute, die sich \u00fcberhaupt nicht kennen und sich gegenseitig kaum einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, einen Liedvortrag koordinieren sollen. Na Mahlzeit. Ich werde heute Morgen mit Melanie zusammen erst einmal einen Spaziergang koordinieren, das d\u00fcrfte gerade so hinhauen. Ich bin schon \u00fcberrascht, dass sie dem Plan so schnell und bereitwillig zustimmt\u2026 na denn los. Wir drehen die Runde durch die Apfelfelder mit obligatorischer Kostprobe, die ich vor wenigen Tagen bereits gemacht habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck im \u00e4u\u00dferen Stadtgebiet treffen wir zuf\u00e4llig auf Yui, die auf dem Weg zur Bank ist. Und drei Minuten sp\u00e4ter laufen wir Misi, dem Ungarn, \u00fcber den Weg, der auf der Suche nach einer Telefonzelle ist. Leider sind wir selbst noch nicht lange genug da, um ihm weiterhelfen zu k\u00f6nnen und Yui f\u00e4llt auch nichts dazu ein. Ich habe auch noch gar nicht auf Telefonzellen geachtet. Wenn ich an einer vorbeigegangen bin, kann ich mich nicht daran erinnern. Es zeigte sich sp\u00e4ter, dass er eine gefunden h\u00e4tte, wenn er im Folgenden in der entgegengesetzten Richtung gesucht h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens hat Misi auff\u00e4lligerweise ein Fahrrad. Ei, wo hat er denn das her? Es sieht nicht aus, als h\u00e4tte er es beim H\u00e4ndler gekauft. Gebrauchte Ware sieht in Japan f\u00fcr gew\u00f6hnlich besser aus. Ja, das habe er auch nicht gekauft, sagt er. Er empfiehlt, nach herrenlosen Fahrr\u00e4dern Ausschau zu halten, also solche mit platten Reifen, deren Kette total verrostet ist und deren Sattel bereits eine Menge Schmutz angesetzt hat, denn die sind offensichtlich lange nicht benutzt und einfach stehengelassen worden, wahrscheinlich von Leuten, die ihren Abschluss gemacht haben und den alten Drahtesel nicht mehr brauchen. Im Gegenzug empfehle ich ihm, einen kleinen Reiskocher im Daiei zu kaufen, bevor die Sonderangebote entweder ausverkauft waren oder die Aktion am 8. Oktober endete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gehe mit Melanie ebenfalls noch in den dortigen \u201e<em>100 Yen Shop<\/em>\u201c, um ein paar Dinge zu kaufen. So ein Laden ist an sich eine praktische Sache. Da kostet alles nur 100 Yen, zzgl. der Steuern in H\u00f6he von f\u00fcnf Prozent. Nat\u00fcrlich bieten diese L\u00e4den nicht die beste Qualit\u00e4t, aber sie ist allemal besser, als die Qualit\u00e4t in den so genannten \u201eT\u00fcrkenl\u00e4den\u201c in Deutschland, wo man ja ebenfalls massenweise Artikel zum Preis von einem Euro findet. Aber nicht nur die Qualit\u00e4t, sondern auch die Produktauswahl ist in Japan ganz eindeutig besser. In dem entsprechenden Gesch\u00e4ft gegen\u00fcber der Porta Nigra habe ich bis dato noch nichts gefunden, was mich zum Kaufen gereizt h\u00e4tte. Andererseits, das muss ich zugeben, war ich auch noch nie in dem Laden, wenn ich gerade dabei war, meinen Haushalt einzurichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dieser Punkt f\u00fchrt mich zur\u00fcck zum Wetter. Gut, ich bin erst seit einer Woche hier, aber ich habe das Gef\u00fchl, dass der Regen hierzulande nach einem festen Zeitplan f\u00e4llt. Wenn es an einem Tag regnet, dann f\u00e4ngt es kurz nach Mittag an und regnet dann in den fr\u00fchen Nachmittag. Um etwa 21:00 regnet es dann noch einmal eine Weile und dann wieder morgens um 04:00. Und wegen dieser Regenf\u00e4lle sollte man einen Schirm haben, weil man seine Eink\u00e4ufe eben nicht immer nach dem gegebenen Zeitplan organisieren kann, und wir verbringen dieser Tage eben nicht wenig Zeit mit Einkaufen. Nass sein zehrt auf Dauer sehr an den Nerven. Vor allem nach dem Supersommer in Deutschland muss man dieses Wetter hier schon beinahe als deprimierend empfinden. Einen \u201eGoldenen Oktober\u201c scheint es hier nur streckenweise zu geben, quasi stundenweise auf die einzelnen Tage verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann also am Nachmittag die \u201eProben\u201c f\u00fcr den deutschen Beitrag zur \u201eWelcome Party\u201d. Wir treffen uns im Kaikan, dem Studentenwohnheim der Universit\u00e4t, in der Wohnung von Mareike und Tanja, die wie Ramona und die eingeb\u00fcrgerte Russin Luba in Bonn studieren. Die zwei leben zusammen in einer Wohnung f\u00fcr Ehepaare. Die zwei haben zwar nichts Intimes miteinander, haben aber dennoch, wohl auf Wunsch, dieses Apartment bekommen. Es sieht nicht schlecht aus, kommt aber ein wenig d\u00fcster daher. Zumindest ist das mein Eindruck. Die Einrichtung erinnert mich auch ein bisschen an die fr\u00fchen Achtziger Jahre in Deutschland. Woher ich diese Assoziation nehme, kann ich leider nicht sagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mehrheit meiner Landsleute hier bleibt bei dem Plan, die <em>\u201eOde an die Freude\u201c<\/em> zu singen. Ich bleibe bei meinem Soloprojekt <em>\u201ePal\u00e4stinalied\u201c<\/em>. Von daher mache ich bei den Proben auch nicht sonderlich viel und stoppe nur die Zeit, wie lange es dauert, den Text zu singen. F\u00fcr mein eigenes Projekt werde ich mich bei Gelegenheit in leere Lehrs\u00e4le zur\u00fcckziehen, um dort zu \u00fcben. Zuhause w\u00fcrde ich nur die Nachbarn st\u00f6ren, und ein Lied leise einzu\u00fcben, ist ja v\u00f6lliger Bl\u00f6dsinn, weil die Leistungssituation bei der Vorf\u00fchrung eine ganz andere ist, da ich ja laut und deutlich singen muss. Da w\u00fcrde ich ebenso gut gar nicht das Singen, sondern nur den Text \u00fcben k\u00f6nnen. In \u201efreier Wildbahn\u201c zu \u00fcben ist mir dann doch zu peinlich, also werde ich mir Lehrs\u00e4le suchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Anschluss an diese Episode d\u00fcrfen wir auch mal Marks Zimmer bewundern. Es ist zuvor JPs Zimmer gewesen und Mark sagt, er habe es im \u201eOriginalzustand\u201c \u00fcbernommen, inklusive des starken Rauchgeruchs und einer Kakerlake, sagt er. Bei der Gelegenheit kl\u00e4rt er uns dar\u00fcber auf, dass wir die n\u00f6tigen Leistungspunkte des Semestercurriculums auch mit Sportkursen ableisten k\u00f6nnten. Das klingt an sich nicht uninteressant, aber\u2026 ich wei\u00df nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg nach Hause sehe ich mir kurz den \u201e<em>GEO<\/em>\u201c Laden an der Ecke gegen\u00fcber von der Polizeistation an der Abzweigung nach Nishihiro an. Man kann dort neue und gebrauchte Spiele ausleihen und kaufen und bekommt einiges an Material, was mit Spielen in Verbindung gebracht werden kann. Ich entdecke allerdings auch eine Reihe von \u201e<em>SailorMoon<\/em>\u201c Plastikfiguren. Einen Preis kann ich auf den ersten Blick nicht ausmachen\u2026 vielleicht ist das Schild abgefallen. Ich habe derzeit eh wenig Geld, also frage ich erst gar nicht nach dem Preis. Vielleicht komme ich sp\u00e4ter mal wieder und kaufe welche, falls mir der Preis zusagt. Die Figuren sehen gut aus, aber Vinyl-Kunstwerke sind es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich nach Hause komme, finde ich dort meine Versicherungskarte in der Post. Und die brauche ich, falls ich ein Bankkonto er\u00f6ffnen will. Melanie braucht ein solches, um ihr Stipendium auch \u00fcberwiesen bekommen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Melanie hat heute festgestellt, dass der BeniMart nach sieben Uhr abends seine Preise f\u00fcr Frischwaren zum Teil drastisch senkt, und verf\u00e4llt daraufhin in einen wahren Kaufrausch. Sushi, Sashimi, Onigiri f\u00fcr insgesamt 2000 Yen. D\u00fcrfte etwa f\u00fcr zwei Tage reichen. Ich bin beim Fisch noch nicht recht auf den Geschmack gekommen, von daher ziehe ich derzeit noch Ramen als Abendessen vor. Aber was soll\u2019s, wer in Japan ist, sollte auch Fisch essen. Es d\u00fcrfte nirgendwo auf der Welt besseren geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute Abend ist auch mal wieder eine Portion W\u00e4sche f\u00e4llig, und was f\u00fcr eine schrottige Maschine das hier ist, muss ich auch erst noch herausfinden. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/200310-Waschmaschine-800x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3207\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/200310-Waschmaschine-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/200310-Waschmaschine-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/200310-Waschmaschine-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/200310-Waschmaschine-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/200310-Waschmaschine.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Waschmaschine<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein, die ist nicht schwer zu bedienen, das Problem ist ja ein ganz anderes. Man k\u00f6nnte sagen, dass die Kleider schmutziger herauskommen, als man sie hineintut. Alles ist voller Fusseln, und zum Teil handelt es sich um richtig dicke Fusselknoten. Ich spiele mit dem Gedanken, zum Waschen ins Kaikan zu gehen, da es dort \u201erichtige\u201c Waschmaschinen gibt, also solche, die man an der Vorderseite \u00f6ffnet anstatt oben, und die auch hei\u00dfes Wasser zum Waschen verwenden. Vor allem gibt es im Kaikan auch einen Trockner. Unsere W\u00e4sche braucht bei den herrschenden Wetterverh\u00e4ltnissen etwa 48 Stunden zum trocken werden, und weil die Maschine bei maximalem Wasserverbrauch nur ein begrenztes Fassungsverm\u00f6gen hat, muss die n\u00e4chste Ladung gewaschen werden, sobald der Platz zum Aufh\u00e4ngen frei ist. Unser Raumklima ist also nicht unbedingt das angenehmste. Der Gedanke an das Kaikan reizt mich nat\u00fcrlich, aber wenn ich ruhig dar\u00fcber nachdenke, blicke ich mit mehr Zuversicht in den Winter \u2013 dann ist die Wohnung n\u00e4mlich geheizt. Zum Heizen ist es derzeit nicht kalt genug, aber wenn der Ofen mal dauerhaft l\u00e4uft, wird unsere feuchte Kleidung sicher schneller trocknen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend mache ich einen weiteren Spaziergang, in die \u00f6rtliche Videothek. Sie hat eine Gr\u00f6\u00dfe, wie ich sie in einem Vorort erwarten w\u00fcrde. Das Ordnungsprinzip erkenne ich nicht auf den ersten Blick\u2026 aber das macht ja nichts, weil ich ja nach Filmen fragen kann, die ich sehen m\u00f6chte, au\u00dferdem nehme ich den Laden eh genauer in Augenschein und kann mir ja merken, wo in etwa Dinge stehen, die mich interessieren. Da steht zum Beispiel viel Anime im Hauptraum rum, auch alte Sachen. Da kann ich sp\u00e4ter noch mal reinschauen, weil mir gerade einf\u00e4llt, dass ich ein ganz bestimmtes Ph\u00e4nomen untersuchen wollte: Ich gehe in den Nebenraum \u201ef\u00fcr M\u00e4nner\u201c. Der ist nat\u00fcrlich nicht als \u201ef\u00fcr M\u00e4nner\u201c gekennzeichnet, sondern mit dem Hinweis \u201e<em>ab 18, nur f\u00fcr Erwachsene<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man davon ausgeht, dass hier haupts\u00e4chlich Unterthemen vertreten sind, die sich gut verkaufen, dann sind die hiesigen Vorlieben leicht erkennbar: Uniformen. Man sollte jetzt nicht zu sehr ans Milit\u00e4r denken (obwohl es auch einen Streifen mit milit\u00e4rischem Setting gibt), sondern eine oder mehrere Stufen niedriger: Schulm\u00e4dchen, Stewardessen, Krankenschwestern, Polizistinnen und allgemein junge Damen im Badeanzug, daneben auch so genannte \u201e<em>Avex Girls<\/em>\u201c und \u201e<em>Race Queens<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Begriff <em>\u201eAvex Girl\u201c<\/em> kann ich nicht recht erkl\u00e4ren. Bei \u201eAvex\u201c handelt es sich um eine Firma im Medienbereich, und die weiblichen Aush\u00e4ngeschilder (<em>\u201eKanban Musume\u201c<\/em>) tragen eben eine bestimmte Art von Kleidung. Es handelt sich um ein enges, kurzes Kleid aus Plastik, wohl meist in silber-grau mit wei\u00dfen Seitenstreifen, das knapp unterhalb vom Ges\u00e4\u00df endet. Unterhalb vom Hals \u00fcber dem oberen Brustbein befindet sich ein quer eif\u00f6rmiger durchsichtiger Bereich, auf dessen Material \u201eAvex\u201c aufgedruckt ist. Zumindest ist dies eine Beschreibung eines solchen Outfits, das ich in einem \u201ezivilen\u201c Kontext im Fernsehen gesehen habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Race Queen\u201c<\/em> ist m\u00f6glicherweise nicht der richtige Ausdruck. Wenn man sich Bilder der <em>\u201eTokyo Motor Show\u201c<\/em>, der bedeutendsten japanischen Automobilausstellung, ansieht, erh\u00e4lt man einen Eindruck von diesem Typus. Es handelt sich um die jungen Damen, die sich \u201eschm\u00fcckend\u201c auf Motorhauben r\u00e4keln, man kann sie in Automobilmagazinen der ganzen Welt sehen. Die Art von sp\u00e4rlicher Bekleidung, die dabei zur Schau gestellt wird, hat es hierzulande offenbar zum Fetisch gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie dem auch sei, Live-Action Pornografie (nennen wir die Dinge doch beim Namen) gibt es eine ganze Menge. Ich habe schon gr\u00f6\u00dfere Sortimente in Deutschland gesehen, aber auff\u00e4llig ist hier eben, dass alle Produktionen japanischer Natur sind, wohingegen man in Deutschland eine sehr internationale Auswahl findet. Aber deswegen bin ich ja gar nicht hier. Mich interessiert ja, wie es mit Hentai Anime aussieht. Will man der deutschen Antipropaganda glauben, dann machen animierte Filme dieses Genres einen bedeutenden Teil des Angebots in Japan aus. Aber damit ist es nichts. Die Realit\u00e4t sieht viel realistischer aus. Es mag wohl sein, dass hier mehr Animationsfilme zu finden sind, als in einer deutschen Videothek vergleichbarer Gr\u00f6\u00dfe, aber den Anteil \u201ebedeutend\u201c zu nennen, w\u00e4re eine polemische \u00dcbertreibung. F\u00fcr Insider: Die H\u00e4lfte (!) von \u201e<em>Kite<\/em>\u201c ist hier zu finden, des weiteren eine Staffel von \u201e<em>Bible Black<\/em>\u201c und noch zwei Serien, die mir nichts sagen und mir auch nicht im Ged\u00e4chtnis haften blieben. Keine Spur von \u201e<em>Countdown<\/em>\u201c, \u201e<em>Cool Devices<\/em>\u201c oder \u201e<em>XYZ of Darkness<\/em>\u201c. Ich h\u00e4tte zumindest eine der Serien im Regal erwartet. Alter kann keine gro\u00dfe Rolle spielen, da \u201e<em>Bible Black<\/em>\u201c ja mittlerweile ebenfalls ein gewisses Alter hat und nicht mehr als hochaktuell bezeichnet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hentai Anime Fixiertheit der Japaner, von deutschen Jugendsch\u00fctzern oft als warnendes Beispiel zitiert, ist in dem geschilderten Ma\u00dfe ganz einfach nicht vorhanden. Die Fans dieses Genres sind eine klar und eng einzugrenzende Klientel, die keineswegs als f\u00fcr die Allgemeinheit repr\u00e4sentativ aufzufassen ist. Ein klarer Fall von Medienmanipulation. Was man feststellen kann, sind durch den kulturellen Hintergrund bedingte Geschmacksunterschiede, was die Kunden sehen wollen. Aber ein Unterschied, der eine D\u00e4monisierung rechtfertigt, existiert m.E. nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lustig ist \u00fcbrigens, dass diese Abteilung ein extra Servicefenster hat. Normalerweise geht man zur Theke am Ausgang, legt den Film vor, den man haben will, sagt, wie lange man ihn ausleihen will und bezahlt den entsprechenden Betrag. Dieses Fenster hier dient jedoch ganz eindeutig der Diskretion. Es befindet sich etwa auf Bauchh\u00f6he und ist mit einer Klingel versehen, damit man einen Angestellten von der Haupttheke herrufen kann. Der Bezahlvorgang ist derselbe, aber der Angestellte kann das Gesicht des Kunden nicht sehen. \u00c4u\u00dfert sich auf diese Art und Weise das beinahe sprichw\u00f6rtliche Schamgef\u00fchl der Japaner, unter dem Deckmantel der Wahrung der Privatsph\u00e4re? Wie dem auch sei, ich finde die Idee interessant. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ein gerade achtzehn Jahre alter junger Mann im Sommer 1995 zum ersten Mal einen solchen Film ausgeliehen hatte und dann an der offenen Theke von einer weiblichen Angestellten bedient worden war. Heute kommt mir diese Situation nat\u00fcrlich lustig vor, aber damals\u2026 ?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich schon bei der Erforschung von Realit\u00e4t und D\u00e4monisierung bin, k\u00f6nnte ich ja versuchen, Schulen zu besuchen, um mir dort ein Bild von den ach so grausamen Zust\u00e4nden im japanischen Bildungswesen zu machen. Wann immer ich Sch\u00fcler auf der Stra\u00dfe sehe, entdecke ich fr\u00f6hliche Gesichter, die Jungs machen Scherze und benehmen sich so cool, wie sie\u2019s halt hinbekommen, w\u00e4hrend die M\u00e4dchen hier nicht anders kichern als in Deutschland. Denen scheint es zumindest nicht schlecht zu gehen. Manche machen sich den Spa\u00df und gr\u00fc\u00dfen mich, den gro\u00dfen Ausl\u00e4nder, mit \u201eHallo\u201c und ich freue mich und gr\u00fc\u00dfe zur\u00fcck. Sieht man entsprechende Reportagen im deutschen Fernsehen, k\u00f6nnte man meinen, alle japanischen Sch\u00fcler seien hoffnungslos \u00fcberarbeitet, meist depressiv und generell potentielle Selbstm\u00f6rder. Liebe Freunde und Bekannte, glaubt blo\u00df nicht, was Ihr im Fernsehen h\u00f6rt und seht oder in Zeitungen und Magazinen lest! Fremde Kulturen auf der anderen Seite des Erdballs zu stigmatisieren, ist leider einfacher, als den Dreck vor der eigenen T\u00fcr wegzukehren, auch wenn eine solch negative Berichterstattung \u00fcber Japan vielleicht auch den an sich noblen Hintergedanken haben kann, dem deutschen Publikum mitzuteilen, dass die Umst\u00e4nde bei uns zuhause doch nicht so \u00fcbel sind, wie der deutsche Bundesb\u00fcrger es zu glauben viel zu gerne bereit ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"sdfootnote1sym\" href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> 1 Go sind 160 g Reis, 5 Go also 800 g, und um 1 Go Reis zu kochen ben\u00f6tigt man etwa 200 ml Wasser.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tag beginnt \u2013 heute um 07:00, Sonnenschein durchs Fenster \u2013 sch\u00f6n. Ich bin auch sehr gespannt, den neuen Reiskocher auszutesten. 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