{"id":3062,"date":"2018-05-04T18:11:27","date_gmt":"2018-05-04T16:11:27","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3062"},"modified":"2018-05-04T18:11:27","modified_gmt":"2018-05-04T16:11:27","slug":"op-da-schael-seit-teil-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=3062","title":{"rendered":"Op da sch\u00e4l Seit (Teil 5)"},"content":{"rendered":"<p>Wir kommen zum Oktober 2014, und um zu sagen, was mittlerweile ja jeder, den es was angeht, wei\u00df: Ich habe geheiratet. Bis dahin war es allerdings ein steiniger Weg. Weniger, was die Beziehung betrifft, deren steinigster Teil war der gemeinsame Japanaufenthalt. Und das ist ja nun eine Weile her. Nein, um eine Heirat beim Standesamt durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, braucht man eine Reihe von Unterlagen, Ausz\u00fcge aus dem Familienstammbuch, die in unserem Falle aus dem Saarland geschickt werden mussten, nat\u00fcrlich braucht man einen freien Termin, und all das muss von der Verwaltung l\u00e4nder\u00fcbergreifend erfolgreich bearbeitet werden. <\/p>\n<p>Die Sache haperte und stolperte vor sich hin. Wir begannen mit der Planung Ende Fr\u00fchjahr oder Anfang Sommer. Ein halbes Jahr Vorbereitungszeit schien ausreichend. Zuerst einen Termin ins Auge fassen, den man als Verhandlungsbasis dem Standesamt nennen konnte: Warum nicht der 3. Oktober? Tag der deutschen Einheit, Feiertag, leicht zu merken. Hm, der war schon ausgebucht. Scheinbar waren eine Menge schnellere Paare auf die gleiche Idee gekommen. Blick in den Kalender: 3. Oktober 2014 war ein Freitag. Samstag, der 4. Oktober war doch auch nicht schlecht &#8211; Vier:Zehn:Vierzehn. Auch gut zu merken. Allerdings war das Standesamt unseres Doppeldorfs hier oben ebenfalls ausgebucht. Vallendar unten am Rhein hatte noch was frei, morgens um Zehn. Eine gute Zeit, gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr letzte Vorbereitungen am Morgen. Wenn da nicht&#8230; na ja, sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Erst einmal die verwaltungstechnischen Aspekte. Die Zusendung der Akten von den \u00c4mtern zuhause verz\u00f6gerte sich derma\u00dfen, dass man uns in Vallendar wohlwollend einen Aufschub \u00fcber die eigentliche Einreichungsfrist hinaus gew\u00e4hrte. Dann musste einer von uns pers\u00f6nlich erscheinen, um Unterschriften zu leisten und die Trauung selbst als finalen Verwaltungsakt in Gang zu setzen, was meine baldige Frau an einem ihrer freien Mittwoche erledigte. Das w\u00e4re auch ganz einfach gewesen, wenn nicht just an dem Tag ein Software Update in der Gemeindeverwaltung f\u00e4llig gewesen w\u00e4re. In Folge waren Computer als Mittel der Datenverarbeitung nicht verf\u00fcgbar. Es entspann sich ein fast vorzeitlich anmutender Gang durch verschiedene B\u00fcros, der das gew\u00fcnschte Ergebnis eben in Papierform erreichte. <\/p>\n<p>Als dies erreicht war, bekamen wir Post vom Vallendarer Standesamt, in der der Termin best\u00e4tigt wurde und man uns zu unseren W\u00fcnschen und Vorstellungen bez\u00fcglich der Zeremonie befragte. Dazu gab es einen kleinen Fragebogen, der auch die konkrete Frage enthielt, warum wir uns f\u00fcr den jeweils anderen entschieden hatten. Ansonsten von formaler Bedeutung war f\u00fcr uns die Feststellung, dass wir beide Atheisten sind und dass wir daher keine religi\u00f6sen Formeln ben\u00f6tigten. Der Weg war geebnet, der Termin konnte kommen. <\/p>\n<p>Ja, nun war Gl\u00fcck ja noch nie Teil meiner Biografie, wenn es um bedeutende Dinge geht, mal abgesehen von einem Tag im Herbst 1989, als ich feststellte, dass das M\u00e4dchen, in das ich verschossen war, sich auch f\u00fcr mich interessierte, und dem Tag ein halbes Jahr sp\u00e4ter, der zuf\u00e4llig auch der Tag war, an dem sie sich wieder von mir trennte, an dem ich einen Hundertmarkschein auf der Stra\u00dfe fand. Und binnen Wochen komplett verfra\u00df. Egal, ancient history. Im Juni hatte ich angefangen, Pakete im Auftrag von TNT rumzufahren, und da die Reihe der Touren immer sch\u00f6n regelm\u00e4\u00dfig durchgegangen wurde, hatte ich immer am dritten Samstag im Monat Dienst. Also: Kein Problem. Bis am Morgen des 4. Oktober mein Telefon klingelte und Jim mich fragte, wo ich denn bleibe? Ich teilte ihm mit, dass ich um 10 einen Termin beim Standesamt und deshalb keine Zeit h\u00e4tte. In dem halbschlafenen Zustand dachte ich noch, man fordere mich auf, als Ersatz einzuspringen. Zehn Minuten sp\u00e4ter klingelte das Telefon erneut. Der Tourenf\u00fcrst. Ich stehe f\u00fcr heute auf dem Plan, ob ich denn nicht mal einen Blick darauf geworfen habe? Mein Einwand, dass ich doch sonst auch am dritten Samstag dran sei, brachte mir nichts, ich stand auf dem Plan, weil der Malchik ausgerechnet ab Oktober \u00c4nderungen vorgenommen hatte. Der Tourenf\u00fcrst versprach, mir angesichts meines Termins nur Ziele in der n\u00e4heren Umgebung zuzuteilen, damit ich sp\u00e4testens um neun Uhr durch sein k\u00f6nne. <\/p>\n<p>Ich kam also eher schlecht gelaunt etwa um sieben Uhr in die Halle und fand als erstes einen Pfandflaschenzerquetscher f\u00fcr einen Discounter in Bad Honnef vor &#8211; auf der Rottbitze. Erstens w\u00fcrde ich allein f\u00fcr die Fahrt hin und zur\u00fcck etwas mehr als eine Stunde brauchen; zusammen mit den anderen Zustellungen im Bereich Neuwied, Bendorf, Vallendar und Urbar m\u00fcsste ich dann schon Gl\u00fcck haben, wenn ich bis halb Zehn fertig werden w\u00fcrde. Habe ich gerade eben tats\u00e4chlich &#8220;Gl\u00fcck&#8221; in Erw\u00e4gung gezogen? Zweitens handelt es sich bei diesen Flaschenquetschern um kompakte Maschinen aus Stahl in der Gr\u00f6\u00dfe eines professionellen Werkzeugkastens, die einer allein nicht mal eben aus dem Auto auf die Rampe hebt, die diese Discounter in der Regel haben. Deswegen klebt ja auch ein Schildchen drauf, &#8220;Bitte mit Hebeb\u00fchne zustellen&#8221;. Die werden aber grunds\u00e4tzlich in die Kleintransporter geladen, denn wenn man nur drei LKWs zu je 7,5 t in einem Dreieck zwischen Wittlich, Limburg und K\u00f6nigswinter fahren hat, dann ist Stellplatz wertvoll und wird f\u00fcr Ware, die nicht in die Ballungszentren geliefert wird, vorzugsweise f\u00fcr \u00fcbergro\u00dfe Sachen vergeben, oder f\u00fcr solche ab 300 kg aufw\u00e4rts. Die Kleintransporter fahren ihren Teil an Paletten und schwerem Zeug, oft in der Hoffnung, dass der Empf\u00e4nger ein Hilfsmittel zum Abladen hat.<br \/>\nIch beschwerte mich beim Tourenf\u00fcrsten \u00fcber diese Zuteilung.<br \/>\n<em>&#8220;Dann ruf bei der Dispo an und sag denen, dass Ihr das Teil nicht abgeladen bekommen habt.&#8221;<\/em><br \/>\nGenau das tat ich, aber nat\u00fcrlich war es hinf\u00e4llig, zu behaupten, ich sei \u00fcberhaupt dort gewesen, in der kurzen Zeit, die vergangen war. War mir aber egal, ich w\u00fcrde dort nicht hinfahren, die k\u00f6nnten ihren Crusher auch noch am Montag einbauen. Ich musste auch so schon auf die Tube dr\u00fccken, um mit der Zeit hinzukommen. Der letzte Stopp war ein kleines Restaurant in Urbar, das eine Lieferung eisgek\u00fchlter Ware erhielt. Allerdings war wohl jemand unachtsam damit umgegangen, ich w\u00fcrde annehmen: Styroporkiste ohne Sinn und Verstand unter etwas schweres in der Transportgitterbox gelagert. Der Kunde beschwerte sich bei mir \u00fcber den Zustand, aber ich hatte \u00fcberhaupt keinen Nerv, Dinge zu diskutieren, f\u00fcr die ich nichts konnte, und eine schnelle Untersuchung des Inhalts ergab, dass nichts angetaut war, das Problem war de facto also ein rein \u00e4sthetisches. <\/p>\n<p>Als ich dann endlich zuhause war, reichte die Zeit noch zum Waschen und Rasieren, aber mit Haareschneiden war nichts mehr. Ich warf mich in meinen einzigen und Lieblingsanzug, dann konnte es endlich losgehen. Unsere Trauzeugen zum Ort des Geschehens zu lotsen machte \u00fcberraschenderweise keine Probleme, mal abgesehen von meinem Trauzeugen und dessen Frau, die bei der Berechnung von Zeitfenstern regelm\u00e4\u00dfig daneben liegen und sich dann gegenseitig die Schuld zuweisen. In dieser Hinsicht ein wahres Duo Infernale. Aber es klappte ja. <\/p>\n<p>Die Zeremonie war wohltuend simpel, dabei in einem Ma\u00dfe feierlich, das mir gefiel, und unfreiwilliger Humor wurde von der Gattin meines Trauzeugen beigesteuert, die, in ein bayrisches Dirndl gekleidet, die Eventfotografin mimte, und das mit einer solchen Hingabe, das die Standesbeamtin irgendwann einhakte, ob sie jetzt nicht so langsam gen\u00fcgend Bilder gemacht habe. Ich glaube, das einzige, was sie nicht versucht hatte, war, sich an den Deckenleuchter zu h\u00e4ngen, um ein paar Aufnahmen aus der Vogelflugperspektive zu machen. Ich fand das witzig. <\/p>\n<p>Das Wetter war so gut, wie man es sich f\u00fcr einen Hochzeitstag nur w\u00fcnschen konnte. Strahlend blauer Himmel, kein W\u00f6lkchen in Sicht. Nachdem wir unsere Unterschriften geleistet hatten, gingen wir auf den Vorhof raus und machten noch ein paar Fotos mehr. Leider \u00fcberzog ihre Kamera alle Bilder mit so einer Art Blaustich, und der Profi w\u00fcrde sagen: Da hat der Skylightfilter gefehlt. Ein solcher zart r\u00f6tlicher Filter verhindert Blaustich bei hochstehender Sonne an strahlend blauem Himmel. Na ja, hinterher ist man immer schlauer und ich kann mir schlimmeres vorstellen als Bilder mit Blaustich. <\/p>\n<p>Wir hatten im Vorhinein ein Restaurant mit guter K\u00fcche ausgew\u00e4hlt und das war eigentlich durch reinen Zufall geschehen. Als Zugezogene haben wir nicht die \u00fcber Generationen angesammelte Ortskenntnis, die man braucht, um zu wissen, wo man gut aufgehoben ist und wo nur so getan wird, um es \u00fcberspitzt auszudr\u00fccken. Ich fragte meine Vermieterin, deren Familie alteingesessen ist, per E-Mail und erhielt auch eine Antwort. Allerdings verschrieb sie sich in der Angabe des Namens, wodurch ich auf &#8220;Mein Koblenz&#8221; kam, ein Restaurant in der Altstadt (das leider zwei Jahre sp\u00e4ter wieder zumachte, was mich zur Suche nach einem w\u00fcrdigen Ersatz f\u00fcr unser Weihnachts- und Hochzeitstagsessen zwang). Somit bestand unsere Hochzeitsfeier aus einem gem\u00fctlichen Essen zu sechst, und im Anschluss besuchten wir noch die Reiterstatue Wilhelms I. am Deutschen Eck und machten noch mehr blaustichige Fotos. <\/p>\n<p>Was denn &#8211; keine gro\u00dfe Runde, um alle an dem freudigen Ereignis teilhaben zu lassen? Nein, uns war nicht danach. Das mag so manchem geradezu ketzerisch vorkommen, aber sowohl meine Frau als auch ich sind Leute, die in erster Linie ihre Ruhe haben wollen und jederlei Trubel vermeiden m\u00f6chten, auch, wenn die Gelegenheit so fr\u00f6hlich zu sein scheint, wie eine Hochzeitsfeier mit allen Freunden und Verwandten. Letztendlich handelt es sich bei solchen Feiern um einen anstrengenden Kraftakt, der eine Menge Vorbereitungszeit und Nerven kostet, von den Kosten ganz zu schweigen. <\/p>\n<p>Um Unruhen gleich im Keim zu ersticken und \u00dcberraschungen vorzubeugen, erz\u00e4hlten wir im Vorfeld niemandem von unseren Pl\u00e4nen. Nur unsere Trauzeugen und deren Partner erfuhren davon. Nach dem Termin verbrachte ich Wochen damit, schriftlich &#8220;Bescheid&#8221; zu sagen und lie\u00df mir zum Teil viel zu viel Zeit. Aber immerhin machte ich mir die M\u00fche &#8211; anders als ein Jemand, der ein paar Jahre zuvor nicht das R\u00fcckgrat gehabt hatte, f\u00fcr seine Entscheidung einzustehen, und von dessen Hochzeit ich eher zuf\u00e4lig von einem gemeinsamen Freund erfuhr, der es auf die kurz gehaltene G\u00e4steliste geschafft hatte. Dabei wurde ich mir einer Hierarchie meiner pers\u00f6nlichen Kontakte bewusst, die ich vorher nie so wahrgenommen hatte. Ein enger Kreis von Personen &#8211; Familie und beste Freunde &#8211; erhielten ein handschriftliches Schreiben in Briefform, in dem ich meine Gr\u00fcnde darlegte, heimlich zu heiraten und warum ich den und nicht sie als Trauzeugen ausgew\u00e4hlt hatte. Ein zweiter Kreis von Personen, die mir am Herzen lagen, erhielt eine Postkarte. Ein dritter Kreis erhielt eine E-Mail. Das schloss leider auch Personen ein, deren Postanschrift ich nicht kannte, also Leute, die eigentlich eine Postkarte h\u00e4tten bekommen m\u00fcssen, aber das war nicht zu \u00e4ndern. Bis auf eine oder zwei Personen im Umfeld meiner Frau murrte niemand ob dieser Vernachl\u00e4ssigung und zeigte Verst\u00e4ndnis. Das erleichterte mich nat\u00fcrlich ungemein, aber ich wei\u00df auch nicht, ob ich dieses soziale Risiko eingegangen w\u00e4re, wenn nicht einer meiner Freunde der DSA-Runde bereits denselben Stunt gezogen h\u00e4tte. Wir hatten damals ein offenes Gespr\u00e4ch dar\u00fcber gef\u00fchrt, das mich sehr ermutigte. <\/p>\n<p>Zu guter Letzt sei noch ein Punkt erw\u00e4hnt. Als es darum ging, mich bei Tof abzuziehen und f\u00fcr TNT anzuheuern, sagte der Tourenf\u00fcrst in Bezug auf das zu erwartende Einkommen, wenn ich heirate, w\u00fcrde ich noch mehr bekommen. Er meinte damit nat\u00fcrlich nicht, dass er mir in dem Fall einen Bonus zahlen w\u00fcrde, ich bekam von ihm keinen Cent mehr deswegen; was er meinte, war, dass ich in eine g\u00fcnstigere Steuerklasse rutschen w\u00fcrde. Ha-Ha. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir kommen zum Oktober 2014, und um zu sagen, was mittlerweile ja jeder, den es was angeht, wei\u00df: Ich habe geheiratet. Bis dahin war es allerdings ein steiniger Weg. Weniger, was die Beziehung betrifft, deren steinigster Teil war der gemeinsame Japanaufenthalt. Und das ist ja nun eine Weile her. 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