{"id":304,"date":"2008-11-30T23:30:14","date_gmt":"2008-11-30T22:30:14","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=304"},"modified":"2017-10-22T13:11:30","modified_gmt":"2017-10-22T11:11:30","slug":"die-saarbrucker-antiquitatenmesse-backstage-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=304","title":{"rendered":"Die Saarbr\u00fccker Antiquit\u00e4tenmesse &#8211; backstage (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem Samstag geruhsamer, normaler Arbeit mit Teppichen &#8211; also Staub saugen und auch sonst die Ordnung und Pr\u00e4sentierbarkeit aufrecht erhalten &#8211; ging&#8217;s dann am Sonntag wieder nach Saarbr\u00fccken. Eigentlicher Plan: Abfahrt um 1630. Im Hinblick auf das schneeverd\u00e4chtige Wetter wurde per Telefon dann aber doch lieber 1530 ausgemacht. Im gleichen Gespr\u00e4ch erfuhr ich, dass die Chefin wegen des n\u00e4chtlich verst\u00e4rkten Schneefalls am Freitag Abend nicht nach Trier zur\u00fcck, sondern nur bis zur Familie nach Dillingen gefahren war &#8211; wo Br\u00fcder, Mutter, und Gro\u00dfmutter im selben Haus leben. Wie genau das Wohnmobil dann nach Trier gekommen ist, w\u00e4hrend der BMW am Samstag Morgen zur Messe fuhr, ist mir nicht erkl\u00e4rt worden. Wahrscheinlich wurde die \u00e4ltere Tochter per Bahn nach Dillingen bestellt, um das Auto abzuholen.<\/p>\n<p>Ich holte Halina also um 1530 ab und fuhr gem\u00fctlich nach Saarbr\u00fccken. Die Schneedecke war abseits der Fahrbahn zwar geschlossen, aber nur einen oder zwei Zentimeter hoch. Kein Grund zur Panik. Wir w\u00fcrden bequem um 1700 in Saarbr\u00fccken sein, ohne die durchschnittliche Geschwindigkeit \u00fcber 100 km\/h heben oder bedeutend darunter senken zu m\u00fcssen. W\u00e4hrend der Fahrt erfuhr ich dann die wichtigsten Eckpunkte der Vernissage zur Er\u00f6ffnung der Antiquit\u00e4tenmesse 2008: Sch\u00e4tzungsweise ein Dutzend Leute war gekommen, das hei\u00dft, am Freitag Abend waren mehr Aussteller als Besucher da. Und diejenigen, die gekommen waren, waren die, die den Zug genommen hatten. Die Autofahrer waren im Hinblick auf die Wetterlage scheinbar lieber zuhause geblieben. Und dann war da ja noch die Gr\u00e4fin. Das war nat\u00fcrlich keine Gr\u00e4fin, sondern eine Schauspielerin, die in einem barocken Kost\u00fcm mit einer ebenso barocken Per\u00fccke steckte. Sie hielt also eine kleine Rede, flanierte \u00fcber die Ausstellungsfl\u00e4che, plauderte mit Anwesenden und lie\u00df sich mit ihnen fotografieren, verteilte Autogramme, und nahm es mit Humor, dass sie in der Kluft scheinbar sehr schwitzte.<\/p>\n<p>Wir waren dann in der Tat um etwa 1700 vor Ort und stellten den Bus auf den Parkplatz vom Arbeitamt. Die Schranke vor dem Kongresszentrum w\u00fcrde erst um 1800 ge\u00f6ffnet. Aber mit einem gem\u00fctlichen Umsehen bis dahin war es auch nichts. Da ja nun wirklich kaum was los war, Sch\u00e4tzungen sprachen von etwa drei Dutzend Besuchern am gesamten Wochenende, begannen wir gleich mit der Inventur, das hei\u00dft, wir \u00fcberpr\u00fcften, ob das, was wir mitgenommen hatten, auch noch da war. Zu einem Verkauf war es leider nicht gekommen. Und Inventur hie\u00df in diesem Moment, dass ich mit der Chefin Teppiche und Dekoration durcharbeitete, w\u00e4hrend Halina sich am Stand eines freundlichen, \u00e4lteren, englischen Herrn (der lediglich das Konzept von &#8220;Du&#8221; und &#8220;Sie&#8221; nicht durchschaut hatte) dessen Angebot von Jagdmessern besah. Von meinem laienhaften Blickwinkel betrachtet, w\u00fcrde ich die Handwerkskunst doch als beeindruckend einsch\u00e4tzen. Sehr sch\u00f6ne Holzgriffe, sehr handlich, blitzender Stahl, sehr sch\u00f6n geschliffen, und er kann zu seinen Messern so viele Geschichten erz\u00e4hlen, wie das bei uns bei den \u00e4lteren Teppichen der Fall ist.<\/p>\n<p>Am heutigen Tag wurde gedr\u00e4ngelt &#8211; <em>&#8220;Wir m\u00fcssen bis um 1800 mit der Inventur fertig sein, damit wir den Bus reinfahren und sofort einladen k\u00f6nnen!&#8221;<\/em> &#8211; aber das bin ich ja gewohnt. Nat\u00fcrlich klappt das mit dem Zeitlimit nicht, aber den Bus stellen wir dennoch vor die T\u00fcr. Ein klarer Vorteil gegen\u00fcber Luxemburg: Da steht der Wagen auf dem Parkplatz und man muss ein St\u00fcck bis dahin gehen. Das schadet meinen Beinen nicht, aber wenn das Wetter nass ist, muss man die Teppiche abdecken, weil es sein kann, dass die Feuchtigkeit sie modern l\u00e4sst. Beim Aufbau kann man den Anh\u00e4nger noch in die Halle schieben, ausr\u00e4umen, und wieder rausfahren, bevor die \u00fcbrigen St\u00e4nde sich zu sehr ausgebreitet haben und kein Durchkommen mehr ist. Beim Abbauen m\u00fcsste man also warten, bis Platz ist, und soviel Geduld am St\u00fcck habe ich in diesem Haus noch nie gesehen, wenn es darum geht, die Zelte abzubrechen und Feierabend zu machen. In Saarbr\u00fccken gibt es am Eingang sogar ein kleines Vordach. Wir waren schnell genug und kriegten einen nahen Stellplatz. Wir konnten aus der T\u00fcr heraus sofort einladen.<\/p>\n<p>Allerdings fing es um kurz vor Sechs ganz heftig an zu schneien. Der Schnee ber\u00fchrte kaum die Ware, dank des Vordachs, aber \u00fcber die Stra\u00dfen mussten wir uns Sorgen machen &#8211; ich wollte ungern \u00fcber eine verschneite Autobahn fahren m\u00fcssen, und wie ich bereits sagte, hat der BMW noch keine Winterreifen. Das Einladen ging z\u00fcgig voran und um halb Acht holte ich den BMW ebenfalls auf den Parklplatz der Halle, nachdem ich ihn von etwa 15 cm Schnee befreit hatte. Ein kurzer Test auf dem Parkplatz gab mir Gewissheit, dass der Wagen \u00fcber eine Antischlupfregelung (ASR) verf\u00fcgt, die Automatikschaltung sollte also keine zu gro\u00dfen Probleme machen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir die letzten Gegenst\u00e4nde nach drau\u00dfen brachten, fragte mich der nette Engl\u00e4nder, ob er mich f\u00fcr zwei Minuten ausleihen k\u00f6nne. W\u00fcrde ich gerne zulassen, aber ich musste ihn an die Chefin verweisen, die alles ruckzuck fertig haben und nach Hause wollte. Warum er sie nicht fragte, sondern wortlos an ihr vor\u00fcber ging, und seinen Stand alleine weiter auseinanderschraubte, wei\u00df ich nicht. Ich h\u00e4tte ihm in f\u00fcnf Minuten helfen k\u00f6nnen, l\u00e4nger w\u00fcrde unser Einr\u00e4umen nicht dauern. Denn bislang dachte ich, dass ich in Saarbr\u00fccken zur\u00fcckbleiben und mit dem Zug nach Hause fahren m\u00fcsste, weil der Plan ge\u00e4u\u00dfert worden war. Wegen der zu erwartenden Stra\u00dfenverh\u00e4ltnisse (in Saarbr\u00fccken war in drei Stadtteilen der Busverkehr zusammengebrochen) wollte die Chefin nicht nach Trier zu fahren, sondern in Dillingen \u00fcbernachten. Ich war extra darauf hingewiesen worden, meine Zugfahrkarte mitzunehmen. Das w\u00e4re praktisch, weil meine Freundin ebenfalls in Saarbr\u00fccken war, um ihren Vater zu besuchen, und wir h\u00e4tten gemeinsam nach Hause fahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war das ein Denkfehler, denn das w\u00fcrde f\u00fcr zwei Autos nur einen Fahrer lassen, und den BMW (in dem nur Buddhastatuen gelagert waren) in Saarbr\u00fccken zu lassen, war keine Option. Ich sollte also nach Dillingen mitfahren und w\u00fcrde dann zum Bahnhof in Saarlouis gebracht. Somit sah ich den englischen Messerfachmann nie wieder.<\/p>\n<p>Die fahrt ging los, mit 30 durch die Stadt, mit 40 bis 50 \u00fcber die Autobahn. Streufahrzeuge sah ich nur auf der Gegenfahrbahn. Scheinbar fuhren wir vor &#8220;unseren&#8221; her. Aber es war gem\u00fctlich. Ich f\u00fchlte mich wie in einer Flugsimulation auf einem zu leistungsschwachen Rechner: Nach Vorgabe der Richtung konnte man bei laufendem Spiel an den K\u00fchlschrank gehen, sich einen Snack herausnehmen oder eine Tasse Tee trinken. Leider hat der BMW weder das eine noch das andere, aber eben so in scheinbarer Zeitlupe (45 km\/h sind <strong>nicht<\/strong> langsam!) schlich die in der Dunkelheit kaum sichtbare Landschaft an mir vorbei. Wir brauchten also entsprechend lang f\u00fcr die etwa 30 km nach Dillingen und wurden dort vor der T\u00fcr vom Schnee schippenden Bruder, dem ohne Bart, in Empfang genommen. Sofort tauschte man Beschwerden \u00fcber das Wetter aus und erinnerte sich an vergangene Horrorfahrten, zum Beispiel im Schneegest\u00f6ber nach Hamburg, mit Bullenhitze im Wohnmobil und den Insassen in T-Shirts.<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Uhr sagte, dass es kurz nach Neun war. Ein Zug f\u00fcr mich w\u00fcrde um etwa Elf abfahren. Das w\u00e4re dann doch eine lange Wartezeit. <em>&#8220;Sollen wir riskieren, nach Trier zu fahren?&#8221;<\/em> fragte mich die Chefin. Oh, ich bin da zu allem bereit, so lange der BMW hier stehen bleibt und wir die Strecke durchs Saartal fahren. Die ist zwar ein paar Kilometer l\u00e4nger, hat aber keine nennenswerten Steigungen, nach dem Wechsel auf die B51 mal abgesehen von einem Anstieg bei Mettlach und einem weiteren bei Konz. Wir sattelten also die H\u00fchner erneut, lie\u00dfen den BMW in Dillingen und fuhren mit Wohnmobil und Anh\u00e4nger weiter, bis auf Halina, die es vorzog, zu bleiben. Eigentlich sagte sie, sie habe am Montag um 1400 eine Verabredung&#8230; scheinbar war sie der Meinung, dass ihre Schwester fr\u00fch genug runterkomme, um sie abzuholen. Ich h\u00e4tte da Zweifel, aber mir soll es Recht sein. Sehr bequem w\u00e4re es im Wohnmobil f\u00fcr eine weitere Person eh nicht.<\/p>\n<p>Ich fuhr mit der Chefin also allein Richtung Trier. Sie erz\u00e4hlte von weiteren Reisen in chaotischem Wetter (z.B. Strecke Stra\u00dfburg-Trier in sechs Stunden, oder 40 km Stau am Elbtunnel), von Problemen mit Automatikschaltung, als es noch keine ASR gab, und vom Niedergang der Saarbr\u00fccker Antiquit\u00e4tenmesse.<br \/>\n<em>&#8220;Vor drei\u00dfig Jahren war das in Saarbr\u00fccken eine Riesensache, w\u00e4hrend Luxemburg lediglich ein besserer Tr\u00f6delmarkt war. Der industrielle Niedergang im Saarland hat sein St\u00fcck dazu beigetragen,&#8221;<\/em> sagt sie. <em>&#8220;Aber in Saarbr\u00fccken war auch sonst immer mal was los, was uns das Gesch\u00e4ft vermiest hat&#8230; Schneechaos gab&#8217;s schonmal, dann Autobahn dicht wegen Hochwassers auf der Fahrbahn, und einmal einen deftigen Bergarbeiterstreik mit einem Protestzug von Saarlouis bis Saarbr\u00fccken Stadtmitte.&#8221;<\/em> Ich kann mir allerdings denken, dass sich die Luxemburger Messe ebenfalls als &#8220;wetterf\u00fchlig&#8221; erweisen d\u00fcrfte, denn der Senninger Berg am Luxemburger Flughafen hat&#8217;s ebenfalls in sich.<\/p>\n<p>Die beiden Steigungen der B51 brachten wir problemlos hinter uns. Nur die mangelnden PS-Zahlen des Wohnwagens machten sich bemerkbar, au\u00dferdem war kaum sonst jemand unterwegs, was auch ganz gut war, denn die Chefin fuhr unkonzentriert genug, um hin und wieder zu vergessen, das Licht bei Gegenverkehr abzublenden, und das pl\u00f6tzlich lauter erscheinende Motorger\u00e4usch lie\u00df nichts Gutes vermuten &#8211; wir w\u00fcrden sp\u00e4ter, bei Tageslicht, feststellen, dass sich, nachdem wir das Endst\u00fcck des Auspuffrohrs vor ein paar Tagen m\u00fchsam entfernt und ersetzt hatten, am vorderen Teil desselben eine angeschwei\u00dfte Halterung gel\u00f6st hat und wir jetzt auf H\u00f6he der Beifahrert\u00fcr ein daumengro\u00dfes Loch hatten. Immerhin gab es keine gr\u00f6\u00dferen wetterbedingten Schwierigkeiten.<\/p>\n<p>Um 2300 waren wir dann am Ziel, r\u00f6hrend wie ein Porsche, der nach Pferdest\u00e4rken schreit. Jetzt musste der H\u00e4nger noch ausgeladen werden. Wegger\u00e4umt wurde aber noch nichts. Wir legten alles einfach in den Laden und achteten darauf, dass die empfindlicheren St\u00fccke kein Gewicht tragen m\u00fcssen. Dennoch sah es nachher ziemlich chaotisch aus. Die kommende Woche d\u00fcrfte noch einige Arbeitsstunden parat haben. Um etwa halb Eins war der H\u00e4nger leer und grob gereinigt, er sollte also sofort ins Industriegebiet West gebracht werden, zu der Firma, bei der er gemietet worden war. Abgabetermin w\u00e4re Acht Uhr morgens, und die Chefin bezweifelte, dass sie die Laune h\u00e4tte, nach diesem Wochenende in nicht einmal sieben Stunden wieder aufzustehen, also machten wir das jetzt noch.<\/p>\n<p>Mit dem H\u00e4nger r\u00fcckw\u00e4rts aus der Einfahrt zu fahren, die 20 cm breiter ist, als der Transporter, traute sich keiner von uns so recht zu, also schoben wir den H\u00e4nger r\u00fcckw\u00e4rts raus und drehten ihn auf dem Vorplatz, damit das Wohnmobil vorbeipasste und der H\u00e4nger nur noch angekuppelt werden musste. Das ist bei einem zweiachsigen H\u00e4nger aber gar nicht so einfach. Da musste also mitten in der Nacht noch der H\u00e4nger herumgezerrt werden, weil wir keinen Platz zum Man\u00f6vrieren hatten. Dabei bin ich noch mal kr\u00e4ftig ins Schwitzen gekommen.<\/p>\n<p>Der H\u00e4nger wurde also ebei seinem Besitzer abgestellt und ich nach Hause gefahren, wo ich um kurz nach 0100 die T\u00fcr hinter mir schlie\u00dfen konnte.<br \/>\nMeine Freundin nicht hier?<br \/>\nDann w\u00fcrde sie wohl noch bis morgen in Saarbr\u00fccken bleiben. Dann w\u00e4re aus der erhofften gemeinsamen Heimfahrt ja in keinem Fall was geworden.<\/p>\n<p>Ich hatte seit l\u00e4ngerem nichts mehr gegessen, seit knapp 12 Stunden nicht, also holte ich das mit einem K\u00e4sebrot nach und sah mir meine elektronische Post noch durch&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem Samstag geruhsamer, normaler Arbeit mit Teppichen &#8211; also Staub saugen und auch sonst die Ordnung und Pr\u00e4sentierbarkeit aufrecht erhalten &#8211; ging&#8217;s dann am Sonntag wieder nach Saarbr\u00fccken. Eigentlicher Plan: Abfahrt um 1630. Im Hinblick auf das schneeverd\u00e4chtige Wetter wurde per Telefon dann aber doch lieber 1530 ausgemacht. 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