{"id":2954,"date":"2017-08-06T11:33:18","date_gmt":"2017-08-06T09:33:18","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2954"},"modified":"2017-10-22T12:04:56","modified_gmt":"2017-10-22T10:04:56","slug":"op-da-schael-seit-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2954","title":{"rendered":"Op da sch\u00e4l Seit (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Wir kommen nun endlich zu einem v\u00f6llig neuen Kapitel meiner zweifelhaften beruflichen Laufbahn. Um den Titel zu erkl\u00e4ren: Im Rheinland bezeichnet man die rechte Rheinseite als die &#8220;sch\u00e4l Seit&#8221; (weiter n\u00f6rdlich von Koblenz auch &#8220;sch\u00e4l Sick&#8221;). Die Deutungsversuche verlieren sich im Dunkel der Geschichte; es k\u00f6nnte mit den linksrheinisch treidelnden G\u00e4ulen zusammenh\u00e4ngen, denen man zum Wasser hin Scheuklappen anlegte, damit die Sonnenreflexion sie nicht dauerhaft blendete, andere Interpretationen ziehen den Gegensatz zwischen der sp\u00e4tr\u00f6misch-christlichen Seite einerseits und der bis ins neunte Jahrhundert germanisch-heidnischen Seite andererseits heran. Ich jedenfalls wohne auf der sch\u00e4l Seit und w\u00fcrde ab Sommer 2014, wie es aussah, auch rechtsrheinisch arbeiten, auf der Strecke zwischen Rheinbrohl und K\u00f6nigswinter.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens wurde ich zu der Zeit zum letzten Mal &#8211; bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich hier sitze und schreibe &#8211; wegen zu hoher Geschwindigkeit geblitzt, als ich samstags nach einer Besorgung im Baumarkt auf dem Nachhauseweg unaufmerksam war und 12 km\/h zu schnell hinter einem 80er Schild unterwegs war. Da ich im Rahmen der K\u00fcndigungsfrist noch \u00fcber den Tourenf\u00fcrsten bei JP arbeitete, bekam ich die Forderung \u00fcber die Zahlung von 25 E auch \u00fcber dessen B\u00fcro, in dem die Frau C. arbeitete.<br \/>\nDas Foto war v\u00f6llig verschwommen und konturlos, ein heller Blob vor dunklem Hintergrund. Wenn man mich kennt, kann man mich wohl an der Form des Unterkiefers und an der groben Form des Kopfes erkennen, aber objektiv hielt ich das f\u00fcr anfechtbar. Ich schrieb also zur\u00fcck, dass die Person auf dem Foto nicht zu erkennen sei und dass ich das nicht sein k\u00f6nne, weil ich samstags nicht arbeite. Worauf die zust\u00e4ndige Polizeistelle wiederum die Frau C. kontaktierte, die ihrerseits gern best\u00e4tigte, dass es sich um mich handele.<br \/>\nIch rief die Frau C. an und fragte, wie es denn mit etwas kollegialer Solidarit\u00e4t st\u00fcnde, worauf sie mir im Brustton der \u00dcberzeugung mitteilte, dass man doch f\u00fcr Fehler, die man gemacht habe, gerade stehen m\u00fcsse. Nat\u00fcrlich hatte sie da Recht, aber ich war ja kein notorischer Raser und in diesem Fall fand ich die Argumentation heuchlerisch.<br \/>\n<em>&#8220;Frau C., mit solchen Ratschl\u00e4gen sollten gerade Sie sich lieber zur\u00fcckhalten.&#8221;<br \/>\n&#8220;Warum das denn?&#8221;<br \/>\n&#8220;Na, haben Sie oder haben Sie nicht mich und andere Fahrer dazu aufgefordert, nur vom Unternehmen gew\u00fcnschte Zeiten in die t\u00e4glichen Fahrtnachweise einzutragen? Das ist ein Wisch mit Name, Datum, Unterschrift, man nennt es Unterlagenf\u00e4lschung und Betrug, und Sie stecken als Komplizin da mittendrin, falls die Beh\u00f6rden mal auf Ihren Betrieb und seine Gesch\u00e4ftspraktiken aufmerksam werden sollten.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Aber richten wir den Blick wieder auf die Stra\u00dfe. Am 15. Juni 2014 war ich also mit Goldbart quasi zum Baggersee gefahren und angesichts meiner Zuversicht begann am 16. Juni mein TNT-Praktikum. <\/p>\n<p>Ich kam zu einem Typen ins Auto, es war ein Fiat Ducato mit vielen vielen Kilometern auf dem Z\u00e4hler, der von seinem Chef &#8220;der H\u00fcbsche&#8221; genannt wurde (weil er das genaue Gegenteil von h\u00fcbsch war) und der viel rauchte &#8211; sich aber in meiner Anwesenheit etwas zur\u00fcckhielt. Es waren k\u00fchle Tage mit Nieselregen, die mich bei Transoflex wenig gest\u00f6rt h\u00e4tten, aber erstens war ich hier eigentlich nur Zuschauer und zweitens hat man als ge\u00fcbter TNT-Fahrer Zeit f\u00fcr Pausen.<br \/>\nWir fuhren um kurz nach Sieben aus dem Depot, den Rhein runter bis K\u00f6nigswinter, machten dort eine Schleife durch die Gemeinde in den \u00f6stlich vom Rhein liegenden H\u00fcgeln (das so genannte Siebengebirge) und bis zum Stadtrand von Bonn, und waren um halb 12 wieder zur\u00fcck in Bad H\u00f6nningen. Dort machte der H\u00fcbsche eine Stunde Pause, bevor er mit der fast t\u00e4glichen Abholung bei Solvay in den Nachmittag startete. Er hatte ein Handy dabei und k\u00fcmmerte sich derweil um WhatsApp und Facebook, w\u00e4hrend ich daneben sa\u00df und mich in den Mittagsschlaf langweilte, der dann dadurch abgebrochen wurde, dass ich fror. Das Praktikum hatte zwar auch warme Tage zu bieten, an denen mir aber wiederum zu warm wurde, weil der H\u00fcbsche scheinbar keinerlei Temperaturgef\u00fchl hatte. Der parkte auch bei Sonnenschein an der gleichen Stelle, wo ihm die Sonne direkt in die Windschutzscheibe knallte. Er schwitzte, dass es nur so lief, aber das st\u00f6rte ihn nicht und er blieb bei seiner Handypause, w\u00e4hrend ich noch weniger schlafen konnte, weil es so hei\u00df war. <\/p>\n<p>Er war ein geduldiger Erkl\u00e4rer, der auf jedes Detail, an das er sich entsinnen konnte einging, und im Vorbeifahren an sp\u00e4teren Tagen gern auf ein Stra\u00dfenschild deuten w\u00fcrde, um mich zu fragen, ob ich denn noch w\u00fcsste, welcher Kunde sich dort befinde. Er muss wirklich anstrengende Leute im Auto gehabt haben, da er, im Laufe der Tage, viele Dinge mehrfach erkl\u00e4rte, die ich sp\u00e4testens beim zweiten Mal verstanden hatte. Das Merken von Fakten war ja nicht das Problem. Mir war klar, dass mein Problem kommen w\u00fcrde, sobald ich mir selbst ohne Hilfe einpr\u00e4gen musste, wie ich am besten von A nach B komme und was f\u00fcr Gelegenheiten f\u00fcr weniger akute Zustellungen die Strecke dabei bot. Um meine Bem\u00fchungen zu unterst\u00fctzen, lie\u00df er mich auch bald selbst fahren, weil dies die beste \u00dcbung war. Wir mussten uns allerdings angew\u00f6hnen, kurz vor Erreichen des Depots an einer Tankstelle wieder die Pl\u00e4tze zu tauschen, weil die Versicherung in einem Schadensfalle Schwierigkeiten machen w\u00fcrde, da ich nicht f\u00fcr den Besitzer des Kleintransporters arbeitete; der Tourenf\u00fcrst sah das also nicht gern, aber wir ignorierten das Verbot. Ich bemerkte bei diesen Fahrten, dass der Ducato v\u00f6llig durchgenudelt war. Der Sitz war so durchgesessen, dass ich die Metallverstrebung am Stei\u00df sp\u00fcrte und von auch nur halbwegs bequemem Sitzen \u00fcberhaupt keine Rede sein konnte. <\/p>\n<p>Nebenbei erfuhr ich, dass der H\u00fcbsche demn\u00e4chst seinen Jahresurlaub nehmen w\u00fcrde, weil er wegen einer (?) Geschwindigkeits\u00fcbertretung seinen F\u00fchrerschein einen Monat lang abgeben musste &#8211; vielleicht hatte er seinen Blitzerfetisch daher, vielleicht hatte er den schon l\u00e4nger, wer wei\u00df? Er hatte jedenfalls eine entsprechende App auf dem Telefon, die ihn warnte und er h\u00f6rte einen Radiosender, \u00fcber den regelm\u00e4\u00dfig Blitzerwarnungen angesagt wurden, worauf er, bei entsprechenden Orten, die m\u00f6glicherweise betroffenen Fahrer anrief, um sie auf diese Umst\u00e4nde hinzuweisen.<br \/>\nDie Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verl\u00e4uft bei Rheinbreitbach, und die Schwerpunktsetzung der L\u00e4nder sp\u00fcrt man sofort: Nach der Abfahrt Rheinbreitbach folgt auf der B42 eine kurze Strecke, wo man nur 70 fahren darf und kurz vor der Abfahrt Bad Honnef steht auch schon der erste fest installierte Blitzapparat. Ich glaube, aus dem Saarland und auch aus Rheinland-Pfalz kenne ich solche Dinger nur zur \u00dcberwachung roter Ampeln. In Rheinland-Pfalz setzt man wohl mehr auf mobile Einheiten, an der B42 gern eingesetzt in der N\u00e4he der Br\u00fccke hoch nach Dattenberg. Ich musste mich arg zur\u00fcckhalten, als just in jenen Tagen dort ein Blitzer stand und der H\u00fcbsche mit ausgestrecktem Mittelfinger daran vorbeifuhr und laut rief: &#8220;IHR KRIEGT MICH NICHT! IHR KRIEGT MICH NICHT!&#8221;<br \/>\nBei Blitzern ist der Typ schon ein bisschen manisch. <\/p>\n<p>In dem Gebiet jenseits der Landesgrenze gibt es jedenfalls mehrere fest installierte Anlagen. Eine bei Rheinbreitbach (B42, 70 km\/h), eine mitten im Wald zwischen Bad Honnef und Aegidienberg (Schmelztalstra\u00dfe, 40 km\/h), eine am Ortseingang von Ittenbach aus Richtung K\u00f6nigswinter (K\u00f6nigswinterer Stra\u00dfe, 50 km\/h) und noch eine am anderen Ende von Ittenbach an der AS zur A3 aus Richtung Oberpleis (auch K\u00f6nigswinterer Stra\u00dfe, 70 km\/h). Dann w\u00e4re noch der besondere Fall in Vinxel zu nennen, vor dessen Ortsschild nur noch 70 erlaubt sind, wo ein Anwohner eine Attrappe aufgestellt hat. Zwar aus Holz, aber gar nicht schlecht gefertigt, dunkelgrau lackiert, sogar mit gl\u00e4serner \u201eLinse\u201c \u2013 allerdings steht die Konstruktion klar erkennbar auf seinem eingez\u00e4unten Privatgel\u00e4nde. Das Ding kann also bestenfalls Ortsfremde erschrecken \u2013 eigentlich. Denn: In meinem Navigationsger\u00e4t wird es als Blitzer angezeigt, was wohl bedeutet, dass regelm\u00e4\u00dfig Leute R\u00fcckmeldung \u00fcber diese Position geben; meine beiden Negativanzeigen (dass es eben keinen Blitzer hier gibt) reichten jedenfalls nicht aus, um die Eintragung zu l\u00f6schen. L\u00f6schungen scheinen eh schwer zu realisieren zu sein, weil ich auch auf der A3 eine Stelle als Blitzerposition angegeben bekomme, wo scheinbar nur ab und zu mal eine mobile Einheit aufgestellt wird. <\/p>\n<p>Nun, Blitzer sind eigentlich nicht mein Problem, weil ich mich grunds\u00e4tzlich an das Tempolimit halte. Wenn ich in der Vergangenheit geblitzt wurde, geschah dies aus Unachtsamkeit. Kommen wir lieber zu einem Punkt, der meine Achtsamkeit herausforderte. Bei Transoflex kann man sich Touren in Form einer Linie vorstellen. Man beginnt am Punkt A, dem Depot, und f\u00e4hrt \u00fcber viele Zwischenpunkte zum Endpunkt, in der Regel die eigene Haust\u00fcr. Das Konzept wird bei TNT schon dadurch eingeschr\u00e4nkt, dass die Fahrer nach der Tour ihre Abholer im Depot abgeben m\u00fcssen, anstatt sie \u00fcber Nacht im Auto zu lassen, sonst w\u00fcrde das mit der Zustellung am n\u00e4chsten Tag ja nicht klappen. Na gut, k\u00f6nnte man sagen, dann hat die Linie eben noch einen weiteren Zwischenstopp, bevor man zur eigenen Haust\u00fcr gelangt, aber die gesamte Tragweite begriff ich erst in diesen Tagen.<br \/>\nWenn ich Transoflextouren lernte, machte ich simple Notizen dar\u00fcber, in welcher Reihenfolge die Ortsteile und die darin befindlichen Stra\u00dfen und die sich dort aufhaltenden Kunden angefahren werden mussten, um so effizient wie m\u00f6glich arbeiten zu k\u00f6nnen. Das Ergebnis war eine einfache Liste, die man von oben nach unten auswendig lernte und sich dann die Variationen einpr\u00e4gte. Am ersten Tag meines Praktikums erstellte ich eine solche Liste, nur um am Folgetag bereits bemerken zu m\u00fcssen, dass diese Liste nicht zu gebrauchen war. <\/p>\n<p>Bei Transoflex wird der gew\u00f6hnliche Fahrer bestenfalls Pakete erhalten, die noch am Vormittag zugestellt werden m\u00fcssen. F\u00fcr fr\u00fchere Expresse gibt es einen Fr\u00fchdienst, der diese wenigen, aber sehr eiligen Pakete \u00fcbernimmt. Bei TNT dagegen ist jeder Fahrer sein eigener Fr\u00fchdienst. Es gibt weniger Fracht \u2013 40, 50, 60 Pakete im Vergleich zu 200 bis 300 auf Transoflex Stadttouren \u2013 entsprechend fr\u00fcher kommt man aus dem Depot und kann auch 9-Uhr- oder 10-Uhr-Expresse p\u00fcnktlich zustellen, wenn der Betrieb halbwegs normal l\u00e4uft. Diese Expresse machen es allerdings notwendig, die Tour jeden Tag neu zu planen, man kann nicht in mehr oder minder starrer Reihenfolge vom Punkt A beginnend in geografischer Reihenfolge vorgehen. Ein simples Frachtbeispiel: <\/p>\n<p>12er in Rheinbrohl,<br \/>\n12er in Bad H\u00f6nningen,<br \/>\n9er in Linz,<br \/>\n10er in Rheinbreitbach,<br \/>\n12er in Bad Honnef,<br \/>\n12er in K\u00f6nigswinter,<br \/>\n9er in Willmeroth.<br \/>\nDie \u00fcbrigen Pakete haben kein Zeitlimit.<\/p>\n<p>F\u00e4hrt man \u00fcber die B42, dauert die ununterbrochene Fahrt von Urmitz bis Willmeroth, dem in diesem Beispiel am weitesten entfernten Punkt auf der Landkarte, fast 90 Minuten. Komme ich also auf Grund irgendwelcher Umst\u00e4nde erst nach 07:30 Uhr vom Hof, wird die Sache problematisch. Ich kann die Fahrtzeit nach Willmeroth auf etwa 60 Minuten herabsetzen, indem ich (bei einer Geschwindigkeit von nicht mehr als 120 km\/h) \u00fcber die A48 zur A3 hoch und dann bis zur AS K\u00f6nigswinter fahre. Ausgehend von einer Abfahrt um halb Acht w\u00e4re es dann aber bereits halb Neun und ich m\u00fcsste bis um Neun in Linz am Rhein sein, aber dorthin gibt es keine flotte Verbindung vergleichbar mit der A3. Und dann w\u00e4re da noch der 10-Uhr-Termin in Rheinbreitbach. Theoretisch k\u00f6nnte ich von Linz aus Rheinbrohl und Bad H\u00f6nningen abdecken und w\u00fcrde den 10er immer noch schaffen \u2013 aber nur theoretisch. Denn da sind ja noch die Abholer, die sich irgendwann melden. In diesem beschriebenen Fall w\u00fcrde ich nach dem 9er in Linz die 12er in Bad H\u00f6nningen und Rheinbrohl fahren, dann den 10er in Rheinbreitbach, und dann die 12er in Bad Honnef und K\u00f6nigswinter, und dann kommt der fast t\u00e4gliche Solvay-Abholer in Bad H\u00f6nningen, Zeitlimit halb Drei. Das klingt einfach, aber zusammen mit anderen Abholern reicht diese Zeit nicht, in aller Gem\u00fctsruhe die nicht eiligen Pakete auf dem Weg nach S\u00fcden zuzustellen. Allein die Fahrzeit von K\u00f6nigswinter nach Bad H\u00f6nningen betr\u00e4gt eine Dreiviertelstunde, pro Zusteller kann man sich etwa 5 Minuten hinzudenken, weil ja nicht alle Kunden leicht erreichbar an der Hauptstra\u00dfe liegen. Ich w\u00fcrde also erneut an vielen Empf\u00e4ngern vorbeifahren, nur um den Solvaytermin zu schaffen. Dann m\u00fcsste ich f\u00fcr die normalen Zusteller noch mal ganz hoch in die K\u00f6nigswinterer D\u00f6rfer fahren und k\u00e4me auf dem R\u00fcckweg noch einmal in Bad H\u00f6nningen vorbei. Das ist nicht sehr effizient. Die L\u00f6sung sieht vielmehr so aus:<\/p>\n<p>Zuerst der 9er in Linz, anschlie\u00dfend der 10er in Rheinbreitbach, dann f\u00e4hrt man \u00fcber Bad Honnef und Aegidienberg (eigentlich Gel\u00e4nde der Nachbartour) nach Willmeroth, weil \u00fcber K\u00f6nigswinter ein Umweg w\u00e4re, h\u00e4lt eine Minute vor Neun auf dem Parkplatz vor der Instandsetzungshalle des Bergwerks H\u00fchnerberg in Willmeroth, krallt sich einen der Jungs dort, die bereits auf dem Weg in die Fr\u00fchst\u00fcckspause sind, und l\u00e4sst ihn  unterschreiben, bevor er \u00fcberhaupt wei\u00df, was er bekommt und bevor die Uhr im Scanner 09:00 anzeigt. Eine Sekunde nach Neun ist eine Versp\u00e4tung, die eine dreistellige Vertragsstrafe f\u00fcr den Fuhrunternehmer nach sich zieht, eine Toleranzzeit wie bei Transoflex (es waren angeblich 15 Minuten) gibt es bei TNT nicht. Und dann bleibt zu hoffen, dass die Zustellung leicht genug ist, um sie selbst vom Auto zu heben (Bergbauersatzteile sind mitunter schwer), oder darauf, dass man einen Mitarbeiter gefunden hat, der bereit ist, eine Minute seiner Pause daf\u00fcr zu opfern, sich nochmal auf den Stapler zu setzen. Ich habe nur einmal den Fall gehabt, dass ich die Unterschrift rechtzeitig von der Dame im B\u00fcro bekam, dann aber unter Hinweis auf die Pause bis 09:15 warten musste.<\/p>\n<p>Danach f\u00e4hrt man die 12er und schiebt normale Zustellungen ein, die entweder direkt auf dem Weg liegen oder so ung\u00fcnstig, dass man sie am Nachmittag lieber vermeiden m\u00f6chte, wie zum Beispiel Stieldorf oder Rostingen. Zum Zeitpunkt der Abholungen in Bad H\u00f6nningen sind dann nur noch eine Handvoll normaler Zustellungen \u00fcbrig und man kann sich im gro\u00dfen und ganzen auf Abholer konzentrieren. Die f\u00e4hrt man nat\u00fcrlich auch nicht, wie sie gerade reinkommen, sondern man tut das, was die Abweichung von der Transoflex-Routine ausmacht: Man darf nicht in eindimensionalen Linien, sondern muss in zweidimensionalen Gebieten denken. Mit etwas Erfahrung wei\u00df man, bei welchen Kunden die Gefahr wie hoch ist, dass sie was anmelden, und kann so nach Bauchgef\u00fchl beschlie\u00dfen, was man gleich anfahren kann oder sollte, und was man nach hinten verschieben kann oder sollte, um unn\u00f6tige Kilometer zu vermeiden. Statt einer Liste machte ich also eine Zeichnung mit den wichtigsten \u00d6rtlichkeiten mit Linien f\u00fcr die Stra\u00dfen, die sie verbanden und kurzen Notizen mit den wichtigsten Kunden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir kommen nun endlich zu einem v\u00f6llig neuen Kapitel meiner zweifelhaften beruflichen Laufbahn. Um den Titel zu erkl\u00e4ren: Im Rheinland bezeichnet man die rechte Rheinseite als die &#8220;sch\u00e4l Seit&#8221; (weiter n\u00f6rdlich von Koblenz auch &#8220;sch\u00e4l Sick&#8221;). Die Deutungsversuche verlieren sich im Dunkel der Geschichte; es k\u00f6nnte mit den linksrheinisch treidelnden G\u00e4ulen zusammenh\u00e4ngen, denen man zum [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1692,1694,1690,2159],"class_list":["post-2954","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitswelt","tag-arbeitsablaufe","tag-arbeitseffizienz","tag-arbeitsorganisation","tag-tnt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2954","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2954"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2954\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2960,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2954\/revisions\/2960"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2954"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2954"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2954"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}